| 1 | Norbert Neugebauer | Editorial | 148 |
| 2 | Heinz Bela | Drei Arten der Gattung Trichogaster | 149 |
| 3 | Jürgen Schmidt | Betta livida - der Dunkelrote | 154 |
| 4 | Hans-Joachim Paepke | Über den Punktierten Fadenfisch, Trichogaster trichopterus (Belontiidae), und seine Entdecker Joseph Gottlieb Koelreuter und Peter Simon Pallas | 162 |
| 5 | Michael Müller | Einladung zur Frühjahrstagung in Belzig | 170 |
| 6 | Hans Esterbauer | In Memoriam Heinz Bela | 175 |
| 7 | Norbert Neugebauer | Zur Erinnerung an Klaus Derwanz, verstorben 06.07.2005 | 175 |
| 8 | Christian Kanele | Channa-News - Bericht des Treffens der Channa-AG auf der IGL-Frühjahrstagung in Alzey 2005 | 176 |
| 9 | Jürgen Schmidt | Aktuelles | 177 |
| Impressum | 178 |
![]() Joseph Gottlieb Koelreuter (1733-1806) |
Der in Sulz am Neckar als Sohn eines Apothekers geborene Joseph Gottlieb Koelreuter studierte ab 1748 Medizin und Botanik in Tübingen und Straßburg. Von 1756 bis 1761 folgte er einem Ruf an die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, wo er die naturwissenschaftlichen Sammlungen der Akademie betreute, nebenbei aber auch botanische Studien betrieb. Koelreuter, damals 23 Jahre alt, war einer von vielen westeuropäischen Wissenschaftlern, die von dem Glanz der jungen, 1703 von Zar Peter dem Großen gegründeten russischen Metropole angezogen, nach St. Petersburg gingen. Einige wollten nicht nur dort arbeiten, sondern vor allem von St. Petersburg aus zu spektakulären Expeditionen in das zur damaligen Zeit nur wenig, teilweise noch gar nicht erforschte Riesenreich Russland aufbrechen. Koelreuter zog es aber nach wenigen Jahren in St. Petersburg wieder in seine deutsche Heimat zurück. Nach Stationen in Berlin, Leipzig, Sulz und Calw/Württemberg wurde er 1763 Professor für Naturgeschichte und Direktor des fürstlichen Botanischen Gartens in Karlsruhe, wo er im Alter von 73 Jahren starb. |
Hier setzte er seine in Tübingen und St. Petersburg begonnenen botanischen Studien fort. In umfangreichen Befruchtungs- und Bastardierungsversuchen wies er die Sexualität der Pflanzen nach, beobachtete den Austausch elterlicher Merkmale sowie die Neigung von Bastarden in ihre Stammformen zurückzuschlagen, und er erkannte die Rolle der Insekten und des Windes bei der Bestäubung der Pflanzen (Mägdefrau 1992, Jahn et al. 1998, Olby 1966, Wunschmann 1882). Damit wurde Koelreuter zu einem wichtigen Vorläufer des Vererbungsforsches Gregor Mendel und erwarb sich einen bleibenden Platz in der Geschichte der Botanik. Ihm zu Ehren wurde eine ostasiatische Gehölzgattung Koelreuteria mit der einzigen Art paniculata benannt. Wie ich vom Institut für Botanik und Landeskunde Karlsruhe erfuhr, ist der als Blasenesche bekannte Baum im Stadtbild von Karlsruhe noch mehrfach vertreten. Mir selbst ist er vom Hof des Berliner Naturkundemuseums sowie aus den Botanischen Gärten in Potsdam und Berlin-Dahlem bekannt. In der Ichthyologie ist Koelreuter trotz mehrerer einschlägiger Publikationen nahezu vergessen. Deshalb sollen hier – wahrscheinlich erstmalig in ichthyologischem Zusammenhang – sein Bildnis und eine kurze Vita veröffentlicht werden. |
![]() Zweig der Koelreuteria paniculata aus dem Botanischen Garten Berlin-Dahlem |
