Haltung und Zucht des Gebänderten Kampffisches Betta taeniata

Dr. Jörg Vierke

Vor einigen Wochen erhielt ich einen Sonderdruck von Freunden aus England. Das Ehepaar Brown schickte mir einen gut bebilderten Aufsatz über eine Sarawakexpedition im Sommer 1986. Der Bericht war in einer malaiischen wissenschaftlichen Zeitschrift erschienen (The Sarawak Museum Journal) und enthielt Fotos von einem als "Betta spec. affin. edithae & affin. foerschi" bezeichneten Fisch. Ich erkannte sofort, daß es sich um dieselbe Spezies handelte, die ich mit Jürgen Rösler in Sarawak gefangen hatte und die ich als Betta taeniata bestimmen konnte. Die Browns hatten die Fische also schon ein volles Jahr vor uns gefangen, allerdings ohne sie zu identifizieren. - Wir fanden diese Kampffische einige Kilometer südlich von Serian in den Regenwaldbächen Südwest-Borneos. Es war nicht einfach, mehrere Tiere zusammenzubekommen, denn häufig waren diese versteckt lebenden Fische keinesfalls. Kein Wunder, daß es seit der Erstbeschreibung fast 80 Jahre dauerte, bis die Fische wiederentdeckt werden konnten.

Betta taeniata-Biotope auf Borneo / Maulbrütendes Männchen
Obere Reihe - Am Fundort vom Gebänderten Kampffisch Betta taeniata im Regenwald von Sarawak (Nordwest-Borneo). Kinder helfen beim Fangen! Untere Reihe - Ein maulbrütendes Betta taeniata-Männchen. Der Kehlsack mit den darin befindlichen Eiern ist deutlich ausgebeult. - (Foto: Verfasser)

Die Geschichte von Betta taeniata ist eine Geschichte von Fehlidentifizierungen. Auch ich hielt vor einigen Jahren eine andere Art für diesen Fisch. Die ehemals für Betta taeniata gehaltene Art habe ich im Juniheft als eine wissenschaftlich neue Art, als Betta climacura, beschrieben. Skeptiker werden fragen, wie sicher denn nun die neue Identifikation ist. Ich kann diese Vorbehalte gut verstehen. Über die besonderen Schwierigkeiten, die die Systematiker gerade mit der Gattung Betta haben, hatte ich schon an anderer Stelle berichtet: Große Ähnlichkeiten der oft sehr nahe verwandten Arten und unzulängliche Originalbeschreibungen. Hier helfen nur die Untersuchungen der in den Museen gelagerten Typussexemplare. Leider sind die bei einigen Arten nicht mehr auffindbar, andere sind nur noch schlecht erhalten. Ich habe einen der Syntypen aus dem Londoner Naturhistorischen Museum zur Untersuchung erhalten und - neben der Übereinstimmung im Hinblick auf Schuppen-, Flossenformeln und vielen anderen Details - auch eine Übereinstimmung gefunden, die nicht aus der Originalbeschreibung hervorging. Auch die sonst guten Abbildungen in der REGAN'schen Originalbeschreibung zeigten dieses Zeichnungsmerkmal leider nicht! Insofern war eine Fehlidentifizierung nur an Hand der Originalbeschreibung und ohne Untersuchung der Typen verständlich. Das Merkmal, von dem hier die Rede ist, ist ein typischer Schwanzwurzelfleck und seine Lage! Wie die Fotos zeigen, ist der Fleck keinesfalls immer zu erkennen. Er liegt direkt im Schwanzflossenursprung und ist deutlich von den Längsstreifen abgesetzt. Man hat den Eindruck, daß er nicht in der Fortsetzung der unteren Längsstreifen liegt, sondern höher, gewisser maßen im hellen Band zwischen den dunklen Streifen. Daß dieser Eindruck bei genauerer Betrachtung täuscht, ist hier nebensächlich; zweifellos läßt dieser Fleck sich von der Herkunft her als unterbrochene Fortsetzung des mittleren Längsstreifens verstehen. Wie zur Irreführung des Betrachters biegt dieser Streifen oft auf der letzten Schuppe schräg nach unten ab. Der schwarze Schwanzwurzelfleck ist übrigens typischerweise allseits von einem hellen Hof umgeben.

Einen derartigen "Augenfleck" hat noch eine weitere Betta-Art, die aus Sumatra und Java stammende Betta picta. Offensichtlich handelt es sich hier um den nächsten Verwandten zum taeniata - als ich den ersten taeniata-Wildfang in seinem Fangbeutel inspizierte, glaubte ich zunächst, einen großen picta vor mir zu haben. Tatsächlich ist die unterschiedliche Größe bezeichnend: von 50 erwachsenen Java-picta, die ich untersuchen konnte (darunter übrigens 46 Männchen!) war keines größer als 51 mm. Die B. taeniata-Männchen erreichen "spielend" eine Gesamtlänge von 75 mm, so groß ist momentan mein größtes Männchen, das zweitgrößte mißt etwa 70 mm.

