| 1 | Christian Kanele | Das Labyrinthfischporträt Nr. 82: Channa stewartii (Playfair, 1867) | 184 |
| 2 | Gunther Schmida | Im Reich des Australischen Lungenfisches | 188 |
| 3 | Gunther Schmida | Die ersten 50 Tage im Leben des Australischen Lungenfisches | 197 |
| 4 | Norbert Neugebauer | Betta stigmosa - die Wiederentdeckung des Betta spec. "Tasik Kenyir" | 200 |
| 5 | Manfred Bachmann | Trichopsis und Trichogaster in Thailand und Trichopsis und Macropodus in Vietnam | 202 |
| 6 | Gerhard Ott | 7. Indo-Pazifik-Fisch-Konferenz in Taipei, Taiwan | 205 |
| 7 | Jürgen Schmidt | Literaturdienst | 207 |
| 8 | Axel Zarske & Jacques Géry | Zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. rer. nat. Rolf. Geisler | 210 |
| 9 | Norbert Neugebauer & Bernd Bussler | Protokoll der Generalversammlung am 14.04. 2005 in Alzey, Stadthalle | 213 |
| 10 | Frühjahrstagung in Belzig: Hotelpreise | 213 | |
| 11 | Impressum | 214 |
![]() Trichopsis vittata aus Südvietnam |
Besonders gut geeignet für mittelgroße Aquarien sind die Trichopsis-Arten, auch Knurrende Guramis genannt, wegen der knurrenden Geräusche, die sie bei Erregung und während der Balz erzeugen. Der Kleinste ist Trichopsis pumila, der 5 cm kaum erreicht. Als Fundorte gibt Richter Thailand und Kambodscha an. Trichopsis schalleri, der nach meinen Erkenntnissen die farbschönste Art ist, wird auch nur 6 cm lang und soll nach Richter in Thailand vorkommen. Richter bemerkt, dass diese beiden Arten sich miteinander kreuzen können, was nach meinen Beobachtungen tatsächlich auch möglich ist. |
Obwohl es nicht sinnvoll ist, geschieht es, wenn beide Arten in zu kleinen Aquarien gemeinsam gepflegt werden. Die dritte Art schließlich ist Trichopsis vittata, die größer als T. schalleri wird und deutlich an der Schwanzflosse zu unterscheiden ist. Auch die Körperfarbe ist bei T. vittata nicht so leuchtend grün. T. schalleri erkennt man besonders gut an den zwei auffallenden Körperlängsstreifen. Die Schwanzflossen der T. schalleri-Männchen sind spitz, mit 5 verlängerten Flossenstrahlen, die blau gefärbt sind, bis auf den deutlich längeren Mittelstrahl, der rot ist. Als Fundorte für T. vittata gibt Richter Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia und die großen Sundainseln an. Die Fundortangaben wollte ich auf meiner Thailand- und Vietnamreise präzisieren.
Im Norden Thailands habe ich keine Trichopsis gefangen. Während einer Exkursion, die ich zusammen mit Ingo Hertel machte, fand ich etwa 10 erwachsene Fischchen unterschiedlicher Größe in der Nähe von Pattaya. Einige wurden in einem sehr verschmutzten Graben gefangen. Wie sich etwas später herausstellte, waren sie mit Cercarien verseucht (dazu später). Einige Exemplare konnte ich in einem Kiessee fangen, die alle kerngesunde Fischchen waren. In einem der Gräben konnten wir kleinere Trichopsis fangen, in beiden Geschlechtern. |
![]() Möglicherweise ein Männchen |
Die genauere Untersuchung ergab, dass es Trichopsis pumila waren. Nach Überwindung eines Schwingrasenstückes, in dem auch Kobras vorkamen, fanden wir einen schon stark ausgetrockneten Tümpel, in dem ununterbrochen Fische nach Luft schnappten und in dem auch zahlreiche Schaumnester zu sehen waren. Der erste Kescherzug brachte Trichogaster trichopterus zu Tage. Diese Blauen Guramis weichen doch erheblich von der Aquarienpopulation ab. Sie sind gedrungener, hochrückiger, blauer und die Flossensäume sind intensiver, besonders rot gefärbt. In diesem Tümpel waren auch noch Anabas testudineus.
