Der Makropode - 27. Jahrg. - 7/8 2005

Inhaltsverzeichnis
1 Norbert Neugebauer Editorial 112
2 Hans-Jürgen Körner Beobachtungen bei der Haltung und Vermehrung des Bengalenblaubarsches Dario dario (Hamilton, 1822) 113
3 Jürgen Schmidt Die Betta pugnax-Gruppe Teil 5: Betta balunga Herre 1940 116
4 Michael Scharfenberg Betta enisae - ein sensibler Kampffisch 120
5 Horst Linke Verkaufspraktiken woanders: Aquaristik-Märkte in Asien 123
6 Gerhard Hauptmann Das Riesaer Aquarium 125
7 Ingo Schindler Betta pallida, ein neuer Kampffisch aus Süd-Thailand 128
8 Stefan van den Voort Ein neue Art der Badis aus Manipur, Indien - Badis tuivaiei 130
9 Jürgen Schmidt Literaturdienst 130
10 P. Finke & M. Hallmann Bewegung bei Parosphromenus: die Fans der Prachtguramis gründen eine Erhaltungsgruppe 134
11 Jürgen Schmidt Einladung zum Regionalgruppentreffen 137
12 Holm Arndt Einladung zum Regionalgruppentreffen 137
13 Jörg Leine Treffen der Labyrinthfisch-Regionalgruppe Cottbus in Königsgrätz (Hradec Kralove) vom 02. bis 05. Juni 2005 138
14 Jürgen Schmidt Programmänderungen IGL-Herbsttagung 2005 141
Impressum 142

Betta pallida, ein neuer Kampffisch aus Süd-Thailand

Ingo Schindler

Die Redaktion von Der Makropode hat mich gebeten, eine kurze Zusammenfassung der von Dr. Jürgen Schmidt und mir Ende letzten Jahres veröffentlichten Erstbeschreibung von Betta pallida zu verfassen. Dieser Bitte folge ich gerne und nutze die Gelegenheit, Angaben zum Habitat zu ergänzen und Anmerkungen zur Benennung der Fischfamilie (Belontiidae vs Osphronemidae) zu machen. Die zahlreichen anerkennenden Zuschriften, die wir erhielten, deuten an, dass es innerhalb der Labyrinthfisch-Gemeinschaft eine im Vergleich zu anderen Zweckvereinigungen anderer Fischgruppen hohe Zahl von Personen gibt, die an der Taxonomie und Systematik interessiert sind.

Betta pallida Schindler & Schmidt, 2004

fundorte simplex, pallida, prima
A = Typusfundort B. pallida, B = Typusfundort B. prima, C = Typusfundort B. simplex

Die Art gehört zu den kleinen Maulbrütern des Betta-picta Artenkreises 1 . Zu dieser Gruppe gehören neben B. pallida die Arten: B. edithae, B. picta, B. prima, B. simplex und B. taeniata (siehe SCHMIDT 1996). Von diesen unterscheidet sich B. pallida durch eine lanzettförmige Schwanzflosse der Männchen. Bei den anderen Arten ist die Schwanzflosse rund oder die mittleren Schwanzflossenstrahlen sind nur leicht verlängert. Darüber hinaus lässt sich die neue Art von B. picta, B. simplex und B. falx durch die höhere Zahl von Strahlen in der Afterflosse (mindestens 26 gegen höchstens 24) unterscheiden. B. edithae hingegen besitzt mehr Afterflossenstrahlen. Von der oberflächlich betrachtet ähnlichsten Art B. prima unterscheidet sich B. pallida neben der bereits genannten Schwanzflossenform durch ein abweichendes Muster der drei dunklen Längsstreifen. B. taeniata, eine Art die nur von Borneo bekannt ist, wird deutlich größer als B. pallida und unterscheidet sich zusätzlich durch eine geringere Kopflänge.

Der Typusfundort der neuen Art befindet sich in der Nähe der Stadt Narathiwat im äußersten Süden Thailands (siehe Karte). Beim Fundort handelt es sich um einen kleinen Fluss, der zur Zeit der Beobachtung (März 2000) eine relativ hohe Fließgeschwindigkeit besaß. Die Kampffische hielten sich vornehmlich am Gleithang zwischen Sumpfpfianzen auf.

