Betta taeniata (REGAN, 1910)

von Jörg Vierke

Betta taeniata wird zum Betta picta-Formenkreis gezählt.

Artbeschreibung

Flossenformel:

  • D I / 8
  • A II / 20-25
  • mLR 28 – 29

Größe bis 7,5 cm. REGAN (1910) beschrieb die Art: “Brownish; 2 or 3 blackish longitudinal bands on the side; fins dusky.“

Weitere Namen

In der Vergangenheit wurde eine Vielzahl maulbrütender Kampffische aus allen Teilen Südost-Asiens irrtümlich als “taeniata” identifiziert. Das Ehepaar BROWN fing den echten taeniata 1986 auf einer Sarawak-Expedition. Es benannte den Fisch vorsichtig als "Betta spec. affin. edithae & affin. foerschi". Seit der Wiederentdeckung und Neuidentifizierung (VIERKE 1988) gab es meines Wissens keine Fehlbenennungen mehr.

Erklärung des wissenschaftlichen Namens: Der Gattungsname entstand als Anlehnung an „Wader bettah“, die javanische Bezeichnung für Betta picta. Taenia (lat.) – Band, Binde. Taeniatus – mit Binden versehen, gebändert.

Betta taeniataBetta taeniata Paar
Foto © J. Vierke

Betta taeniataBetta taeniata
Foto © J. Vierke

Vorkommen & Verbreitung

REGAN beschrieb die Art aus dem Akar-Fluss in Sarawak. Auch das Ehepaar BROWN sowie RÖSLER und VIERKE fingen die Betta taeniata in Sarawak. Wir fanden diese Kampffische ca. 40 Kilometer südlich von Serian (Kampang Mentu) in den Regenwaldbächen Südwest-Borneos. Es war nicht einfach, mehrere Tiere aus dem dicht verkrauteten Uferbewuchs und zwischen den Baumwurzeln der kleinen Bäche herauszuholen. Häufig waren diese versteckt lebenden Fische keinesfalls. Entscheidend halfen uns Kinder aus der Urwald-Siedlung, in der wir uns einige Tage aufhielten.

Fundorte außerhalb von Sarawak und erst recht außerhalb von Borneo beziehen sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf andere Arten!

Beschreibung und Geschlechtsunterschiede

Betta taeniata ist ein mittelgroßer, relativ stämmig gebauter Maulbrüter. Die Schwanzflosse ist auch bei erwachsenen Männchen abgerundet, also ohne verlängerte Flossenstrahlen. Die drei Körperlängsstreifen findet man ähnlich auch bei anderen Arten. Es gibt aber ein gutes Erkennungsmerkmal. Das ist ein typischer Schwanzwurzelfleck und seine Lage! Allerdings ist der Fleck keinesfalls immer zu erkennen. Er liegt direkt im Schwanzflossenursprung und ist deutlich von den Längsstreifen abgesetzt. Man hat den Eindruck, dass er nicht in der Fortsetzung der unteren Längsstreifen liegt, sondern höher, gewissermaßen im hellen Band zwischen den dunklen Streifen. Das dieser Eindruck bei genauerer Betrachtung täuscht, ist hier nebensächlich. Zweifellos lässt dieser Fleck sich von der Herkunft her als unterbrochene Fortsetzung des mittleren Längsstreifens verstehen. Wie zur Irreführung des Betrachters biegt dieser Streifen oft auf der letzten Schuppe schräg nach unten ab. Der schwarze Schwanzwurzelfleck ist übrigens typischerweise allseits von einem hellen Hof umgeben. Einen ähnlichen "Augenfleck" haben noch die aus Sumatra bzw. Java stammenden Betta falx und B. picta.

Anders als bei den meisten anderen maulbrütenden Betta sind die Geschlechter hier nur sehr schwer zu unterscheiden. Die herrliche Blauzeichnung der Kiemendeckel, die während der Paarungsphase nur die Männchen zeigen, tritt außerhalb der eigentlichen Laichzeit nämlich in beiden Geschlechtern in gleicher Intensität auf. Dasselbe gilt für die Blaufärbung von After- und Schwanzflosse. Auch haben die Betta taeniata Männchen nicht die weit ausgezogenen, keilartig verlängerten Schwanzflossen, wie wir sie von Betta climacura oder Betta pugnax kennen.

Beim Unterscheiden der Geschlechter ist man auf den Laichansatz der Weibchen angewiesen. Klar, dass man den nicht jederzeit als Erkennungshilfe nutzen kann. Mit etwas Erfahrung ist es dem Betta-Kenner allerdings möglich, die Weibchen an ihrer etwas gedrungenen, kompakteren Körperform und den vielleicht etwas kürzeren Bauchflossen zu erkennen. Sicher sind diese Merkmale aber nicht.

