Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Macropodus, Malpulutta, Pseudosphromenus

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Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Sven Müller » 03.01.2018 - 21:09

Hallo, nach ein paar Monaten stillem Lesens hier möchte ich mich nun auch mal vorstellen: Sven Müller, 43, aus Rudolstadt/Thüringen. Aquarianer seit x Jahren, hauptsächlich Labyrinthfische und Darios.

Meine Erfahrungen mit Macropodus ocellatus, geschrieben als eine Art Tagebuch:

Im März 2016 fand ich per Zufall einen Internetshop, der mir 6 dieser schönen Fische liefern konnte. Geschlechter unbekannt. Größe etwa 5-6cm und alle silbrig/mausgrau. Zuerst kamen alle in ein 200L Kellerbecken bei etwa 23°C. Nach etwa 3 Wochen färbte sich eines dunkel, scheint ein Männchen zu sein. Ein zweiter wurde ebenfalls dunkel, war aber unterlegen und damit bei weitem nicht so farbig. Gefressen wurde alles, Flocken- und Lebenfutter, ziemlich schmatzend. Irgendwie hatte ich immer den Eindruck, das sie schlecht sehen, jedenfalls waren Mückenlarven oft schneller als der zuschnappende Fisch.

Als das dominante Männchen an Bauchwassersucht starb, setzte ich Anfang Mai 2016 alle restlichen 5 Fische langsam in einen 200L Gartenteich (alte Zinkbadewanne mit Teichfolie ausgelegt) um. Standort Südseite. Ordentlich Schwimmpflanzen dazu und 2x die Woche Lebendfutter. Hätte ich mir aber auch sparen können, Insekten gab es genug. Man sah kaum einen oder zwei Makropoden, stets versteckt. Sie hören und sehen sehr gut, was über Wasser passiert (Reaktionen auf Schritte und Schatten). Ich sah also immer nur einen, maximal 2 Fische gleichzeitig an der Oberfläche. Mitte September 2016 stand die Frage des Überwinterns im Raum und ich grub ein 300L Regenfass (Tiefe 1m) in die Erde ein. Also die alte Zinkwanne abschöpfen und zur großen Freude habe ich alle 5 wieder gefunden. Schön gewachsen, prächtige Flossen und Farben. 3 setzte ich in das Regenfass um, 2 wieder in das Kellerbecken. Sie lieben es in der Morgensonne zu stehen und auf Insekten zu lauern....sobald sie den Menschen bemerken, sind sie ruckartig in der Tiefe verschwunden.

Versuche, durch Geräusche sie zum Füttern anzulocken, schlugen fehl. Nur zappelnde Mückenlarven liessen sie auftauchen. Dann hies es regungslos verharren und beobachten. Sie mögen verkrautete Stellen, aber auch Freiwasserzonen. Es wurde Winter. Im Januar 2017 mit -15°, die Eisdecke war 7cm dick. Täglich schlug ich ein Drittel davon ab, um den Gasaustausch im Wasser zu ermöglichen. Wassertemperatur 2°C in 20cm Tiefe. Kurz vor der Frostperiode starb ein weiterer Fisch an Bauchwassersucht. Scheint keine stabile Linie zu sein bzw mein Haltungsfehler vorher im Kellerbecken bzw beim Händler.

Im Keller kühlte sich das Becken auf 13°C ab. Es erfolgte keine Oberflächenatmung mehr, Hunger ging stark zurück. Lebendfutter wurde ignoriert. Beide Fische im Keller verzogen sich entweder direkt unter die Schwimmpflanzendecke oder in eine Schieferhöhle zu den Amanos (die nur zu Putzen dort sind). Bei einer Temperatur von 17° wurde noch ein Schaumnest gebaut, jedoch weiss ich nicht welche Geschlechter ich im Keller habe. Vermutung: 2 Weibchen. Idee: im April 2017 wird das Regenfass ausgegraben, eine Teichzone von etwa 600L wird an der gleichen Stelle angelegt mit verschieden tiefen Zonen. Bin gespannt, ob die verbliebenen beiden Fische aus dem Regenfass den Winter überlebt haben. Sicherheitshalber habe ich zu einem privaten Züchter aus Sachsen schonmal Kontakt für Nachwuchs aufgenommen....