Der Holotypus, ein Männchen von 35,8 mm Standardlänge, war zum Zeitpunkt des Fanges maulbrütend. Der Paratypus ist ein Weibchen von 32,8 mm Standardlänge. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen durch einen größere Körperhöhe und weniger stark verlängerte Flossen.

Der Name der neuen Art pallida ist ein Adjektiv und stammt aus dem lateinischen. Der Name bedeutet soviel wie blass, unscheinbar und deutet an, dass diese Art im Gegensatz zu einigen sehr farbenprächtigen Betta-Arten kein plakatives Farbmuster besitzt.

Inhaltsverzeichnis

Belontiidae vs. Osphronemidae

Einige Zuschriften erreichten uns mitt der Frage, warum wir den Familiennamen Belontiidae benutzen, obwohl in den letzten Jahren bei den Betta-Artbeschreibungen der Familienname Osphronemidae verwendet wurde. Nach der Publikation von BRITZ (1994) handelt es sich bei den bis dahin differenzierten Taxa Belontiidae und Osphronemidae um Synonyme. Dem Prioritätsprinzip folgend wird nomenklatorisch der Name Osphronemidae als älterer der beiden und damit als der allein gültige betrachtet. Folgerichtig habe ich in der ersten Version der schreibung den Namen 0sphronemidae verwendet.

Die Arbeit von BRITZ (1994) ist eine ausgezeichnete Darstellung der Ontologie ausgewählter osteologischer Merkmale und deren taxonomisch-systematische Bewertung. In der Systematik werden jedoch zwei verschiedene Ebenen unterschieden (CONERT et al. 1990). Zum einen eine, die die Zusammenhänge der bearbeitenden Gruppe darlegt und zum anderen eine weitere, die geeignete Diagnosen liefert, um es anhand charakteristischer Merkmale zu ermöglichen die untersuchten Einheiten zu bestimmen und zu klassifizieren. Eine eindeuige Diagnose für die "erweiterte" Familie Osphronemidae fehlt allerdings.

Jürgen Schmidt konnte mich daher davon überzeugen, dass es besser ist, den lange im Gebrauch befindlichen und gut bekannten Namen Belontiidae zu verwenden, anstatt den Namen möglicherweise nach eder neuen Publikation ändern zu müssen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint es daher sinnvoll abzuwarten, bis eine umfassende, verschiedene Merkmalskomplexe umfassende phylogenetische Analyse der Anabantoidei vorliegt.

Inhaltsverzeichnis

Literatur

Britz, R. 1994. Ontogenetic features of Luciocephalus (Perciformes, Anabantoidei) with revised hypothesis of anabantoid intrarelationships. Zool. J. Linn. Soc. 112: 491-508
Conert, H. J. et al. 1990. Grundlagen und Anwendungsbezug von Taxonomie und Systematik. Aufs. Reden Senckenberg Naturforsch. Ges. 36: 1-44.
Schindler, I. & J. Schmidt 2004. Betta pallida spec. nov., a new fighting fish from southern Thailand (Teleostei: Belontiidae) Z. Fischk. 7: 1-4.
Inhaltsverzeichnis

1 Zur Einteilung der Betta in Artengruppen gibt es verschiedene Hypothesen. Eine Darstellung der hypothetischen Stammbäme findet sich in Der Makropode. Zurück


Bewegung bei Parosphromenus: die Fans der Prachtguramis gründen eine Erhaltungsgruppe

Peter Finke und Martin Hallmann

Das Folgende ist eine Information über eine Initiative, die vor wenigen Wochen ihre Arbeit aufgenommen hat. Es ist weniger ein Aufruf an viele, hierbei mitzuwirken, als vielmehr eine Bekanntmachung mit dem Ziel, füi einige andere Problembeieiche ähnliche Aktivitäten anzuregen.

