Schwefelsäure

Fragen und Anregungen zum Thema Technik

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Beitragvon K. de Leuw » 03.09.2010 - 23:19

Hallo zusammen,

Phillip hat geschrieben:Außerdem wäre mir bei Schwefelsäure auch das Sulfat im Aquarium nicht ganz recht. (noch nicht näher drüber nachgedacht, nur so ein Gefühl)


In der Teichabteilung gibt es Gemische aus Schwefel- und Salzsäure zum Senken des pH-Wertes. Man benötigt so wenig, dass die Anionen nicht so wichtig sind. Ich habe das Zeug bei meinen C. bankanensis verwendet. Nein, ich bin nicht lebensmüde, und ich bin beruflich schon mit gefährlicheren Substanzen umgegangen als mit Schwefelsäure. Außerdem sind die Säuren erheblich geringer aber ausreichend konzentriert in diesen Teich-pH-Senkern.

Zwecks besserer Durchmischung würde ich die Säure auch nicht erst zum Schluss in den Kübel geben, sondern wenn ein-zwei Liter Wasser drin sind und dann auffüllen.


Da eine größere Menge Wärme dabei entsteht, würde ich doch eher die Zugabe zu neun Litern als zu zwei Litern empfehlen. Was bei der Zugabe von Wasser zu Säure (übrigens auch bei Salzsäure) passiert, wurde ja schon geschrieben. Beim Zutropfen von Schwefelsäure und Rühren zwischendurch passiert da nix.
Die großen Unterschiede zu Salzsäure sind übrigens, dass eine 96%ige Schwefelsäure sechsmal so effektiv ist wie 32%iger Salzsäure (die es ja auch nur bis etwa 37%ig gibt), da Schwefelsäure zweiprotonig ist. Außerdem wirkt Schwefelsäure stark oxidierend, sie wandelt z.B. ein Stück Zucker unter starker Entwicklung von Hitze und ätzenden Dämpfen in Aktivkohle um. Da manche Kunststoffe von konzentrierter Schwefelsäure angegriffen werden und die Einmaldinger zu einer gewissen Inkontinenz im Nahtbereich neigen, würde ich zu einer Glaspipette mit einer gescheiten Pipettierhilfe raten.
Und ziehe die Handschuhe bitte aus, sobald sie von innen beginnen feucht zu werden. Auch wenn das mit hoher Wahrscheinlichkeit Schweiß ist, hindert Dich dieser daran, zu merken, wenn der Handschuh doch nicht dicht ist und Dir Säure von außen einsickert.
Bei der Kleidung verwende bitte Baumwolle, Kunstfasern könnten von der Säure zerlegt werden. Und falls Du die Kleidung mehrfach verwenden willst, bitte nicht waschen, denn Du erkennst an den Löchern nach der Wäsche, wo die Schwefelsäure hingespritzt ist.

Egal welche Säure du verwendest, zur Sicherheit wirst du mit offenem Fenster arbeiten und den ersten Schwall Dampf, der beim Öffnen aus der Flasche kommt nicht einatmen wollen.


Ich würde es komplett draußen machen, dann kann man kleinere Missgeschicke mittels Gartenschlauch beseitigen.

Gruß, Klaus
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Beitragvon fischmichi » 04.09.2010 - 08:22

annach hat geschrieben:Hallo Michael,

Das kann auch von Hersteller zu Hersteller verschieden sein. Meistens handelt es sich jedoch um Schwefelsäure oder Salzsäure.

Hier mal ein Link von sera, ganz oben links stehts:

http://www.sera.de/fileadmin/gbi/sera_p ... 02_int.pdf


Gruß, Daniel


Hallo Daniel,

eigentlich hatten wir von Eichenextrakten gesprochen, und nicht von pH-minus, das ist doch wohl ein Unterschied. Dass die Hersteller in pH-minus anorganische Säuren verwenden kann ich nachvollziehen. In Eichenextrakten sollte es sich aber auf jeden Fall um die schon erwähnten organischen Säuren handeln.

Dies nur zur Richtigstellung.