Kaum wurden es wieder 17°C im Kellerbecken, fing die Aktivität der beiden Fische wieder an sich zu steigern. Es wurde auch wieder atmosphärische Luft geatmet. Ich setzte einen überwinterten Kalmus im Netztopf hinein. Sofort wurde dieses neue Versteck angenommen, Wasserstand dort 7cm mit dichten Schwimmpflanzen. 05.02.17: 5 Tage mit Plustemperaturen und stärkerem Sonnenschein liessen alle Pflanzen Wurzeln treiben, auch die fast abgefrorenen Seekannen, die als Schwimmpflanzen unter dem Eis des Teiches waren. Das Eis war zu 50% weggeschmolzen. Und dann war es endlich soweit: ich sah in der Südsonne im Teich bei 4°C Wassertemperatur und 8°C Lufttemperatur (Schattenwert) in aller Ruhe einen überwinterten Rundschwanzmakropoden in die Tiefe verschwinden. Was habe ich mich gefreut!

14.02.2017: Fisch Nummer 3 starb an Bauchwassersucht im Teich. Restlicher Besatz nun: Teich 1x, Kellerbecken 2x. 3 von 6 sind nun an der gleichen Krankheit verstorben.
18.02.17: Ich fand eine ersoffene Maus im Teich an der Oberfläche. Oder sie ist im kalten Wasser erfroren. Egal. Habe beschlossen, deswegen einen Teich-Teilwasserwechsel zu machen. Der Folgetag sollte sonnig werden, perfekt.
19.02.17: Vorsichtig habe ich mit einem 20L Maurereimer die Hälfte vom Teichwasser entfernt, dabei den letzten Makropoden in den alten Pflanzenresten entdeckt. Dachte erst es ist ein neues Blatt. Schnell habe ich ihn herausgefangen und fix mit altem Wasser in eine Tüte hinein in das Kellerbecken, zum angleichen. Kellerbecken 15°C, Teich etwa 5°C bedeuten eine lange Zeit dafür. Idee: in den Teich kommen bald Bachflohkrebse, diese fressen altes Laub und geben ein Zusatzfutter ab.
19.04.17: Aktueller Stand: 3 Ocellatus sind noch im Keller, der Teich im Garten ist auf 700L erweitert. Da heute wieder Schneefall einsetzte bei +4°C muss ich noch warten mit dem umsetzen. Kellerwassertemperatur: 17°C. Mai 2017: nach einer kurzen Warmwetterperiode setzte ich alle 3 verbliebenen Makropoden in den Teich. Sehe seitdem maximal 2 davon gleichzeitig.
31.05.2017: durch glückliche Umstände bekomme ich von einem privaten Aquarianer aus der Lausitz 2 Männchen und 1 Weibchen. Diese setzte ich am 31.05. noch in den Teich, seitdem ist nichts mehr wie es war. Das erste Schaumnest habe ich am 02.06. entdeckt.

30.06.2017: Das Weibchen aus der Lausitz fand ich noch lebend, aber mit blutunterlaufenem Bauch am Teichbodenrand liegend. Habe sie erlöst. Ein anderes Weibchen lag auf dem Vogelschutznetz mit dem Kopf im Wasser. Keine Ahnung wie es dahin gekommen sein soll, allerdings ragte das Netz nach einem starken Regenguss auf die Wasseroberfläche.
27.07.2017: nach einer 3wöchigen Abwesenheit fand ich das dominanteste Männchen auf dem Vogelnetz liegend. Es war tot, sehr schade. Vermutung: entweder hat eine recht große Eidechse beide Fische fangen wollen oder, was auch wahrscheinlicher ist, gehen alle 3 toten Fische der letzten Wochen auf das Konto einer Katze, die sie fangen wollte. Weiterhin ist das zweite Männchen aus der Lausitz nicht mehr zu sehen. Aktueller sicherer Teichbesatz deswegen: 2 Weibchen. 14.08.2017: ich habe einen Jungfisch ganz klar und eindeutig gesehen. Größe etwa 2cm. Ich hoffe, das er nicht alleine ist und noch mehr im Teich zwischen den Pflanzen und Algen sind. Ich denke er ist aus dem Wurf Ende Mai 2017.

