Qualität im Zoofachhandel

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Qualität im Zoofachhandel

Beitragvon PatrickG » 27.11.2014 - 12:52

Hallo Zierfischfreunde,

beim Gang ins lokale Zoofachgeschäft (Filiale einer Kette) fielen nicht nur mir viele kranke bzw. deformierte Fische auf. Vor allem Massenzuchtfische wie Fadenfische und Skalare waren in einem schlechten Zustand. Besonders ärgerlich waren schwer verpilzte Schokoladenguramis, zu denen noch munter frische Betta splendens dazu gesetzt wurden.
Nun stellt sich mir die Frage, was ist los mit dem Fachhandel. Die von mir aufgesuchte Zoofachkette wirbt eigentlich mit Qualität und ist auch vergleichsweise teuer. Insbesondere deformierte Fische (Wirbelsäulenverkrümmung, Mopsköpfe, Skalare mit sehr geringer Höhe) sollten doch bereits beim Einkauf dem Händler auffallen. Außerdem machen sich halb tote Tiere auch nicht gerade gut fürs Immage und sollten rechtzeitig aus den Becken entfernt werden.
Ist das eine Einzelerfahrung von mir oder sieht es derzeit wirklich sehr schlecht um die Zuchtbetriebe und Geschäfte aus. Sind etwa keine "gescheiten" Fadenfische, Skalare und Schmetterlingsbuntbarsche zu bekommen, man kann doch derart schlechte Fische nicht einkaufen, geschweige denn dem Kunden für teuer Geld anbieten. Ungewöhnlich fand ich auch den Verkauf von emersen Pflanzen in Vivarien bzw. abgepackte Pflanzen (z.B. Echinodorus) in Plastikbehältnissen. Die Pflanzen sahen jedenfalls nicht gut aus.
Früher gab es in diesem Geschäft auch mal was Besonderes, alle Fische waren in sehr guter Qualität, die Kunden waren bereit auch mal das Doppelte für einen Fisch zu zahlen. Wie sind denn eure Erfahrungen mit "dem Handel"? Steht es schlecht um die Aquaristik, oder ist das mein subjektiver Eindruck (ein Geschäft muss ja nichts heißen).

Schönen Gruß
Patrick
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Re: Qualität im Zoofachhandel

Beitragvon chidrup » 27.11.2014 - 13:23

Hallo Patrick,

dem Inhaber meines kleinen Zoogeschäfts in der Nachbarschaft zufolge steht es wirklich schlecht um die Zooläden einschließlich der Ketten. Das liegt wohl zum einen am Online-Handel und zum anderen am Rückgang der Aquarienbesitzer.
Mit den schlechten Fischen ist es auch so, dass man sich die Ware beim Großhändler ja nicht vorher ansehen kann und ein gewisser Prozentsatz an Ausschuss dabei ist. Es liegt sicher beim einzelnen Geschäftsinhaber, in welchem Zustand er seine Ware präsentiert. Ich sehe auch regelmässig verkrümmte Hechtlinge, verknöcherte Zwergfadenfisch Opas etc. Mittlerweile kommt auch das Veterinäramt und überprüft unangemeldet vor Ort.
Bei den Pflanzen sieht man oft Pflanzenarten, die unter Wasser keine überlebenschance haben.

Jedenfalls ist der von Dir beschriebene Zustand nichts neues. Man muss sich die richtigen Geschäfte aussuchen. Besser beim Züchter oder Vereinskollegen anfragen.

Schöne Grüße
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Re: Qualität im Zoofachhandel

Beitragvon Jan » 10.10.2016 - 09:44

Moin Moin!

Ja und dann kommt noch dazu, dass man früher gern gesehener Gast beim Händler war, wenn man selbst gezogene Tiere mitbrachte......... heute lautet die Antwort fast immer: können wir nicht annehmen, da wir dann -falls es eine Krankheit gibt- nicht mehr bei unserem Händler "versichert" sind = wir können dann nicht mehr beim eigenen Händler reklamieren, dass Tiere von ihm gestorben sind.

Resultat: die Macht der Händler hat dramatisch zugenommen - die Qualität der Tiere zu einem großen Teil dramatisch abgenommen.

Sicherlich auch eine Frage des Preisdruckes und damit Rückgang von kleinen Fachbetrieben, und angeblich auch der Massenvermehrung in Asien, obwohl ich persönlich in Asien (auf Märkten) weit überwiegend sehr gesunde Tiere gesehen habe .........