Von allen Arten habe ich Fische mitgenommen und inzwischen, bis auf die Anabas, vermehrt. Die Trichopsis wurden zusammen in einem mittelgroßen Aquarium gehalten. Bei Temperaturen um 25° C machten sie keinerlei Anstalten zur Vermehrung. Erst als die Temperatur auf 30 Grad erhöht wurde, laichten die Trichopsis vittata ab. Ebenso laichte ein Männchen von Trichopsis vittata mit einem Weibchen von Trichopsis pumila in einer anderen Ecke ab. Das Gelege habe ich entfernt, denn ich wollte keine Kreuzungsprodukte. Die T. vitatta erwiesen sich in der Aufzucht als schwierig, denn mir standen zu dieser Zeit keine Infusorien zur Verfügung.
Die Zielstellung während der diesjährigen Exkursion in Vietnam bestand darin, vor allem nach Labyrinthfischen zu suchen.
![]() Möglicherweise ein Weibchen von Trichopsis vittata |
Neben Macropodus opercularis, Macropodus concolor, Trichogaster trichopterus und Colisa, die vor Ort nicht genau bestimmt werden konnten, fand ich auch Trichopsis vittata, wunderschöne erwachsene Exemplare, die ich in einem stark verkrauteten Weidentümpel 80 km nördlich von Ho-Chi-Min-Stadt fand. In der Körper- und Flossenfarbe weichen sie von den thailändischen Fischen ab. Die vietnamesischen sind brillanter gefärbt und die Flossenstrahlen der Männchen sind länger, so dass ich zu der Auffassung gelangt bin, es könnte sich bei den thailändischen um eine Unterart handeln. |
Während Macropodus opercularis in Nord- und Südvietnam an verschiedensten Standorten vorkommen, findet man Macropodus concolor nur in der Nähe von Hue. Auch wenn verschiedene Autoren, die möglicherweise noch nie in Vietnam gewesen sind, andere Standorte angeben. Wir haben in zahlreichen Bächen, Flüssen und Tümpeln gefischt, ohne je einen M. concolor gefangen zu haben. |
![]() Macropodus concolor |
![]() Deutlich sichtbar ist der Opercularfleck |
Ingo Hertel, der schon 8 Exkursionen in Vietnam gemacht hat, bestätigte meine Erkenntnisse. Inzwischen sind die M. concolor erwachsen und das heißt, auch geschlechtsreif. Natürlich wollte ich die Balz und die Aufzucht beobachten und fotografieren. In einem 20 cm hohen Becken, gut bepflanzt, unter Zugabe eines, von der von mir betriebenen Kampffischzucht gut bekannten Seemandelbaumblattes, setzte ich ein Paar an. |
Von 22° C habe ich die Temperatur auf 28° C erhöht und bei dieser Temperatur begann das Männchen sich sofort vor dem Weibchen zu spreizen. Die Flossen waren bis zum Zerreißen gespannt. Das Weibchen zeigt die Breitseite, in die das Männchen stupste. Ein riesiges Schaumnest wurde gebaut. Ich fütterte mit Mückenlarven. Nachdem ein zweites, etwas kleineres Schaumnest gebaut war, verstärkte sich die Balz. Das Paar traf sich sowohl unter dem Primär- als auch unter dem Sekundärschaumnest. Nach sechs Tagen entdecke ich Laich, in dem nun die ganze Oberfläche bedeckenden Schaumnest. Außer den Laichkörnern sah ich einen großen Schwarm Jungfische. Ich hatte nicht bemerkt, dass das Weibchen schon einmal gelaicht hatte. Fotografieren konnte ich das Paar während des Balzens und dem Laichen nicht, da ich zu gut bepflanzt hatte. Die Fische hielten sich immer hinter einer bepflanzten Wurzel auf.
Die Jungen, eine riesige Anzahl, pflege ich ein paar Wochen. Um die Menge zu reduzieren, habe ich eine größere Menge an meine heranwachsenden Kampffische verfüttert.
