Der Makropode 3/4 2005

  1. Haltung und Zucht von Channa gachua

Haltung und Zucht von Channa gachua

Michael Müller

Mitte 1996 erhielt ich von einem Großhändler 6 Channa gachua von mittlerer Größe (ca. 8 cm). Hierbei sollte es sich um Wildfänge handeln, welche von der Firma Glaser importiert worden waren. Schon seit längerem war ich auf der Suche nach derartigen Fischen. Die Jahre des großen Schlangenkopffischboom waren noch nicht angebrochen und es gab noch nicht allzu viel Literatur und Berichte in den Fachzeitschriften über diese Fischgattung. Die wenigen Artikel bezogen sich zum größten Teil auf Channa orientalis. Einige erwähnten einen "orientalis mit Bauchflossen" unter anderem mit der Bemerkung, dass es sich eventuell auch um eine eigene Art, nämlich Channa gachua, handeln könnte. In seinem Buch "Labyrinthfische und verwandte Arten", welches mir damals als Standardwerk über Labyrinthfische zur Verfügung stand, schreibt der Autor Jörg Vierke, dass Channa gachua ein Synonym einer Variante mit Bauchflossen von Channa orientalis sei. In dem später erschienendem kleinen Büchlein "Räuberbande im Aquarium", revidierte Jörg Vierke seine frühere Meinung und behandelte Channa gachua als eigene Art. Inzwischen ist ja fast eine "Schlangenkopffischschwemme" über uns hereingebrochen, und es dürfte wohl kein Zweifel mehr an der Eigenständigkeit der Art Channa gachua geben.

Es war für mich also eine große Freude, diese Tiere endlich zu besitzen und zugleich eine Herausforderung, mich mit diesen Fischen zu beschäftigen. Die Fische bezogen ein sehr flaches Aquarium mit ca. 150 Liter Wasserinhalt (Grundfläche 150 cm x 50 cm, gut 20 cm Wasserhöhe). Versteckplätze wurden mit flachen Steinplatten und diversem Aquarienholz eingerichtet. Der Bodengrund bestand aus verhältnismäßig feinem Kies. Die Bepflanzung war sehr dürftig, das Aquarium wurde nur in der Mitte schwach beleuchtet und es wurden nur dort ein paar Anubias-Arten eingesetzt. Das Wasser war unser "Randberliner" Leitungswasser mit sehr hohen Härtegraden (KH 10°, GH 22°, LW > 1000 nanoSiemens, pH-Wert 7,6). Die Temperatur wurde auf ca. 26 °C eingestellt. Dabei ist zu bemerken, dass ich bei fast allen Aquarien die Heizung über Nacht abschalte, so dass die Temperaturen doch morgens um einige Grad tiefer liegen. Beim Wasserwechsel, welcher von mir aus Zeitgründen sehr unregelmäßig durchgeführt wurde, gab ich später des Öfteren Wasser aus einer Umkehrosmoseanlage zu. Dadurch wurde die Härte etwas geringer und der pH-Wert lag dann bei 7-7,2. Bei guter Fütterung mit zerkleinertem Fisch (Seelachsfilet, Forellen), ab und zu Rinderherz und" Meeresfrüchten" aus der asiatischen Feinkostabteilung wuchsen die Tiere gut und fühlten sich wohl. Sehr gern wurde auch Muschelfleisch gefressen. Ab und zu bekamen die Channa auch einen kleinen Schwarm junger Hemichromis lifalili , welche ich extra für diesen Zweck laufend nachzog, so wie auch verschiedene Fische und Jungfische von befreundeten Aquarianern. Jetzt kam die Frage auf, wie stellt man Paare zusammen, bzw. woran erkennt man Männchen und Weibchen? Nach vielem "Rumgefrage" und "Literaturgewälze" bekam ich die Information "die prügeln sich zu Tode, und die Beiden, die übrig bleiben sind ein sicheres Pärchen". Fast so kam es dann auch. Zwei Tiere konnte ich noch retten, zwei musste ich "entsorgen" und die beiden übriggebliebenden entwickelten sich zu einem guten Zuchtpaar.

Zu dieser Tabelle muss ich natürlich noch einige Erläuterungen machen. Ab Mitte der neunziger Jahre hatte ich verhältnismäßig wenig Freizeit und konnte meine Fische selten intensiv beobachten. Den genauen Ablaichvorgang meines Channa gachua Pärchens habe ich deswegen nie studieren können, darum war ich mir anfangs nie im Klaren darüber, wer ist nun das Weibchen und wer das Männchen. Spätere Beobachtungen mit anderen Channa-Arten und die heutigen Erkenntnisse lassen keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem brutpflegenden Tier um das Männchen handelte.