Drei Jahre nach Koelreuters Heimkehr erschienen in den Novi Commentarii Academiae Scientiarum Imperialis Petropolitanae , in denen er schon vorher publiziert hatte, u. a. drei Fortsetzungsartikel über seltene Fische aus dem Petersburger Museum (siehe Literaturverzeichnis). Wahrscheinlich hatte er die betreffenden Manuskripte noch in St. Petersburg fertig gestellt und bei seinem Fortgang zurück gelassen. Die Anfangsbuchstaben seiner Vornamen sind dort jedoch nicht mit J(oseph) G(ottlieb) angegeben sondern mit I. T., woraus sich die Frage herleitet,ob es sich bei J. G. und I. T. Koelreuter tatsächlich um die selbe Person handelt, wie es von Dean (1916) lapidar unterstellt wird. Ich habe daraufhin alle fraglichen Jahrgänge der Novi Commentarii ... durchforstet und herausgefunden, dass Koelreuters erster Beitrag in dieser Zeitschrift aus dem Jahre 1761 mit dem Autorennamen Iosepho (der latinisierten russischen Schreibweise von Joseph) Teophilio Koelreuter angegeben wird. Sein letzter Beitrag mit den Initialen I. T. aus dem Jahre 1776 befasst sich mit Pflanzenkreuzungen – dem Spezialgebiet des Botanikers Koelreuter –, so dass wir sicher sein können, dass es sich bei Joseph Gottlieb und Iosepho Teophilio tatsächlich um ein und denselben Koelreuter handelt, der in Russland teilweise unter anderen Vornamen publizierte als in einer Heimat.
Der Beitrag über den Punktierten Fadenfisch erschien im Teil 2(1764) der oben erwähnten Arbeit. Er enthält viele anatomische Details aber keine Fundortangaben. Ihm lag(en) ein (ooder mehrere) Fisch(e) zu Grunde, konserviert "in spiritu vini asseruati",also in Weingeist. Nach Auskunft meiner Kollegin Dr. Natalia Chernova, St. Petersburg, vom 14.04. 1993 waren Koelreuters Belegstücke in der ichthyologischen Sammlung der Petersburger Akademie der Wissenschaften damals nicht mehr vorhanden. Was deren Herkunft betrifft, so kann man nur vermuten, dass die Fadenfische zu jenen naturwissenschaftlichen Objekten gehört haben, die Zar Peter I. (der Große) u. a. von dem niederländischen Apotheker und Naturforscher Frederik Ruysch gekauft und "seiner" Akademie einverleibt hatte (Luyendijk-Elshout 1994).
![]() Erste zweifelsfreie Darstellung eines Punktierten Fadenfisches von Koelreuter (1764) |
Die Abbildung auf Tafel 10 Figur 1 zeigt unzweifelhaft einen Trichogaster trichopterus, der sowohl fadenförmige Bauch- als auch Brustflossen besitzt! Dieser Fehler war aber weniger gravierend als der Umstand, dass Koelreuter inseiner Arbeit nicht die binominale Nomenklatur angewandt hatte. Dem zugewiesenen Gattungsnamen Sparus folgte kein Artname – wie es sich nach der zehnten Ausgabe von Linnés Systema naturae, also ab 1758, eingebürgert hatte – sondern eine Kurzdiagnose etwa folgenden Inhalts: Zweifelhafter Sparus, beiderseits durch Flecke gekennzeichnet; erster Bauchflossenstrahl lang, stabförmig zurückreichend. |
Pallas bemängelte an Koelreuters Arbeit die seiner Ansicht nach falsche Einordnung in die Gattung Sparus, verwies den Fisch in die damalige Sammelgattung Labrus und gab ihm als fortschrittlicher, auf der Höhe seiner Zeit stehender Wissenschaftler auch sogleich einen verbindlichen Artnamen, nämlich trichopterus. Als Labrus trichopterus hatte der Punktierte Fadenfisch nun ein wissenschaftlich gültiges Binomen (einen aus Gattungs- und Artnamen zusammengesetzten Eigennamen) ungeachtet der Tatsache, dass der Gattungsname später mehrfach wechselte. An Koelreuters unrichtiger Abbildung hatte Pallas nicht auszusetzen, bezeichnete den Fisch (im Unterschied zu Bloch, 1792) als "sehr wohl abgebildet" und verzichtete daher auf eine eigene bildliche Darstellung.
