Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Macropodus, Malpulutta, Pseudosphromenus

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Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Sven Müller » 03.01.2018 - 21:09

Hallo, nach ein paar Monaten stillem Lesens hier möchte ich mich nun auch mal vorstellen: Sven Müller, 43, aus Rudolstadt/Thüringen. Aquarianer seit x Jahren, hauptsächlich Labyrinthfische und Darios.

Meine Erfahrungen mit Macropodus ocellatus, geschrieben als eine Art Tagebuch:

Im März 2016 fand ich per Zufall einen Internetshop, der mir 6 dieser schönen Fische liefern konnte. Geschlechter unbekannt. Größe etwa 5-6cm und alle silbrig/mausgrau. Zuerst kamen alle in ein 200L Kellerbecken bei etwa 23°C. Nach etwa 3 Wochen färbte sich eines dunkel, scheint ein Männchen zu sein. Ein zweiter wurde ebenfalls dunkel, war aber unterlegen und damit bei weitem nicht so farbig. Gefressen wurde alles, Flocken- und Lebenfutter, ziemlich schmatzend. Irgendwie hatte ich immer den Eindruck, das sie schlecht sehen, jedenfalls waren Mückenlarven oft schneller als der zuschnappende Fisch.

Als das dominante Männchen an Bauchwassersucht starb, setzte ich Anfang Mai 2016 alle restlichen 5 Fische langsam in einen 200L Gartenteich (alte Zinkbadewanne mit Teichfolie ausgelegt) um. Standort Südseite. Ordentlich Schwimmpflanzen dazu und 2x die Woche Lebendfutter. Hätte ich mir aber auch sparen können, Insekten gab es genug. Man sah kaum einen oder zwei Makropoden, stets versteckt. Sie hören und sehen sehr gut, was über Wasser passiert (Reaktionen auf Schritte und Schatten). Ich sah also immer nur einen, maximal 2 Fische gleichzeitig an der Oberfläche. Mitte September 2016 stand die Frage des Überwinterns im Raum und ich grub ein 300L Regenfass (Tiefe 1m) in die Erde ein. Also die alte Zinkwanne abschöpfen und zur großen Freude habe ich alle 5 wieder gefunden. Schön gewachsen, prächtige Flossen und Farben. 3 setzte ich in das Regenfass um, 2 wieder in das Kellerbecken. Sie lieben es in der Morgensonne zu stehen und auf Insekten zu lauern....sobald sie den Menschen bemerken, sind sie ruckartig in der Tiefe verschwunden.

Versuche, durch Geräusche sie zum Füttern anzulocken, schlugen fehl. Nur zappelnde Mückenlarven liessen sie auftauchen. Dann hies es regungslos verharren und beobachten. Sie mögen verkrautete Stellen, aber auch Freiwasserzonen. Es wurde Winter. Im Januar 2017 mit -15°, die Eisdecke war 7cm dick. Täglich schlug ich ein Drittel davon ab, um den Gasaustausch im Wasser zu ermöglichen. Wassertemperatur 2°C in 20cm Tiefe. Kurz vor der Frostperiode starb ein weiterer Fisch an Bauchwassersucht. Scheint keine stabile Linie zu sein bzw mein Haltungsfehler vorher im Kellerbecken bzw beim Händler.

Im Keller kühlte sich das Becken auf 13°C ab. Es erfolgte keine Oberflächenatmung mehr, Hunger ging stark zurück. Lebendfutter wurde ignoriert. Beide Fische im Keller verzogen sich entweder direkt unter die Schwimmpflanzendecke oder in eine Schieferhöhle zu den Amanos (die nur zu Putzen dort sind). Bei einer Temperatur von 17° wurde noch ein Schaumnest gebaut, jedoch weiss ich nicht welche Geschlechter ich im Keller habe. Vermutung: 2 Weibchen. Idee: im April 2017 wird das Regenfass ausgegraben, eine Teichzone von etwa 600L wird an der gleichen Stelle angelegt mit verschieden tiefen Zonen. Bin gespannt, ob die verbliebenen beiden Fische aus dem Regenfass den Winter überlebt haben. Sicherheitshalber habe ich zu einem privaten Züchter aus Sachsen schonmal Kontakt für Nachwuchs aufgenommen....