1. Von außen und von innen betrachtet: Prachtguramis und ihre Freunde

Parosphromenus bintan

Aquarianer, die sich mit Prachtguramis befassen, sind - von außen betrachtet - merkwürdige Leute. Sie haben meist keine der heute beliebten Großaquarien nur turboschnellen Filteranlagen, ständig stark bewegtem Wasser, superhellen Beleuchtungssystemen und einem wahren Unterwassergarten mit C02-Düngung. Stattdessen findet man bei ihnen meist mehrere oder sogar viele kleine und kleinste Aquarien ohne all das andere, denn sie heben kleine, empfindliche Fische, die ausschließlich Lebendfutter fressen, in dunklen Becken in nahezu destilliertem Wasser leben und sich dort auch noch in Höhlen verstecken. Die Fische bekommen sie oftmals nur zu Gesicht, wenn sie eine viertel Stunde ruhig vor dem Aquarium auf der Lauer hegen. Oft stopfen diese Sonderlinge unter den Aquarianern ein kleines 25-Liter-Becken voll mit Laub, Höhlen und Javamoos, setzen ein oder mehrere Paare Prachtguramis hinein und warten geduldig. Nach Wochen oder einem halben Jahr freuen sie sich dann über wenige oder etwas mehr Jungfische.

Mit Taschenlampen werden die Ecken und Winkel der meist spartanisch eingerichteten Becken auf der Suche nach den Fischen ausgeleuchtet. Ihr Herz schlägt höher, wenn das Männchen nun in prächtiger Färbung durch das Kraut flitzt und flossenspreizend um die Gunst des Weibchens wirbt, das Gelege oder die Jungfische in den Höhlen bewacht.

Von innen betrachtet sieht alles immer anders aus. Es steckt sehr viel mehr dahinter. Die Beschäftigung mit diesen seltenen, anspruchsvollen, wirklich prachtvollen und hochspezialisierten Zwergfischen, die bei genauer Beobachtung phantastisch leuchtende Farben und interessanteste Verhaltensweisen offenbaren, eröffnet eine eigene kleine Welt ungewöhnlicher Erfahrungen. Sie verbindet uns dennoch mit den ökologischen Spezialisierungen und Nöten der großen Welt um uns herum.

Die Parosphromenus-Spezialisten haben sich ihre Erfahrungen meist überJahre hinweg schwer erarbeitet. Selbst innerhalb der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL) ist es kaum mehr als nur eine Handvoll Züchter, welche behaupten können, die Arten wirklich dauerhaft (d. h. über mehrere Generationen erhalten zu können. Dabei ist die Haltimg, bei Beachtung einiger zwingend einzuhaltender Pararneter, meistens gar nicht so schwer. Gelingt sie, wird man bald auch durch eine Anzahl von Jungfischen belohnt. Ist diese Hürde genommen, beginnt die langwierige Aufzucht bis zur Geschlechtsreife. Häufig stellt man dann eine sehr ungleiche Verteilung der Geschlechter fest und es ist mitunter schwierig, auch diese wieder zur Fortpflanzung zu bringen. Meist gehen daher die kleinen Prachtstücke nach einiger Zeit wieder verloren.

Inhaltsverzeichnis

2. Notwendig: Bemühungen um die Erhaltung

Tatsächlich sind sämtliche Prachtgurami-Arten Pfleglinge mit besonderen Ansprüchen, die bei falscher Haltung hinfällig sind. Da die Toleranz der Fische gegenüber ungeeigneten Hälterungsbedingungen gering ist, schlagen halbherzige Versuche, Parosphromenusarten zu halten und zu vermehren, häufig fehl. Man muss sich schon mit den Lebensweisen der Fische detailliert befassen, wenn man auf Dauer Erfolg haben will. Es sind keine Fische für das übliche Gesellschaftsaquarium. Eine schwierige Situation also: Fische, die während aufwendiger Entdeckungsreisen gefunden und über oft umständliche Wege in kleiner Anzahl importiert wurden, sind zwar wunderschön, aber doch für die Mehrheit der heutigen Aquarianer und ihre heutigen Moden zu klein und zu anspruchsvoll. Deshalb sind sie auch praktisch nie in den Aquariengeschäften erhältlich. Wenn sie dann doch einmal im Aquarium schwimmen, sterben sie oft nach kurzer Zeit wieder aus, weil es nur enige Aquarianer gibt, die langfristig eine Art in ihrem Aquarium erhalten wollen und können.