Bevor Pallas im Jahre 1767 ebenfalls eine Anstellung an der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg antrat, hatte er nach eigenen Angaben die Manuskripte für mehr als zehn Faszikel (Teillieferungen) zu den Spizilegia Zoologica bereits fertiggestellt und seinem (ersten) Verleger Gottlieb August Lange in Berlin übergeben (Wendland 1992). Das Material für die Beschreibung von Labrus trichopterus stammte also nicht aus einer russischen Sammlung und ist somit auch nicht mit den von Koelreuter untersuchten Fischen identisch. Nach Pallas wurde die Art damals "nicht selten aus Java und Amboyna (einer Molukken-Insel, d. Verf.) nach Holland überschickt." Von dort erhielt er durch das Entgegenkommen des Barons von Rengers, eines Kammerherrn des Prinzen von Oranien, einige "nach Gronovscher Art halbgetrocknete (Exemplare)". Also auch diese Fadenfische gelangten über die Niederlande in die Hände ihres Beschreibers Pallas. Die Holländer hatten mit Batavia (heute: Jakarta) einen leistungsfähigen und lange Zeit gut verteidigten Handelsstützpunkt auf Java, von dem aus auch sehr viele exotische Naturalien ihren Weg nach Europa nahmen um an Interessenten verkauft zu werden. Auch Bloch hatte viele seiner Fische von holländischen Naturalienhändlern erworben. Damit wäre die ungefähre Herkunft der Typusexemplare, von denen sich keines erhalten hat, umschrieben.
![]() Titelblatt der Naturgeschichte merkwürdiger Tiere von 1777 mit dem Nachdruck der Originalbeschreibung von Labrus trichopterus |
Bei den halbgetrockneten Fischen handelte es sich um die vom toten Fischkörper abgezogene und getrocknete Haut einer Körperseite mitsamt Schuppen, den Schädelknochen und den paarigen Flossen der jeweiligen Körperseite sowie den unpaarigen Flossen. Kleinere Präparate wurden auf Pappe geklebt, größere mit Draht auf einem Holzsockel montiert. Auf diese Weise haben viele Fischpräparate die Jahrhunderte bis in unsere Tage überdauert. Von den insgesamt 14 zwischen 1767 und 1780 veröffentlichten Faszikel der Spizilegia Zoologica erschienen fast zeitgleich mit den lateinischen Originalausgaben oder auch verzögert, mehrere Ausgaben in holländischer und deutscher Sprache (Wendland 1992). Der Verfasser besitzt Kopien der Originalausgabe des 8. Faszikels mit der Erstbeschreibung von Labrus trichopterus von 1770 und einer deutschsprachige Übersetzung von 1777 unter dem Titel: Naturgeschichte merkwürdiger Thiere ... Letztere hat offenbar eine größere Verbreitung gefunden und ist wohl die Hauptursache für die oftmals falsch angegebene Jahreszahl der Erstveröffentlichung gewesen. |
Werfen wir noch einen Blick auf das erfüllte Leben von Peter Simon Pallas, der zu den bedeutendsten reisenden Naturforschern des 18. Jahrhunderts zählt. 1741 in Berlin geboren, begann er seine medizinische Ausbildung bereits als 13jähriger am dortigen Collegio medico-chirurgicum der berühmten noch heute existierenden Charité, protegiert von seinem angesehenen Vater, der dort als erster Wundarzt wirkte. Danach studierte Pallas in Halle/Saale und Göttingen, um bereits als 19jähriger in Leiden zu promovieren. Nach einem Studienaufenthalt in England ließ er sich 1761 – dem Wunsche seines Vaters folgend – als Arzt in Berlin nieder. Doch hielt es ihn nicht lange in seiner Vaterstadt, und so ging er 1763 für drei Jahre nach Holland.