InhaltsverzeichnisZum 7. Mal fand die Konferenz statt, nachdem 1981 Dr. John R. Paxton vom Australian Museum in Sydney eine solche Konferenz angeregt und "erfunden" hatte. Dieser Fischkundler dürfte ichthyologisch interessierten Aquarianern bekannt sein: Zusammen mit William N. Eschmeyer hat er die "Enzyklopädie der Fische" herausgegeben. Natürlich ist die alle vier Jahre stattfindende Konferenz schon aus geografischen Gründen stark marin orientiert. Der indopazifische Raum erstreckt sich schließlich von der Ostküste Afrikas bis zu den Westküsten des amerikanischen Gesamtkontinents - quasi in der Mitte Liegt der gesamte indomalaiische Archipel und die indochinesische Welt mit ihrem Fischreichtum, auch für das Süßwasser im Grunde der halbe Globus. Mehr als 500 Teilnehmer aus 50 Ländern waren vom 16. bis zum 20. Mai 2005 zusammen gekommen, um mehr als 150 Vorträgen zu lauschen, 500 Posterpräsentationen zu studieren, sich kennen zu lernen und zu diskutieren. Nach Durban in Südafrika war diesmal Taipei auf der Insel Taiwan der Tagungsort.
Fische sind die artenreichste Wirbeltiergruppe. Etwa 25 000 bis 30000 Arten sind beschrieben. Viele weitere können noch entdeckt werden. "Pisces" als taxonomische Einheit gibt es nicht (mehr). Der Begriff Fische im weiteren Sinne umfasst die Neunaugen (Myxinoida und Petromyzontida), Knorpelfische (Chondrichthyes) und die Knochenfische (Osteichthyes). 10% aller bekannten Fischarten kommen mit 2775 - davon 2700 marine - Arten in 231 Familien in taiwanesischen Gewässern vor, obwohl die Landmasse der Insel im chinesischen Meer nur 0,03% der Landmasse der Erde stellt. Etwa die Hälfte bis ein Drittel des Staatsgebietes der Republik von China gehören zur Tiefsee, die noch sehr viele unbekannte und unerforschte Arten enthält. Wöchentlich werden neue Arten entdeckt. Allein in der Woche, in der die Konferenz im Howard International House in Taipei durchgeführt wurde, berichtete die englisch-chinesische Tageszeitung „Taiwan News" von vier neuen Spezies, die Richard Pyle zusammen mit Kollegen der Academia Sinica entdeckt hat.
Die Konferenz wurde unter Leitung von Prof. Kwang-Tsao Shao der Academia Sinica Tapei und der Ichthyologischen Gesellschaft von Taiwan ausgerichtet. Das verkehrsgünstig gelegene - mit einer deutschen Siemens-U-Bahn (MRT) erreichbare - Konferenzhotel ganz in der Nähe der Academia Sinica und auch des Shida Nachtmarktes hätte nicht besser gewählt werden können. Ein großer Vortragssaal mit mehr als 600 Plätzen für die "Keynotes", die halbstündigen Hauptvorträge und etliche kleinere Seminarräume für die "Talks", die 15-minütigen Kurzvorträge, großzügige Galerien und Gänge für Posterpräsentationen und Firmenständen von Buchhandlungen bis zu aquaristischen Firmen. Glücklicherweise beim Klima von um die 30 °C mit 98% Feuchtigkeitssättigung der Luft alles klimatisiert und bei landestypisch leichter Küche mit vielen Produkten aus dem Meer, einschließlich Seegurken und mir viel chinesischer Kochkunst essbar gemachte Quallen.
InhaltsverzeichnisDer Bleeker-Preis wurde diesmal an zwei Fischkundler verliehen, von denen zumindest John E. "Jack" Randall vom Bernice P. Bishop Museum Honolulu Hawaii allen Meerwasser-Aquarianern bekannt sein dürfte. Über 500 marine Spezies hat der nunmehr 81jährige beschrieben, mehr als 500 wissenschaftliche Arbeiten und fast 20 Bücher veröffentlicht. Als Schüler und Student in den 60er und 70er Jahren hatte ich das große Glück mit "Jack" über den Schlaf bei Fischen korrespondieren zu dürfen. Es war schon ein tolles Gefühl diesem Mann einmal mit einem Händedruck gratulieren zu dürfen. Ökologisch interessierten Menschen dürfte Howard Choat von der Universität Auckland in Neuseeland ein Begriff sein. Sein Lebenswerk ist ebenso spektakulär wie sein unkonventionelles Auftreten. Es ist sowieso ein weltmännischer Charakterzug nahezu aller angloamerikanischen Ichthyologen und ihren Kollegen von "downunder" Australien und Neuseeland, die mit jungen Studenten aller Nationen, Amateuren und Kollegen gleichermaßen neugierig umgehen. Wer einmal mit dem "Spaßvogel" Tyson R. Roberts, der humorvollen Helen Larson oder dem freundlichen Joseph Nelson aus Kanada - dessen Vorfahren aus Medelby bei Flensburg nahe des Wohnortes des Autors stammen - weiß, dass man Freude an der Ichthyologie haben kann.