Parosphromenus parvulus

War's das also? Wir meinen: Es sollte doch möglich sein, die mühsam durch Privatpersonen oder gewerbliche Importeure eingeführten Prachtguramis längerfristig in unseren Aquarien erhalten und in einem begrenzten Umfang weiter zu verbreiten. So weit jedenfalls, dass die verschiedenen Prachtguramiformen, welche den Weg zu uns finden, wenigstens bei uns eine Chance auf ein Weiterleben über ein einzelnes Fischleben hinaus bekommen. Eine gewisse Weitergabe der speziellen Erfahrungen und eine Abstimmung bzw. Organisation der erfahrenen und erfolgreichen alter scheint sinnvoll und notwendig zu sein, um die Bemühungen um die Erhaltung innerhalb der IGL auf "breitere Füße" zu stellen.

Das Szenario spielt nämlich vor einem ernsten Hintergrund, und erst dieser erklärt in vollem Umfange, weshalb wir uns für diese Fische interessieren und einsetzen: Der bedrohliche Schwund der südostasiatischen Feuchtgebiete und Urwälder auf Borneo und seinen Nachbarinseln und -halbinseln, insbesondere die Vernichtung der dortigen Schwarzwasserbiotope, sollte uns veranlassen die Bemühungen um den Erhalt der vorhandenen Aquarienstämme zu intensivieren. Dies trifft natürlich auf alle Gattungen und Arten zu, die dort vorkommen, nicht nur auf Parosphromenus. Die Prachtguramis aber sind - neben vielen Betta -Arten, Sphaerichthys und weiteren Labyrinthfischgattungen - in stärkstem Maße von dieser kaum noch aufzuhaltenden Naturzerstörung betroffen. Phil Dickmann hat vor einiger Zeit die Labyrinthfische danach klassifiziert, ob sie in ihren natürlichen Lebensräumen im Bestand wachsen, stagnieren oder zurückgehen (DICKMANN, 1998). Kriterium war dabei die Frage, ob sich ihr Lebensraum vergrößert, ob er einigermaßen stabil ist oder ob er dahinschwindet, weil er massiv zerstört wird, Zu den bedrohtesten Arten, die man hierbei nennen muss, gehören die Fische der Gattung Parosphromenus. In einigen Jahrzehnten können wir die Prachtguramis wahrscheinlich vergessen, wenn es uns nicht gelingt die Urwaldzerstörung in Südostasien zu stoppen und die importierten Formen hier bei uns über viele Generationen hinweg zu halten und zu vermehren.

Inhaltsverzeichnis

3. Aufgabe und Plan

Parosphromenus nagyi

Aquarianer können durch bewusstem, achtungsvollem Umgang mit den Ihnen anvertrauten Fischen einen positiven Beitrag zum Erhalt der Prachtguramis zumindest innerhalb des Hobbys leisten. Die IGL bietet einen guter Rahmen hierfür, denn sie sah sich diesen Zielen gegenüber von Beginn an verpflichtet. Eine Aquaristik, die tatenlos zusähe, wie viele ihrer natürlichen Ressourcen dahinschmelzen, weil man angesichts der ökonomischen Globalisierung und der grassierenden Armut der Menschen in der Dritten Welt nicht sieht, was man tun könnte, verkäme tatsächlich zu einem Hobby ohne Weltbezug. Dies ist nicht die Aquaristik der IGL und es muss nicht sein.

Natürlich wäre das Handeln vor Ort, der Schutz der natürlichen Lebensräume, zweifellos das Naheliegende und das Entscheidende, was geschehen müsste. Zugleich aber ist Abhilfe für den einzelnen so schwierig zu leisten, dass sie schon jede Handlungsbereitschaft im Keim zu ersticken droht. Es ist gut zu wissen, dass sich Einzelne auch hierüber Gedanken machen und neue Wege auszudenken versuchen, um auf den schlimmen Gang der Dinge positiv Einfluss zu nehmen. Wir haben aber ganz bewusst diese Dimension aus unseren Überlegungen zunächst ausgeklammert, um wenigstens dort etwas zu versuchen, wo wir wirklich Einfluss haben: in unseren Aquarien.

