Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus


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Re: Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus

Beitragvon Charlyroßmann » 25.02.2014 - 13:53

Hallo!
Soweit d'accord.
Aber ob die Einheimischen die Abholzung ihrer Wälder gut finden oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle.
Der Staat (Malaysia z.B.) verkauft die Holzlizenzen an irgend eine(meist japanische) Firma, die den Wald kahl schlägt, dann geht der Grund und Boden an wieder eine andere Firma, die da Ölpalmen pflanzt. Sollten Leute da wohnen und im Wald ein paar Felder bewirtschaften, haben sie eben Pech gehabt. Müssen sie halt nach Kuala Lumpur und Schuhe putzen gehen(wenn es gut läuft).
Gruß
Charly
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Re: Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus

Beitragvon Charlyroßmann » 25.02.2014 - 18:24

Hallo!
Was mir an diesem Tröt gut gefällt, ist der Bezug zum Lebensraum, der da immer wieder hergestellt wird.
Das ist eine Geschichte, die mich schon beim ollen Hans Frey fasziniert und letzten Endes auch für die Labyrinther angefixt hat. Hans Frey hat in einem seiner vielen tollen Bücher den Satz geschrieben. "die Labyrinthfische bringen ein Stück tropische Glut und Üppigkeit in unsere Aquarien". Und ich glaube, keiner von uns Intensivaquarianern kann seine Fische angucken, ohne sich vorzustellen, wie es wohl bei denen zu Hause aussieht. Und jeder ist selbstverständlich bemüht, - und hier versuche ich die Kurve von der Politik zurück zur Aquaristik zu kriegen - die Bedingungen herzustellen, unter denen es dem Fisch gutgeht. Ich vermeide mal wieder das Klischee mit dem "sichtlich wohlfühlen" weil keiner von uns einen Schimmer davon hat, wie unsere Fische sich fühlen und ob sie sich überhaupt irgendwie fühlen. Und wir gehen davon aus, daß die Bedingungen, unter denen es unseren Fischen gut geht, genau die sind, unter denen sie in der Natur leben. Und wir versuchen die zu imitieren. Mit Becken, die so ausgestattet sind wie die Biotope unserer Fische. Das würde bedeuten, Stefanie, daß du deine Paros in Riesenbecken halten müßtest, weil Paros in der Natur meist in tiefem Wasser leben, so zwischen einem und zwei Meter. Und daß die Betta persephone-Pfleger so viel Laub in die Aquarien schmeißen müßten, daß sie von ihren Fischen nix mehr sehen. Sogar ich müßte meine Spiztzschwanzmakropoden in einem drei Meter hohen von submersen Pflanzen freien Becken pflegen, dessen Oberfläche komplett mit Wasserhyazinthen bedeckt ist, denn genau unter solchen Bedingungen habe ich sie gefangen. Ist völlig illusorisch und unsere Vorstellungen von den Biotopen der Fische und von dem, was wir machen müssen, um die nachzuahmen, sind furchtbar blauäugig. Die Erfahrung zeigt, daß Pseud- und Parosphromenus auch in flacherem Wasser leben können und Betta persephone das viele Laub gar nicht braucht. Wir müssen uns von der Illusion der "biotopgerechten" Aquaristik verabschieden, die kriegen wir eh nicht hin und sie ist vielleicht gar nicht mal im Sinn der Fische.
Eine "fischgerechte" Aquaristik ist schon ein schönes Ziel und manchmal auch schon ganz schön kniffelig.
Gruß
Charly
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Re: Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus

Beitragvon CPS » 25.02.2014 - 18:48

Hallo,
... und damit sind wir wieder beim eigentlichen Ausgangspunkt.
Den Teil "natürlicher Lebensraum", den wir "nachmachen" können,
das ist das Wasser. Dabei müssen nicht alle Parameter zwangsläufig
naturidentisch sein, aber die physiologisch wichtigen Faktoren,
die herausfinden und "nachbauen", das ist (altmodisches Wort)
"Tiergartenbiologie" für die Aquaristik.
In unserem Fall: das Schwarzwasser für den Parosphromenus,
Sphaerichthys oder Laubschlupfbetta muss nicht naturtrüb,
nicht stockdunkel und nicht ätzend sauer sein ... aber frisch,
nitratfrei und ohne Keimbelastung. Wie man diese drei Faktoren
hinbekommt, ist dabei zweitrangig, Hauptsache, man kann
sie anbieten.
Diskutieren kann man allenfalls darüber, ob man das muss.
Physiologisch gesehen muss man, selbst wenn die Praxis zeigt,
dass gesunde Fische und erfolgreiche Zuchten auch anders
möglich sind.
______

