Betta burdigala in einem naturnahen Paludarium?!

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Betta burdigala in einem naturnahen Paludarium?!

Beitragvon chrisne84 » 31.07.2006 - 20:58

Hallo Leute,

ich habe mal eine Frage bezüglich meiner Betta burdigala.
Ich habe seit Anfang des Jahre2 Paare, jeweils 1 Paar in einem 12 L Becken. Das ganze klappt bis jetzt super gut und sie sind mit der Fortpflanzung auch gut dabei. Es sind bis jetzt nur wenige Junge durchgekommen, aber so wirklich kann ich es net beurteilen, da die Becken sehr verkrautet sind und ich nich alles sehe.
Nun habe ich versucht ein 50 er Becken wie ein origianles Biotop von kleinen Schaumnestbauern einzurichten. Ich habe mit Filtermatte ein nach hinten ansteigendes Ufer nachempfunden. Unter/hinter diesem Aufbau ist auch eine kleine Kreiselpumpe, somit wird das ganze gleich gefiltert und etwas Bewegung kommt ins Spiel. Am "Land" befindet sich ein kleiner Wasserfall, der über die Steine läuft und ein echter Zwergbambus, der so ein bisschen die Ufervegetation nachempfinden soll. Evtl. kommt noch etwas an emerser Vegetation dazu.
Das ganze ist im Wasserteil mit ein paar Steinen, Wurzeln, dunklem Kies, Torf, Javafarn, Schwimmfarn, Schilff und Laub einem flachen Uferbereich nachempfunden.
Der Wasserteil hat vielleicht ein Schimmvolumen von ca. 20 L.

Nun ist meine Frage, ob ich beide Pärchen da zusammen rein setzen kann, ohne das sie Männer sich zerrupfen. Ich denke es wäre auf jeden Fall ein schöner Versuch Betta burdigala sehr naturnahe zu halten und zu züchten.

Danke und Gruss

Chris
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Beitragvon Stefan » 31.07.2006 - 21:29

They are an aggressive species but I think you should be fine as long as they can hide everywhere. Oh - please check the new Betta species topic; they are uberis and not burdigala; the only real burdi is in Japan!
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Re: Betta burdigala in einem naturnahen Paludarium?!

Beitragvon Thomas P. » 01.08.2006 - 11:39

Hallo Chris!

Gleich einmal ein großes Lob, daß Du versuchst deinen Fischen einen naturnahen Lebensraum nachzubilden! Allerdings dürfen wir nicht vergessen, daß zu einem naturnahen Lebensraum mehr als nur ein vor allem für unser Auge passender optischer Eindruck gehört, wenn auch passende Strukturen erforderlich sind. Den Fischen wird es beispielsweise vermutlich egal sein, ob sie in einer Plastik-Filmdose oder unter einem Rindenstück laichen...
Entscheidend für eine naturnahe Haltung von Tieren ist vorrangig die Möglichkeit ihr ganzes Verhaltensspektrum auszuleben. Dies spricht eben sehr für eine Vergesellschaftung mit gleichartigen Tieren. Aber gerade Betta uberis ist für seine antagonistischen Verhaltensweisen bekannt. Dementsprechend werden wohl die natürlichen Individualabstände größer sein, als i.d.R. geboten werden, denn sonst käme es nicht immer wieder zu drastischen Beschädigungskämpfen und kein Tier leistet sich "spaßhalber" Verletzungen.
Wie Du sicher weißt, gibt es vorrangig zwei Antriebe die einen männlichen Laubfisch beherrschen wenn er das Zentrum seines Revieres, das Schaumnest, gegen eine Bedrohung verteidigen muß: dies ist der Antrieb bei Distanzvergößerung zu seinem Schaumnest zurückzukehren, der umso stärker wird je größer der Abstand ist. Der zweite Antrieb ist die mit der Distanz abnehmende "Angriffslust". Je näher die Bedrohung bei seinem Schaumnest ist, umso vehementer wird er dieses verteidigen. In Kombination dieser beiden Antriebe gibt es einen tatsächlich meßbaren "Punkt" an dem der zum Zentrum gerichtete Heimkehrtrieb und der nach außen gerichtete Angriffstrieb gleich stark sind. Dort befindet sich die Reviergrenze des Männchens über die hinaus er kein anderes Individuum angreifen wird. Im daran angrenzenden Bereich sind i.d.R. die Weibchen die Verteidiger die wiederum einen definierten Verteidigungsgürtel um das Kernrevier ziehen.
Wenn diese Abstände nicht eingehalten werden können, weil beispielsweise das Aquarium zu klein ist, kann es zu Beschädigungskämpfen mit tödlichem Ausgang kommen. Sollen etwa zwei Paare ein naturnahes Leben führen können in dem nicht mindestens ein Paar immer versteckt dahinvegitieren muß, so benötigt man entsprechend große Aquarien.
Wenn Du jetzt bedenkst, daß dein 50er Aquarium eine Länge von 60 cm besitzt und bestenfalls an beiden Enden ein Männchen haust, so hat jedes ein Revier mit max. 20 cm Ausdehnung zur Mitte hin, wenn die zugehörigen Weibchen in einem ebenfalls 20 cm breiten "Todesgürtel" "leben". Das wird wohl für eine naturnahe Haltung und Zucht zu wenig sein...
Ich würde an deiner Stelle ein Paar in Reserve in 12 ltr. halten und das andere im 50er. Wenn die Nachzuchten im 50er entsprechend älter werden entstehen vielleicht natürliche Hierarchien in dieser Familie und Du kannst mehrere Individuen zusammen halten, aber vermutlich wird es im Zuge der Adoleszenz zu Beschädigungskämpfen kommen und Du wirst abfischen müssen.
Viel Glück und berichte doch weiter wie es den Fischen ergangen ist!

Liebe Grüße,
Thomas
Thomas P.
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