Kaum wurden es wieder 17°C im Kellerbecken, fing die Aktivität der beiden Fische wieder an sich zu steigern. Es wurde auch wieder atmosphärische Luft geatmet. Ich setzte einen überwinterten Kalmus im Netztopf hinein. Sofort wurde dieses neue Versteck angenommen, Wasserstand dort 7cm mit dichten Schwimmpflanzen. 05.02.17: 5 Tage mit Plustemperaturen und stärkerem Sonnenschein liessen alle Pflanzen Wurzeln treiben, auch die fast abgefrorenen Seekannen, die als Schwimmpflanzen unter dem Eis des Teiches waren. Das Eis war zu 50% weggeschmolzen. Und dann war es endlich soweit: ich sah in der Südsonne im Teich bei 4°C Wassertemperatur und 8°C Lufttemperatur (Schattenwert) in aller Ruhe einen überwinterten Rundschwanzmakropoden in die Tiefe verschwinden. Was habe ich mich gefreut!

14.02.2017: Fisch Nummer 3 starb an Bauchwassersucht im Teich. Restlicher Besatz nun: Teich 1x, Kellerbecken 2x. 3 von 6 sind nun an der gleichen Krankheit verstorben.
18.02.17: Ich fand eine ersoffene Maus im Teich an der Oberfläche. Oder sie ist im kalten Wasser erfroren. Egal. Habe beschlossen, deswegen einen Teich-Teilwasserwechsel zu machen. Der Folgetag sollte sonnig werden, perfekt.
19.02.17: Vorsichtig habe ich mit einem 20L Maurereimer die Hälfte vom Teichwasser entfernt, dabei den letzten Makropoden in den alten Pflanzenresten entdeckt. Dachte erst es ist ein neues Blatt. Schnell habe ich ihn herausgefangen und fix mit altem Wasser in eine Tüte hinein in das Kellerbecken, zum angleichen. Kellerbecken 15°C, Teich etwa 5°C bedeuten eine lange Zeit dafür. Idee: in den Teich kommen bald Bachflohkrebse, diese fressen altes Laub und geben ein Zusatzfutter ab.
19.04.17: Aktueller Stand: 3 Ocellatus sind noch im Keller, der Teich im Garten ist auf 700L erweitert. Da heute wieder Schneefall einsetzte bei +4°C muss ich noch warten mit dem umsetzen. Kellerwassertemperatur: 17°C. Mai 2017: nach einer kurzen Warmwetterperiode setzte ich alle 3 verbliebenen Makropoden in den Teich. Sehe seitdem maximal 2 davon gleichzeitig.
31.05.2017: durch glückliche Umstände bekomme ich von einem privaten Aquarianer aus der Lausitz 2 Männchen und 1 Weibchen. Diese setzte ich am 31.05. noch in den Teich, seitdem ist nichts mehr wie es war. Das erste Schaumnest habe ich am 02.06. entdeckt.

30.06.2017: Das Weibchen aus der Lausitz fand ich noch lebend, aber mit blutunterlaufenem Bauch am Teichbodenrand liegend. Habe sie erlöst. Ein anderes Weibchen lag auf dem Vogelschutznetz mit dem Kopf im Wasser. Keine Ahnung wie es dahin gekommen sein soll, allerdings ragte das Netz nach einem starken Regenguss auf die Wasseroberfläche.
27.07.2017: nach einer 3wöchigen Abwesenheit fand ich das dominanteste Männchen auf dem Vogelnetz liegend. Es war tot, sehr schade. Vermutung: entweder hat eine recht große Eidechse beide Fische fangen wollen oder, was auch wahrscheinlicher ist, gehen alle 3 toten Fische der letzten Wochen auf das Konto einer Katze, die sie fangen wollte. Weiterhin ist das zweite Männchen aus der Lausitz nicht mehr zu sehen. Aktueller sicherer Teichbesatz deswegen: 2 Weibchen. 14.08.2017: ich habe einen Jungfisch ganz klar und eindeutig gesehen. Größe etwa 2cm. Ich hoffe, das er nicht alleine ist und noch mehr im Teich zwischen den Pflanzen und Algen sind. Ich denke er ist aus dem Wurf Ende Mai 2017.

Oktober 2017: nach dem Abfischen des Teiches sind 2 schöne Weibchen heraus gekommen und 1 Jungfisch, Größe um die 3cm. Geschlecht noch unbekannt. Die 4 Amanogarnelen haben auch überlebt.
Januar 2018: die 2 erwachsenen Weibchen und der eine Jungfisch (jetzt um die 4cm) sind bei konstanten 15°C im Kellerbecken. Ich weiss noch nicht, welches Geschlecht der Jungfisch hat. Hoffe auf einen Mann.

