
Während M. ocellatus recht hochrückig und seitlich
zusammengepreßt erscheint, weisen die M. ocellatus "Jangtse"
einen eher rundlichen Körperquerschnitt auf. Diese
Unterschiede treten schon bei etwa 1 cm langen Jungfischen auf. Der
bei Paepke erwähnte Stiernacken der Männchen findet sich
bei M. ocellatus "Jangtse" nur andeutungsweise. Die Beflossung der
M. ocellatus "Jangtse" ist weniger üppig. Paepke erwähnt,
daß sich die Ventralen nach einigen Generationen unter
Gefangenschaftsbedingungen verlängern können. Da ich
derzeit nur F1- und F2-Tiere pflege, konnte ich einen solchen
Effekt noch nicht beobachten.
Die Jungfische von M. ocellatus "Jangtse" sind hübsch
bronzefarben, die von M. ocellatus hellgrau bis weißlich. Die
Färbung der erwachsenen M. ocellatus ist kräftiger, vor
allem die Gesichtsmasken der Männchen sind sehr viel
kontrastreicher als bei den M. ocellatus "Jangtse", die insgesamt
verwaschenere Farben und auch weniger Glanzpunkte in den Flossen
zeigen.
Auch im Verhalten sind Unterschiede zu beobachten. Von Anfang an
fiel mir die ausgeprägte Scheu der M. ocellatus "Jangtse" auf.
Bei der geringsten Störung schießen die Tiere hektisch
im Becken umher und suchen, wenn möglich, Schutz am Boden und
im Mulm. Dieses Verhalten zeigen sie bei mir unter allen
Hälterungsbedingungen. Den Sommer über halte ich alle
Makropoden, außer M. concolor, in Wannen auf dem Balkon, die
mit Zwergseerosen oder Seekannen bepflanzt sind. Die
Oberfläche wird zusätzlich mit Muschelblumen und
Wasserhyazinthen abgedeckt. Die ocellatus verbleiben dort bis zum
ersten Frost. Den Winter verbringen sie dann in Wannen im Keller.
Zur Zucht setze ich die Tiere paarweise in Aquarien an. Die M.
ocellatus sind bei weitem nicht so scheu. Wenn auch M. ocellatus
bei weitem weniger aggressiv als die anderen Macropoden-Arten ist,
so verläuft doch die Balz sehr impulsiv. Nicht laichbereite
Weibchen können von den balzenden Männchen arg
zerschunden werden, wenn sie keine Rückzugsmöglichkeiten
haben. Typisch ist die helle, cremigweiße Färbung der
laichbereiten Weibchen. Diese Färbung habe ich bei den neuen
ocellatus nur andeutungsweise gesehen. Die Balz verläuft
anscheinend wenig spektakulär. Zumindest werden die Weibchen
nicht so heftig verfolgt und auch nach dem Ablaichen in der
Nähe des Nestes geduldet. Bei meinem letzten Ansatz war ich
völlig überrascht, als ich nach etwa einer Woche kleine
Larven im Becken entdecken konnte. Ich hatte zwar ein Schaunest
gesehen, aber weder habe ich das Männchen balzen, noch die
Umfärbung des Weibchen oder die typischen Angriffe
brutpflegender Männchen auf ihre Partnerinnen gesehen. Hier
könnte aber auch die extreme Scheu der Tiere eine Rolle
spielen, die durch meine Anwesenheit vor dem Becken gestört
waren.
Bei einer Art, die über ein so großes Verbreitungsgebiet
verfügt, das gesamte Gebiet erstreckt sich von Hongkong im
Süden bis zum Amur im Norden, sind natürlicherweise
Variationen zu erwarten. Solche Divergenzen können
verschiedene Ursachen haben. Da über den Fundort der M.
ocellatus "Jangtse" leider nichts bekannt ist, können wir nur
mutmaßen. Vielleicht handelt es sich um eine Anpassung an
andersartige Biotope, stehende Gewässer bei M. ocellatus ,
vielleicht Fließgewässer bei M. ocellatus
"Jangtse"?Denkbar wäre auch eine genetische Schädigung
durch übermäßigen Pestizideinsatz, wie er von
Christian-Peter Steinle für China (persönliche
Mitteilung) berichtet wurde.
Insgesamt ist es recht interessant solche Unterschiede innerhalb
einer Art beobachten zu können. Da die M. ocellatus "Jangtse"
aber insgesamt weniger attraktiv erscheinen als die M. ocellatus
werden sie es schwer haben, sich in unseren Aquarien zu
halten.
| Wer Interesse an Makropoden hat, kann sich zwecks
Erfahrungsaustausch mit dem Arbeitsgruppenleiter
in Verbindung setzen. |
![]() Macropodus opercularis |