Gruß Michael
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Beitragvon Arbeitszimmer » 04.09.2010 - 08:43

Hallo Klaus,

Ich verwende zum Dosieren die 5ml Plastikspritzen, die sind ja aus Hartplastik und bis jetzt ist mir nichts aufgefallen, dass die Schwefelsäure die angreift. Danke für die Kleidungstipps, werd ich beachten.
In welchen Abständen hast du denn säureaufbereitetes Wasser in dein C. bankanensis gegeben, viel war es und welchen ph-Wert hatte es vor und nach dem Ausgasen ?
Hast du es durchlüftet oder über Nacht stehen gelassen ?
Wie oft hast du nachdosiert ?


Gruß, Daniel
Arbeitszimmer
 

Beitragvon Phillip » 04.09.2010 - 10:43

Also Klaus, da warst du wohl schon müde beim tippen, was? :P
Wenn schon klugscheißen, dann doch richtig, da bin ich Besseres von dir gewöhnt!

K. de Leuw hat geschrieben:
Phillip hat geschrieben:Zwecks besserer Durchmischung würde ich die Säure auch nicht erst zum Schluss in den Kübel geben, sondern wenn ein-zwei Liter Wasser drin sind und dann auffüllen.


Da eine größere Menge Wärme dabei entsteht, würde ich doch eher die Zugabe zu neun Litern als zu zwei Litern empfehlen. Was bei der Zugabe von Wasser zu Säure (übrigens auch bei Salzsäure) passiert, wurde ja schon geschrieben. Beim Zutropfen von Schwefelsäure und Rühren zwischendurch passiert da nix.

Sollen wir mal die Konzentration der Säure ausrechnen, wenn Daniel die 0,2mL von denen er geschrieben hat in 2L vorgelegtes Wasser pipettiert?
Mit wieviel Wärmeentwicklung rechnest du da noch, wenn er den Kübel auffüllt?

K. de Leuw hat geschrieben:
Die großen Unterschiede zu Salzsäure sind übrigens, dass eine 96%ige Schwefelsäure sechsmal so effektiv ist wie 32%iger Salzsäure (die es ja auch nur bis etwa 37%ig gibt), da Schwefelsäure zweiprotonig ist.

Darf ich dich an die pKs-Werte von Salz- und Schwefelsäure erinnern?
Der pKs der Salzsäure ist negativer als der der Schwefelsäure schon in der ersten Dissoziationsstufe und wir wissen, was das für die zweite Dissoziationsstufe bedeutet.
(für alle die Chemie abgewählt haben: die zweite Dissoziationsstufe ist noch schwächer. Und "Dissoziationstufe" kann man googeln. Übrigens erkläre ich "Dissoziationsstufe" zum Wort des Tages. Jeder sollte jetzt zehn mal "Dissoziationsstufe" schreiben. %-O)


Dem Rest von dem was du geschrieben hast kann ich zustimmen.
Vor allem, wenn man die Möglichkeit hat draußen zu panschen, dann ist das sicher noch besser als drinnen mit offenem Fenster.

Daniel hat leider noch nicht geschrieben, ob er Erfahrung im Umgang mit Säuren hat, wenn nicht, dann möchte ich einmal mehr betonen, dass Salzsäure besser geeignet wäre, auch wenn sie nicht so stark konzentriert verfügbar ist.
Wie man sieht, braucht man ja nur sehr wenig Säure...

Wochenendliche Grüße,
Phillip

PS: wer mitgezählt hat, mir fehlen noch vier: Dissoziationsstufe, Dissoziationsstufe, Dissoziationsstufe, Dissoziationsstufe
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Beitragvon Arbeitszimmer » 04.09.2010 - 11:27

Hallo,

Mit Säuren hab ich noch keine Erfahrung gesammelt, aber über die Risiken weiß ich jetzt bestens Bescheid und meine "Ausrüstung" ist auch säurebeständig. Die Handschuhe sind auch sehr lang, die gehen fast bis zum Ellebogen. Wenn ich jetzt auf der Dachterrasse mit der Spritze 0,2ml Schwefelsäure aus der Flasche sauge und dann in den Eimer mit Wasser gebe, kann da gar nix passieren. Ich bin auch ganz vorsichtig und mach das nicht unter Stress oder Hektik.
Wenn ich Fragen dazu hab, stell ich die einfach hier. Der Klaus hat da ja schon Erfahrungen gesammelt und kennt sich aus.