Dort veröffentlichte er zahlreiche zoologische Arbeiten, wurde dadurch in der gelehrten Welt bekannt und hatte wohl auch den größten Teil des Materials für seine Spicilegia Zoologica in den niederländischen Museen und Privatsammlungen studiert bzw. gesammelt. Im Jahre 1767 folgte er einem durch die Zarin Katharina II. veranlassten Ruf zunächst als Adjunkt, bald darauf als Professor für Naturgeschichte an die Petersburger Akademie der Wissenschaften. Schon ein Jahr später, von 1768 bis 1774 leitete er eine Expedition durch das östliche und südöstliche Russland und Sibirien – 1770 forschte er am Ural, 1771 besuchte er die Hüttenwerke im Altai, 1772 bereiste er das Baikalgebiet und die Regionen an der chinesischen Grenze bis zum Amur, 1773 war er wieder im Ural und kehrte im folgenden Jahr (am 30. Juli 1774) über Moskau nach St. Petersburg zurück – (Krämer 1961). Durch seine Forschungsreisen bereicherte Pallas die Kenntnisse über die von ihm erkundeten Regionen nicht nur auf zoologischem und botanischem Gebiet. Er richtete sein Augenmerk ebenso auf die geologisch-ggeographischen Bedingungen, die ethnographischen Besonderheiten und auf ökonomischen Möglichkeiten, wobei damit die Universalität und der wissenschaftliche Fleiß dieses großen Forschers nur unzureichend umschrieben werden können. |
![]() Titelblatt der Spicilegia Zoologica von 1770, in der die Originalbeschreibung von Labrus trichopterus veröffentlicht wurde |
Er erreichte St.Petersburg "mit einem zwar entkräfteten Körper und schon im dreiunddreißigsten Jahre grauenden Haaren, aber doch frischer als(er)in Sibirien gewesen war und voll dankbarer Empfindungen gegen die Vorsicht,welche (ihn) ... erhalten und unzähligen Gefährlichkeiten entrissen hatte." Abschließend resümierte er: "Die Natur in einem ansehnlichen Teil des Weltkreises, wo sie der Mensch noch wenig verderbt hat ...erforscht und kennen gelernt zu haben, halte ich gegen meine dabei verwandte Jugend und Gesundheit für die schönste Belohnung" (Pallas 1778).
Jahre der akademischen Lehre und des Publizierens schlossen sich an, in denen es Pallas nicht mehr gelang, die Mittel für eine neue Forschungsreise aufzubringen. Schließlich erhielt der um die russische Wissenschaft so verdienstvolle Gelehrte von der Zarin ein Haus in Simferopol und zwei kleine Dörfer mit Weinbergen auf der Krim. Hier befasste er sich mit Verbesserungen in der Landwirtschaft und Viehzucht und mit der weiteren Auswertung des auf seinen Reisen gesammelten Materials. 1810 kehrte Pallas nach dreiundvierzig Dienstjahren in Russland in seine Heimatstadt BerlinBerlin zurück. Heimweh, seine angegriffene Gesundheit, die literarische Abgeschiedenheit auf der Krim und die Sorge um die Vollendung seines wissenschaftlichen Lebenswerkes, die Zoographia Rosso-Asiatica, waren die Gründe dafür. Mit seiner verwittweten Tochter Albertine und seinem Enkel Woldemar bezog Pallas eine Wohnung in der Friedrichstrasse 24. Nur ein Jahr verblieb ihm noch, bevor er am 8. September 1811, knapp zwei Wochen vor seinem 70. Geburtstag, starb. Vorher besuchte er noch den Vorläufer des heutigen Museums für Naturkunde der Humboldt-Universität, damals noch Unter den Linden, der erst im Jahr seiner Heimkehr gegründeten Berliner Universität.