Viele Grüße,
Jan
IGL 159 Bestand: Arnoldichthys spilopterus WF; Betta bellica "Malaysia" F1; Channa ornatipinnis WF, Ch. pulchra; Ctenopoma acutirostre WF, Ct. weeksii; Macropodus concolor "Hue", M. concolor "Lang Co", M. erythroptherus "Dong Hoi", M. hongkongensis "Tai Po", M. opercularis “Cuc Phuong”; Phenacogrammus interruptus; Toxotes blythii WF; Trichogaster microlepis.
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Re: Qualität im Zoofachhandel

Beitragvon Lilith Winter » 10.10.2016 - 12:07

Hallo,

Gott sei dank habe ich hier im Umkreis zwei Fachgescgäfte.

Das Aquarium in Braunschweig baut gerade aus. Der Laden ist immer voll, das Motto lautet " hier kommt man nicht nur zum Kaufen sondern, auch zum quatschen und schauen ". Super Qualität, super Beratung, spezielle Fische müssen bestellt werden, da sie ihre Becken nicht unnötig voll packen wollen. Fische werden angenommen, wenn Platz vorhanden ist.

Der zweite Laden ist mittlerweile sehr klein. Da es sein Haus ist, liegt er im Monat bei +/- 0. und solange seine Frau noch arbeitet bleibt der Laden geöffnet. Fische werden angenommen, Fische extra bestellen kann er nicht, Mindestabnahme 350,00€. So sagt er! Gute Beratung, tolle Fische. Pflanzen und Zubehör hat er nur sehr wenig.

Filiale einer Kette, die Mitarbeiter geben sich große Mühe. Tote oder kranke Tiere konnte ich noch nicht entdecken. Verkümmerte Tiere werden gleich verfüttert und gar nicht erst in die Verkaufsbecken gesetzt. Wenn ich mal gekauft hatte, dann wurden die Tiere bestellt und bei Lieferung kam ein Anruf. So waren die Fische nie in deren Becken. Ich wurde schon des öfteren gefragt, ob ich nicht mal Tiere abgeben könnte. Will ich aber nicht! Die Becken sind immer proppenvoll.

Alles was ich an Zubehör benötige, kaufe ich auch nur noch online. Meine Pflanzen bestelle ich bei Aquasabi, da weiß ich was ich bekomme.

Gruß
Michaela
Meine Todesursache wird wahrscheinlich Sarkasmus im falschen Moment sein.
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Re: Qualität im Zoofachhandel

Beitragvon K. de Leuw » 10.10.2016 - 14:33

Hallo zusammen,

dem Inhaber meines kleinen Zoogeschäfts in der Nachbarschaft zufolge steht es wirklich schlecht um die Zooläden einschließlich der Ketten. Das liegt wohl zum einen am Online-Handel und zum anderen am Rückgang der Aquarienbesitzer.


Der Inhaber des weltgrößten Zoogeschäftes hat kürzlich gegenüber einer Zeitung gesagt, dass er mit lebenden Tieren Verluste in sechsstelliger Höhe (IIRC 250000 €) macht und das mit Futer und Zubehör ausgleicht.

Mit den schlechten Fischen ist es auch so, dass man sich die Ware beim Großhändler ja nicht vorher ansehen kann und ein gewisser Prozentsatz an Ausschuss dabei ist.


Wenn man mit den falschen Großhändlern zusammenarbeitet: Ja. Ich habe schon oft die Ankunft von Fischen erlebt, und es war eine echte Ausnahme, dass da Ausschuss dabei war. Ich kann mich genau an einen Fall erinnern, und die Fische gingen umgehend an den Großhändler zurück.
Wir haben hier in der Nähe einen Großhändler (Erbstößer "Tropic Aquaristik", Bergisch Gladbach), da könnte der örtliche Händler Fische persönlich aussuchen und abholen. Ds lohnt sich aber nicht, weil man sich kennt und vertraut. Die Bestellung erfolgt telefonisch und dabei werden ggf. auch Fragen geklärt (beide Geschlechter, Färbung, Größe, ...).

Jedenfalls ist der von Dir beschriebene Zustand nichts neues. Man muss sich die richtigen Geschäfte aussuchen.


In der Tat. Schrottläden gab es schon, als ich Ende der 70er anfing.

Besser beim Züchter oder Vereinskollegen anfragen.


