Der Makropode 1/2 2005

  1. Die Betta akarensis-Artengruppe
    1. Einleitung
    2. Betta akarensis Regan, 1910
    3. Betta aurigans Tan & Lim, 2004
    4. Betta balunga Herre, 1940
    5. Betta chini Ng, 1993
    6. Betta ibanorum Tan & Ng, 2004
    7. Betta pinguis Tan & Kottelat, 1998

Die Betta akarensis-Artengruppe

Stefan van der Voort

Einleitung

Der Betta akarensis-Artengruppe gehören bis zum heutigen Tage sechs maulbrütende Arten an, von denen zwei erst kürzlich beschrieben wurden: B. akarensis REGAN, 1910 (B. climacura VIERKE, 1988 ist ein Synonym), B. balunga HERRE, 1940, B. chini NG, 1993, B. pinguis TAN & KOTTELAT, 1998, B. aurigans TAN & Lim, 2004 und B. ibanorum TAN & NG, 2004. Diese Gruppe wird anhand einiger Arten, die bisher noch nicht beschrieben wurden, einen noch größeren Umfang annehmen. Alle Arten besitzen im Gular-Bereich unterschiedliche diagnostische Farben (Balkenmuster an Kopf und Unterkiefer) wie in dem Schemadiagramm in TAN & KOTTELAT (1998: 49) dargestellt. Allerdings fehlen in dem Diagramm die Arten B. aurigans and B. ibanorum. TAN & KOTTELAT erklärten, dass das Merkmal nicht auf die Gruppe der B. akarensis beschränkt sei. In dieser Niederschrift ist der Gular-Bereich einer jeden Spezies bei weitem nicht so detailliert beschrieben, wie diese in dem Diagramm dargestellt wurden. Für eine ausführliche Beschreibung sollte man bei TAN & KOTTELAT (1998: 49) nachlesen.

Unter Aquarianern ist es nicht verbreitet, sich Exemplare der Gruppe zu halten. Die Gruppe scheint für Aquarianer nicht besonders interessant zu sein, vielleicht aus Gründen ihrer stattlichen Körpergröße und fehlender schillernder Farben. Trotzdem handelt es sich jedoch um eine sehr interessante Gruppe, bei der es noch eine Menge zu entdecken gibt. Diese Niederschrift bietet eine Einführung in jedes Taxon; ihre Verbreitung, Größe, Ökologie, Vorliebe der chemischen Wasserzusammensetzung, Etymologie und Färbung.

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Betta akarensis Regan, 1910

Den Betta akarensis findet man im Fluss Akar in Borneo, von dessem Namen auch seine Bezeichnung herstammt, in Brunei Darsm, Sarawak, Indonesien und Malaysia. In diesen Gebieten lebt er in Gewässern mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,8, einer Härte von 120 dGH, mit einer Wassertemperatur zwischen 21° und 27° C. Diese Werte werden als Richtlinien für Aquarien angegeben.

Sein Körper besitzt eine dunkelbraune manchmal etwas hellere braune Farbe mit einem grünlich bis bläulichen Schimmer. Ein mittlerer schwarzer Balken zieht sich von der Spitze der Schnauze bis hin zum Auge, außerdem ein Kinnbalken und ein post-orbitalen Balken, welcher beginnend hinter dem Auge des Fisches (oder durch das Auge hindurch) sich bis zum Kiemenanfang erstreckt, aber auch unterbrochen sein kann. Die unpaarigen Flossen sind gelblich mit einem rötlichen Schimmer. Die Schwanzflosse hat gewöhnlich Querstreifen. Die Beckenflossen sind ebenfalls gelblich mit weißen Punkten. Die Brustflossen sind glasartig. Der obere Teil des Auges ist gelb, der untere Teil weiß. Der B. akarensis kann eine Gesamtlänge von 140 mm erreichen, was ihn zu einem der größeren Maulbrüter macht. Derzeit steht dieser seltene Maulbrüter noch nicht auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN von 2004.

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Betta aurigans Tan & Lim, 2004

Der Betta aurigans ist eine kürzlich beschriebene Art aus den Waldbächen der Tieflandsümpfe von Pulau Natuna Besar in Natuna Archipelago und scheint endemisch zu sein. Der B. aurigans lebt dort in Heidetorfsumpfwäldern und gewöhnlich in Schwarzwasserbächen und -tümpeln zwischen Laub und Wurzeln. Der Name aurigans stammt aus dem Lateinischen und bedeutet mit goldenem Schimmer, in Anlehnung an die goldenen Schuppen auf Körper und Bauch. Das längste Exemplar, das je gefangen wurde, war 73,5 mm lang.

