| 1 | Otto Tempel | Editorial | 114 |
| 2 | Peter Finke | Mein Paro-Rezept - über die Haltung und Zucht von Prachtguramis | 115 |
| 3 | Martin Hallmann | Die Parosphromenus-Artenliste | 126 |
| 4 | Nora Brede & Dirk Steinke | Das Project Barcoding of Life benötigt Labyrinthfisch-Proben | 127 |
| 5 | Klaus de Leuw | Methode zum Fangen von Schlangenköpfen | 129 |
| 6 | Otto Tempel | Einladung zur Generalversammlung in Iserlohn | 130 |
| 7 | Peter Wellner | Einladung zur Herbsttagung in Iserlohn | 131 |
| 8 | Henk Grundmeijer | Die "Nederlandse Vereniging voor Labyrintvissen" erlebte ihr erstes internationales Treffen | 138 |
| 9 | Uwe Konrad | Tagungsbericht Belzig 2006 | 140 |
| 10 | Holm Arndt | Einladung zum Regionalgruppentreffen | 141 |
| 11 | Bernd Bussler | Protokoll der Generalversammlung am 30.04.2006 in Belzig, Hotel Springbach-Mühle | 142 |
Prachtguramis (Parosphromenus spec.) gelten als wunderbare, aber auch schwierige Fische. Dies trifft insofern zu, als sie ein sehenswertes Balz- und Brutverhalten an den Tag legen, wobei die Männchen äußerst farbenprächtig sein können, aber sie wünschen auch ein spezielles Wasser, fressen nur Lebendfutter und würden in Gesellschaftsaquarien nur dahinkümmern. Zu Bedingungen, unter denen Colisa labiosa, Pseudosphromenus dayi oder Macropodus opercularis sich sogar fortpflanzen können, kann man sie auf längere Sicht nicht einmal halten, geschweige denn nachzüchten. Das ist bereits von denen, die uns die Kenntnis dieser Gattung erschlossen haben - allen voran Walter Foersch (Foersch 1974), dann aber auch von Vierke, Nagy, Brown, Linke, Neugebauer, Perrin und anderen - immer wieder betont worden. Zwei zusammenfassende Artikel über die Prachtguramis von den beiden Spezialisten Jakob Geck und Günter Kopic, beide 2003 in Der Makropode erschienen, die die damals bekannten Formen und ihre Haltungs- und Zuchtmöglichkeiten aufzählen, bestätigen dies (Geck 2003, Kopic 2003). Die heute bekannte Formenvielfalt der Gattung schließt aber nicht aus, dass man die wichtigsten Bedingungen in wenigen Punkten zusammenfassen kann; ich möchte dies nachfolgend tun und als "mein Paro-Rezept" bezeichnen.

Paro-Zucht-Anlage, über den Becken sind Zettel mit Angaben zu den Arten angebracht (Foto: P. Finke)
Die aktuellste Artenliste (siehe unten) der uns bekannten Prachtguramiformen, die von Martin Hallmann erarbeitet wurde, ist übrigens im "Parosphromenus-Forum" der IGL im Internet unter der Adresse http://www.igl-home.de/ einzusehen. Sie enthält interne Links zu Fotos aller Arten, die in der bislang vollständigsten Prachtgurami-Galerie zusammengefasst sind, die neben der schon länger bekannten wunderbaren Seite von Günter Kopic (http://www.guenter-kopic.de/) heute im Internet zugänglich ist.
Um es schon einmal kurz vorweg zu nehmen: Ich erkenne vier Faktoren, die wir für unsere "Paros" (wie ihre Liebhaber sie gern nennen) unausweichlich benötigen:
Von vorgeschädigten oder kranken Prachtguramis darf man nicht viel erwarten. Dies ist eine Selbstverständlichkeit und sie gilt auch für andere Fische, aber sie muss als erstes erwähnt werden, weil man - gerade bei Fischen, die aus Importen stammen - ab und zu (oder auch häufiger) verkrüppelte, ausgemergelte oder anderweitig deutlich (oder undeutlich) geschädigte Tiere sehen kann. Prachtguramis sind selten im Handel erhältlich, eben weil sie keine Fische für das heutige Massenaquarium und seine Moden sind. Aber wenn dann doch einmal irgendwo in einem Zoogeschäft einige auftauchen, sind es häufig Kümmerlinge, die nicht ihre Ruhe, ihr geeignetes Wasser, ihr Lebendfutter hatten. Sie sind - leider - meistens Todeskandidaten; nur in Ausnahmefällen gelingt es, sie aufzupäppeln und in eine gute gesundheitliche Kondition zu bringen. Wer Prachtguramis erfolgreich halten und möglichst auch züchten möchte, braucht daher zunächst einmal gesunde, kräftige, nicht vorgeschädigte Fische. Dies ist der Ausgangspunkt für alles andere, und auf ihn hat der Anfänger selbst am wenigsten Einfluss. Freilich: Fische, die man privat von einem Parosphromenusspezialisten (etwa auf einer IGL-Börse) kauft, bieten in der Regel die Gewähr hierfür. Meine ersten Paros bekam ich von Walter Foersch, später von Jakob Geck und Günter Kopic; meine heutigen Fische stammen von Bernd Bussler, Martin Hallmann, Karen Koomans, Horst Linke und Michael Schlüter: alles erstklassige Adressen mit Gewähr für vitale Fische.
