Der Makropode - 28. Jahrg. - 3/4 2006

Inhaltsverzeichnis
1 Norbert Neugebauer Editorial 38
2 Jörg Töpfer Richard Semon, der Entwicklungsgedanke und der Australische Lungenfisch 39
2 Horst Ebert Die Gattung Trichopsis Canestrini 1860 9
3 Kenneth R. McKaye Nähreier und elterliche Fütterung der Jungen des Welses Bagrus meridioralis aus dem Malawisee, Afrika 64
4 Michael Müller IGL-Frühjahrstagung vom 28.04.2006 bis 30.04.2006 in Belzig Tagungsprogramm 68
5 Christian Kanele Berichtigung 70
6 Harald Hehl Anträge zur Änderung der Statuten der IGL 70

Die Gattung Trichopsis Canestrini 1860

Horst Ebert

Der Gattungsname bezieht sich auf die Ähnlichkeit der Tiere zu der Gattung Trichogaster. Sie gehören der Familie Belontiidae und dort der Unterfamilie Macropodusinae an. Die Fische der Gattung haben den deutschen Namen Knurrende Guramis erhalten, weil die Tiere bei entsprechendem Gemütsverhalten Geräusche erzeugen, die gut hörbar sind. Alle Arten, bisher wurden drei bekannt, haben einen gestreckten Körper, einen spitzen Kopf, ein kleines vorstreckbares, schräg nach oben gerichtetes Maul. Alle Arten sind in Hinterindien und Sumatra beheimatet. Typisch ist, dass sie eine relativ kurze Rückenflosse haben und die Afterflosse lang ausgezogen ist.

Noch vor einigen Jahren waren Tiere dieser Gattung oft in Aquariengeschäften zu sehen, doch seit ca. zehn Jahren ist das kaum noch der Fall. Da es sehr interessante, pflegeleichte und auch leicht zu züchtende Tiere sind, will ich die drei Arten einmal vorstellen. Wie bei allen Labyrinthfischen gilt für die Zucht die generelle Regel: Das Weibchen nach dem Laichgeschäft aus dem Aquarium herauszufangen, weil es vom Männchen in der Nähe des Nestes nicht mehr geduldet wird. Wegen seiner intensiven Brutpflege muss auch das Männchen nach dem Freischwimmen der Brut entfernt werden, denn dann erlischt der Pflegeinstinkt und die eigene Brut wird manchmal als Futter angesehen.

Trichopsis pumila Arnold, 1936 - der Knurrende Zwerggurami

Dieser Fisch fand in all den Jahren seit seiner Ersteinfuhr 1913 stets Trichopsis pumila wenig Verbreitung. Die Ursache scheint in der geringen Produktivität und in der mühsamen Aufzucht der Bruten zu liegen. Heute, wie damals, ist er für Großzüchtereien aus diesem Grund kaum interessant, trotzdem er ein leichter Pflegling und, was Farbe und Verhalten betrifft, recht interessant ist.

Der Artname stammt aus dem lateinischen pumilus -Zwerg. Die Heimat ist Kambodscha, Thailand, die Malaiische Halbinsel und soll auch auf Sumatra nachgewiesen worden sein. Meist ist er in Sumpflandschaften und stehenden, höchstens sehr schwach fließenden Rinnsalen, z. B. Bewässerungsgräben der Reisfelder, anzutreffen.

Die Tiere werden circa 3,5 cm groß und sind sehr zierlich in ihrem Körperbau. Die Färbung ist sehr variabel, was wegen des großen Verbreitungsareals natürlich ist. Der Körper kann helloliv, blass gelblich oder grünlich grau sein. Auf dem Körper befinden sich dunkle Flecke, die sich oft zu zwei Streifen verbinden, die vom Kopf bis zur Schwanzwurzel verlaufen. Der gesamte Körper ist mit kleinen seegrünen Tüpfelchen übersät. Diese sind auch in der Rückmund Schwanzflosse zu finden. Die Flossen sind rötlich und in diesen sind grün schimmernde, glitzernde Punkte verteilt. Die relativ kurze Rückenflosse läuft spitz aus, hat oft ein gelbes Band am Flossenrand und wird mit einem dunkelroten Saum abgeschlossen. Die Schwanzflosse ist oft rund, kann aber auch mit einer Spitze auslaufen. Bauch- und Brustflossen sind transparent.

