IGL-Arbeitsgruppe Maulbrütende Betta - Eigentlich keine "Kampf"-Fische

1. Maulbrütende und schaumnestbauende Betta

Norbert Neugebauer (1994) "Beim Stichwort "Kampffische" denken Aquarienfreunde zuerst an die schleierflossigen Zuchtformen des siamesischen Kampffisches Betta splendens. Weniger bekannt ist, daß es sich bei den Kampffischen um eine sehr vielfältige, artenreiche und in Südostasien weit verbreitete Labyrinthfischgattung handelt. Die Maulbrutpflege hat sich nach bisherigen Wissen aus einem kleinen Schaumnestbauer entwickelt. Aus den Studien der Eioberfläche von Ralpf Britz wird derzeit geschlossen, daß sich alle Maulbrüter aus einem Urmaulbrüter entwickelt haben. Die Bette foerschi Gruppe ist in vielerlei Hinsicht noch eine sehr ursprüngliche Gruppe, also dem ursprünglichen Maulbrütern nahe Gruppe.
Sie verfügt über eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit, die es ihr ermöglicht, unterschiedlichste Lebensräume zu besiedeln". Labyrinther, speziell Betta, fühlen sich im Gesellschaft sehr wohl. Leider assoziiert alleine schon der Namen Kampffische das aggressive Kämpfen teils bis in den Tod zweier in einem kleinem „Gurkenglas" eingesperrter Betta splendens - Zuchtformen. Das Verhalten der durch menschliche „Wettlust" zu anormalen aggressiven „Kampftieren" gezüchteten Zuchtformen und die unnatürliche räumliche Situation von gereizten Männchen (die auch bei etlichen anderen Fischgruppen zu tödlichen Kämpfen führen würde) sollte man aber nicht auf das Verhalten einer derart vielfältigen Gruppe wie der Betta verallgemeinern. Der Name Kampffisch ist sicherlich für die meisten Betta-Arten recht unzutreffend, treffender ist hier schon die Bezeichnung Laubfisch für alle Betta - Arten, der sich auf den bevorzugten Aufenthalt aller Betta in der Nähe und in Laub im natürlichen Lebensraum bezieht. Selbst eine Gruppe mit zwei dominanten brütenden Männchen einer Wildform von Betta splendens vergesellschaftet mit Rasboren, Welsen, Schmerlen und kleinen Buntbarschen führte bei mir über Jahre hinweg kaum einmal zu einer Verletzung. Verwendet wurde ein mit verkrauteten Bereichen ausgestattetes 160-Liter-Gesellschaftsbecken, in dem die Kampffische auch über mehrere Jahre nachgezüchtet wurden. Es tritt zwar sehr wohl, besonders wenn die Tiere laichen, ein imposantes aggressives Verhalten auf, dies führt aber unter richtigen Haltungsbedingungen auch nicht zu mehr Verletzungen als bei anderen Arten. Einzelhaltung wie sie teils zum Schutz der extrem verlängerten Flossen bei den Schleierkampffisch -Zuchtformen angewandt wird, ist sicherlich für alle natürlichen Arten insbesondere aber den Maulbrütenden Laubfische falsch, da speziell die Maulbrüter überwiegend ein sehr friedfertiges und teils sogar gruppenorientiertes Sozialverhalten entwickelt haben. Die Jungen sind verglichen mit den Schaumnestbauern im elterlichen Maul gut geschützt und zudem "transportabel". Sie sind beim Verlassen schon sehr groß und völlig selbständig. Entsprechend ist bei den Maulbrütern im Vergleich zu den Schaumnestbauern ein sehr viel weniger aggressives territoriales Verhalten nötig, ganz im Gegenteil die Tiere leben im Biotopen mit weniger Deckung oftmals sogar in einem größeren Trupp bis hin zu einem kleinem Schwarm gemischt zusammen mit Jungtieren. So konnten z.B. sechs erwachsene B. akarensis „Sipitang, Sabah" ohne Problem in einem 60 Liter fassenden Becken laichen, ohne daß es zu Beißereien gekommen ist.