InhaltsverzeichnisDer Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass der belesene M. E. Bloch (1792) in seiner Abhandlung über Labrus trichopterus Pallas mehrere andere Autoren anführt, die ebenfalls diesen Fisch gekannt, beschrieben und in einigen Fällen auch abgebildet haben sollen. Einige sogar früher als Koelreuter und Pallas. Seiner Meinung nach wäreValentiyn (1726) der erste Autor gewesen, der diesen Fisch unter dem Namen Ikan Marate Djantan abgebildet hätte. Renard (1754) hätte diese Darstellung unter dem Namen Pangay ou Kapirat kopiert. In beiden Fällen handelt es sich aber keineswegs um den Punktierten Fadenfisch sondern um den Messerfisch Notopterus notopterus Pallas, wie das bereits Pietsch (1995) und zuvor Cuvier, Valenciennes und Bleeker festgestellt haben, und wie das jeder Labyrinthfischfreund erkennen wird, der eine solche Abbildung einmal zu Gesicht bekommen sollte. Bonnaterre (1788) hat seine Darstellung eines Punktierten Fadenfisches ganz eindeutig von Koelreuters kopieren lassen. Sie ist, was das Schuppenkleid und andere Feinheiten betrifft, präziser ausgefallen als das Koelreutersche Original. Bloch verweist ferner auf Boddaert, der in seiner Natuurlijke Histoire (nicht eingesehen) unseren Fadenfisch mit einer anderen Art verwechselt haben soll. Und er veröffentlichte 1781 einen Brief Boddaerts, in dem dieser von einem "Chaetodon Klippfisch" berichtet, der "braune und blauliche (sic) Streifen sowie zwo große Stacheln an den Bauchflossen" gehabt hätte. Hierbei könnte es sich um einen vorderindischen Fadenfisch der Gattung Colisa gehandelt haben. Schließlich erwähnt Bloch einen Hochtus biguttatus aus dem Index Mus. Schwenkiani, möglicherweise ein Nomen nudum ohne nähere Beschreibung, von dem bisher nichts weiter bekannt geworden ist. Wie dem auch sei, entgegen Blochs Auffassung sind Koelreuter und Pallas die ersten beiden Autoren gewesen, die genaue und unverwechselbare Darstellungen vom Punktierten Fadenfisch publiziert haben, und deshalb sollten sie hier auch einmal vorgestellt werden.
Bekanntlich hat man für die Vorder- und Hinterindischen Fadenfische in der Folgezeit verschiedene Gattungsnamen verwendet (Derijst 1997, Schindler 2005). Auch hat man den Punktierten Fadenfisch später mehrfach unter anderen Namen beschrieben. Alles das soll hier nicht weiter kommentiert werden.
InhaltsverzeichnisDie Abbildung von Peter Simon Pallas stammt aus dem Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin, Historische Bild- und Schriftgutsammlungen (Sigel: MfN d. HUB, HBSB), Bestand Zool. Mus., Signatur: Orn. 47. Dr. Sabine Hackethal besorgte die Abbildung und gewährte mir Einblick in die Wendlandsche Pallas-Biographie. Ulrike Deistung und Uta Bolch vom Stadtarchiv Karlsruhe stellten das Portrait von Koelreuter (Signatur StAK 8/Diaslg. III 42) auf Seite 1 des Beitrages zur Verfügung und gestatteten dessen Veröffentlichung. Frau Lütchen und Dr. Thomas Bränning vom Institut für Botanik und Landschaftskunde Karlsruhe stellten die Verbindung zum Stadtarchiv Karlsruhe her. Dr. Renate Angermann diskutierte mit mir die Deutung der russischen Initialen von Koelreuters Vornamen. Frank Wolter, einer der besten Kenner der historischen ichthyologischen Literatur, steuerte wertvolle Kopien und Hinweise bei. Ferner arbeitete ich in folgenden Bibliotheken: Zweigstelle Zoologische Bibliothek der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, Bibliothek der Universität Potsdam sowie Bibliothek der Stiftung Staatl. Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci. Allen genannten Personen und Institutionen danke ich herzlich für ihre freundliche Unterstützung.
Inhaltsverzeichnis| Bloch, M. E. 1781. | Auszug eines Briefes des Herrn Doct. Boddart (sic) zu Utrecht an Herrn D. Bloch, vom 1. May 1781. Schriften der Berlinschen Gesellschaft naturforschender Freunde. Bd. 3: 458-460. |
| Bloch, M. E. 1792. | Naturgeschichte der ausländischen Fische. 6. Teil, (gedruckt) bey den Königl. Akademischen Kunsthändlern J. Morino & Comp., Berlin. |
| Britz, R. 1995. | Zur phylogenetischen Systematik der Anabantoidei (Teleostei, Percomorpha) unter besonderer Berücksichtigung der Stellung des Genus Luciocephalus. Morphologische und ethologische Untersuchungen. Dissertation der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. |