Dabei haben wir in den vergangenen Jahren gesehen, dass es offenbar nicht ausreichend ist, in regelmäßigen Abständen zu erheben, wer welche Prachtgurami-Arten pflegt bzw. nachzüchtet. Solche Listen, so nützlich sie im Einzelfall auch sind, sind meistens schon bei ihrer Veröffentlichung in vielen Details überholt und häufig sehr unvollständig. Wir möchten sie nicht missen, aber als alleiniges Erhaltungsinstrument für eine schwierige Gattung wie Parosphromenus sind sie nicht ausreichend. Es ist sinnvoll, weitere Schritte zu tun und eine Absprache zwischen denjenigen zu koordinieren, die Parosphromenus-Arten halten und züchten. Das Ziel sollte sein, dass sich mindestens eine, möglichst aber mehrere Personen mittelfristig um je eine bestimmte Art bzw. Form besonders kümmert. Auch sollte möglichst jede dieser Formen mindestens ein bis zwei solcher "Paten" haben. Die Koordination soll es auch ermöglichen, dann, wenn eine solche Artbetreuung im Einzelfalle nicht weiter möglich ist, einen neuen Halter/Züchter als Ersatz für diese zu finden.

Unser Plan ist daher der Versuch, etwas zu erneuern und zu optimieren, was es ansatzweise bereits gibt bzw. gegeben hat, nämlich eine aktive und im gewissen Umfang - geregelte wechselseitige Abstimmung einer Gruppe von Personen, die sich um die Erhaltung unserer Parosphromenus-Aquarienstämme bemüht. Dabei kann uns die Tatsache, dass wir heute mit Internet und e-Mail über schnelle, einfache, kostengünstige Medien zur weltweiten Kommunikation verfügen, sehr helfen.

Inhaltsverzeichnis

4. Die Aufgaben im Einzelnen

Worum soll es im Einzelnen gehen? Wir listen hier stichwortartig eine Reihe von Punkten auf, die uns in diesem Zusammenhang wichtig sind. Die Punkte a) bis f) sind dabei von grundlegender Bedeutung. Sie hängen alle miteinander zusammen und bilden die Grundlage der Arbeit der Gruppe und ihrer Koordinatoren:

  1. Aktivieren des Kontaktes und der Kommunikation der Beteiligten: Ohne dies geht es nicht. IGL Tagungen und Regionalgruppen sind kein Ersatz hierfür, da sie nie alle Parosphromenus-Freunde zusammenführen können;
  2. Regelmäßige Erhebung des Bestandes, der Quantitäten und Qualitäten im Sinne der Bestandsicherung: Ohne einen ständig aktualisierten Überblick über die Bestandeslage kann man keine langfristige Bestandserhaltung versuchen.
  3. Benennung von "Paten", die bereit sind, eine Form zu vermehren und stabil im Bestand zu erhalten: Dies ist die Kernaufgabe. Dass solche Zuordnungen nur auf völlig freiwilliger Basis vorgenommen werden können, ist eine Selbstverständlichkeit.
  4. Bekanntgabe der Ergebnisse innerhalb der Interessentengruppe mit der Intention der Koordination der Mitglieder: Bei jedem Aquarianer wechselt der Bestand im Laufe der Zeit. Diesen Wandel in Bezug auf Parosphromenus etwas zu koordinieren, ist eine wichtige Zielsetzung.
  5. Eine gewisse Hilfestellung bei der Herstellung von Kontakten zur Weitergabe von Überschüssen. bzw. Zusammenführung von einzelnen Zuchttieren: Letzteres ist kein seltenes Nachzuchthindernis. Ersteres soll nicht im Zentrum unserer Bemühungen stehen, aber es liegt auch im Interesse der Gruppe, personell erneuerungsfähig zu werden.
  6. Berichte über die Ergebnisse - und hoffentlich - Erfolge im Makropoden und Pflege des Kontaktes zu anderen Gruppen in anderen Medien: Hierzu zählt z. B. auch das neu belebte Parosphromenus-Forum im Internet. Wir wollen es aber nicht als offenes Diskussionsmedium der Gruppe verwenden. Während diese Punkte unverzichtbar erscheinen und auch bereits erste Schritte zu ihrer Verwirklichung in die Wege geleitet worden sind, ist Weiteres denkbar, ohne dass es zu Beginn im Vordergrund stehen soll. Beispielsweise zählen zu den späteren möglichen Zielen folgende Punkte:
    1. Eine systematische Zusammenstellung aller bislang importierten Arten/Formen der Gattung Parosphromenus: Hier leben wir alle nämlich von verschiedenen Informationsquellen, die infolge der schnellen Entwicklung der Entdeckungs-, Import- und Beschreibungsgeschichte dieser Gattung allesamt mehr oder weniger überholt und jedenfalls unvollständig sind;
    2. Dokumentation mit Abbildungen (im einfachsten Fall über Internetlinks) der bekannten Prachtguramiformen und Pflege einer solchen Datei: In manchen Fällen wissen auch die Kenner kaum, welchen Fisch sie tatsächlich vor sich haben. Das ist besonders dann der Fall, wenn eine Form plötzlich ohne klare Herkunftsangabe im Handel auftaucht, was mitunter vorkommt. Parosphromenus spec. "blue line" ist ein Beispiel hierfür. Auch eine Form "red line" ist aufgetaucht.
    3. Hilfe bei Bestimmung von Prachtguramiformen durch die Spezialisten: Nicht wenige haben schon einmal "deissneri" gepflegt, die nach der neuen Nomenklatur keine deissneri gewesen sein können. Oft sind die Art- (oder Form-)Unterschiede phänotypisch nur sehr gering ausgeprägt und es gibt klinale Übergänge.
    4. Ein Ideenaustausch zur "eigentlichen" Erhaltungsproblematik, womöglich eine Initiierung neuartiger praktischer Schritte: Hier geht es um die Erhaltung der Lebensräume in Südostasien. Dieser sensible Bereich darf nur mit großer Vorsicht, Sach- und Ortskenntnis angegangen werden. Er soll aber auch nicht ausgeschlossen sein.
    5. Eine, im gewissen Grade mögliche, Belebung des Interesses an Prachtguramis außerhalb der Gruppe, gefördert durch bessere Erhältlichkeit der Fische und die Weitergabe von Erfahrungen in Haltung und Vermehrung: Der Punkt ist verwandt mit dem zuvor genannten Punkt e), doch während es dort um die Schaffung von Voraussetzungen für den langfristigen Erhaltungserfolg geht, geht es hier um Verbreitung des Interesses an Prachtguramis. Wir wollen dieses nicht prononciert fördern, denn diese Fische passen nicht zur heutigen Massenaquaristik. Wir können und wollen unsere Auge aber nicht vor der Tatsache verschlie&ßen, dass es immer wieder einzelne ernsthaft interessierte, neue, besonders auch jüngere Aquarianer gibt, die sich sehr um solche Fische bemühen würden, wenn sie sie bekommen könnten.
Inhaltsverzeichnis