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Betta balunga Herre, 1940

Die sehr korpulente Art der Gruppe findet man im Fluss Balung in Borneo, in Malaysia und Indonesien. Sein Name stammt von der Gegend, in der er vorkommt (der Balung Fluss). Betta balunga ist ebenfalls eine große Art. Die Männchen können eine Länge von 120 mm, die Weibchen eine Länge von 100 mm erreichen. Der Körper besitzt prinzipiell dieselbe Färbung wie der des B. akarensis und auch dieselben Balken auf Kopf und Körper. Das Auge kann jedoch zum Teil eher orange als gelb erscheinen. Das ist jedoch nicht auf das Taxon beschränkt. Mit - anderen Worten; das Auge kann auch teilweise gelb sein. Die unpaarigen Flossen besitzen eine gelbe und grüne oder blaue Farbe.

Diese Rarität kommt in Gewässern mit einem pH-Wert zwischen 5,2 und 7,0, einer Härte von 10 dGH und einer Wassertemperatur zwischen 21° und 27° C vor. Auch diese Werte werden als Richtlinien angegeben. Glücklicherweise befindet sich der B. balunga ebenfalls noch nicht auf der Liste der gefährdeten Arten, dennoch wird er von Aquarianern selten gefunden.

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Betta chini Ng, 1993

Betta chini ist ein weiterer großer Maulbrüter mit einer Gesamtlänge von 140 mm, der aus Sabah und Borneo stammt und bis zum heutigen Tage auch an keinem anderen Ort gefunden wurde. Die Spezies ist nach Dr. Phui Kong Chin benannt und lebt in Torfsümpfen, die weniger als 500 mm tief sind. Der Boden der Torfsümpfe ist mit Laub und Topf bedeckt. Die Torfsümpfe haben folgende chemische Wasserzusammensetzung; pH-Wert zwischen 4,5 und 5,0, dGH weniger als 3°, Wassertemperatur von 26.4° C und das Wasser besitzt die Farbe von Tee. Da der B. chini ein Torfsumpffisch ist, müssen diese Wasserbedingungen in einem Aquarium unbedingt eingehalten werden, um diese wunderschöne Art gesund zu erhalten. Es ist außerdem ratsam, grelles Licht zu vermeiden, da sie es nicht mögen und schnell scheues Verhalten an den Tag legen können.

Der Körper zeigt eine Mischung aus braun und rot, und die unpaarigen Flossen sind gelb und rot. Durch ihre wundervolle Körperfärbung erscheinen sowohl ihr Körper als auch ihre Flossen in einer Schönheit, die man bei keiner der Arten dieser Gruppe erwarten würde. Bei den restlichen Körperteilen gleichen die Farbe und Balken denen der B. akarensis. B. chini befindet sich auf der Roten Liste Gefährdeter Arten der IUCN von 2004.

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Betta ibanorum Tan & Ng, 2004

Auch der Betta ibanorum ist ein großer Maulbrüter und kann bis auf eine Länge von 126,0 mm wachsen, wenigsten besaß diese Länge das größte Exemplar, das bisher gefangen wurde. Die relativ neue Spezies findet man im Bau Limestone Gebiet im südlichen Sarawak. Sie ist nicht nach einer Person benannt, Iban steht für den Dialekt, den die Einheimischen sprechen. B. ibanorum lebt in der Gegend um Kuching und im Nationalpark Bako und kommt in Schwarzwasser vor.

Der Körper ist bräunlich bis lachsfarben gefärbt und besitzt bläulich schimmernde Schuppen. Die unpaarigen Flossen besitzen blaue und rote Anteile und das Auge ist gelb gefärbt mit etwas rot darin. Da es sich um eine relativ neue Art handelt, gibt es bisher nur wenige Informationen.

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Betta pinguis Tan & Kottelat, 1998

Der Betta pinguis scheint im mittleren Kapuasbecken, in Kalimantan Barat und Borneo endemisch zu sein. Er lebt in schmalen Schwarzwasserbächen und erreicht eine Gesamtlänge von 120 mm. Leider ist die Art neben dem B. aurigans die am wenigsten bekannte dieser Gruppe. Untersuchungen jeglicher Art sowie weitere Informationen von Aquarianern über beide Arten sind mehr als willkommen. Der Name dieses großen Fisches ist vom lateinischen Wort pinguis abgeleitet, was korpulent bedeutet und auf seine beträchtliche Körpergröße Bezug nimmt.

Der Fisch ist braun gefärbt und auf den unpaarigen Flossen findet man einen blauen Farbton. Ein bläulicher Schein kann auch auf den Brustflossen erscheinen. Das Taxon befindet sich noch nicht auf der Roten Liste der IUCN von 2004.

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Literatur

Tan, H.H. & Kottelat, M. 1998. Two new species of Betta (Teleostei: Osphronemidae) from the Kapuas basin. Kalimantan Barat, Borno. The Raffles Bulletin of Zoology, 46(1), 41-51.

Van der Voort, S. 2004. Betta aurigansTan & Lim, 2004. (In press)

Van der Voort, S. 2004. Betta iabnorumTan & Ng, 2004. (In press)

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