2. Maulbrüter konnten in vielfältige strömende Lebensräume vordringen.

Die richtigen Haltungsbedingungen sind maßgeblich von den natürlichen Lebensbedingungen abhängig, und somit der Schlüssel zur erfolgreichen Haltung und Zucht. Es stellt sich also die Frage, in welchen typischen Gewässertypen leben unsere Pfleglinge und welche Anforderungen ergeben sich daraus. Es lassen sich hier einige wesentliche Gruppen unterscheiden:

2.1. Hartes Wasser

Hartes Wasser besitzt einen hohen Kalkgehalt. Sehr viele Arten, selbst Schwarzwasserarten sind verhältnismäßig tolerant gegenüber verschiedenen Salzen, z.B. Kochsalz, das zur Behandlung von Infektionen verwendet werden kann. Der Kalkgehalt des Wassers (KH) hingegen ist oftmals eine Kenngröße, auf die die Tiere sehr empfindlich reagieren, zumindest für die Zucht.

Gewässer mit ganzjährig hartem Wasser sind in Malaysia, Indonesien und Südthailand selten anzutreffen. Einer der Ausnahmefische, der solche für hiesige Bedingungen extreme Gewässer bewohnt, scheint Betta simplex zu sein. In dessen Verbreitungsgebiet herrschen nach bisherigen Erkenntnissen ganzjährig < 8° KH. Die Tiere stammen aus einem Quelltopf mit hartem Klarwasser. Klassisches Weißwasser ist in diesen Ländern, außer als Folgeerscheinung von Abholzung, äußerst selten. Fische die aus hartem Wasser stammen, reagieren oft kurzfristig tolerant gegen Weichwasser, sind aber darin langfristig vielfach anfällig, wirken nach längerer Haltung aufgeschwemmt und sind unproduktiv bei der Nachzucht - dies sind übrigens die gleichen Symptome die extremes Weichwasser bewohnende Arten in zu hartem Wasser zeigen.

Weit häufiger sind in Südostasien saisonal harte Gewässer, d.h. Gewässer die in trockeneren Monaten über 12°dHG und in den regenreichen Monaten nur mehr eine Gesamthärte 0 - 2° dHG besitzen. Saisonal harte Gewässer sind z.B. auf der Insel Borneo (die man durchaus wegen der enormen Artenfülle als „die Insel der Maulbrüter" bezeichnen kann) wegen des überwiegend nicht Kalk emittierenden Gesteins äußerst selten. So konnte ich nur bei ca. 2-3% der Fundorte in abgeschwächter Form hartes Wasser mit Gesamthärten von 8° bis maximal 12°dHG nachweisen. Die größeren Bäche z.B. im gebirgigen Nordostborneo verwandeln sich, nach einigen trockenen Monaten, in nur mehr wenig fließende Wassersenken im ehemaligen Bachbett. Diese beinah stehenden Gewässer sind durch die hohe Verdunstung und die geringe Fließgeschwindigkeit häufig sehr mineralreich. Nur in den wenigen, im Laub der Wälder verlaufenden seichten Quellbächen, finden die Tiere jetzt noch ideale Bedingungen. Ein typisches Beispiel für eine derart eingenischte Art ist Betta unimaculata "Tawau Kampong Imam"" von Sabah auf Borneo. Die Art ist ohne Probleme in sehr hartem Wasser z.B. über 24 dHG zu züchten. Dies ist aber sicherlich ein Extremfall, die übrigen Fundortvarianten von Betta unimaculata sind zwar weitgehend auch ohne Probleme in solchem Wasser zu halten, tragen aber bei dieser Karbonathärte seltenst oder gar nicht aus. Die Mehrzahl der Varianten/Arten der klassischen Bergbach bewohnenden Artengruppen wie Betta picta, Betta unimaculata, B albimarginata und Betta pugnax sind diesem Wassertyp zuzuordnen. Diese tropischen Arten benötigen 3-6° KH und ca. 5,5 Ph also leicht saures und nicht extrem weiches Wasser zum erfolgreichen Austragen der Brut. Für asiatische Verhältnisse sind solche Wassertypen „steinhart", wenn gleich dies verglichen mit überwiegenden deutschen Leitungswasser natürlich als extrem weich klassifiziert werden muß.