5. Mitarbeit, Koordinatoren und Kontakt

Wir haben zu Beginn deutlich gemacht, dass dieser Artikel die Information über die Gründung dieser Erhaltungsgruppe an die IGL-Mitglieder weitergeben soll, dass wir ihn aber nicht als Aufruf an viele Aquarianer verstanden wissen wollen, sich nun den Prachtguramis zuzuwenden. Um es zu wiederholen: Es sind Fische, die kein Trockenfutter fressen, mit den meisten Leitungswassern nicht zurecht kommen und in Gesellschaft größerer oder sehr lebhafter Fische in hellen Aquarien nur dahinkümmern würden; wir haben daher nicht vor, als Fischverteilungsstation zu fungieren. Dies schon deshalb nicht, weil es gar nicht so viele von diesen Fischen gibt, um einen plötzlich entstehenden größ;eren Bedarf zu befriedigen.

Wir würden uns allerdings sehr darüber freuen, wenn dieser Artikel einige weitere Prachtguramifreunde ans Licht bringen würde, die über Zuchterfahrungen mit diesen Tieren verfügen oder zumindest ein sehr ernsthaftes Interesse an ihnen haben. Solche Personen sollten sich bei einem von uns melden. Wir bitten aber um Verständnis dafür, dass wir, um unseren Aufwand in Grenzen zu halten, diese Koordinationstätigkeit (fast) nur per e-Mail durchzuführen bereit sind (den Verteiler führt bis auf weiteres PF peter.finke@t-online.de , ME hallmam.schneider@t-online.de unterstützt ihn dabei); insbesondere alle klassischen Postwege mit Papier und Briefmarke würden uns überfordern.

Inhaltsverzeichnis

6. Literatur

Dickmann P. 1998a. Wie gefährdet sind verschiedene Labyrinthfische? - Waldschadensbericht Südostasien. Der Makropode 20 (9/10), 110.
Dickmann P. 1998b. Wie gefährdet sind verschiedene Labyrinthfischarten II. Der Makropode 20 (11/12), 140.
Inhaltsverzeichnis