| 1 | Norbert Neugebauer | Editorial | 76 |
| 2 | Hans-Joachim Paepke | Über Gehörsteinchen (Otolithen), dargestellt am Beispiel von Labyrinthfischen | 78 |
| 3 | Ingo Schindler | Die wissenschaftlichen Namen der Zwergfadenfische "Colisa" | 84 |
| 4 | Richard J. Blach | Beobachtungen zum Balz- und Paarungsverhalten der Betta smaragdina Ladiges 1972 | 86 |
| 5 | Stefan van den Voort | Betta coccina "Jambi" - ein tiefroter Betta aus den Schwarzwassern Sumatras | 89 |
| 6 | Martin Hallmann | Schlanke schaumnestbauende Kampffische | 94 |
| 7 | Peter Finke | Erfahrungen mit Parosphromenus paludicola Tweedie 1952 | 101 |
| 8 | Internet | Ernst Mayr zum Gedenken | 105 |
Seit der Publikation von Myers (1923) werden die Zwergfadenfische (siehe Tabelle) in der aquaristischen und in der wissenschaftlichen Literatur mit dem Gattungsnamen Colisa belegt. Bis 1922 war hingegen der Gattungsname Trichogaster üblich (RACHOW in MEINKEN et al. o. J.). Die Gattung Trichogaster wurde von BLOCH & SCHNEIDER bereits 1801 mit den Taxa fasciatus und trichopterus beschrieben. Dass gerade diese beiden Taxa enthalten sind, ist insofern ungünstig, weil sie - der aktuellen Systematik folgend - verschiedenen Verwandtschaftsgruppen zugeordnet werden. Das sind zum einen die östlichen (Trichogaster leeri, trichopterus, microlepis und pectoralis) und zum anderen die westlichen Fadenfische (Colisa chuna, fasciata, labiosa, lalius). MYERS (1923) ging davon aus, dass als Typusart der Gattung Trichogaster, Labrus trichopterus PALLAS zu gelten hat. Nach ESCHMEYER (1990) ist die Typusart der Gattung Trichogaster jedoch T. fasciatus BLOCH & SCHNEIDER, 1801. Danach wäre Colisa CUVIER in CUVIER & VALENCIENNES, 1831 ein jüngeres Synonym zu Trichogaster BLOCH & SCHNEIDER, 1801 (u. a. GOLVAN 1962). Daraus folgend müsste der Gattungsname für die Zwergfadenfische entsprechend geändert werden. Allerdings ist der Sachverhalt noch nicht eindeutig geklärt (siehe ESCHMEYER 1990), so dass die sofortige Übernahme des Gattungsnamen Trichogaster für die Zwergfadenfische (chuna, fasciata, labiosa und lalius [allgemein üblich lalia, s. u.]) möglicherweise voreilig ist.
Die Verwendung von Trichogaster als gültige Gattung für die Zwergfadenfische wäre allerdings - wie oben erwähnt - keinesfalls neu. Bereits REGAN (1910) führt alle Zwergfadenfische in der Gattung Trichogaster. Die Großen Fadenfische werden von ihm (REGAN 1910) in der Gattung Trichopodus geführt. Es ist jedoch ebenfalls nicht klar, welches Taxon als Typus für die Gattung Trichopodus LACEPÈDE, 1801 zu gelten hat. Golvan (1962) listet Trichopodus (Typusart T. mento = 0. goramy) als Synonym zu Osphronemus. Nach ESCHMEYER (1990) könnte es sich bei der Typusart jedoch auch um Labrus trichopterus PALLAS handeln. Dann wäre Trichopodus ein verfügbarer Gattungsname für die Groß-Fadenfische.
DERIJST (1997) diskutiert ebenfalls den dargestellten Sachverhalt. BRITZ (2004) gibt den Gattungsnamen Colisa für die Zwergfadenfische zu Gunsten von Thchogaster bereits auf, ohne die nomenklatorischen Ungereimtheiten zu klären. Allerdings deutet in der Tat jedoch bisher alles darauf hin, dass es notwendig sein wird, die Gattungsnamen der Fadenfische zu ändern. Eine wissenschaftliche Publikation könnte die noch bestehenden Unsicherheiten in der Nomenklatur klären. Solche Arbeiten sind jedoch nicht immer vorurteilfrei, denn nur bei einer Namensänderung könnte sich der entsprechende Bearbeiter bekannt machen. STEINLE (1993) hat auf diese möglichen Voreingenommenheiten in einem in amüsanter Form geschriebenen Artikel bereits hingewiesen. Nach meiner Ansicht (andere Meinungen und Diskussionsbeiträge sind willkommen) sollten die bekannten Namen bis zum Vorliegen eindeutiger konträrer Erkenntnisse (dargelegt in einer umfassenden Publikation) weiter verwendet werden.
"Stell' Dir vor, jemand kramt mal wieder einen alten unbenutzten oder vergessenen Namen hervor und keiner macht mit."