Und noch ein paar Worte dazu, dass man Arten schützen und
trotzdem bestimmte Stückzahlen für die Aquaristik entnehmen
kann.
Diese sehr sympathische (und auch erlaubt eigennützige)
Idee umzusetzen, ist mit großem Verwaltungsaufwand verbunden.
Patrick, versuche Dir vorzustellen, dass die Umsetzung des
Washingtoner Artenschutzübereinkommens den Steuerzahler
allein in der Bundesrepublik viele Millionen Euro kostet, die
sich vor allem in Planstellen der staatlichen und öffentlichen
Verwaltung darstellt. Das ist mit Zoll- und anderen Gebühren
im untersten Promillebereich abgedeckt. Ausnahmen von der
(Schutz-)Regel müssen aber immer kontrolliert werden. In
unserer Wohlstandsgesellschaft mag das noch als Gemeinkosten
toleriert werden, in den meisten Herkunftsländern unserer
Fische ist daran nicht zu denken.
Genereller Schutz, Handelsverbote also, sind deutlich günstiger
zu überprüfen und darum auch gern das Mittel der Wahl.
Aus der Sicht von Nichttierpflegern, denen die Finanzierung
von Hortplätzen, Naturparks, Sportstätten oder des Eurofighters
mehr am Herzen liegen, allemal.
Natürlich ist das auch nicht mein Ding. Aber man muss alle
diese Aspekte mit einbeziehen, wenn man diese Geschichte
realistisch diskutieren und einschätzen möchte.
CPS
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Re: Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus

Beitragvon PatrickG » 25.02.2014 - 20:47

aus den letzten Beiträgen lässt sich schließen...
...wir gestalten Becken nach unserem Geschmack, aber so lange die Bedingungen den Fischen zusagen ist das völlig OK! Und genau so sollte es auch sein.

Interessant finde ich die großen Wasserwechsel bei den Schokos. Für mich sind die Schokos ja Neuland. Ich kann nur sagen, ich habe welche vor drei Monaten erworben und in ein Altwasserbecken gesetzt, seitdem habe ich permanent austragende Tiere. Bei der Aufzucht gabs bisher auch keine Probleme. Ich klopfe auf Holz! Anscheinend ist das Becken sehr keimarm, auch ohne Wasserwechsel. Vielleicht weil immer ein sehr geringer Besatz drin war und daher kaum Nährstoffe eingetragen wurden. Die Leitfähigkeit in diesem Becken liegt seit Jahren bei etwa 10uS. Torf verwende ich in diesem Becken derzeit nicht, der pH ist stabil bei 5,3.

3 Monate und ein paar Jungfische reichen natürlich nicht für eine Beurteilung dieser Methode, aber nach derzeitugem Stand würde ich "frisch" aus Claus-Peters Aufzählung streichen. Nährstoffarm, unbelastet und keimarm stimme ich vollkommen zu. Ich gebe aber zu: Die genannten Punkte lassen sich durch Frischwasserzufuhr am einfachsten realisieren. Ich setze eher auf Schwimmpflanzen, die ich regelmäßig ernte.
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Re: Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus

Beitragvon KlausW » 26.02.2014 - 01:40

c
Zuletzt geändert von KlausW am 02.05.2014 - 02:17, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße
Klaus Weissenberg

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Re: Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus

Beitragvon Charlyroßmann » 26.02.2014 - 09:48

Hallo!
Was speziell wohl bei allen Schokos(ich zähle hier den Nichtschwarzwasserfisch Ctenops dazu)wichtig ist, die Fische sind extrem empfindlich gegen Krankheitserreger, die ihnen andere Fische anhängen. Erfolgsgeschichten in der Pflege und Zucht von Schokos fangen immer damit an, daß die Fische noch nie vergesellschaftet waren und, vor allem, noch nie einen Zooladen von innen gesehen haben.
Gruß
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Re: Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus

Beitragvon ziggi » 26.02.2014 - 11:06

Charlyroßmann hat geschrieben: Erfolgsgeschichten in der Pflege und Zucht von Schokos fangen immer damit an, daß die Fische noch nie vergesellschaftet waren und, vor allem, noch nie einen Zooladen von innen gesehen haben.