Gruß, Daniel
Arbeitszimmer
 

Beitragvon K. de Leuw » 04.09.2010 - 15:29

Hallo Phillip,

Phillip hat geschrieben:Sollen wir mal die Konzentration der Säure ausrechnen, wenn Daniel die 0,2mL von denen er geschrieben hat in 2L vorgelegtes Wasser pipettiert?
Mit wieviel Wärmeentwicklung rechnest du da noch, wenn er den Kübel auffüllt?


Ich habe keine Lust zu rechnen und wollte einfach sicherstellen, dass es keine Überraschungen gibt. Abgesehen davon habe ich das Problem nicht gesehen beim Auffüllen des Kübels, sondern beim Zugeben einer nach meiner Erinnerung nciht näher definierten Menge Säure in 2 Liter Wasser. Das spritzt zwar nicht, aber die Lösung kann sehr warm werden.

Darf ich dich an die pKs-Werte von Salz- und Schwefelsäure erinnern?


Musst Du nicht, die kenne ich.

Der pKs der Salzsäure ist negativer als der der Schwefelsäure schon in der ersten Dissoziationsstufe und wir wissen, was das für die zweite Dissoziationsstufe bedeutet.


Ich schrieb ja auch nicht, Schwefelsäure sei stärker, sondern effektiver. Damit meinte ich z.B., dass man mit derselben Menge 96%iger Schwefelsäure sechsmal so viele Carbonationen neutralisieren kann wie mit 32%iger Salzsäure. Da spielt die Säurestärke nun wirklich keine Rolle. Außerdem schreibt man (Klugscheißermodus an) das s in der Abkürzung der Säurekonstante als Index (Klugscheißermodus aus), was zugegebenenermaßen mit der Forensoftware nicht trivial ist.

Daniel hat leider noch nicht geschrieben, ob er Erfahrung im Umgang mit Säuren hat, wenn nicht, dann möchte ich einmal mehr betonen, dass Salzsäure besser geeignet wäre, auch wenn sie nicht so stark konzentriert verfügbar ist.


Ich würde eher sagen, WEIL sie nicht so konzentriert verfügbar ist und keine dermaßen oxidierenden Eigenschaften hat.

Und Daniel:
Ich meinte die Einmalpipetten mit 1 bis 2 ml Volumen. Die Spritzen haben üblicherweise keine Schweißnähte und sind robuster, allerdings liefen die mir zu hakelig, um damit Schwefelsäure zu dosieren.
Zur Dosierung kann ich leider keine genaueren Angaben machen, denn
- ich weiß nicht mehr, von welcher Firma das Zeug war und daher auch die Ausgangskonzentration nicht.
- ich habe kein Regenwasser verwendet, sondern Reversosmosewasser mit ein wenig Leitungswasser und einer deutlich sichtbaren Menge Pflanzenextrakten.
- ich habe über Wochen den pH bei wöchentlichen Wasserwechseln bis auf um pH 4 gesenkt.
- ich habe nicht durchlüftet, wüsste auch nicht, was da hätte ausgasen sollen, denn die Carbonathärte war ja bereits unter 1. Oder meinst Du im Aquarium? Auch da sollte aufgrund geringer Härte die Menge entstehenden Kohlendioxids gering gewesen sein, einen Anstieg des pH-Wertes bis zum nächsten Wasserwechsel konnte ich jedenfalls nicht feststellen.
- Ich habe teilweise frisch angesäuertes Wasser verwendet, teilweise welches, was in der Woche davon übrig geblieben war.

Gruß, Klaus
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Beitragvon Arbeitszimmer » 05.09.2010 - 20:01

Hallo,

Ich hab gestern Abend mal einen 10l Eimer mit 0,2ml Schwefelsäure in das Aquarium gegeben und der pH-Wert ist von 6,5 auf 6,0 gesunken.
Scheint also alles gut zu funktionieren. Das nächste Mal nehm ich aber trotzdem nur noch 0,1ml.

Gruß, Daniel
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