Da die Tiere in beiden Geschlechtern gleich gefärbt sind, ist das einzige Unterscheidungsmerkmal der Rücken- und die Afterflosse. Beide sind bei den Männchen wesentlich stärker ausgezogen als bei den Weibchen. Bei den Weibchen schimmern auch die Eier in der Bauchregion gelblich durch.

Die Art ist mit T. schalleri zu verwechseln. Doch ist dieser wesentlich rötlicher als T. pumilus.

Zur Pflege ist zu sagen, dass sie für ein so genanntes Gesellschaftsaquarium ungünstig sind, da sie darin scheu werden und kaum zu sehen sind. Auch ihr Verhaltensmuster zeigen sie darin nicht. Am günstigsten sind Artaquarien in denen mehrere Tiere vergesellschaftet sind. Sie sind äußerst friedlich, was aber in der Brutzeit sich völlig ändern kann. Jetzt können die Männchen recht aggressiv werden. Wenn diese die Weibchen umwerben, aber auch wenn sie gegeneinander kämpfen, stoßen sie schnarrende Töne aus, die sehr gut hörbar sind.

Sie sind recht wärmebedürftig, mindestens 25° C, besser sind 2728° C, sollten angeboten werden. Auf Temperaturschwankungen reagieren sie recht empfindlich. Je weicher das Wasser ist, desto besser, doch auch im härteren Wasser fühlen sie sich wohl. So ist bekannt, dass sie bei 19° dGH und einem pH-Wert 7 erfolgreich für Nachzucht gesorgt haben. Sie benötigen kleines Lebendfutter. Am besten eignen sich Cyclops oder kleine bis mittlere Daphnien. Trockenfutter, wenn es zerrieben wurde, wird auch genommen. Doch mit diesem Futter versorgte Tiere bekommen keinen Laichansatz.

Die Zucht ist nicht allzu schwierig. Was ist zu beachten? Ein Paar sollte in einem Aquarium von ca. 30 Liter Inhalt leben dürfen. Es muss gut bepflanzt sein. Großblättrige Cryptocorinen sind am besten geeignet. Die Schaumnester der Zwergguramis sind nicht so gut gebaut, wie bei den großen Labyrinthern. Sie werden auch meist unterhalb der Wasseroberfläche, so an Blattunterseiten von Pflanzen oder in Höhlen, gebaut. Die Temperatur ist auf 30° C zu erhöhen. Beim Laichen werden Eipakete, in denen befinden sich drei bis fünf Eier, abgegeben. Vom Männchen werden diese in das Nest befördert. Der Laichakt dauert 20-30 Minuten. Ist dieser beendet, übernimmt das Männchen die Pflege der Brut. Das Weibchen darf sich höchstens 10 cm dem Nest nähern. Abhängig von der Temperatur schlüpfen die Larven zwischen 22 und 30 Stunden. Achtung! Nach dem Schlupf der Larven erlischt der Brutpflegeinstinkt des Männchens. Es ist deshalb zu entfernen. Die Jungfische hängen mit ihren am Kopf befindlichen Klebefäden an dem Ablaichplatz. Nach dem Schlupf ist die Wasseroberfläche auf 10 cm abzusenken und vier bis fünf Wochen so niedrig zu halten. Erst wenn sich das Labyrinth vollständig ausgebildet hat, kann dieser erhöht werden. Nach vier bis fünf Tagen schwimmen die Jungfische frei, haben ihren Dottersack aufgebraucht und müssen mit Infusorien angefüttert werden. Wenn sie ausreichend ernährt werden, bewältigen sie nach ca. 1 Woche Nauplien von Cyclops oder Artemia. Ab diesem Zeitpunkt ist ihr Wachstum schnell und nach ca. drei Wochen haben sie eine Größe von ca. 3 cm erreicht. Von einem Zuchtansatz können bis 100 Jungfische erzielt werden.