Auch wenn B. taeniata deutlich größer als B. picta wird, zu den Großen unter den maulbrütenden Betta gehört er nicht. Betta climacura, Betta pugnax, B. anabatoides oder B. unimaculata werden noch wesentlich größer. B. taeniata gehört in eine Mittelklasse, während der B. picta zu den Zwergen innerhalb der maulbrütenden Betta zu zählen ist.

Betta taeniata
(Foto: Verfasser)

Ich brauche auf das Aussehen der taeniata sicher nicht weiter einzugehen, denn die Fotos zeigen alles. Als besonderer Schmuck sei aber der herrlich blaue Rand der Afterflosse erwähnt, der sich im unteren und mittleren Teil der Schwanzflosse noch fortsetzt. Auch diese Merkmale trifft man, wenn auch in wesentlich abgeschwächterer Form, bei der aus Java stammenden Form des Betta picta an. Und noch eine Gemeinsamkeit mit dem picta sei betont, eine besonders erfreuliche Eigenschaft. Auch Betta taeniata gehört zu den ganz wenigen maulbrütenden Kampffischen, deren Zucht nur vergleichsweise geringe Schwierigkeiten macht. Die größten Probleme bereiten die Gebänderten Kampffische sicherlich, wenn man sich ein Zuchtpaar zusammenstellen will. Anders als bei den meisten anderen maulbrütenden Betta sind die Geschlechter hier nur sehr schwer zu unterscheiden. Die herrliche Blauzeichnung der Kiemendeckel, die auf den Fotos nur die Männchen zeigen, tritt außerhalb der eigentlichen Laichzeit nämlich in beiden Geschlechtern in gleicher Intensität auf. Dasselbe gilt für die Blaufärbung von After- und Schwanzflosse. Auch haben die taeniata-Männchen nicht die weit ausgezogenen, keilartig verlängerten Schwanzflossen, wie wir sie von Betta climacura oder B. pugnax kennen. Beim Unterscheiden der Geschlechter ist man auf den Laichansatz der Weibchen angewiesen. Klar, daß man den nicht jederzeit als Erkennungshilfe nutzen kann. Mit etwas Erfahrung ist es dem Betta-Kenner allerdings möglich, die Weibchen an ihrer etwas gedrungenen, kompakteren Körperform und den vielleicht etwas kürzeren Bauchflossen zu erkennen. Sicher sind diese Merkmale aber nicht.

Die Pflege der taeniata ist relativ problemlos. In zu kleinen Aquarien kann es geschehen, daß unterlegene Tiere, in der Regel die Weibchen, ganz kräftig malträtiert werden; ich habe jedoch noch nicht gesehen, daß eine derartige Streiterei mit Todesfolgen ausgegangen wäre. Natürlich sollte man im Zuchtbecken für ausreichend Versteckmöglichkeiten sorgen!

Im Gesellschaftsaquarium bereiten die Gebänderten Kampffische keine Probleme. Es sind ruhige Fische, die oft und gern zwischen Pflanzen oder unter Holz in Deckung stehen. Sie lernen jedoch bald den Pfleger als Futterquelle kennen. Sobald man am Aquarium erscheint, gehören sie zu den ersten, die nach Freßbarem Ausschau halten. Die Gebänderten Kampffische nehmen alles Futter und können sich ohne Schwierigkeiten gegen Fische vergleichbarer Größe durchsetzen, ohne dabei lästig oder gar zur Gefahr für die Mitbewohner zu werden. Insofern sind sie also ideale Gesellschafter.

Selbst im Gesellschaftsaquarium habe ich die Betta taeniata ablaichen sehen. Es ist ohne weiteres möglich, das laichtragende Männchen mit dem Netz herauszufangen und es dann zum Erbrüten der Eier in ein gesondertes Aquarium zu überführen. Ich habe das schon zweimal gemacht, in keinem Fall hatte der Vater den Laich ausgespuckt. Bei einer Gelegenheit hatte ich kein leeres Extra-Aquarium, es stand nur ein 2-Liter-Weckglas zur Verfügung. Der etwa einwöchige Zwischenaufenthalt hatte weder dem Vater noch der Brut geschadet. Zum Entlassen der Brut sollte man dem Vater jedoch ein gut eingerichtetes, mindestens 10- oder besser 20-Liter-Aquarium gönnen. Andernfalls steht zu befürchten, daß der Vater die Brut nicht freigibt und sie im Maul zurückhält, bis sie schließlich verhungert.

Zweifellos ist es für die Haltung und die Zucht idealer, wenn man ein Paar einzeln in einem Aquarium hält. Ein 20-Liter-Aquarium ist völlig ausreichend. Mit Pflanzen, Steinen und kleinen Kienholzwurzeln kann man auch solche Aquarien attraktiv einrichten. Hier kann man die Tiere gut mit Lebendfutter versorgen und ihnen die optimalen Wasserbedingungen geben.