Auch das Füttern der Jungfische mit Nähreiern durch das Weibchen konnte ich aus Zeitmangel nie beobachten, habe aber so etwas schon vermutet (siehe Tabelle). Als sensationell in diesem Zusammenhang empfand ich die Filmsequenz, die uns Christian Kanele im Rahmen eines Vortrages über Schlangenkopffische auf einer IGL-Tagung, meiner Erinnerung nach war es die Frühjahrstagung 2003 im Frankenwald, zeigte. Dort war sehr eindeutig die Fütterung der Jungfische mit Nähreiern, die vom Weibchen extra für diesen Zweck abgegeben wurden, zu sehen.

Was ich bei allen von mir gepflegten Schlangenkopffisch-Arten beobachten konnte, war eine erhöhte bis sehr intensive Aggressivität ein bis zwei Tagen vor der Paarung. Dabei war das Weibchen immer der dominantere Teil. Bei Channa africana, welche ich einige Jahre leider ohne Nachzuchterfolge gepflegt hatte, musste ich das Pärchen trennen, da das Leben des Männchens auf dem Spiel stand. Auch bei den Channa gachua und später bei Channa punctata sahen die Männchen zur Paarung ziemlich stark beschädigt, aus. Diese Verletzungen sind aber ohne spätere sichtbare Narben gut abgeheilt (eine Ausnahme bildete das Männchen von meinem Channa africana-Pärchen. Es wurde zu stark vom Weibchen attackiert und behielt an der Schwanzflosse eine Narbe). Wahrscheinlich besitzen Raubfische doch ein stärkeres Regenerationsvermögen. Dieses Regenerationsvermögen konnte ich auch bei den Jungfischen gut beobachten. Bei der Fütterung entwickelten die Jungfische eine starke Fressgier. Da das Wachstum der Jungfische sehr unterschiedlich war, kam es vor, dass durch diese Fressgier die kleinsten Jungfische von den Größeren gepackt wurden. Es wurde dann doch der Irrtum bemerkt und die kleineren Geschwister wurde wieder losgelassen. Dadurch kam es manchmal zu Verletzungen, welche jedoch ohne Probleme wieder ausheilten. Kannibalismus konnte ich bei denChanna gachua nie feststellen, egal ob ich Fische einer Generation oder verschieden Generationen zusammenhielt oder die Jungfische bei den Eltern beließ. Auch auf verhältnismäßig engem Raum gab es mit den Jungfischen keine Probleme. Eine Beobachtung, die ich in diesem Zusammenhang gemacht hatte, möchte ich hier noch kurz erläutern. Wenn ein größerer Jungfisch in der anderen Aquarienecke einen seiner wesentlich kleineren Geschwister bemerkte, deutete er dieses Tier wahrscheinlich Beuteobjekt und "raste" darauf zu. Meistens bemerkte er jedoch sein Irrtum, "bremste" kurz vor dem kleinen Jungfisch ab und zog dann wieder seiner Wege. Es kam aber auch vor, dass er sein Geschwistertier schon zur Hälfte im Maul hatte. Spätestens dann wurde der kleinere Jungfisch wieder ausgespuckt und kam bis auf einige Blessuren mit dem Schrecken davon. Wie gesagt, Kannibalismus konnte ich nie beobachten.

Einen Teil der Jungfische habe ich dann auch auf unseren IGL-Tagungen angeboten. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass einige Nachkommen dieser Fische in der IGL noch vorhanden sind. Werbung für Schlangenkopffische brauche ich wohl nicht machen, ein Blick in das Forum unserer IGL-Homepage zeigt ein großes Interesse an dieser Fischgattung. Die Beschäftigung mit den kleineren Arten dieser Gattung ist auf Grund des interessanten Verhaltens und den problemlosen Hälterungsbedingungen, auch was die Fütterung angeht, jedem interessierten Aquarianer sehr zu empfehlen.