2.2. Weichwasser

Weichwasser entsteht durch Regenfälle auf Untergrund der wenig Kalk bzw. allgemein Salze abgibt. Dieser Wassertyp ist instabiler gegen Ansäuerung als hartes Wasser, d.h. so kann es sogar durch biologische Prozesse wie etwa der Zersetzung von Laub (Zellulose) zu einer Ansäuerung des Wassers bis zu ca. 3,5 pH kommen. Um stabile Bedingungen zu erreichen sind, hier Puffer, wie etwa Huminstoffe, besonders wichtig. Mit dem Gehalt an Huminstoffen lassen sich zudem zwei wichtige Varianten des Weichwassers (Schwarzwasser und Klarwasser) unterscheiden. Dieser Wassertyp herrscht vor im äquatorialen Südostasien, aus dem die überwiegende Zahl der Maulbrüter stammt.

Schwarzwasser ist eine Abart von sehr weichem Klarwasser, das durch Zersetzungsprodukte von pflanzlichen Material (Laub, Holz, Torf, etc. ) braun gefärbt ist. Da an den Fundorten von extremen Schwarzwasser meist auch ein sehr saurer pH-Wert vorherrscht, ist es weitverbreitet, unter Schwarzwasser saures und an Huminstoffen reiches Wasser zu verstehen. Unterstützt wird diese sinnvolle aber vereinfachte Vorstellung dadurch, daß Klarwasser am Fundort selten sehr sauer ist. Es lassen sich extreme Schwarzwasserarten der Artengruppen Betta foerschi und Betta coccina und die weniger extremen Schwarzwasserarten Artengruppen/Gattungen wie Betta akarensis, Betta dimidiata, Betta anabantoides, Betta fusca, Betta schalleri, Betta edithe, Luciocephalus und Sphaerichtys unterscheiden. Die extremen Schwarzwasserarten benötigen mit 3,5 bis 5,5 pH extrem saures Wasser und mit <= 1° KH einen extrem geringen Kalkgehalt des Wassers. Die weniger extremen Schwarzwasserarten sind auch mit 2-4°KH, also in leicht saurem weichem Wasser, noch gut zu züchten. Zur Herstellen von Schwarzwasser ähnlichem Wasser kann Laub, Torf als Filtersubstrat, zudem etwas Eichen- und Torfextrakt in Regenwasser oder einem anderen entsaltzten Wasser (z.B. aus Destillation, Umkehrosmose, Ionentausch etc. ) verwendet werden. Der Umgang mit Schwarzwasser ist nicht ganz unproblematisch, hier ist es am einfachsten für Ungeübte, sich Hilfestellung direkt bei Züchtern oder Funktionsträgern in der IGL zu holen. Die Adressen finden Sie auf den entsprechenden WEB-Pages.

Strömungsbiotope: Wesentlich neben dem chemischen Wassertypen ist generell zu beachten, daß alle Maulbrüter sehr empfindlich gegen zu hohe Temperaturen und zu geringen Sauerstoffgehalt sind. Eine deutliche Strömung, gute Wasserqualität und Temperaturen nicht über 24-26°C sind pauschal zu empfehlen. Hierin dürfte auch der wesentliche Knackpunkt bei Zuchtproblemen zu suchen sein. Im besonderen gilt dies natürlich für Bergbäche bewohnende Arten. In solchen extrem strömtenden Biotopen halten sich die Maulbrüter überwiegend in der Gewässersole zwischen groben Steinen auf, oder in ruhigeren Ausbuchtungen. Bei starken Regenfällen kann hier zwar binnen Stunden kühleres Wasser aus höheren Lagen in den Lebensraum fließen, vor höheren Temperaturen sind die Tiere im natürlich erhaltenen Biotopen aber relativ sicher. Einige Arten reagieren daher auf zu warmes Wasser sehr empfindlich.