Oktober 2017: nach dem Abfischen des Teiches sind 2 schöne Weibchen heraus gekommen und 1 Jungfisch, Größe um die 3cm. Geschlecht noch unbekannt. Die 4 Amanogarnelen haben auch überlebt.
Januar 2018: die 2 erwachsenen Weibchen und der eine Jungfisch (jetzt um die 4cm) sind bei konstanten 15°C im Kellerbecken. Ich weiss noch nicht, welches Geschlecht der Jungfisch hat. Hoffe auf einen Mann.

Plan für 2018:
Im Mai kommen bei passenden Temperaturen alle 3 Fische wieder in den Teich. Dort bleiben sie auch von nun an ganzjährig, im Oktober werde ich einen Temperatursensor am Boden plazieren um ab 5°C ggf leicht zuzuheizen (Teich ist nur 60cm tief). Zugefüttert wird nicht mehr, höchstens im Winter aber sparsam. Der gesamte Teich wird sauber (auch die kleinsten Ecken) mit Vogelschutznetz abgedeckt, gegen Katzen. Sollte der Jungfisch kein Männchen sein, muss ich eines zukaufen.

Folgende Frage habe ich:
ab welchem Alter kann ich etwa das Geschlecht erkennen? Für mich wesentliches Merkmal: Flossenspitzen, die über die Schwanzflosse herausragen oder Schwarzfärbung

Vision: ich halte nur noch Ocellatus vom Fundort Wuxi/Taihu Lake China im Teich. Habe dort mal viele Monate gearbeitet und versäumt, mir lokal entsprechende Fische zu beschaffen. Nun versuche ich seit einer Weile ohne Erfolg aus D hier Jungfische zu finden.
Viele Grüße
Sven IGL: in Arbeit :grin:
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Stefan_L » 03.01.2018 - 22:04

Hallo Sven,

schöner Bericht mit traurigem Inhalt.

Kennst Du de Seiten von Erich Willems zu M. ocellatus? Wenn nicht schau sie Dir mal an, er hat auch eine Liste aller ihm bekannten Stämme die irgendwo gehalten werden, evt. gibt es noch weitere Halter Deiner Tiere.

Ich hatte 2005 bis 2009 hin und wieder in Nanjing zu tun, damals aber noch nicht wieder mit Labyrinthern angefangen. Das bereue ich auch.

Aktuell halte ich im Gartenteich "Shin Hi" ganzjährig und die "Variante Hongkong Neon" außerhalb der Frostperiode in Mörtelwannen. Im Moment 5 halbwüchsige davon im ungeheizten Aquarium, 5 in der Garage.
Viele Grüße
Stefan IGL 163
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon K. de Leuw » 04.01.2018 - 16:45

Hallo Sven,

schönes Tagebuch, möge es ein Männchen werden!

Sven Müller hat geschrieben:Täglich schlug ich ein Drittel davon ab, um den Gasaustausch im Wasser zu ermöglichen.


Davon wird abgeraten, da die überwinternden Fische dadurch erheblich unter Stress gesetzt werden und letztendlich den Winter nicht überleben oder unnötig geschwächt ins Frühjahr gehen. ICh würde einen Eisfreihalter aus dem Teichbedarf verwenden.