Das Programm der Konferenz umfasste auch fischkundliche und touristische Exkursionen. Natürlich durfte ein Besuch im 101-Tower, dem derzeitig höchsten Wolkenkratzer der Welt, nicht fehlen. Die Exkursionen umfassten Schnorchelbeobachtungen im Beishin-Fluss ebenso wie Gerätetauchen im Longdongwan Küstengebiet oder Ausflüge in die atemraubende Marmorschlucht des Taroko-Gebirges, die der Liwu-Fluss in Jahrmillionen ins Gebirge gegraben hat.
Eine Auswahl aus den ichthyologischen Beiträgen vorzustellen ist schier unmöglich. Allein der Abstract-Band umfasst fast 250 eng bedruckte DIN-A4 Seiten. Das Raffles Bulletin of Zoology wird unter der Redaktion von Dr. Tan Heok Hui aus Singapur und Dr. RongQuen Jan aus Taipei einen Sonderband der Tagung herausbringen.
InhaltsverzeichnisAls interessante Schwerpunkte seien nur herausgegriffen: Haben sich Aquarianer schon einmal Gedanken gemacht, welchen Lärm die Pumpen, Lampen, Vorschaltgeräte und Durchlüfter in ihren Systemen machen und wie sich das auf die Physiologie der Aquarieninsassen auswirkt? Auch wenn manche junge japanische oder chinesische Ichthyologen im Brustton der Überzeugung, so sei es und nicht anders, molekulargenetische Untersuchungen "Ergebnisse" mag man das noch gar nicht nennen- vortrugen, Peter "Gobymiller" Miller aus England und Dave Johnson fanden auch wissenschaftskritische Worte zu diesen und anderen Thematiken. In einem abendliche Gespräch nach dem Seafood-Dinner fragte ich u.a. Prof. Miller, ob er denn den Wissenschaftstheoretiker und Philosophen Karl R. Popper kenne, da seine Auffassungen in dem Vortrag unübersehbar gewesen seien. Er verneinte, berichtete mir jedoch mit Schalk in den Augen, seine Frau habe bei Popper in London Vorlesungen gehört, was beweist, dass wissenschaftliche Erkenntnisgewinne nicht immer nur durch reine Logik zu erklären sind.
Auch wenn "Labyrinthische" nicht gerade einen Schwerpunkt bildeten, so sind doch folgende vorgestellte Arbeiten von Interesse:
Ich habe es natürlich nicht dabei belassen, die Konferenz und die faszinierende Metropole Taipei zu besuchen, sondern habe meinen Rucksack gepackt und bin durch die Lande gezogen und habe zuguterletzt nach einigen Wochen der Strapazen mich in ein buddhistisches Kloster einquartiert. Über zwei Labyrinthfisch-Biotope werde ich demnächst in Der Makropode berichten.
![]() Channa sp. in Weltlands südlich in Hualian |
Leider war es nicht möglich, die von Christian Kanele, unserem IGL-Moderator für Channa, so sehr ersehnten Channa mitzubringen. Diesmal machte ich die Tour über Teile der Insel Taiwan allein, weil man Reisekumpan Dirk Dettmers Vater geworden ist und mit der Aufzucht von Nachwuchs gebunden war. Und wer schon einmal etliche Kilo (anfänglich 17,5 kg, später dann anwachsend auf 23 kg) Gepäck mit sich herum schleppte, weiß, was das heißt. Trotz einer gebrochenen Rippe konnte ich schöne Wildfänge von Macropodus opercularis aus den Wetlands um Ilan-Yuanshan im Nordosten der Insel Taiwan mitbringen. Leider stellte sich daheim heraus, dass die Fische mit Fräskopfwürmern (Camallanus) infiziert waren. Über die Therapie dazu werde ich auch demnächst in Der Makropode berichten. Parasitenfreier Nachwuchs von den taiwanesischen Paradiesfischen ist mittlerweile vorhanden und wird in der IGL u. a. IGL-Moderator für Macropodus Dr. Thomas Seehaus verteilt. |
2009 wird die B. IPFC-Konferenz in Sabah, Nord-Borneo stattfinden. Das wäre doch mal ein Ort für ein Jahrestreffen der IGL ...
Inhaltsverzeichnis