Sollten Sie darüber hinaus genaue Informationen zu den natürlichen Lebensräumen und daraus resultierenden Anforderungen für die Haltung suchen, sind Ihnen hierfür besonders die Bücher "Labyrinthfische in Farbe" (Horst Linke, Tetra Verlag, Münster) und "Kampffische - Wildformen" (Robert Donoso Büchner und Jürgen Schmidt, Bede Verlag, Ruhmannsfelden) zu empfehlen.

3. Mit Betta unimaculata fing alles an

Norbert Neugebauer 1994: „Lange Zeit standen alle anderen Kampffischgruppen im Schatten der eigentlichen Kampffische des Formenkreises Betta splendens. Es beschäftigten sich nur ein paar wissenschaftliche Spezialisten mit den anderen Gruppen. Diese brachten einige Male Wildfänge aus Thailand mit. Auch in der IGL gab es zur Gründerzeit nur ein paar wenige Arten. Über den Handel war Betta pugnax ( CUVIER & VALENCIENNES,1846) manchmal erhältlich, später dann der, der Gattung Namen gebende, Betta picta (CUVIER & VALENCIENES, 1846). Andere längst beschriebene Arten existierten nur als "Spritleichen" (konserviertes Material) in Museumsarsenalen und waren entweder noch nicht lebend eingeführt oder nicht erkannt worden. Da keine entsprechende Nachfrage vorgelegen hatte, interessierten sich auch die Exporteure und Importeure nicht dafür. Das änderte sich erst durch die individuellen Reisen einiger Unerschrockener in die südostasiatischen Heimatgewässer zum Ende der Siebziger Jahre. Edith Korthaus, unser ebenfalls verstorbenes Ehrenmitglied Dr. Walter Foersch mit Gattin und vor allem der noch immer unermüdlicher Horst Linke waren die Pioniere auf diesem Gebiet. Unter anderem brachten sie Erste neue Maulbrüter zu uns, züchteten sie und berichteten ausführlich darüber. So verbreiteten sich z.B. Betta unimaculata (POPTA, 1905), Betta edithae (VIERKE, 1984) und Betta picta, recht schnell nicht nur innerhalb unserer Gemeinschaft". Dank vorbildlicher konstanter züchterischer Leistung, etwa wie von Gottfried Prantl aus Franken, der Betta unimaculata vom Fundort "Kampong Imam" kurz nach der Einfuhr erhalten hat, und sie schon seit bald zwanzig Jahren züchtet, sind sogar einige der Stämme aus diesen ersten Fangexpeditionen noch erhalten. Zu den ersten Arten kamen im Lauf der 20 Jahre Dank vieler erfolgreicher Fangreisen und hervorragender Zuchtleistungen immer mehr maulbrütende Arten. Inzwischen sind mehr als 100 klar unterscheidbare Arten bzw. Fundortvarianten von maulbrütenden Betta bekannt geworden, die sich nach derzeitigem Wissensstand in ca. 12-15 Artengruppen (K.E. Witte, „Betta Key") und vier Formenkreisen (J. Schmidt, „Vergleichende Untersuchungen zum Fortpflanzungsverhalten der Betta - Arten) zuordnen lassen. Das anfängliche Bild der Gattung Betta hat sich mittlerweile ungekehrt, es sind nach derzeitigem Wissenstand wesentlich mehr maulbrütende Arten in der Gattung vorhanden, als Schaumnestbauer.

4. Formenkreise / Artengruppen und deren Bedürfnisse

Die Gattung Betta ist sehr vielfältig im Aussehen, der Einnischung in spezifische Lebensräume und dem Verhalten. In der Folge bekommen Sie einen sehr groben Überblick über die verschiedenen Formenkreise und deren wesentlichen Charakteristika. Derzeit lassen sich nach Dr. Jürgen Schmidt in vier wesentlliche Formekreise unterscheiden. Diese Formenkreise lassen sich nach dem Schlüssel von Kai Erik Witte noch weiter in Artengruppen untergliedern. Welche Merkmale sind nun charakteristisch für die jeweiligen Gruppen und welche Lebensräume sind typisch für die darin enthaltenen Arten.

