Betta antoni (TAN & NG, 2006)

Vor der Artbeschreibung: Betta sp. „Sanggau“

von Richard Fischer

Betta antoni wird zum Akarensis-Formenkreis gezählt. Zu diesem gehören:

  • Betta akarensis Regan, 1910
  • Betta antoni Tan & Ng, 2006
  • Betta aurigans Tam & Lim, 2004
  • Betta balunga Herre, 1940
  • Betta chini Ng, 1993
  • Betta ibanorum Tan & Ng, 2004
  • Betta pinguis Tan & Kottelat, 1998
  • Betta obscura Tan & Ng, 2005

Vorkommen & Verbreitung

Die Art bewohnt Klarwasserbäche im Einzugsgebiet des unteren Kapuas, West-Kalimantan, Borneo.

Betta antoni hält sich bevorzugt in langsam fließenden Gewässerabschnitten, im Uferbereich sowie in Gumpen der Bachläufe auf. Sein Lebensraum ist vom dichten Blätterdach des Waldes geprägt, welches nur wenig Licht in das Gewässer dringen lässt. Somit ist dieser durch ins Wasser ragende Baumwurzeln, Falllaub und Ufervegetation, welche teilweise in das Gewässer hängt, strukturiert. Wasserpflanzen kommen - wenn überhaupt – nur spärlich vor.

Betta antoni PaarBetta antoni Paar
Foto © R. Fischer

Betta antoni Paar beim ablaichenBetta antoni Paar beim ablaichen
Foto © R. Fischer

Beschreibung und Geschlechtsunterschiede

Die Färbung der Art schwankt je nach Stimmung sehr stark. Häufig zeigen die Tiere ein Längsstreifenmuster, welches aus dunkelbraunem Rücken und einem schmalen dunklen Streifen unterhalb der Körpermitte auf hellem beigefarbenen Grund besteht. Die Tiere zeigen häufig einen Schwanzwurzelfleck. Ansonsten präsentieren sich B. antoni mit einer einheitlichen Körperfärbung, die zwischen sehr hellem Beige und einem beinahe schwarz wirkenden Rotbraun variiert. Darauf befinden sich bei den Männchen zahlreiche Glanzschuppen, die je nach Lichteinfall und Stimmung von Gold über Grün bis Hellblau leuchten. Besonders auffällig ist hier eine, bei den Männchen fast immer erkennbare, Längsreihe von Glanzschuppen unterhalb der Körpermitte. Weibchen zeigen keine Glanzschuppen.

Die Kopfzeichnung besteht aus der Verlängerung des Körperlängsstreifens, welcher über den Kiemendeckel, durch das Auge und zur Lippe zieht, wo sie auf der Unterseite der Unterlippe zwei miteinander verbundene Flecken bilden. Ein weiterer Streifen zweigt hinter dem Auge vom Körperlängsstreifen ab und verläuft unterhalb des Auges bis zum Kinn, wo er am Kehlsack unterbrochen ist. Die Afterflosse hat eine rotbraune Grundfarbe und besitzt einen schmalen schwarzen Saum. Sie ist bei Männlichen Tieren deutlich ausgezogen, nimmt häufig sehr dunkle, gedeckte Farbtöne an und schimmert golden.

Die Rückenflosse weist dieselbe rotbraune Grundfärbung auf, wobei sie zwischen den Flossenstrahlen jeweils in der unteren Hälfte transparent ist und bei männlichen Tieren goldene, grüne oder blaue Glanzflecken aufweist. Die Schwanzflosse ist meist dunkel gefärbt. Sie weist bei den Männchen ein so genanntes Leitermuster aus aneinandergereihten Glanzpunkten auf. Diese zeigen, wie auch die Glanzschuppen, eine große farbliche Varianz von Gold über Grün bis Blau, je nach Lichteinfall und Stimmung. Bei weiblichen Tieren sind in der Schwanzflosse lediglich einzelne Glanzpunkte vorhanden. Alle unpaaren Flossen besitzen bei beiden Geschlechtern einen goldenen bis bläulichen Flossensaum. Während Männchen deutlich lanzettliche Schwanzflossen zeigen, ist diese bei Weibchen rund, bzw. ein Zipfel bestenfalls angedeutet.

Betta antoni ist der schlankeste Vertreter des Formenkreises um Betta akarensis und erreicht eine Totallänge, welche 10cm wohl nicht überschreitet. Weibliche Tiere bleiben noch etwas kleiner.

Haltungsbedingungen, Ansprüche und Ernährung

Entsprechend der Fundortbeschreibung sollte man dieser Art im Aquarium eine leichte Strömung bieten, welche allerdings nicht zu stark sein darf. Ist die Strömung zu heftig, wird man die Fische kaum zu Gesicht bekommen, da sie sich in die untersten und hintersten Ecken der Einrichtung verkriechen. Die Wasserwerte sollten sich im Bereich von pH 5-7, KH <4 und GH <10 bei einer Temperatur von 21-26°C bewegen. Über 27°C für längere Zeit sollten unbedingt vermieden werden. Das Aquarium mit Wurzeln und Laub als Grundgerüst der Einrichtung ausgestattet sein. Javafarn empfiehlt sich, auf die Wurzeln bodennah aufgebunden, als schöne Bepflanzung, welche den Fischen zusätzliche Deckung durch alle Wasserschichten bis zur Oberfläche bietet und zugleich mit wenig Licht gut zurechtkommt. Eine Schwimmpflanzendecke ist dem Wohlbefinden der Tiere förderlich. In stark strukturiert eingerichteten Aquarien fühlt sich Betta antoni wohl.