Hat drei Nachteile:
- begrenzte Auswahl
- oft weite Wege
- Zoohandel reduziert früher oder später das Sortiment auf Triangelguppys und einige andere lebendgebärende Zuchtformen und zwei Dutzend andere Arten.

Alles was ich an Zubehör benötige, kaufe ich auch nur noch online. Meine Pflanzen bestelle ich bei Aquasabi, da weiß ich was ich bekomme.


Kann man machen, wenn man dann aber mal Heilgabend dringend ein Medikameten benötigt, sterben einem die Fische über Weihnachten, weil es keinen Zooladen mehr in erreichbarer Entfernung gibt.
Ich kaufe online nur, was ich vor Ort nicht bekomme. Und selbst dabei bin ich einge Male an Beschisshändler geraten, deren Ware (z.B. Futtertiere) unter aller Kanone war. Denn das geschilderte Problem "der Händler sieht die Fische ncht, die er bestellt" betrifft beim Onlinekauf dann den Endverbraucher.

Gruß, Klaus
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Re: Qualität im Zoofachhandel

Beitragvon ThomasG » 10.10.2016 - 20:40

Hallo,

da ist ja ein "uralter" Tread zu neuem Leben erweckt worden.

Meine persönliche Meinung ist;
Ich kaufe grundsätzlich in örtlichen Geschäften (auch zu höherem Preis!). Nur wenn dort keine oder nur schlechte Ware vorhanden ist, gehe ich online (ähnlich wohl wie Karl).
Hintergrund ist, dass ich die örtlichen Einzelhändler mit meinem Verhalten bewusst unterstützen möchte. Jeder Einzelhändler hat es schwer genug sich über Wasser zu halten, mit all den Fixkosten (Miete etc.).

Es gibt in meiner Umgebung zwischenzeitlich leider sehr wenig Einzelhändler - mag an den hohen Mieten im Großraum Stuttgart liegen. Bei den wenigen. die es noch gibt, kann ich auch mal Fische abgeben - aber keine Spezialisten (Schwarzwasser etc.), was ich verstehen und akzeptieren kann.

Eine rühmliche Ausnahme, ein Baumarkt einer bekannten Kette, führt dank seines engagierten Personals, gute Qualität zu Supermarktpreisen.

So nun sind wir am Punkt; der Preis.

Solange es Ketten gibt, die mit Niedrigstpreisen "Allerweltsfische" verkaufen und wir, die es besser wissen müsten, dort einkaufen, werden die kleinen Händler weiter sterben.
Übrig bleiben dann die Ketten und für Raritäten (die wir ja suchen) ist kein Platz mehr.

Einen schönen Abend noch.
Grüßle aus Stuttgart
Thomas G

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Re: Qualität im Zoofachhandel

Beitragvon Lilith Winter » 11.10.2016 - 08:26

Guten Morgen,

Ich bin in allen drei Läden regelmäßiger Gast und kaufe auch.

Gerade Lebend- und Frostfutter, Mittwochs kommt neue Ware, da wäre ich schön blöd wenn ich das online bestellen würde. Meinen Dünger bekomme ich nur online. Der Chef in dem einen kleinen Laden schickt mich, bei Zubehör, zum Kettenladen.

Unser Kettenladen versucht immer mal wieder besondere Fische anzubieten, leider mit mäßigem Erfolg. Die Aussage des Abteilungsleiters, " wenn sie nicht schillernd bunt sind und in ihre, schon vorhandene, Suppe passen, dann will sie keiner. Aquarianer mit Verständnis kaufen woanders." Er ist selber seit Jugendzeit Aquarianer. Von ihm habe ich auch mein 150er Becken, Fehlkauf eines Kundens.

Reptilien, Garnelen und Vögel gibt es in unserer Filiale nicht mehr. Nur noch auf Bestellung ( außer Vögel ).

Meyer Aquariumbau hört jetzt auf. Er hat auch keinen Nachfolger, will keiner machen. Als ich im März da war, da musste er noch einen Auftrag zu Ende bringen, 98 Verkaufsbecken, danach ist Feierabend. Aus Altersgründen und nicht mangels Nachfrage.

Gruß
Michaela

P.S. Den Baumarkt kenne ich nur aus Braunschweig, ich habe echt geheult. So etwas hatte ich noch nie gesehen.
Meine Todesursache wird wahrscheinlich Sarkasmus im falschen Moment sein.
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