4.1. Betta picta
4.2. Betta pugnax
4.3. Betta unimaculata
4.4. Betta foerschi


Sollten Sie detailliertere Informationen zu den Unterschieden zwischen den Arten und umfassende Fotodokumentation suchen, ist Ihnen das Heft "All Labyrinths" (A.C.S.Verlag, Mörfelden -Walldorf ), mit dem darin enthaltenen Betta Key von Kai Erik Witte empfohlen. Die umfassende Darstellung der Fortpflanzungsbiologie und eine Übersicht mit umfassenden Analysen zur Charakteristik der Formenkreise finden Sie in "Vergleichende Untersuchungen zum Fortpflanzungsverhalten der Betta - Arten" (Jürgen Schmidt, Natur und Wissenschaft, Solingen). Ralf Britz hat die Verwandtschaftsverhältnisse mittels der Eioberflächenstruktur analysiert und es kann aufgrund seiner Analysen vermutet werden, daß die Maulbrütenden Betta sich nur einmal entwickelt haben und danach erst verzweigten, in die heutigen sehr vielfältigen Arten. Derzeit wird die ganze Gruppe Genetisch analysiert, erst danach sind sichere abschließende zusammenhänge eindeutig

5. Übersichtstabelle der Arten und Varianten der Maulbrütenden Betta

- mit allen bisher in der IGL geführten Arten und Fundortvarianten an maulbrütenden Betta, sowie dem Zugehöriten Formenkreis, Artengruppen, Artstatus, allen bisher verwedeten Synonymen, dem exakten Fundort und eine grobe Beschreibung, von wem sie wann eingeführt wurde und welche Charakteristika sie zu anderen Varianten unterscheidet. Wofür braucht man eine solche Liste? - werden Sie sich denken. Als Arbeitsgruppenleiter gibt es tatsächlich erschreckend viele verschiedene Fälle in denen ich nur aufgrund der Liste Fragenden weiterhelfen konnte. So wird häufig eine Art/Variante gesucht, von der z.B. nur Fundort, die Person die Sie eingeführt hat, oder das Einfuhrdatum bekannt ist. Häufig ist auch der umgekehrte Fall: Mein Gegenüber hat einen Fisch und weiß nicht (mehr) wie die Fundortvariante heißt bzw. wer sie eingeführt hat. Leider kommen auch sehr häufig Fragen aufgrund nicht mehr nachvollziehbarer Änderungen in der Bestandsliste, wodurch Arten / Varianten einfach verschwinden oder vermischt werden. Ursache ist oftmals daß die Fundortbezeichnung absichtlich oder unabsichtlich geändert wurde, die Varianten wurden beschrieben und tragen neuen Namen oder einfach ohne Hinweis zum Synonym erklärt (bzw. einfach übersehen). etc. etc.
In vielen Fällen kann die Liste mit der Angabe aller mir bekannt gewordenen Synonyme weiterhelfen, hilfreich auch die Angabe der Formenkreise bzw. der Artengruppen. Vollständigkeit und Richtigkeit ist bei derzeit ca. 90 enthaltenen Arten / Varianten eine schöne, aber leider auch sehr theoretische Sache. In der Liste wurden von mir alle gültigen Namen aufgenommen. Egal, ob Sie von dem einen oder andern Ichtyologen, als ungültig angesehen werden, oder ob ich den Erstbeschreiber „mag oder nicht mag"
J. Es gilt hier der Rechtssatz, der „Gültigkeit der Aussage, bis zum Gegenbeweis". Darüber hinaus sind seit 1994 alle Fundortvarianten der Bestandsliste enthalten, ergänzt durch bekannt gewordene frühere Varianten und im Handel erschienenen Arten bzw. Varianten. Fundortnamen wurden prinzipiell nur nach Rücksprache mit Kai Erik Witte und/oder Dr. Jürgen Schmidt und Absprache mit dem Ersteinführer bzw. maßgeblichen Züchter der Art zum Synonym degradiert. Bei der Fülle der Fundorte führt dies dazu, daß nicht mehr alle Varianten hinterfragt werden konnten, und daß andererseits eventuell auch einzelne Varianten durch den händischen Übertrag verloren gegangen sein könnten. Das Entwickeln einer Überarbeitung sollt an anderer Stelle fundiert und umfassend mit Studien erarbeitet und veröffentlicht werden, erst danach sollte das Ergebnis in der Liste geändert werden. Es ist leider eine Tatsache, daß sehr viele (selbst der professionellen) Labyrinthfischbegeisterten sehr häufig, in dem sehr starken Veränderungen unterworfenen Wirrwarr der Arten und Fundortbezeichnungen, keine eindeutigen Zuordnungen mehr vornehmen können. Aus diesem Grund wurde eine kurze Spalte mit spezifischen Charakteristika der Arten hinzu gefügt. Leider ist es selbst auf Nachfragen kaum möglich gewesen die Liste annähernd vollständig zu gestalten. Bei den Fundortbezeichnungen beschreibt der erste Name den dem Fundort nächsten kleineren Ort oder den genauen Gewässernamen. Danach folgt durch Komma getrennt die nächst größere Stadt. bzw. das Flußsystem. Für Fließgewässer wurde die Abkürzung Sg. Für Sungai verwendet.
Trotz dem die Liste bei mehreren Tagungen ausgehängt und diskutiert wurde, im offiziellen Organ der IGL dem „Makropoden" erschienen ist, ist Aufgrund der Fülle der Informationenen klar, daß immer noch einzelne Fehler, bzw. Lücken enthalten sind. Wer generell noch Detailinformationen zu der Liste liefern kann sei hiermit gebeten mir dies einfach zu Maien oder die Liste auszudrucken und rein zu schreiben und an mich zu schicken - Danke.