Trichopsis schalleri Ladiges, 1962 - Schallers Zwerggurami

Die Art wurde nach dem Erstimporteur D. Schaller benannt. Sie ist in einem relativ eng begrenzten Gebiet nordöstlich von Bangkok in Thailand und in Süd-Laos beheimatet.

Die Tiere ähneln sehr der vorgenannten Art und unterscheiden sich nur dadurch, dass ihre Schnauze stumpfer ist. Sie soll auch Ähnlichkeiten mit T. vittata aufweisen. Sie erreichen eine Größe von 4,5 cm. Mitunter in der Literatur auftretende Größenangaben von bis 6 cm erscheinen unglaubwürdig. Die Nackenlinie ist bei dieser Art nicht sattelförmig eingezogen.

Die Art ist farbiger als T. pumila. Der Körper ist bräunlich und grün glänzend. Zwei dunkel- bis kastanienbraune Längsstreifen ziehen sich von den Augen bis zur Schwanzwurzel hin. Der obere Streifen wird von grün schillernden Schuppen unterbrochen, bei einigen Individuen können auch beide Streifen von diesen Schuppen eingefasst sein.

Die Rücken-, Schwanz- und Afterflosse sind rötlich, haben bläuliche Tupfen und einen roten oder blauen Saum. Die Schwanzflosse hat mehrere kurz auslaufende Zipfel. Auch der Mittelstrahl der Afterflosse kann spitz ausgezogen sein.

Die Iris ist leuchtend grün. Die Geschlechter sind farblich auch von ihren Flossen schwer zu unterscheiden. Das sicherste Zeichen ist, dass die Weibchen zur Laichzeit einen volleren Bauch haben und die dort vorhandenen Eier durchschimmern.

Die Art baut ein kleines Schaumnest, was in der Regel weit unter der Wasseroberfläche zwischen Pflanzen liegt. Sonst ist die Pflege und Zucht ebenso wie bei der vorgenannten Art.

Trichopsis vittata (Cuvier & Valenciennes, 1831) - der Knurrender Gurami

Der Artname bedeutet gebändert. Die Heimat der Art ist Hinterindien, die Malaiische Halbinsel und Indonesien. Sie wird gegenüber den vorgenannten Arten mit 8 cm relativ groß.

Diese Art hat eine gelbliche bis bräunliche Körperfarbe, der Rücken ist dunkler und die Bauchregion gelblich weiß. Die Körperseiten haben bei auffallendem Licht einen bläulich weißen Glanz. Auf dem Körper befinden sich zwei bis vier mehr oder weniger deutliche dunkelbraune bis schwarze Längsstreifen, die durch grün schillernde Schuppen unterbrochen werden. Die Iris der Augen ist grün.

Die Flossen haben alle eine gelbliche Grundfarbe mit einem rötlichen, violetten oder bräunlichen Schimmer und sind mit roten und grünen Punkten versehen. Bei einigen Exemplaren kann die Schwanzflosse blaugrün gesäumt sein.

Die Geschlechter sind ebenfalls schwer zu unterscheiden. Bei den Weibchen sind Rücken- und Afterflosse weniger ausgezogen und deren Bauch ist heller und die Eierstöcke schimmern durch.

Die Pflege und Zucht dieser Art ist wie beiT. pumila genannt. Wenn sie in einem Aquarium allein gepflegt werden, sind die Tiere recht schwimmfreudig.

Literatur

Frey, H. 1976. Das grosse Lexikon der Aquaristik. Leipzig, Radebeul.
Koch, E. 1955. Pflege und Zucht des knurrenden Zwerg-Gurami, Trichopsis pumilus Arnold. Aquarien und Terrarien. 2: 72-74.
Richter, H.-J. 1967. Haltung und Zucht des Knurrenden Zwerggurami, Trichopsis vittatus. Aquarien und Terrarien. 14: 130-131.
Schaefer, C. & Schröer, T. (Hrsg.) 2004. Das grosse Lexikon der Aquaristik. Band 2. Stuttgart
Schwabe, R. 1967. Lautäusserungen bei Trichopsis vittatus. Aquarien und Terrarien. 14: 210.
Sterba, G. 1987. Süsswasserfisch der Welt. Leipzig, Jena, Berlin.
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