Gruß, Klaus
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Stefan_L » 04.01.2018 - 18:30

Zum Thema Eisfreihalter habe ich hier http://www.igl-home.de/forum/viewtopic.php?f=49&t=8242 meine erprobte Lösung beschrieben.
Viele Grüße
Stefan IGL 163
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon CARNIVORE » 04.01.2018 - 19:37

Hallo,
also zusätzlich Heizen ist nicht notwendig und eine geschlossene Eisdecke ist ein guter kostenloser Isolator (Wärmeleitfähigkeit von Eis und Kalkstein ist beispielsweise gleich).
Im Winter kommt die Wärme aus dem Boden und die Kälte aus der Luft! Ich führe zum erhöhen der Eisstärke auf dem Teich Wasser zu, nur bei starkem Frost.
Grüße von
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Sven Müller » 04.01.2018 - 19:41

Danke für euer Feedback!

@Stefan L: hatten wir mal vie Ebay Kleinanzeigen zu Ocellatus Kontakt? Ich denke ja :-)

@ Klaus: Ja das mit dem Eis hatte ich mit Günter Zippe aus Stuttgart schon besprochen, mache ich zukünftig anders.

@Carnivore: heizen deshalb, weil der Teich nicht eingegraben ist, sondern verkleidet mit Sandstein über dem Boden steht. Muss mal ein Bild reinstellen....

Die Seite erabo.de von Erich Willems kenne ich, sehr informativ. Habe dort schon versucht einen Kontakt zu Stefan Inselmann zu bekommen. Er hatte zumindestens vor 3 Jahren die "Wuxinesen" gehabt....ich schreib ihn hier einfach nochmal an.

Hatte letztes Jahr übrigens mal versucht, von lokalen Bekannten mir ein paar Tiere schicken zu lassen. Hätte geklappt, aber man hatte Bedenken bezüglich Einfuhrerlaubnis in D. Habt ihr damit Erfahrungen?

Und überhaupt: :grin:
ab welchem Alter kann ich etwa das Geschlecht erkennen? Für mich wesentliches Merkmal: Flossenspitzen, die über die Schwanzflosse herausragen oder Schwarzfärbung

Danke....
Viele Grüße
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Erich Willems » 12.02.2018 - 21:47

Hallo Sven,

Sven Müller hat geschrieben:Und überhaupt: :grin:
ab welchem Alter kann ich etwa das Geschlecht erkennen? Für mich wesentliches Merkmal: Flossenspitzen, die über die Schwanzflosse herausragen oder Schwarzfärbung


Schwarzfärbung (je nach Haltungsumgebung besser Dunkelfärbung) zeigen beide Geschlechter. Auch die darauf kontrastierend gezeigte Kopfmaske können beide zeigen.

Schau die After- und Rückenflosse an. Männchen läuft spitz ausgezogen aus, Weibchen endet eher rundlich.
Aber auch an der Körperform unterscheidbar: Weibchen hat eine rundere Bauchlininie, auch von oben gesehen, gleichmäßiger rundlicher über die Bauchlinie weg.

> an welchem Alter
Das hängt nicht vom Alter ab sondern von der Körpergröße. Welche Größe in welchem Alter erreicht wird hängt von der (durchschnittlichen) Haltungstemperatur ab.
Sind sie im Winter draußen, wachsen sie in dieser Zeit so gut wir gar nicht - bei mir z.B. gehen sie teilweise mit rund 1,5cm SL in den Winter und kommen mit dieser Größe im Frühling an -.
Also bei etwa 3cm (SL) solltest du die Unterschiede schon erkennen können.
Schau mal hier:
http://erabo.de/aqua/Macropodus/ocellatus/Beobachtungen/27.02.10%20Aquarium
Auf Bild Nr 5 siehst du Männchen zusammen. Bild 4 ein Weibchen. Schau da die Flossen an, dann siehst du was ich meine.


Unter
http://erabo.de/aqua/Macropodus/ocellatus/Beobachtungen/Video/Teich3_30_12_2017
gibt's übrigens ein Video, welches einen Rundschwanzmakropoden unterm Eis rumschleichend zeigt und die potentiell nutzbare Nahrungsmenge unter Eis.

