Erfahrung mit 2-amino-5-nitrothiazol


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Erfahrung mit 2-amino-5-nitrothiazol

Beitragvon Peter Finke » 05.01.2011 - 18:13

Viele von uns haben Erfahrungen mit dem Wirkstoff 2-amino-5-nitrothiazol vor allem bei der Oodiniumbekämpfung gemacht. Dieser Wirkstoff ist lose (als gelbes Pulver) für Aquarianer im Handel nicht zu erhalten; nur für Tierärzte ist er erhältlich und anwendbar. Aber für Aquarianer ist er in Form von Fischmedikamenten mit Handelsnamen wie Spirohexol oder Hexa-Ex zusammen mit einer unbekannten Füllsubstanz zu Tabletten gespresst erhältlich, wohl auch noch bei einigen anderen Handelsmedikamenten.
Die meisten Erfahrungen damit sind durchweg positiv und das trotz der Tatsache, dass m.W. die Wirksamkeit gegen Oodinium bei diesen Medikamenten in keinem einzigen Falle im Beipackzettel explizit erwähnt wird. Im Unterschied zu anderen hierfür angespriesenen Oodiniummedikamenten, bei denen das oft eine unsichere Sache ist, ist 2-amino-... wirklich wirksam. Und schädigt, nach bisheriger Erfahrung, auch bei leichter Überdosierung die Fische nicht.
Wir wissen aber seit geraumer Zeit, dass die Wirksamkeit allerdings zeitlich begrenzt zu sein scheint, jedenfalls bei dem reinen Wirkstoff (Pulver). Es oxidiert nach einer Reihe von Monaten (äußerlich erkennbar durch eine Farbveränderung von hellgelb zu braun) und ist dann nicht mehr oder kaum noch wirksam. Dies schien mir bisher für die Tablettenform nicht zu gelten.
Meine Erfahrungen der letzten anderthalb Jahre sprechen eine andere Sprache. Auch die Tabletten, die den Wirkstoff 2-amino-... zusammen mit der unbekannten Füllsubstanz in gepresster Form enthalten, werden im Laufe der Zeit unwirksam (was natürlich kein Wunder ist; es gilt für die meisten Medikamente). Ich habe aber mehrere wertvolle Paroformen dadurch verloren, dass ich ihren Oodiniumbefall mit offenbar wirkungslos gewordenen Spirohexol-Tabletten zu bekämpfen versucht habe. Als ich zu den Hexa-Ex-Tabletten wechseln wollte, die ich auch noch seit längerer Zeit liegen hatte, fand ich diese in klebriger, tiefbrauner Form vor, sodass ich sie gar nicht erst noch benutzt habe.
Ich habe dann einige meiner oodiniumkranken Paros nur dadurch retten können, dass ich ein traditionelles Mittel angewandt habe: einen kräftigen Kochsalzzusatz verbunden mit einer vorübergehenden Temperaturerhöhung. Ob die Erreger ganz verschwunden sind, kann ich natürlich nicht sagen.
Ich möchte durch diesen Beitrag davor warnen, von dem im Prinzip sehr guten Wirkstoff 2-amino-... Wunder zu erwarten. Er ist solange gut wirksam, wie er frisch ist. Eine möglichst kühle Aufbewahrung ist sehr anzuraten. Nach meiner Erfahrung bleibt die Wirksamkeit ein gutes halbes Jahr, vielleicht maximal ein Jahr erhalten. Dann kann man das Zeug auch in Tablettenform wegwerfen.
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Leider ist es so

Beitragvon emha » 05.01.2011 - 18:21

Wir sind zwischenzeitlich zum Einfrieren übergegangen. Die Nummer mit dem Kochsatz hilft, aber leider nur kurz.

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Beitragvon Kellerkind » 05.01.2011 - 20:10

2-amino-5-nitrothiazol darf nicht über 20 Grad gelagert werden, dann gibt es auch keine Oxidation bzw. der Wirkstoff zerfällt nicht.
Eine Überdosierung kann durchaus tödlich verlaufen.
10mg pro Liter Wasser und eine vollständige Auflösung der Pulvers und erst dann ins Becken geben. Nach max. drei Tagen sind auch die hartnäckigsten Oodinien verschwunden.
Ich lagere 2-amino-5-nitrothiazol im Kühlschrank dort in der Gemüseschale. Das so sagen manche sollen aber nicht alle Hausfrauen mitmachen.
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Beitragvon Charlyroßmann » 06.01.2011 - 11:52

