Unsere IGL-Arbeitsgruppe Nanderbarsche und Vielstachler

In den Arbeitsgruppen finden sich jene Mitglieder der Gemeinschaft zusammen, die ein besonderes Faible für eine Gattung, einen Reproduktionstyp oder einen Kontinent bevorzugen. Die Arbeitsgruppen treffen sich zwei Mal im Jahr auf den Tagungen der IGL.

 

 

Leiter der Arbeitsgruppe: derzeit ist die Stelle des AG-Leiters unbesetzt. Interessenten können sich gerne beim Präsidium melden.


Wissenswertes über die AG Nanderbarsche und Vielstachler

Vor Jahren hat sich die IGL um eine Interessengruppe NANDERBARSCHE erweitert.

Im Jahre 2002 veröffentlichten Britz und Kullander die Differenzierung der Nandiden in die Familien der Polycentridae und Nandidae. Beide Familien stellen tropische Barsche dar, die über das nördliche Südamerika (incl. Trinidad), Westafrika und Südostasien verbreitet sind. Ihr Verbreitungsgebiet weist auf ehemalige Kontinentzusammenhänge hin. Die heutigen Vertreter stellen den Rest einer ehemaligen großen Familie dar, die ihre Blütezeit vor über 100 Millionen Jahren hatte.

Die Fische zählen mit zu den interessantesten Aquarienbewohnern. Durch ihren räuberischen Charakter ist das Beutemachen ein fesselnder Anblick. Der Blattfisch, Monocirrhus polyacanthus, pirscht sich langsam an kleine Fische heran, stößt wenige Zentimeter vor dem Opfer zu, reißt sein riesiges, röhrenförmiges Faltmaul auf, so dass der Beutefisch hineingerissen wird. Getarnt zwischen Blättern, ist der Räuber teilweise kaum zu sehen. Das Jagdprinzip ist auch bei den beiden anderen Vertretern der Familie Polycentridae vorhanden, und zwar bei Polycentrus schomburgkii und Polycentropsis abbreviata. Bei der asiatische Familie der Nandidae ist ein blitzschnelles Zupacken teilweise aus größerer Distanz zu beobachten. Diese Familie ist auch wesentlich lebhafter, größer und gieriger.

Viel zu beobachten gibt es auch bei der Fortpflanzung beider Familien. Bei den beiden Südamerikanern Monocirrhus und Polycentrus wie auch bei dem Afrikaner Polycentropsis haben wir es mit einer reinen Vaterfamilie zu tun, d. h. das Männchen übernimmt die Brutpflege bis zum Verlassen der Larven von der Ablaichstätte. Obwohl die drei Vertreter der Familie miteinander verwandt sind, kommt hier doch der monotypische Charakter besonders zum Vorschein. Polycentrus laicht bevorzugt in Höhlen ab, Monocirrhus unter breiten Blättern und Polycentropsis baut eine Art Schaumnest unter Schwimmpflanzenblättern. Auch wenn bei allen drei Vertretern der Spermientransport mittels der Bauchflossen ähnlich ist, so differenziert ist doch die Stellung der Männchen bei der Besamung und Brutpflege. Die Familie der Nandus weicht völlig von den Vielstachlern ab. Hier findet beim Paarungs-und Besamungsakt eine Umschlingung der Geschlechter statt, verbunden mit einer wilden Verfolgung der weiblichen Tiere durch die Männchen. Es gibt keine Brutpflege.

Folgende Familienverteter sind mir z. Zt. bekannt.

Polycentridae: Polycentrus schomburgkii, Monocirrhus polyacanthus, Polycentropsis abbreviata

 

Nandidae:Nandus nandus, Nandus nebulosus, Nandus oxyrhynchus, Nandus andrewi.

Neu beschrieben wurden 2006 Nandus prolixus und 2008 Nandus mergatus.

Der 1954 von Hermann Meinken beschriebene Afronandus sheljuzhkoi, stellt wohl ein afrikanisches Pendant zu den Nandiden dar, ist er doch von Leo Sheljuzhko in Westafrika(Elfenbeinküste) entdeckt worden. Die Entdeckung war m.W. eine ichthyologische Sensation.

Pflege-und Zuchterfahrungen: Vertreter beider Familien sind neben ihrer allgemeinen Faunivorie piscivor und sollten auch mit Fischen ernährt werden. Aufgrund vieler kranker Aquarienfische sollten Wildfische herangezogen werden. Insektenlarven, Wasserasseln und Flohkrebse ergänzen die Nahrung. Beckengrößen von 8ocm bis 100 cm Kantenlänge sind geeignet. Wasserwerte um die 100 Mikrosiemens/cm und pH Werte zwischen 6 und 7. Anfütterung der Larven(und da bin ich sehr konservativ) mit Staubfutter, vornehmlich Copepodennauplien. . Jungfische dann mit Insektenlarven, Asseln, Flohkrebsen, später auch Fische wie z. B. Jungkarauschen und anderen Jungfischen von Cypriniden.

Weitere ausführliche Artikel von mir über diese Fische finden sich u.a. in Jahrgängen der DATZ.

 

Rudolf Rucks, ehemaliger AG-Leiter