| Dean, B. 1916. | A bibliography of fishes. 3 Bd., The American Museum of Natural History New York. |
| Derijst, E. 1997. | Nota over de geldigheid van de genusnamen: Trichogaster Bloch & Schneider, 1801; |
| Günther, A. 1861. | Catalogue of the fishes of the British Museum. 3: 384-385 |
| Jahn, I. (Hrg.) 1998. | Geschichte der Biologie. 3. neubearbeitete und erweiterte Auflage. Gustav Fischer Verlag Jena |
| Koelreuter, I. T. 1763. | Piscium rariorum e museo Petropolitano excerptorum descriptiones. Novi Commentarii Academiae Scientiarum Imperialis Petropolitanae 8: 404-430. |
| Koelreuter, I. T. 1764. | Descriptiones Piscium rariorum e museo Petropolitano exceptorum continvatio. Novi Commentarii Academiae Scientiarum Imperialis Petropolitanae 9: 420-470. |
| Koelreuter, I. T. 1766. | Piscium rariorum e. mus. Petrop. exceptorum descriptiones continvatae. Novi Commentarii Academiae Scientarum Imperialis Petropolitanae 10: 329-351. |
| Krämer, W. 1961. | Die Entdeckung und Erforschung der Erde. VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig. |
| Linke, H. 1980. | Labyrinthfische Farbe im Aquarium. Tetra Verlag Melle, 4. Auflage. |
| Luyendijk-Elshout, A. M. 1994. | An der Klaue erkennt man den Löwen. Aus den Sammlungen des Frederik Ruysch (1638-1731). In: Grote, A. (Hrsg.). Macrocosmos in Microcosmos. Die Welt in der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450 - 1800. Opladen. |
| Mägdefrau, K. 1992. | Geschichte der Botanik, Leben und Leistung großer Forscher. 2. Auflage, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena, New York. |
| Olby, R. (Hrg.) 1966. | Late eighteenth century European scientists. Pergamon Press Oxford, London etc. |
| Pallas, P. S. 1770. | Spicilegia Zoologica quibus novae imprimis et obscurae animalium species iconibus, descriptionibus atque commentariis illustrantur. Berlin, verlegt von Gottlieb August Lange 1(8): 45-46. |
| Pallas, P. S. 1777. | Naturgeschichte merkwürdiger Thiere, in welcher vornehmlich neue und unbekannte Thierarten durch Kupferstiche, Beschreibungen und Erklärungen erläutert werden. Berlin und Stralsund, verlegt von Gottlieb August Lange, 8. Sammlung: 49-51. |
| Pallas, P. S. 1987. | Reise durch verschiedene Provinzen des Russischen Reichs. Gekürzter Nachdruck der Erstauflage von 1771 mit einem Nachwort von Marion Lauch, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig. |
| Pietsch, T. W. (Hrg.) 1995. | Historical portrait of the progress of ichthyology, from its origin to our own time. Georges Cuvier. The John Hopkins Univ. Press, Baltomore and London. |
| Rachow, A. o.Jg (um 1939).. | Trichogaster trichopterus (Pallas) - Die Aquarienfische in Wort und Bild, Alfred Kernen Verlag Stuttgart-W., 645/46, 24,5. |
| Regan, T. 1910. | The Asiatic fishes of the family Anabantidae. Proc. Zool. Soc. London 1909(4): 767-787. |
| Renard, L. 1754. | Poissons Ecrevisses et Crabes de diverses Couleurs et Figures extraordinaires que l'on Trouve Autour des Isles Moluques, et sur les Côtes des Terres Australes... Amsterdam. |
| Riehl, R. & H. A. Baensch, 1983/84. | Aquarienatlas (Bd.1, 4. Auflage). Verlag für Natur- und Heimatkunde Hans-A. Baensch, Melle. |
| Schindler, I. 2005. | Die wissenschaftlichen Namen der Zwergfadenfische "Colisa". Der Makropode 27(5/6): 84-85 85 |
| Valentiyn, F. 1726. | Omstandig Verhaal van de Geschiedenissen en Zaaken het Kerekelyke ofte den Godsdienst betreffende, zoo in Amboina. Dordrecht und Amsterdam. |
| Vierke, J. 1978. | Labyrinthfische und verwandte Arten. Engelbert Pfriem Verlag Wuppertal-Elberfeld. |
| Weber, M. & L. F. de Beaufort, 1922. | The fishes of the Indo-Australian Archipelago. Bd. 4: 365-367. |
| Wendland, F. 1992. | Peter Simon Pallas (1741-1811), Materialien einer Biographie. Teil 1 und 2, Walter de Gruyter, Berlin und New York. |
| Wunschmann, E. 1882. | Koelreuter, Joseph Gottlieb 27. April 1732 - 12. Nov. 1806. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Hrg.: Hist. Kommission d. Königl. Akademie d. Wiss. (Bayern), Leipzig. |
Die Channa-AG der IGL trifft sich seit zwei Jahren regelmässig auf den Tagungen. Zu unserer Freude findet die AG regen Anklang. Auch dieses Mal haben sich mind. 10 Channaholiker zusammengefunden, um mehr als zwei Stunden ihrer Passion zu frönen. Für all diejenigen Interessierten, die nicht teilnehmen konnten, will ich hier eine Zusammenfassung geben.