Ja, aber eine kleine Ergänzung: Meine derzeitigen Zuchttiere sind F1. Das macht einen gewaltigen Unterschied. Die wurden schon in Aachener Wasser groß gezogen und sind bedeutend stabiler und laichfreudiger (unter Aquarienbedingungen) als die üblichen WF. Wer also NZ kriegen kann, sollte das machen.
Gruß
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Re: Gedanken zu Schwarzwasser über das Aquarium hinaus

Beitragvon PatrickG » 26.02.2014 - 11:46

Meine S. selatanensis sind aus dem Fachhandel und waren dort sogar Vergesellschaftet mit Apistogramma und Salmlern. Allerdings ist das das beste Geschäft in Punkto Sauberkeit was ich kenne. Bei mir sind sie abgesehen von einer alten Apistogramma trifasciata Dame für sich alleine. Die F1 werde ich nur mit meinen eigenen Nachzuchten von Parosphromenus vergesellschaften, wenn überhaupt.
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Re: Alte Weisheit neu entdeckt

Beitragvon Charlyroßmann » 28.02.2014 - 10:16

Hallo!
Ich habe jetzt erst das Nebengleis gesehen.
Wer sagt, daß es in Asien kein "Klarwasser" gibt?
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Re: Alte Weisheit neu entdeckt

Beitragvon chidrup » 28.02.2014 - 11:46

Hallo,

Wer sagt, daß es in Asien kein "Klarwasser" gibt?


Niemand!

Gruß
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Re: Alte Weisheit neu entdeckt

Beitragvon Charlyroßmann » 28.02.2014 - 12:52

Hallo!
"Klarwasser führt weg vom Thema. Auch geographisch. Es ist eine Besonderheit Südamerikas".
Felix schreibt das.
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Re: Alte Weisheit neu entdeckt

Beitragvon aquaristiker » 28.02.2014 - 15:37

Hallo, wäre schön, wenn Felix was zur Definition des Begriffes Klarwasser sagen könnte. Warum ist das eine Besonderheit Südamerikas?

Als ich vor vier Wochen in Thailand unterwegs war, habe ich nur Bäche untersucht, die sehr klares Wasser führten, für mich also auch Klarwasser. Das Wasser war auch nicht superweich, der pH lag meistens leicht über 7.

Danke, Hendrik
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Re: Alte Weisheit neu entdeckt

Beitragvon K. de Leuw » 28.02.2014 - 15:51

Hallo,

er hat die Definition doch gleich geliefert:

Klarwasserflüsse sind extrem arm an Sedimenten und an Salzen. Sie sehen unter Wasser oft so aus, wie du dir dein ideales Aquarium vorstellst.


Gruß, Klaus
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Re: Alte Weisheit neu entdeckt

Beitragvon Charlyroßmann » 28.02.2014 - 18:07

Hallo!
Gibt es in Asien. Jede Menge!
Und wir sollten uns nicht so sklavisch an den ollen Sioli halten. Der wird vom ständigen Abschreiben auch nicht besser.
Gruß
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Re: Alte Weisheit neu entdeckt

Beitragvon Felix Stadtfeld » 28.02.2014 - 20:15

Hallo Hendrik,

sehr schöne Bilder aus Nordthailand!

aquaristiker hat geschrieben:Das Wasser war auch nicht superweich, der pH lag meistens leicht über 7.


Klarwasser im engeren Wortsinn (Harald Sioli) hat extrem niedrige Leitwerte und reagiert sauer.

Den Wassertyp haben der Xingu und der Tapajos. Diesen amazonischen Flusstyp kenne ich aus Asien nicht; auch wenn es auf jedem Kontinent klare Gewässer gibt (z.B. auf den wunderbaren Bildern von Michel Roggo: http://www.roggo.ch/thefreshwaterproject/).

Klarwasser im umgangssprachlichen Sinn gibt es also "überall". Kennt ihr "echte" Klarwasserflüsse (nicht die mit periodisch schwankender Härte!) in Asien? Dann lasst es mich gerne wissen.
Grüße

Felix
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