InhaltsverzeichnisDie Namen der Artengruppe sind entweder Adjektive (Eigenschaftswörter) oder Substantive (Hauptwörter). Adjektive Artnamen müssen hinsichtlich ihrer Endung mit dem Geschlecht des Gattungsnamens übereinstimmen. Dazu gibt es in der lateinischen Sprache einige Grundregeln, die in der folgenden Aufstellung (nach SCHMETTKAMP 1985) exemplarisch veranschaulicht werden:
| männlich | weiblich | sächlich |
| fasciatus | fasciata | fasciatum |
| humilis | humilis | humile |
| elegans | elegans | elegans |
| ensifer | ensifera | ensiferum |
Um diese Vorschrift umsetzen zu können, müssen also nicht nur die grammatikalischen Regeln beherrscht werden, sondern es muss darüber hinaus bekannt sein, welches Geschlecht ein Gattungsname hat. Hauptwörter behalten hingegen immer ihre ursprüngliche Schreibweise. Unglücklicherweise ist es nicht immer eindeutig, ob ein Artname als Adjektiv oder als Substantiv zu bewerten ist. In Zweifelsfällen ist der entsprechende Name daher als Hauptwort zu behandeln.
Die Schreibweise der Artnamen der Zwergfadenfische hängt also vom Geschlecht des möglichen Gattungsnamen ab. Im Fall von Trichogaster ist dies relativ eindeutig, weil bei zusammengesetzten Hauptwörtern das Geschlecht des letzten Wortteils entscheidet. Hier also -gaster (=Bauch). Dieses aus dem Griechischen stammende Wort ist feminin. Das Geschlecht der Gattung ist dementsprechend weiblich (SCHMETTKAMP 1985, ESCHMEYER 1990) und die adjektiven Artnamen haben eine "weibliche" Endung zu erhalten.
Im Fall von Colisa wird es schwieriger, weil der Name weder lateinischen noch griechischen Ursprungs ist. Der Name leitet sich von "kholisha" ab, einer Bezeichnung der Einheimischen im westlichen Assam für Fadenfische (VIERKE 1986). In solchen Fällen gilt, was für ein Geschlecht der ursprüngliche Autor angegeben hat, oder ob sich durch Indikation Anhaltspunkte ergeben. Beides ist jedoch bei Colisa nicht eindeutig. Die Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur sehen für solche Zweifelsfälle vor, dass das Gattungsgeschlecht als feminin zu behandeln ist, wenn - wie bei Colisa - der Gattungsname auf -a endet. Entsprechend der Regeln ist das Geschlecht der Gattung Colisa also weiblich (siehe auch ESCHMEYER 1990).
Für die korrekte Schreibweise der Artnamen der Zwergfadenfische ergibt sich somit die Vereinfachung, dass die Endung der adjektiven Namen in beiden Fällen (Trichogaster oder Colisa), gleich bleiben, Die Hauptwörter behalten ohnehin ihre ursprünglichen Schreibweise. Diese Regel ist für den "Lalia" von entscheidender Bedeutung, denn die ursprüngliche Schreibweise quot;lalius" ist beizubehalten. In der Tabelle sind die diskutierten Taxa zusammengefasst.
| Ursprüngliche Schreibweise | Aktuelle Schreibeweise | Anmerkung |
| Chuna | Chuna | Substantiv |
| Fasciatus | Fasciata | Adjektiv |
| Lalius | Lalius | Substantiv |
| Labiosus | Labiosa | Adjektiv |
| BRITZ, R. 2004. | Why Colisa has become Trichoaster and Trichogaster is now Trichopodus. AAGB Labyrinth 136, 8-9 |
| DERIJST, E. 1997. | Nota over de geldigheid van de genusnamen: Trichogaster BLOCH & SCHNEIDER, 1801; Trichopodus LACEPEDE, 1801; Polyacanthus CUVIER, 1829 en Colisa CUVIER, 1831 (Perciformes: Belontiidae)... Aquarium Wereld 60 (9): 217-236. |
| ESCHMEYER, W. N. 1990. | Catalog of the Genera of Recent Fishes. Cahfornia Academy of Sciences San Francisco. 1-697. |
| GOLVAN, Y.-J. 1962. | Catalogue systematique des Noms de Genres de poissons actuels. Arm. Parasito. Hum. Comp. 37 (No. 6): fast. suppl. 1-173. |
| MYERS, G. S. 1923. | Further notes on anabantids. Copeia 124,111-113. |
| RACHOW, o. J., in HOLLY, MEINKEN und RACHOW 1935-1966. | Die Aquarienfische in Wort und Bild. Stuttgart. |
| REGAN, C. T. 1910. | The asiatic fishes of the family Anabantidae. Proc. Zool. Soc. 54: 767-787. |
| SCHMETTKAMP, W. 1985. | Die Namen unserer Aquarienfische, Hannover. 1-208. |
| STEINLE, C.-P. 1993 . | Publish or perish? Der Makropode 15: 35. |
| VIERKE, J. 1986. | Labyrinthfische. Arten - Haltung - Zucht. Kosmos-Vivarium, Stuttgart. 1-128. |