In diesem Frühling konnte der den Schlangenköpfen sehr zugeneigte Indische Aquariumfisch-Exporteur Andrew Rao in Südindien einen Schwarm Jungfische des sehr seltenen und bisher nicht exportierten Channa diplogramma ausfindig machen. Channa diplogramma ist das indische "Pendant" zu Südostasiens Channa micropeltes. Er wurde 1865 von Francis Day (Day 1865) beschrieben. Schon Francis Day selber schrieb über diesen Fisch, dass er selten sei. Einige Jahre später listete Francis Day diesen selber als Synonym von Channa micropeltes (Day 1878) auf. Seitdem gibt es keine weiteren Informationen über diesen Fisch.
Ob Channa diplogramma "nur" ein Synonym ist oder eine gute Art ist, steht zur Diskussion. In einem Gespräch mit Frank Schäfer habe ich den Eindruck erhalten, dass es sich um eine gute Art handelt, denn Frank Schäfer erzählte mir, er habe die Days Typenexemplare von Channa diplogramma im Naturhistorischen Museums in Wien eingesehen, und er sprach von deutlichen Unterschieden zu Channa micropeltes im adulten (alkoholisierten) Zustand. Neben Exemplaren in Deutschland sind auch welche in England aufgetaucht (siehe unten). Der Besitzer der Channa diplogramma schrieb mir, dass sie sich im juvenilen Alter nicht von Channa micropeltes unterscheiden würden. Es bleibt abzuwarten bis die ersten aussagekräftigen Photos auftauchen.
InhaltsverzeichnisDer britische Besitzer der Channa diplogramma ist Tom Halvorsen, ein auf aquaristische und terraristische Spezialitäten ausgerichteter Händler. snakeheads.org hat Tom Halvorsens Geschäft nach Durchsicht seiner Bestandslisten zum Coolest Channa Shop in the Universe erkoren. Er erwarb von dem besagten Exporteur vielerlei bis anhin nicht exportierte Channa Species. Neben Channa diplogramma hat Tom Halvorsen Channa sp. "Galaxy Blue", eine evtl. Farbform von Channa stewartii aus der Umgebung von Shillong (Meghalaya, Höhenzug südlich des Brahmaputra und nördlich von Bangladesh), deren ganzen Körper in ein Metallic-Blau getaucht sein kann, hält man diesen Fisch kalt genug (max. 20 C°). Es gibt diesen Fisch schon in der IGL, leider sind die vorhandenen Exemplare fast ausschliesslich männlichen Geschlechts, was man relativ einfach anhand der Färbung und der Kopfform erkennen kann. Des Weiteren gibt es einen Neuimport: Channa sp. "Meghalayan leopard", einer unbeschriebenen Species aus dem Nordhang von Meghalaya ("Garo Hills"). Ich konnte auf seiner Reise nach Indien im Jahre 2003 in Gauhati das erste Tier in Augenschein nehmen. Viele Merkmale deuten auf enge Verwandtschaft mit Channa stewartii hin: Grösse, Körperform, die vertikalen Bänder oberhalb der Laterallinie, aber dieser Fisch hat rötlich-silberne Schuppen unterhalb der Laterallinie, wie ich sie bisher nur von jungen Channa bleheri oder Channa burmanica kenne. Tom Halvorsen hat die ersten exportierten Exemplare erhalten. Tom hat ebenso eine "streifenlose" Form von Channa striata mit dem blumigen Namen Channa sp. "Spearhead", welcher aus dem grössten Flachwasser Assams, einem sogenannten "Bheel", bei Gauhati stammt. Der Höhepunkt der Halvorsenschen Erwerbungen ist ein Paar Channa barca. Damit sind dem Autor drei lebende Exemplare von Channa barca bekannt. Der Preis für das Paar ist astronomisch unter anderem auch deshalb, weil er die Fische gar nicht verkaufen will, wie er mir geschrieben hat.