Verwendete Kürzel in der Tabelle:
GL
= Gesamtlänge
KEW = Kai Erik Witte
DJS = Dr. Jürgen Schmidt
Dic = P. Dickmann

Artenliste als Tabelle in Excel-Format downloaden/ öffnen



6. Zucht

Einige Anmerkungen zur Zucht der verschiedenen Gruppen und zur Aufzucht der Jungtiere :
Die Geschlechter sind bei den maulbrütenden Betta überwiegend an der größeren Beflossung und den bunteren Farben der Männchen gut zu unterscheiden. Zudem weisen die Männchen im Vergleich zu den Weibchen einen deutlich größeren Kopf auf. Prinzipiell beginnt das Balzspiel mit dem Absondern des Pärchens von der Gruppe. An intensivem Flossenspreizen und Umfärben in die charakteristische Laichfärbung der Partner ist dies meist gut zu erkennen. Die Laubfischmännchen verlieren in der Balz die gestreiften Normalfärbung, präsentieren sich überwiegend in flächig, wesentlich dunklerer Grundfärbung, so daß die blauen und roten Farbtöne deutlicher hervortreten. Die Weibchen bieten überwiegend stärkere, hell und dunkel kontrastierende Linien. Die Partner schwimmen dann zunächst auffällig nah zusammen, synchronisieren oft das Luftholen, abwechselnd mit Umkreisen bei gespreizten Flossen. Zwischenzeitlich werden vorwiegend vom später nicht brutpflegenden Partner (dem Weibchen) andere zu nah kommende Fische vertrieben. Bei den meisten Laubfischen (außer Formenkreis B. foerschi und B. unimaculata ) werden einige Eier abgegeben und zunächst vom Weibchen von der Afterflosse des Männchens übernommen, danach kommt es zum Übergabespiel. Die Partner stellen sich seitlich fast parallel. Das Weibchen spuckt einige Eier kurz aus und nimmt sie wenig später wieder auf. Es wirk wie ein Spiel, als wolle sie ihn ärgern. Nur wenn er es schafft, schneller als sie zuzuschnappen, kann er Eier erwischen. Ist das Männchen zu langsam, nimmt sie die Eier wieder zurück. Nachdem das Paar die Eier übergeben hat, steht in der Regel das Männchen mit einer in „Tarnfarbe" geänderten Körperfärbung, in einem Versteck. Sollte das Männchen sich direkt unter der Wasserfläche befinden, ist häufig der Sauerstoffgehalt des Wassers zu gering und sollte nichts unternommen werden, verliert man in der Regel die Brut. Im Regelfall nach 3 Tagen schlüpft die Brut im Maul der Männchen, dies ist ein kritischer Termin, zu dem das Männchen die Brut oft verschluckt. Unnötige Störungen durch den Pfleger oder andere Fische sollte man zu verhindern versuchen. Nach ca. zwei Wochen, abhängig von der Art, der Konstitution der