Teich:
Mach dir die Mühe und grabe den Teich richtig im Boden aus und dann lass das Eis in Ruhe. Wie oben bereits gesagt wurde: Das Eis isoliert.
Und zusätzlich hält es die Winde im Winter ab und verhindert damit ein Umwälzen/Umschichten des Wassers. Letzteres treibt die Kälte tiefer ins Wasser.
Also das Eis ist weniger eine Gefahr als ein Schutz auch wenn dein Teich nur 60cm tief ist. Es muss wirklich schon brechend kalt und das lange sein, damit das Eis über 20cm wächst.
Schau das du im Teich am Boden eine paar Wasserpflanzen hast, die auch im Winter assimilieren sowie einige, die Stängel über das Wasser treiben. Letztere lässt du im Winter stehen, statt sie, weil sie abgestorben evtl. nicht hübsch aussehen, zu entfernen. Sie stellen eine Verbindung durch das Eis an die Luft sicher. Und füttere (im Sommer) nicht, damit du keinen Überbesatz bekommst. Dann gibt 's auch keine Sauerstoffprobleme unter Eis.
Erich Willems
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Sven Müller » 13.02.2018 - 20:11

Danke Erich für die umfangreiche Antwort! Deine Seite ist wirklich äußerst interessant!
Viele Grüße
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Erich Willems » 14.02.2018 - 20:01

Hab ja von Pflanze, die im Winter assimilieren geschrieben, Sven,

ich setze in meine Teiche an den tiefsten Stellen immer
die Riesenvallisnerie
ein.

Die Produziert auch im Winter immer brach Sauerstoff fürs Wasser.
Erich Willems
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon K. de Leuw » 14.02.2018 - 20:10

Hallo,

Erich Willems hat geschrieben:Hab ja von Pflanze, die im Winter assimilieren geschrieben, Sven,

ich setze in meine Teiche an den tiefsten Stellen immer
die Riesenvallisnerie
ein.

Die Produziert auch im Winter immer brach Sauerstoff fürs Wasser.


Woran siehst Du, dass sie Sauerstoff produziert? Hast Du mal gemessen, wieviel sie in den paar Stunden, die hell genug sind, produziert, und wieviel sie in den Dunkelstunden dann wieder verbraucht? Ich glaube nicht, dass die Pflanze nennenswerten Überschuss produziert.

Gruß Klaus
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Erich Willems » 14.02.2018 - 20:50

Hallo,

K. de Leuw hat geschrieben:woran siehst du ...

Daran, dass sie in Schnüre Gasperlen aufsteigen lässt aus ihren Blättern

K. de Leuw hat geschrieben:hast Du mal gemessen, wieviel sie in den paar Stunden, die hell genug sind, produziert


Gemessen nicht, aber daraus geschlossen, dass sich über den aufsteigenden Gasperlen im Eis innerhalb recht kurzer Zeit Gastaschen bilden wie z.B. auf diesem Bild
Gastaschenbildung im Eis,
dass es nicht wenig ist.

K. de Leuw hat geschrieben:und wieviel sie in den Dunkelstunden dann wieder verbraucht?

Nein.
Klar, meine Annahme ist nicht durch professionelle Messungen belegt, liegt in der Klasse der Spekulation.

K. de Leuw hat geschrieben:Ich glaube nicht, dass die Pflanze nennenswerten Überschuss produziert.


Und erst recht kann ich nicht sagen, wie die Bilanz tatsächlich aussfällt.

Aber, auf alle Fälle treten ausreichend Gasblasen aus, um unter und im Eis beachtliche Gasvorräte anzusammeln.
Wenn ich also mutig annehme, dass diese aus den aufsteigenden Perlen sich bildenden Gaskammern Sauerstoff beinhalten, dann stellen sie auf alle Fälle für alle im Teich lebenden Tiere, die bei geschlossener Eisdecke darauf angewiesen sind/sein könnten, solche Luftblasen erreichen zu können, einen Gewinn dar.