Haltungsbedingungen, Ansprüche und Ernährung

Die Pflege der Betta taeniata ist relativ problemlos. In zu kleinen Aquarien kann es geschehen, dass unterlegene Tiere, in der Regel die Weibchen, ganz kräftig malträtiert werden. Ich habe jedoch noch nicht gesehen, dass eine derartige Streiterei mit Todesfolgen ausgegangen wäre. Natürlich sollte man im Zuchtbecken für ausreichend Versteckmöglichkeiten sorgen!

Im Gesellschaftsaquarium bereiten die Gebänderten Kampffische keine Probleme. Es sind ruhige Fische, die oft und gern zwischen Pflanzen oder unter Holz in Deckung stehen. Sie lernen jedoch bald den Pfleger als Futterquelle kennen. Sobald man am Aquarium erscheint, gehören sie zu den ersten, die nach Fressbarem Ausschau halten. Die Gebänderten Kampffische nehmen alles Futter und können sich ohne Schwierigkeiten gegen Fische vergleichbarer Größe durchsetzen, ohne dabei lästig oder gar zur Gefahr für die Mitbewohner zu werden. Insofern sind sie also ideale Gesellschafter.

Zweifellos ist es für die Haltung und die Zucht idealer, wenn man ein Paar einzeln in einem Aquarium hält. Ein 20 Liter Aquarium ist völlig ausreichend. Mit Pflanzen, Steinen und kleinen Kienholzwurzeln kann man auch solche Aquarien attraktiv einrichten. Hier kann man die Tiere gut mit Lebendfutter versorgen und ihnen die optimalen Wasserbedingungen geben.

Lebendfutter ist sicher zur Haltung kein "Muss", ich probiere solche Sachen nicht aus. Zur Zucht ist Lebendfutter aber bestimmt von Vorteil! Mit Vorliebe werden, wie von den meisten Fischen dieser Größe, die weißen Mückenlarven (Glasstäbchen) gefressen, gern aber auch Tubifex und anderes Tümpelfutter. Die Wasserwerte scheinen für eine erfolgreiche Zucht wenig bedeutend zu sein. Bei Gesamthärtegraden um 10 und bei neutralem Säuregrad hatte ich nie Probleme. Auch die Zuchttemperaturen können in dem weiten Bereich zwischen 22° und 30° C schwanken, klar, dass man im Zweifelsfall mittlere Temperaturen vorziehen sollte! Eine Filterung ist sicher nicht von Schaden, notwendig ist sie mit Sicherheit nicht. Ich bin bei meinen Betta taeniata-Zuchten bisher immer ohne Filter ausgekommen.

Betta taeniata beim ablaichen1. Zum Ablaichen umkreist sich das Betta taeniata-Paar
2. Aus der Umkreisung wird eine Schlinge
3. In dieser Situation legt das Weibchen mehrere Eier in die Körperbeuge des Partners
4. Hier sammelt sie die Eier auf
5. Anschließend stellen sich die Fische gegenüber und ...
6. ... das Weibchen spuckt dem taeniata-Männchen die Eier zu!
Foto © J. Vierke

Betta taeniata PaarObere Reihe - Am Fundort vom Gebänderten Kampffisch Betta taeniata im Regenwald von Sarawak (Nordwest-Borneo). Kinder helfen beim Fangen! Untere Reihe - Ein maulbrütendes Betta taeniata-Männchen. Der Kehlsack mit den darin befindlichen Eiern ist deutlich ausgebeult
Foto © J. Vierke

Verhalten

Wie oben angeben ist Betta taeniata friedlich gegen seinesgleichen und gegen Artfremde. Die Fische sind Maulbrüter. Mehr zum Fortpflanzungsverhalten im folgenden Absatz.

Vermehrung

Selbst im Gesellschaftsaquarium habe ich die Betta taeniata ablaichen sehen. Es ist ohne weiteres möglich, das laichtragende Männchen mit dem Netz heraus zu fangen und es dann zum Erbrüten der Eier in ein gesondertes Aquarium zu überführen. Ich habe das schon zweimal gemacht, in keinem Fall hatte der Vater den Laich ausgespuckt. Bei einer Gelegenheit hatte ich kein leeres Extra-Aquarium, es stand nur ein 2-Liter-Weckglas zur Verfügung. Der etwa einwöchige Zwischenaufenthalt hatte weder dem Vater noch der Brut geschadet. Nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen!! Zum Entlassen der Brut sollte man dem Vater ein gut eingerichtetes 20-Liter-Aquarium gönnen. Andernfalls steht zu befürchten, dass der Vater die Brut nicht freigibt und sie im Maul zurückhält, bis sie schließlich verhungert.