Auf eine gute Wasserqualität ist durch regelmäßige Wasserwechsel zu achten!

Betta antoni kann zwar an Granulatfutter gewöhnt werden, Lebendfutter wird jedoch klar bevorzugt und sorgt bei sonst guten Bedingungen für einen schnellen Laichansatz. Zwar werden Wasserflöhe und Mückenlarven gierig gefressen, größere Brocken, wie zum Beispiel kleine Rückenschwimmer, kleine Grillen, Fliegen oder Bachflohkrebse werden am liebsten genommen und in spektakulären Jagten erbeutet!

Betta antoni MännchenBetta antoni Männchen
Foto © R. Fischer

Betta antoni WeibchenBetta antoni Männchen
Foto © R. Fischer

Verhalten

Das "fiese Grinsen" von Betta antoni täuscht: Diese mittelgroße Art ist im Sozialverhalten allgemein recht friedlich. Zwar wird eine strikte Rangordnung eingehalten und ggf.auch um Reviere gekämpft. Sorgt man bei der Einrichtung des Aquariums jedoch auf Versteckmöglichkeiten, so kommt es in der Regel lediglich zu kurzen Verfolgungsjagden, die in selten Fällen mit leicht eingerissenen Flossen enden können. Wie bei den meisten Maulbrütern nimmt auch hier das Weibchen eine soziale Sonderrolle ein. Zwar steht sie außerhalb der Rangordnung der männlichen Artgenossen, ist in gewisser Weise aber dennoch „der Chef“. Eine Vergesellschaftung mit anderen Arten ist nur empfehlenswert, wenn deren Körperdurchmesser größer ist, als das Maul von Betta antoni. Panzerwelse können gute Beifische sein, sofern sie die gleichen Anforderungen an die Wasserchemie stellen. Das Verhältnis zwischen Betta antoni und Panzerwelsen (auch hier sollten keine Zwerge eingesetzt werden!) lässt sich am ehesten mit gegenseitiger Ignoranz beschreiben.

Vermehrung

Betta antoni zählt zu den maulbrütenden Kampffischen. Sofern die Wasserwerte den o.g. Ansprüchen gerecht werden und das Weibchen durch abwechslungsreiches Lebendfutter einen Laichansatz entwickelt, laichen die Tiere regelmäßig im Abstand von drei bis fünf Wochen. Dies geschieht häufig in der dunkelsten Ecke des Aquariums, wobei ein Platz mit „Unterlage“ (Blatt, Stein, Schieferplatte, o. ä.) bevorzugt wird. Das Ablaichen erfolgt in der für Maulbrüter typischen und häufig beschriebenen Weise. Allerdings benötigt die Art vom ersten Umschlingen bis zur Übergabe des letzten Eis mehr als 10 Stunden! Besonders die Eiübergabe ist oftmals sehr langwierig und es kann bis zu einer halben Stunde dauern, bis das Männchen ein vom Weibchen vorgespucktes Ei erwischt hat. Bei 22-26°C trägt das Männchen die Brut etwa zwei Wochen im Maul. Die Jungen sind mit etwa 5-6mm groß genug, um sofort Artemia Nauplien oder entsprechend fein gesiebtes Tümpelfutter fressen zu können. Sie zeigen bereits jetzt irisierende Afterflossen und eine farbige Iris. Die Jungfische wachsen schnell und erreichen bei guter Fütterung und regelmäßigem Wasserwechsel nach zwei Monaten die 2cm Marke. Eine Laubschicht hat sich bei der Jungenaufzucht bewährt, da auch Nachzügler hier stets etwas Nahrung finden. Auch bei der Aufzucht sollte man darauf achten, dass keine zu starke Strömung im Aquarium herrscht. Der Nachwuchs bleibt sonst unter der Laubschicht und kommt auch zum fressen nicht hervor!

Besonderes

Horst Linke, der in seinen Veröffentlichungen und Büchern in hervorragender Weise neue bzw. unbeschriebene Labyrinthfische dokumentierte, nannte diese Form zunächst Betta sp. von Sanggau. Er selbst hatte die Fische von einer Fangexpedition in Kalimantan, gemeinsam mit Ingrid Baer und Norbert Neugebauer entdeckt und nach Deutschland mitgebracht. Tan & Ng beschrieben die Form im Jahr 2006 als neue Art und nannten sie Betta antoni.

Literatur

  • Tan Heok Hui and Peter K. L. Ng: Six new species of fighting fish
    (Teleostei: Osphronemidae: Betta) from Borneo, 97-114

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