Hallo!
Damit hier keine Irrtümer aufkommen: 2-Amino-5-nitrothiazol darf nicht in der Reinsubstanz von Tierärzten abgegeben werden.
Es ist nämlich als Tierarzneimittel nicht zugelassen.
Die Hersteller, die es im Zoohandel anbieten, haben nur eine Zulassung für ihr spezielles Präparat(Spirohexol, Hexa-Ex), und die lassen sie sich teuer bezahlen.
Gruß
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Beitragvon Peter Finke » 06.01.2011 - 13:18

Die Klarstellung von Charly hat eine nicht ganz klare Formulierung von mir dankenswerterweise präzisiert. Auch Tierärzte müssen berücksichtigen, dass das Desinfektionsmittel 2-amino-5-nitrothiazol bisher nicht zugelassen ist. Als Hobbyimker weiß ich, was das bedeutet. 85%ige Ameisensäure ist bis heute die bestwirkende Substanz gegen die berüchtigte Varroamilbe, die in den letzten zwanzig Jahren immer mehr Bienenvölker dahingerafft hat. Aber sie ist bis heute nicht amtlich zugelassen! Man bewegt sich zwischen Bienen-sterben-lassen und dem Kadi.
Noch einmal worum es mir hier ging: In einigen (natürlich zugelassenen) Handelsprodukten, die Handelsnamen tragen, kommt der angesprochene Wirkstoff vor. Aber auch dort, in "Spirohexol", "Hexa-Ex" etc., also in Tablettenform gepresster Form, ist er nicht wesentlich, höchstens vielleicht ein bißchen länger haltbar als er es in der Reinsubstanz ist. Bisher kursierte die Vorstellung: Reinsubstanz temperaturabhängig nur kurzzeitig haltbar, Tablettenform sehr lange Zeit haltbar. Dies ist tendentiell vielleicht richtig, aber auch die Tabletten halten, bei Zimmertemperatur aufbewahrt, höchstens ein Jahr. Danach sind sie reif für den Müll.
Die Empfehlung einer möglichst kühlen Aufbewahrung, möglichst sogar eingefroren, gilt also auch für diese, weil sich ansonsten die Dauer der Wirksamkeit wie beim reinen Wirkstoff erheblich verkürzt.
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Re: Erfahrung mit 2-amino-5-nitrothiazol

Beitragvon JörgHB » 06.05.2018 - 11:01

Hallo,

ich habe im Parosbuch davon gelesen- gibt es f.d. o.g. Wirkstoff eine Bezugsquelle ?
Im Handel wird er als Medikament scheinbar nur noch flüssig gelöst angeboten. In dieser Form soll er lt. Finke/Hallmann nicht wirklich wirken. Außerdem ist mir als Neuaquarianer aufgefallen, daß im heutigen Discount-"Fachhandel" ohne Ende abgelaufene Medikamnete in den Reglen stehen- den Rezensionen bei "A" ist auch zu entnehmen, daß solche gar ab und an verschickt werden- im Falle von Aminonitrothiazol doppelt doof...
Ich hätte wohl die Möglichkeit, gewerblich an den Wirkstoff zu kommen, allerdings wird der im Laborhandel nur ab 25g Batch angeboten. Neben der unnötig großen Menge, ist der Preis in Bezug auf die Haltbarkeit auch nicht sonderlich attraktiv.
Habt ihr evtl. eine vernünftigere Quelle?
Oder gibt es inzwischen positive Erfahrungen mit Consumerartikeln wie "Spirohexol" ?
Viele Grüße, Jörg
JörgHB
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Re: Erfahrung mit 2-amino-5-nitrothiazol

Beitragvon emha » 07.05.2018 - 07:31

Die derzeit erhältlichen Nachfolger sind offensichtlich alle nicht mehr geeignet, leider! Wir kleine Betta-/ Paroleute sind zu Kupfer (nach Angabe) mit Salz (2 TL/ 10l) zurückgekehrt. Oodinol von JBL z. B. über 3 Tage nachdosiert funktioniert zumindest kurzfristig. Man muss immer aufpassen, denn O. kann wieder auftreten. Falls man bei großen Anlagen der Lage nicht mehr Herr wird, muss man zeitgleich alle Aquarien (prophylaktisch) durchbehandeln. Ggf. hilft das Salz um das Wiederaufkeimen zu verhindern, es scheint so.

Viel Erfolg, Martin
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