Lebendfutter ist sicher zur Haltung kein "Muß"; ich probiere solche Sachen nicht aus. Zur Zucht ist Lebendfutter aber bestimmt von Vorteil! Mit Vorliebe werden, wie von den meisten Fischen dieser Größe, die Weißen Mückenlarven (Glasstäbchen) gefressen, gern aber auch Tubifex und anderes Tümpelfutter. Die Wasserwerte scheinen für eine erfolgreiche Zucht wenig bedeutend zu sein. Bei Gesamthärtegraden um 10 und bei neutralem Säuregrad hatte ich nie Probleme. Auch die Zuchttemperaturen können in dem weiten Bereich zwischen 22° und 30° C schwanken, klar, daß man im Zweifelsfall mittlere Temperaturen vorziehen sollte! Eine Filterung ist sicher nicht von Schaden, notwendig ist sie mit Sicherheit nicht. Ich bin bei meinen B. taeniata-Zuchten bisher immer ohne Filter ausgekommen.

Betta taeniata ablaichend. Fotos: Dr. Jörg Vierke
1. Zum Ablaichen umkreist sich das Betta taeniata-Paar
2. Aus der Umkreisung wird eine Schlinge
3. In dieser Situation legt das Weibchen mehrere Eier in die Körperbeuge des Partners
4. Hier sammelt sie die Eier auf.
5. Anschließend stellen sich die Fische gegenüber und ...
6. ... das Weibchen spuckt dem taeniata-Männchen die Eier zu!

(Foto: Verfasser)

Bei der Zusammenstellung eines Zuchtpaares hat man manchmal wegen der nur geringen Geschlechtsunterschiede Probleme. Bei guter Fütterung setzen die Weibchen aber bald deutlich Laich an. Es ist immer gut, wenn die Geschlechter in der Größe einigermaßen zusammenpassen, wenn sie also etwa gleich groß sind oder wenn das Männchen nur unwesentlich größer ist. Im anderen Fall braucht man ein etwas größeres Aquarium und bessere Versteckmöglichkeiten für den kleineren Partner. Ich habe auch schon ein Minimännchen von nur knapp 5,5 cm Länge mit meinem gut 6,5 cm großen Prachtweibchen ablaichen lassen - auch das ging gut. Außerhalb der Fortpflanzungszeit dominieren immer die größten Tiere; in den meisten Fällen also die Männchen. In kleinen Aquarien, so dann auch in Zuchtbecken, kommen die unterlegenen Partner fast nur zum Fressen aus ihren Verstecken. Wenn dann aber die Balz beginnt, kommt die Stunde der Weibchen! Sie können durch ihre Zudringlichkeiten den Männchen regelrecht lästig werden. Jedenfalls kann man sich als Beobachter dieses Eindrucks oft nicht erwehren, wenn sie ständig den Partnern in die Seite stupsen, sie permanent umschwimmen und sie sogar jagen. Sie verlieren jetzt ihre männchenähnliche Standardfärbung, die Fotos zeigen ihr Aussehen. Während das Männchen an einer Stelle verharrt, kreist das Weibchen enger und enger um den Partner, bis es schließlich zu Körperkontakten kommt. Oft erst nach Tagen führt dieses Werben zu den Paarungen, bei sexuell "ausgehungerten" Tieren aber manchmal schon nach wenigen Stunden. Das Männchen umschlingt sein Weibchen und verharrt in dieser Paarungsschlinge, U-förmig gebogen, mit Schwanzflosse und Kopf nach oben weisend, liegt das Männchen seitlich auf dem Boden auf. Oft schwebt es dabei auch frei im Wasser. Das vom Partner in dieser Schlinge eingeschlossene Weibchen legt jetzt einige seiner schneeweißen Laichkörner, die in der Körperhöhlung oder auf der Afterflosse des Männchens liegenbleiben. Zum Freilassen der Partnerin löst das Männchen ein wenig die Klammer, verbleibt aber ansonsten in seiner Lage. Umgehend wendet sich das gerade freigelassene Weibchen den noch auf dem Körper des Männchens liegenden Eiern zu und schnappt sie auf. Erst jetzt beginnt der Partner langsam, sich aus seiner Laichstarre wieder zu lösen. Da die Männchen die eigentlichen Brutpfleger bei den Kampffischen sind, müssen die Eier nun zu ihnen kommen. Hierzu stellen sich die beiden Partner Maul an Maul auf. Mit schnellen Spuckbewegungen übergibt die Mutter den gerade eingesammelten Laich dem Vater zur Verwahrung. Bei anderen von mir beobachteten Kampffischen war das immer eine langwierige Zeremonie. Oft hatte der Vater anfangs gar keine Chance, den Laich aufzuschnappen, weil die Mutter sich die eben vorgespuckten Laichkörner gleich wieder selbst holte. Hier ging das alles viel perfekter: die beiden Partner stellten sich mit ihren Mäulern viel näher zusammen, als man es sonst bei maulbrütenden Kampffischen gewohnt ist. Ruckzuck waren die Eier im Maul des Vaters verschwunden - übrigens sehr zum Leidwesen des Fotografen.

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Danksagung

Wir möchten uns bei Dr. Jörg Vierke für die Überlassung diesen Artikels sehr herzlich bedanken. Dieser Artikel erschien ursprünglich in "Das Aquarium" 1988, S. 640 - 644. Bitte besuchen Sie Herrn Vierkes Online-Auftritt - er würde sich freuen.