Alttiere, der Temperatur und einigen anderen Einflußfaktoren, spuckt das Männchen die Jugen aus. Diese halten sich zumeist ein wenig an der Oberfläche auf und verstecken sich dann bald im Laub des Bodengrundes, in dem Sie bestens getarnt sind. Die jungen maulbrütenden Laubfische sind ideal mit Artemia oder anderem feinem Lebendfutter zu füttern, das sie dank Ihrer größe (im Vergleich zu Schaumnestbauer) sofort aufnehmen können. Die Alttiere stellen den Jungen bei ausreichender Fütterung überwiegend wenig nach.

Sollten Sie detaillierte Probleme oder weitere Fragen zur Zucht von maulbrütenden Betta haben, sei Ihnen die sehr umfassende Artikelreihe über die Zucht von Maulbrütende Labyrinthfische in der Zeitschrift "Das Aquarium" (11/2000 bis 06/2001) empfohlen. Die einfachste Methode an fachlich kompetente Informationen zu kommen, ist aber sicherlich die nächst gelegenen Züchter, den entsprechenden Regionalgruppenleiter oder den Arbeitsgruppenleiter der IGL direkt zu befragen - hier bekommen Sie sicherlich noch detailliertere Infos, genau auf Ihr Problem zu geschnitten.

7. Wie kommen Sie an solche Arten?

Über den Handel sind leider nur selten maulbrütende Betta erhältlich, daher würde ich Ihnen empfehlen sich, am einfachsten mit Ihrem nächstgelegenen Regionalgruppenleiter in Verbindung zu setzten. Er kann Ihnen in den meisten Fällen einen nahegelegenen Züchter der Art weitervermitteln. Sollen er Ihnen nicht weiter helfen können, können Sie sich auch gerne mit mir in Verbindung setzen oder sie kommen einfach zu einem Treffen. Sie sind natürlich herzlich eingeladen zu einem Treffen der nächst gelegenen Regionalgruppe oder auch auf die große IGL-Tagung die zweimal im Jahr stattfindet.

8. Anmerkung des Arbeitsgruppenleiters

Lieber Leser, ich hoffe ich konnte Ihnen in dieser kurzen Form einige Basisinformationenen zum Thema maulbrütende Betta vermitteln. Ich möchte mich noch bei Norbert Neugebauer und Kai Erik Witte und Dr. Jürgen Schmidt bedanken, daß Sie die WEB-Page für mich Korrektur gelesen haben und mir reichlich Infos hinzugesteuert haben. Abschließend wünsche ich Ihnen viel Glück und Spaß bei der erfolgreichen Zucht und Beobachtung dieser Tiere. Wer Interesse an maulbrütenden Bettas hat, kann sich zwecks Erfahrungsaustausch mit mir Arbeitsgruppenleiter in Verbindung setzen

Philipp Dickmann
E-Mailadresse: philipp@dickmann-s.de
Postadressse: Rotterstr. 37, 85567 Grafing

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