Nehme ich an, dass die Bilanz der täglichen Produktion und der nächtlichen Konsumption durch diese Pflanze zu 0 ausgeht, und die Gaskammern Sauerstoff enthalten, dann würde die Pflanze tatsächlich als eine Sauerstoff"pumpe" Arbeiten, die den tieferen Wasserschichten Sauerstoff entzieht und über die Blasenbildung unters Eis verlagert. Das wäre dann für die tiefen Wasserschichten ein schlechter Dienst :).

Noch gefällt mir aber die Vorstellung, dass die Bilanz zugunsten des Sauerstoffes ausgeht. Und da ich keine Möglichkeit habe die tatsächliche Bilanz im Winterteich zu messen, bleibt mir das Gefallen erstmal erhalten. :grin:

Oder kannst du mir die Vorstellung, die ich mir davon mache, verderben/verbessern? ;)

PS:
Ach ja, noch vergessen:
Da sie bei mir im Teich unter Eis nicht nur am Leben bleiben, sondern ihre Blätter auch verlängern oder neue bilden, legen sie also an Masse zu. Bedeutet das nicht, dass also die Bilanz zu Gunsten des Sauerstoffes ausfallen müsste?
Erich Willems
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon K. de Leuw » 14.02.2018 - 22:57

Hallo Erich,

Erich Willems hat geschrieben:Hallo,

K. de Leuw hat geschrieben:woran siehst du ...

Daran, dass sie in Schnüre Gasperlen aufsteigen lässt aus ihren Blättern

K. de Leuw hat geschrieben:hast Du mal gemessen, wieviel sie in den paar Stunden, die hell genug sind, produziert


Gemessen nicht, aber daraus geschlossen, dass sich über den aufsteigenden Gasperlen im Eis innerhalb recht kurzer Zeit Gastaschen bilden wie z.B. auf diesem Bild
Gastaschenbildung im Eis,
dass es nicht wenig ist.


Ohne die Eisschicht verpufft dieser Teil des Sauerstoffs in der Atmosphäre, mit Eis löst er sich vielleicht, allerdings nicht an der Stelle des höchsten Bedarfs, nämlich am Grund.

Wenn ich also mutig annehme, dass diese aus den aufsteigenden Perlen sich bildenden Gaskammern Sauerstoff beinhalten, dann stellen sie auf alle Fälle für alle im Teich lebenden Tiere, die bei geschlossener Eisdecke darauf angewiesen sind/sein könnten, solche Luftblasen erreichen zu können, einen Gewinn dar.


Wenn es denn Sauerstoff ist, ist er für luftatmende Tiere eher kein Gewinn, denn reiner Sauerstoff wird nicht gut vertragen.

Nehme ich an, dass die Bilanz der täglichen Produktion und der nächtlichen Konsumption durch diese Pflanze zu 0 ausgeht, und die Gaskammern Sauerstoff enthalten, dann würde die Pflanze tatsächlich als eine Sauerstoff"pumpe" Arbeiten, die den tieferen Wasserschichten Sauerstoff entzieht und über die Blasenbildung unters Eis verlagert. Das wäre dann für die tiefen Wasserschichten ein schlechter Dienst :).


Das wäre das Worst-Case-Szenario.

Oder kannst du mir die Vorstellung, die ich mir davon mache, verderben/verbessern?


Sagen wir mal so: Wenn alle Fische und Amphibien im Teich den Winter überleben, hat's zumindest nicht wirklich geschadet.

Da sie bei mir im Teich unter Eis nicht nur am Leben bleiben, sondern ihre Blätter auch verlängern oder neue bilden, legen sie also an Masse zu. Bedeutet das nicht, dass also die Bilanz zu Gunsten des Sauerstoffes ausfallen müsste?


Wenn keine alten Blätter absterben, ja. Bleibt nur die Frage, ob der Sauerstoff auch verfügbar ist.