Plan für 2018:
Im Mai kommen bei passenden Temperaturen alle 3 Fische wieder in den Teich. Dort bleiben sie auch von nun an ganzjährig, im Oktober werde ich einen Temperatursensor am Boden plazieren um ab 5°C ggf leicht zuzuheizen (Teich ist nur 60cm tief). Zugefüttert wird nicht mehr, höchstens im Winter aber sparsam. Der gesamte Teich wird sauber (auch die kleinsten Ecken) mit Vogelschutznetz abgedeckt, gegen Katzen. Sollte der Jungfisch kein Männchen sein, muss ich eines zukaufen.

Folgende Frage habe ich:
ab welchem Alter kann ich etwa das Geschlecht erkennen? Für mich wesentliches Merkmal: Flossenspitzen, die über die Schwanzflosse herausragen oder Schwarzfärbung

Vision: ich halte nur noch Ocellatus vom Fundort Wuxi/Taihu Lake China im Teich. Habe dort mal viele Monate gearbeitet und versäumt, mir lokal entsprechende Fische zu beschaffen. Nun versuche ich seit einer Weile ohne Erfolg aus D hier Jungfische zu finden.
Viele Grüße
Sven IGL: in Arbeit :grin:
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Stefan_L » 03.01.2018 - 22:04

Hallo Sven,

schöner Bericht mit traurigem Inhalt.

Kennst Du de Seiten von Erich Willems zu M. ocellatus? Wenn nicht schau sie Dir mal an, er hat auch eine Liste aller ihm bekannten Stämme die irgendwo gehalten werden, evt. gibt es noch weitere Halter Deiner Tiere.

Ich hatte 2005 bis 2009 hin und wieder in Nanjing zu tun, damals aber noch nicht wieder mit Labyrinthern angefangen. Das bereue ich auch.

Aktuell halte ich im Gartenteich "Shin Hi" ganzjährig und die "Variante Hongkong Neon" außerhalb der Frostperiode in Mörtelwannen. Im Moment 5 halbwüchsige davon im ungeheizten Aquarium, 5 in der Garage.
Viele Grüße
Stefan IGL 163
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon K. de Leuw » 04.01.2018 - 16:45

Hallo Sven,

schönes Tagebuch, möge es ein Männchen werden!

Sven Müller hat geschrieben:Täglich schlug ich ein Drittel davon ab, um den Gasaustausch im Wasser zu ermöglichen.


Davon wird abgeraten, da die überwinternden Fische dadurch erheblich unter Stress gesetzt werden und letztendlich den Winter nicht überleben oder unnötig geschwächt ins Frühjahr gehen. ICh würde einen Eisfreihalter aus dem Teichbedarf verwenden.

Gruß, Klaus
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Stefan_L » 04.01.2018 - 18:30

Zum Thema Eisfreihalter habe ich hier http://www.igl-home.de/forum/viewtopic.php?f=49&t=8242 meine erprobte Lösung beschrieben.
Viele Grüße
Stefan IGL 163
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon CARNIVORE » 04.01.2018 - 19:37

Hallo,
also zusätzlich Heizen ist nicht notwendig und eine geschlossene Eisdecke ist ein guter kostenloser Isolator (Wärmeleitfähigkeit von Eis und Kalkstein ist beispielsweise gleich).
Im Winter kommt die Wärme aus dem Boden und die Kälte aus der Luft! Ich führe zum erhöhen der Eisstärke auf dem Teich Wasser zu, nur bei starkem Frost.
Grüße von
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Sven Müller » 04.01.2018 - 19:41

Danke für euer Feedback!

@Stefan L: hatten wir mal vie Ebay Kleinanzeigen zu Ocellatus Kontakt? Ich denke ja :-)

@ Klaus: Ja das mit dem Eis hatte ich mit Günter Zippe aus Stuttgart schon besprochen, mache ich zukünftig anders.

@Carnivore: heizen deshalb, weil der Teich nicht eingegraben ist, sondern verkleidet mit Sandstein über dem Boden steht. Muss mal ein Bild reinstellen....

Die Seite erabo.de von Erich Willems kenne ich, sehr informativ. Habe dort schon versucht einen Kontakt zu Stefan Inselmann zu bekommen. Er hatte zumindestens vor 3 Jahren die "Wuxinesen" gehabt....ich schreib ihn hier einfach nochmal an.

Hatte letztes Jahr übrigens mal versucht, von lokalen Bekannten mir ein paar Tiere schicken zu lassen. Hätte geklappt, aber man hatte Bedenken bezüglich Einfuhrerlaubnis in D. Habt ihr damit Erfahrungen?

Und überhaupt: :grin:
ab welchem Alter kann ich etwa das Geschlecht erkennen? Für mich wesentliches Merkmal: Flossenspitzen, die über die Schwanzflosse herausragen oder Schwarzfärbung

Danke....
Viele Grüße
Sven IGL: in Arbeit :grin:
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