


Ende Juni 2009 wurde der Vorschlag die Namen der Fadenfische zu ändern von Tan & Kottalat bestätigt: Artikel als pdf.
Karl-Heinz Roßmann (Leiter der Arbeitsgruppe Cotrips)
Habt ihr den letzten Makropoden gekriegt? Ja? Gut!
Habt ihr den Artikel von Jörg Töpfer gelesen? Nein? Schwerer Fehler!
In dem Artikel geht es zwar um ichthyologische Systematik und alte Literatur und längst vergessen geglaubte
Fischnamen und lauter so staubiges Zeug, aber es ist wichtig, dass wir uns damit beschäftigen, sonst machen
es andere. Und was dabei heraus kommt, kann in der Neuauflage des Mergus-Aquarienatlas besichtigt werden.
Da heißt es jetzt Colisa lalia, Trichogaster chuna, Trichogaster labiosus und
Polyacanthus fasciatus. Das ist natürlich haarsträubender Unsinn! Es ist für jeden Laien klar erkennbar,
dass die vier kleinen Fadenfischarten zu einer Gattung gehören und die vier großen zu einer anderen.
Nur, welche Gattungen sind das eigentlich? Und warum?
Um das Warum herauszukriegen, müsst ihr den Artikel von Jörg Töpfer lesen. Von Frank Schäfer gibt es im
Aquaristik-Fachmagazin vom Okt./Nov. 2003 einen sehr guten Artikel zum selben Thema, in dem er zu den selben
Schlüssen kommt wie Jörg Töpfer, nur erst einmal bei der gewohnten Namensgebung bleiben will, bis die noch
anzurufende Nomenklaturkommission gesprochen hat. Ich will das, was Jörg Töpfer in seinem Artikel schreibt,
zumindest in seinen Auswirkungen kurz zusammenfassen.
Die Vergabe des Namens Colisa war unberechtigt, weil die Typusart der Gattung schon lange gültig als
Trichogaster fasciatus beschrieben war. Hier hatte mal wieder einer seine Hausaufgaben nicht gemacht,
sonst hätte er das gemerkt. Weil nun aber der in die selbe Gattung gestellte Trichopterus mit Sicherheit
in eine andere Gattung gehört, ist er die Typusart der Gattung Trichopodus.
Die östlichen Fadenfische, also die großen dreieckigen mit der kurzen Rückenflosse heißen - und hießen schon
immer - richtig:
Trichopodus trichopterus
Trichopodus leerii
Trichopodus microlepis und
Trichopodus pectoralis.
Die - schon immer - gültigen Namen für die westlichen Fadenfische, also die kleinen, viereckigen mit der
langen Rückenflosse lauten
Trichogaster fasciatus
Trichogaster lalius
Trichogaster labiosus und
Trichogaster chuna.
Die veränderten Endungen ergeben sich aus der Tatsache, dass das Wort Colisa ein weibliches, das Wort Trichogaster aber ein männliches ist, und sich die adjektivischen Artnamen im Geschlecht nach dem Gattungsnamen richten. Chuna ist substantivisch und hat damit sein eigenes Geschlecht.
Und was hat das alles mit uns zu tun?
Mir persönlich leuchten die Argumente von Jörg Töpfer ein. Ich bin also dafür, in Zukunft die "neuen" Namen
zu verwenden und werde bei der Bestandsabfrage nicht mehr Colisa, sondern Trichogaster für die
westlichen und nicht mehr Trichogaster, sondern Trichopodus für die östlichen Fadenfische schreiben.
In der Cotrips-AG, die wir dann konsequenterweise auch umbenennen müssten (war ein Scherz), haben wir nun zusammen mit Trichopsis drei Gattungen, die mit Trich... anfangen. Der Name Cotrips bleibt. Aus Sentimentalität.
Menschen, die des Altgriechischen mächtig sind, werden mir zustimmen, dass das eine haarige Sache ist.
Paepke HJ (2009): The Nomenclature of Trichopodus pectoralis REGAN, 1910; Trichopus cantoris SAUVAGE, 1884 and Osphronemus saigonensis BORODIN, 1930 (Teleostei: Peciformes: Osphronemidae). -Vertebrate Zoology 59(1), 53-60.
Töpfer J & I Schindler (2009): On the type species of Trichopodus (Teleostei: Perciformes: Osphronemidae). -Vertebrate Zoology 59(1), 49-51.