01.02.97 Aquarium ca. 150 Liter, flach ca. 2 mm große Jungfische in einer Grube neben einer Höhle entdeckt, dort wurden sie von einem Elternteil bewacht, da ich große Unruhe in das Aquarium brachte (ein übergebliebenes Futtertier Cichlasoma nigrofasciatum wurde rausgefangen, da es sich schon einige Jungfische hat gut schmecken lassen) wurden die Jungen ins Maul des Bewachers genommen, nachdem wieder Ruhe eingezogen war, wurde die Grube vergrößert und die Jungen dort abgelegt, ein Elterntier stellte sich schützend darüber,
03.02.97 Wasser leicht anrüchig wegen starker Rinderherzfütterung Jungtiere waren deutlich gewachsen, ca. 6 mm groß, sie wurden bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht extra gefüttert, es war nicht festzustellen, ob sie unbefruchtete Eier vom Weibchen bekommen haben oder eines der Elterntiere ihnen leicht vergammeltes Rinderherz (durchgedreht) vorgekaut hat, auf jeden Fall hatten die Jungen alle dicke Bäuche, es wurde das erste Mal mit gefrosteten Bosmiden gefüttert.
04.02.97 Temp. 29 °C; pH-Wert 7,1; KH 3°; dGH 13°; LW>1000 nanoSiemens Jungtiere schwimmen erstmals an die Oberfläche und holen Luft, sind deutlich gewachsen (knapp 1 cm lang), werden von beiden Elterntieren bewacht, Jungfische werden weiter mit Frostbosmiden gefüttert, Elterntiere mit gefrostetem durchgedrehtem Rinderherz.
13.02.97 bis zu diesem Zeitpunkt sind die Jungfische zügig gewachsen, bei zweimaliger Fütterung täglich, gefüttert wurde mit Frostfutter (Bosmiden, Rotes Plankton, Cyclops, Rinderherz).
16.02.97 Elterntiere rausgefangen, ungefähr 50l Wasserwechsel (frisches Leitungswasser), dabei Temperaturrückgang von 29 °C auf 22°C Jungtiere inzwischen schon knapp 2 cm lang, Fütterung war bis jetzt nur mit Frostfutter.
19.02.97 Jungfische fressen gierig durchgedrehten gefrosteten Fisch, es wurden küchenfertig ausgenommene Regenbogenforellen mit Kopf, Haut, Flossen und Gräten zerkleinert, durchgedreht und eingefroren.
23.02.97 Wasserwechsel ca. 30%. Fütterung weiter mit Frostfutter, Fütterung meistens mit Fisch und Rinderherz.
02.03.97 wie 23.02., es kommt vor, dass ab und zu ein Jungfisch verendet, meine Vermutung ist, dass die Tiere sich überfressen haben und es nicht mehr schaffen, an der Oberfläche Luft zu holen.
06.04.97 in den letzten Wochen war das Wachstum der Jungfische sehr unterschiedlich, sie wurden deshalb nach zwei Größengruppen getrennt und kamen in zwei neu eingerichteten flache Aquarien (50 cm x 50 cm x 20 cm) von ca. 45 1 Wasser inhalt, in ein Aquarium wurden 50 Fische von 4 - 6 cm Länge eingesetzt, diese sollten demnächst verkauft werden, das andere Aquarium wurde mit 83 Fischen von ca. 3 cm Länge besetzt. alle Jungfische wurden bis jetzt nur mit dem oben angegebenen Frostfutter gefüttert.
06.04.97 die Elterntiere befinden sich seit fast 2 Monaten in einem flachen ca. 120l Aquarium, seit drei Tagen konnte ich bei einem Tier eine größere Kehle beobachten, wahrscheinlich wurde wieder abgelaicht.
27.05.97 Jungfische beim ersten Luftholen entdeckt, das Aquarium ist sehr dicht mit Cryptocorynen und Javamoos bewachsen, dadurch und durch Zeitmangel konnte ein Ablaichen und das Maulbrüten nicht beobachtet werden, nach ersten Beobachtungen handelt es sich auch um sehr wenig Jungfische (ca. 30 Stck.).
04.06.97 alles wie bei der ersten Nachzucht, nur dass es von Anfang an sehr wenig Jungfische waren.
16.06.97 seit einer guten Woche sind die Elterntiere untereinander sehr aggressiv, die Jungfische nehmen daran keinen Schaden, die Elterntiere wurden aus dem Aquarium entfernt.
30.07.97 Jungfische der 1. Brut wurden umgesetzt, dies wurde erforderlich, da sehr große Wachstumsunterschiede zu verzeichnen waren und die Aquarien auch zu klein wurden, 25 größere Fische (ca. 10 cm) wurden in ein flaches 120l Aquarium umgesetzt. 24 kleinere Fische (ca. 5-6 cm) kamen wieder in ein 45l Aquarium.
01.09.97 es wurde vor einigen Tagen wieder abgelaicht, Jungfische wurden heute aus dem Maul entlassen, die Jungen der ersten Brut wurden bis auf 15 kleinere Fische an den Großhandel abgegeben, die 15 kleineren Fische wurden in ein 120l flaches Aquarium umgesetzt.
11.12.97 es wurde wieder abgelaicht, ein Elterntier hat Eier im Maul, vorher waren verstärkt Aktivitäten und Kämpfe zu beobachten, es sind noch ca. 40 Jungfische der letzten Brut von ca. 4cm Länge im Aquarium vorhanden.

Inhaltsverzeichnis

Literatur

Donoso-Büchner, R. 1999. Gefährliche Räber?. Makropode, 21(5/6), 53.

Schäfer, F. 1997. Aqualog. All Labyrinth, Mörfelden-Walldorf.

Vierke, J. 1978. Labyrinthfische und verwandte Arten. Wupperthal-Elberfeld.

Vierke, J. 1993. Räuberbande im Aquarium. Stuttgart.

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