InhaltsverzeichnisWie mir ein altes IGL-Mitglied nach dem Treffen mitteilte, hat die Channa-AG auf diesem Treffen ein Novum betrieben, indem sie Fische zwecks Geschlechtsbestimmung sezierten.
Dem Autor verstarb letztes Jahr (2004) ein gerade brütendes Channa stewartii Paar (durch vergiftetes Futter?). Frederik Pipkorn erklärte sich bereit, die Fische bis zum Treffen bei sich auf Eis zu legen und sie dann auf dem Treffen (wie alle später bewundernd sehen konnten) fein säuberlich so zu öffnen, dass man beim Männchen die Milz und beim Weibchen die Eier sehen konnten.
![]() Channa-AG in Alzey - Öffnen von C. stewartii zwecks Geschlechtsbestimmung |
Vor der Öffnung wurden Bilder der lebenden und der toten Fische, die der Autor kurz nach der Entdeckung ihres Todes noch schoss, gezeigt und das Publikum befragt, um welches Geschlecht es sich handeln könne. Im IGL-Kreise herrscht die Hypothese vor, dass man die Geschlechter anhand der Kopfform unterscheiden könne, wie es Matthias Schnieder bei sp. "lal cheng" (a.k.a. "sp. Assam", "blue bleheri") als erster zeigen konnte: Männchen haben hinter den Augen eine (konvexen) "Ausbeulung" der beiden Kiemendeckel, die besonders in der Aufsicht deutlich wird. Bei verschiedene Channa, z.B. Channa gachua, Channa bleheri oder auch Channa aurantimaculata wurde dieses Zeichen in der IGL schon beobachtet. Der Autor ist auch ein Anhänger dieser Hypothese, wobei er bei Channa aurantimaculata, zweifelt, dass es sich bei dem Tier mit den "ausgebeulten" Kiemendeckel Männchen handelt. Die Beobachtungen des Autors sowie die Bilder der toten Fische konnten keine eindeutigen Auskünfte geben, die diese Hypothese stützt. Ebenso konnte das Publikum deutliche Unterschiede ausmachen, obwohl einige der Anwesenden diesen Fisch schon nachgezüchtet haben. |
Es war jedenfalls spannend, den Ausführungen der Kenner zuzuhören, und es ist jedem Channa-Interessierten empfohlen, der Channa-AG beizuwohnen, da soviel Channa-Wissen nur selten einmal in Europa und vielleicht sogar auch in der Welt zusammenkommt.
Während unserer Ausführungen machte sich Frederik daran, mit professionellem Gerät die Fische zu öffnen und so zu prapärieren, dass das Gesuchte für jeden sichtbar wurde. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern anhand der inneren Merkmale wurde auch deutlich, so dass nun daran gegangen werden konnte, nochmals zu überlegen, ob die Hypothese des Erkennen der Geschlechter anhand der Kopfform bei Channa stewartii gerechtfertigt sei. Das Publikum kam zum Schluss, dass die Hypothese nicht gerechtfertigt sei.
Nach diesen Tagespunkten gab es natürlich noch viel zu erzählen. Michael Engemann erzählte von seinem Abenteuer der Channa aurantimaculata-Nachzucht. Sollte er einmal einen Artikel darüber schreiben, meinte er, so würde er ihn mit "Himmel hochjauchzend, zu Tode betrübt nennen", da er als erster die Fische in einem Aquarium nachziehen konnte, aber sich das Elternpaar danach gegenseitig umgebracht hat.
InhaltsverzeichnisZur Zeit des Schreibens dieses Artikels hat der Autor das Vergnügen, Ziehvater der F1-Generation seines dritten Channa stewartii Paares zu werden. Trotz der Ablehnung der Hypothese, dass die Geschlechter von Channa stewartii anhand der "konvexen Ausbeulungen" am Kopfe zu erkennen seien, durch unsere Untersuchungen an einem Paar nicht unterstützt werden kann, ist der Autor der Meinung, dass die Kopfform der beiden Geschlechter unterschiedlich ist, doch erst mehr Beispiele werden es genauer an den Tag bringen.
Inhaltsverzeichnis