Mich widert die Werbung für Hornkaut und Wasserpest an, die gerne behauptet, es wären Sauerstoffspender. Dabei kommt es gerade im Sommer vor, dass Fische morgens in verkrauteten Teichen an Sauerstoffmangel verrecken. Die Pflanzen wuchern und produzieren Sauerstoff, das Wasser ist nach wenigen Stunden damit gesättigt, der Rest perlt in die Atmosphäre ab. Nach einigen Wochen sterben die unteren Schichten der Pflanzen aus Lichtmangel ab und fangen zu verrotten an. Tagsüber kein Problem, aber nachts tritt dann Sauerstoffmangel auf, wenn keine Wasserbewegung für Nachschub sorgt. Oft ist die Nacht kurz genug, aber wenn die Tage dann kürzer werden oder Hitze die Löslichkeit senkt und den Bedarf erhöht, heulen dann die Goldfischfreunde, dass sie doch so tolle Pflanzen haben und ihre Lieblinge dennoch verreckt sind. Ach nein, die sind im Herbst ja schon längst zum Reiherfrühstück geworden. ;)

Gruß, Klaus
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Erich Willems » 15.02.2018 - 00:16

Hallo Klaus,
K. de Leuw hat geschrieben:Ohne die Eisschicht verpufft dieser Teil des Sauerstoffs in der Atmosphäre, mit Eis löst er sich vielleicht, allerdings nicht an der Stelle des höchsten Bedarfs, nämlich am Grund.

:grin: Aber Kälte sei Dank ist ja nunmal die Eisschicht da und es verpufft nicht vollkommen unnutzbar für die Teichbewohner - davon abgesehen finde ich, dass es hübsche Skulpturen im Eis bildet -.


K. de Leuw hat geschrieben:Wenn es denn Sauerstoff ist, ist er für luftatmende Tiere eher kein Gewinn, denn reiner Sauerstoff wird nicht gut vertragen.

Hmm... das Wasser enthält ja nicht nur Sauerstoff.
Sollte sich daher diese Blase nicht mit weiteren Gasen aus dem Wasser anreichern?
Dann wäre es evtl nicht mehr ganz so aggressiv, könnte sein oder?
Aber selbst wenn, würde die super duper reine Version des Sauerstoffes doch das Wasser in seiner Umgebung sauerstoffreicher machen, was durchaus unter Eis - welches ja den Austausch mit der Luft verringert - positiv sehbar wäre.

K. de Leuw hat geschrieben:Das wäre das Worst-Case-Szenario.

Ja, und da in meinen Teichen Winters noch keine Fische oder Frösche - die darin auch überwintern, wie auch Bergmolche - umgekommen sind, die ich bemerkt hätte, kann ich diesen Schlimmfall guter Dinge ausschließen.

K. de Leuw hat geschrieben:Sagen wir mal so: Wenn alle Fische und Amphibien im Teich den Winter überleben, hat's zumindest nicht wirklich geschadet.
:)

K. de Leuw hat geschrieben:Wenn keine alten Blätter absterben, ja. Bleibt nur die Frage, ob der Sauerstoff auch verfügbar ist. .

Nee, tun sie nicht. Wenn von den Vallisnerienblättern was im Winter abstirbt, dann die Teile, die in das Eis einfrieren. Die liegen da aber konserviert bis das Eis verschwindet und dann ist der Wind da und wälzt um.

K. de Leuw hat geschrieben:Mich widert die Werbung für Hornkaut und Wasserpest an, die gerne behauptet, es wären Sauerstoffspender.

Na, du bist aber empfindlich leicht im Appetit zu stören. Die Werbung wird doch eigentlich versucht ästhetisch zu gestalten ;).
Ist doch wahr, sie spenden doch Sauerstoff.

K. de Leuw hat geschrieben:Dabei kommt es gerade im Sommer vor, dass Fische morgens in verkrauteten Teichen an Sauerstoffmangel verrecken. ...