Bei der Zusammenstellung eines Zuchtpaares hat man manchmal wegen der nur geringen Geschlechtsunterschiede Probleme. Bei guter Fütterung setzen die Weibchen aber bald deutlich Laich an. Es ist immer gut, wenn die Geschlechter in der Größe einigermaßen zusammenpassen, wenn sie also etwa gleich groß sind oder wenn das Männchen nur unwesentlich größer ist. Im anderen Fall braucht man ein etwas größeres Aquarium und bessere Versteckmöglichkeiten für den kleineren Partner. Ich habe auch schon ein Minimännchen von nur knapp 5,5 cm Länge mit meinem gut 6,5 cm großen Prachtweibchen ablaichen lassen. Auch das ging gut. Außerhalb der Fortpflanzungszeit dominieren immer die größten Tiere; in den meisten Fällen also die Männchen. In kleinen Aquarien, so dann auch in Zuchtbecken, kommen die unterlegenen Partner fast nur zum Fressen aus ihren Verstecken.

Wenn dann aber die Balz beginnt, kommt die Stunde der Weibchen! Sie können durch ihre Zudringlichkeiten den Männchen regelrecht lästig werden. Jedenfalls kann man sich als Beobachter dieses Eindrucks oft nicht erwehren, wenn sie ständig den Partnern in die Seite stupsen, sie permanent umschwimmen und sie sogar jagen. Sie verlieren jetzt ihre männchenähnliche Standardfärbung, die Fotos zeigen ihr Aussehen.

Während das Männchen an einer Stelle verharrt, kreist das Weibchen enger und enger um den Partner, bis es schließlich zu Körperkontakten kommt. Oft erst nach Tagen führt dieses Werben zu den Paarungen, bei sexuell "ausgehungerten" Tieren aber manchmal schon nach wenigen Stunden. Das Männchen umschlingt sein Weibchen und verharrt in dieser Paarungsschlinge, U-förmig gebogen, mit Schwanzflosse und Kopf nach oben weisend, liegt das Männchen seitlich auf dem Boden auf. Oft schwebt es dabei auch frei im Wasser. Das vom Partner in dieser Schlinge eingeschlossene Weibchen legt jetzt einige seiner schneeweißen Laichkörner, die in der Körperhöhlung oder auf der Afterflosse des Männchens liegen bleiben. Zum Freilassen der Partnerin löst das Männchen ein wenig die Klammer, verbleibt aber ansonsten in seiner Lage. Umgehend wendet sich das gerade freigelassene Weibchen den noch auf dem Körper des Männchens liegenden Eiern zu und schnappt sie auf. Erst jetzt beginnt der Partner langsam, sich aus seiner Laichstarre wieder zu lösen.

Da die Männchen die eigentlichen Brutpfleger bei den Kampffischen sind, müssen die Eier nun zu ihnen kommen. Hierzu stellen sich die beiden Partner Maul an Maul auf. Mit schnellen Spuckbewegungen übergibt die Mutter den gerade eingesammelten Laich dem Vater zur Verwahrung. Bei anderen von mir beobachteten Kampffischen war das immer eine langwierige Zeremonie. Oft hatte der Vater anfangs gar keine Chance, den Laich aufzuschnappen, weil die Mutter sich die eben vorgespuckten Laichkörner gleich wieder selbst holte. Hier ging das alles viel perfekter: die beiden Partner stellten sich mit ihren Mäulern viel näher zusammen, als man es sonst bei maulbrütenden Kampffischen gewohnt ist. Ruckzuck waren die Eier im Maul des Vaters verschwunden - übrigens sehr zum Leidwesen des Fotografen.

Die Aufzucht der Jungfischchen ist unproblematisch. Leider zeigt sich, dass es mit den Nachzuchten deutlich schwieriger ist als mit den Wildfängen sie zur Zucht zu bringen.

Besonderes

Die bereits 1909 entdeckten und 1910 beschriebene Art wurde erst 78 Jahre später neu identifiziert (VIERKE; 1988). Gleichzeitig gelangen der Lebend-Import, die Zucht und eine ausführliche Dokumentation des Fortpflanzungsverhaltens (VIERKE; 1988).

Literatur

  • REGAN, T. (1910): The Asiatic Fishes of the Famaly Anabantidae. Pro. Zool. Soc. London, 767 – 787
  • VIERKE, J. (1988): Betta climacura n. sp. Aus West-Borneo und Anmerkungen zu Betta taeniata REGAN, 1910. Das Aquarium, 228, 335 – 340
  • VIERKE, J. (1988): Haltung und Zucht des Gebänderten Kampffisches Betta taeniata REGAN, 1910. Das Aquarium, 233, 640 – 644

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