Nun ja, wenn die Oberfläche schön dicht zugekrautet ist, dann ist die Schicht zwischen und oberhalb der Pflanzen wie du sagst nach kurzer Zeit gesättigt. Gleichzeitig verhindert der Pflanzenfilz aber die vom Wind getrieben Zirkulation, so dass die darunter im Dunkeln liegenden Schichten sogar tagsüber sauerstoffarm bis -los werden können. Das kann daher auch tagsüber zum Problem werden.
K. de Leuw hat geschrieben: dann ... heulen die Goldfischfreunde

Aber etliche Goldfischfreunde haben doch gar keinen Teich. Das ist oft doch nur ein dachloser Fischstall.
Da ist die Luft gewohnheitsmäßig doch nicht so frisch - Landluft -.

K. de Leuw hat geschrieben: die sind im Herbst ja schon längst zum Reiherfrühstück geworden. ;)

Da warte ich ja schon immer sehnsüchtig drauf, dass mal ein Storch oder Reiher richtig zu Besuch in den Garten kommt. Bei uns in der Gegend kann ich inzwischen jedes Jahr die hübschen Silberreiher sehen.
Aber, ehrlich gesagt, würd ich dann das Ufer doch etwas unwegsamer gestalten.
Aber auf die Miniausgaben würde ich mich ganz richtig freuen. Käme ein Eisvogel regelmäßig zu Besuch würde ich ihm den kleinen Zoll mit Freuden gönnen.

Und zu guter Letzt, erhalte ich mir meine positive Sicht der Sache doch noch,
denn wenn auch etliches am Eis ungelöst im Wasser gesammelt wird, so heißt das ja nicht, dass alles in dicken Perlen abgegeben wird und es wird auch ins Wasser gelöst, da unten, wo sie wurzelt. :)
Und "allerdings nicht an der Stelle des höchsten Bedarfs, nämlich am Grund. " fragt, für wessen Bedarf am Grund? Kleinlebewesen, Frösche und Molche.
Meine Fische haben diesen nicht unbedingt am Grund, sie sind mobil.
Und auch von den Fröschen weiß ich, dass sie im Winter nicht passiv unten herumlungern, sondern immer wenn ich sie beobachtet hatte zwischen den Vallisnerienblättern rumgekrakselt sind.
Nur bei den Molchen weiß ich zwar, dass einige in den Teichen überwintern aber nicht was sie wirklich machen in dieser Zeit.
Die Fische:
Rundschwanzmakropoden wandern langsam rum, sehr oft dicht unter dem Eis,bzw sonnen sich dort, wenns sonnig.
Neunstachelige Stichlinge verhalten sich unter Eis nicht anders als im Herbst, qick-lebendig ziehen sie in allen Wasserschichen rum und fressen ununterbrochen.
Kardinälchen sind auch nicht passiv, sondern wechseln auch andauernd den Ort.

Ich sollte mal versuchen ob ich in der schattigen "Tiefe" die Cam platzieren kann und evtl. trotzdem erkennbare Bilder kriege, hmm.

Gute Nacht
Erich Willems
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Sven Müller » 16.02.2018 - 20:04

Mach das mal mit der Kamera etwas tiefer, spannend was rauskommt.
Viele Grüße
Sven IGL: in Arbeit :grin:
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Re: Vorstellung und Erfahrungen mit Macropodus ocellatus

Beitragvon Erich Willems » 19.02.2018 - 21:56

Hallo zusammen,

hab noch nichts vom Teichgrund zu zeigen aber ich dachte, zur Abwechslung könnte man mal was zeigen, dass auch mit Wasser, Teich und deren Bewohner bei mir zu tun hat.
Also gibt's hier ein Filmchen von einem Gefiederten, der einen der Teiche und dessen Bewohner nutzt :) :
http://erabo.de/aqua/Nahrung/Wasserschnecken
Zuletzt geändert von Erich Willems am 20.02.2018 - 16:06, insgesamt 2-mal geändert.
Erich Willems
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