![]() Standardausstattung eines Paro-Aquariums, Höhle und Ceratopteris - (Foto: Peter Finke) |
Wenn man die Fische vermehren möchte (und das sollte unbedingt angestrebt werden, da es sich um seltene, kostbare Fische handelt, die in ihrer Heimat existenzbedroht sind und die wir wenigstens in unseren Aquarien erhalten müssen), dann müssen sie natürlich auch geschlechtsreif sein oder erst einmal werden. Das kann bei Paros lange dauern, aber in sieben bis neun Monaten sollte es meist geschafft sein. Sie sind dann noch nicht voll ausgewachsen; dennoch beginnt die Fortpflanzungszeit. Junge Fische sind hierfür immer besser geeignet als alte. Paros können bei zusagenden Lebensbedingungen durchaus alt werden; |
Dies ist ein wichtiger Punkt. Wer hält heute schon fünf oder gar acht Jahre lang die gleichen Fische? Mit anderen Worten, wer ständig andere Fischen haben will, wie das im heutigen Aquariumhobby leider üblich geworden ist, hält vielleicht einen Prachtgurami - wenn überhaupt - bis zu dessen Tod bei Durchschnittsbedingungen für ein oder höchstens zwei Jahre und merkt überhaupt nicht, dass der Fisch mindestens doppelt und dreimal so alt hätte werden können, wenn er wirklich optimale Lebensbedingungen vorgefunden hätte. Allerdings kann man von solchen Methusalems zumeist auch keine Nachzuchten mehr erwarten. Hierfür sollten die Fische eher noch zu jung als bereits zu alt sein. Überalterte Tiere können sich oft nicht mehr fortpflanzen, sie haben ihre beste Zeit hinter sich, obwohl man es ihnen rein äußerlich nicht immer ansieht.
Es gibt unter den Prachtguramis anspruchsvollere und weniger anspruchsvolle Arten. Zu den weniger anspruchsvollen gehören etwa P. nagyi, P. linkei, P. paludicola oder P. quindecim ("Manismata"), zu den anspruchsvolleren P. harveyi, P. parvulus, P. ornaticauda und vielleicht auch P. pahuensis ("Jengan Danum"). Im Prinzip aber dürfte die hier beschriebene Verfahrensweise für alle Paroarten, die wir kennen, geeignet sein. Eines aber ist sehr wichtig: Man sollte sie unbedingt nach Arten und auch Fundortvarianten getrennt halten. Die Verwandtschaft der verschiedenen Formen untereinander ist weitgehend ungeklärt. Während wir sicher sein können, dass es sich etwa bei P. filamentosus und P. ornaticauda um zwei klar getrennte, "gute" Arten handelt, da sie schon in der Körperstruktur erheblich differieren, ist das bei einigen anderen bis heute ziemlich unklar geblieben: Fische wie P. bintan, P. tweediei ("Pontian"), P. rubrimontis ("Bukit Merah"), P. harveyi oder P. alfredi gehören zur sog. bintan-Gruppe und sind sicherlich relativ enger untereinander verwandt als etwa mit P. paludicola oder mit P. parvulus. Niemand kann deshalb bei den lokal verbreiteten unterschiedlichen Formen des bintan-Komplexes ausschließen, dass es zu Kreuzungen kommen kann, die ein großes Durcheinander verursachen würden. Vielleicht sind einige dieser Formen sogar bereits Naturhybriden. Auch sind die Weibchen - wieder besonders der bintan-Gruppe - untereinander äußerlich ziemlich ähnlich. Viele können wir auch im Aquarium nur schwer voneinander unterscheiden. Man kann nur hoffen, dass die Männchen damit weniger Probleme haben. Es ist daher auch nicht auszuschließen, dass Paro-Mischformen bereits hier und da herumschwimmen. Es ist sogar eher wahrscheinlich. Unter Handelsnamen wie "blue line" oder auch "red line" sind schon nachweislich verschiedene, aber ähnliche, bisweilen nur schwer voneinander abgrenzbare Fische gehandelt worden; sämtlich Fische aus der bintan-Gruppe. Schon aus diesem Grunde ist es wichtig, dass jetzt verstärkt genetische Untersuchungen an Paros durchgeführt werden. Daher unbedingt sorgfältige, strikte Formentrennung und das ernsthafte Bemühen, den Fundort der jeweiligen Stammeltern zu erfahren, ist ein Gebot, das jeder Parofreund streng beachten sollte!
| Unter bestimmten, allerdings sehr begrenzten und sorgfältig zusammengestellten Bedingungen kann man Parosphromenusarten auch in einem Gesellschaftsaquarium halten; noch seltener pflanzen sie sich hier auch fort, und absolut selten kommen dort ein paar Jungfische hoch. Aber ein solches Gesellschaftsaquarium sieht dann meist ganz anders aus als üblicherweise: Es darf nur sehr wenige, ganz ruhige, kleine Begleitfische enthalten, die die Paros in ihren Nischen nicht stören (schon ein einzelnes Paar Trichopsis pumila kann zuviel Belästigung bedeuten und kleine Boraras-Arten, die grundsätzlich geeignet wären, können doch die winzigen Jungfische verspeisen), |
![]() Einrichtung eines Prachtgurami-Aquariums - (Foto: Peter Finke) |
![]() Teil meiner Zuchtanlage - (Foto: Peter Finke) |
Ich halte und züchte meine Prachtguramis, streng nach Arten getrennt, in winzigen 12- (30 cm) oder 25- (40 cm) Liter-Becken. In den Kleinstbecken geht es auch, aber zweifellos würde ich immer zu etwas größeren Maßen raten. Manches ist dort sicherer. Andererseits glaube ich aber auch nicht, dass noch größere Becken hilfreicher wären. Fütterung und Kontrolle werden dann wieder schwieriger und ein Paro-Paar macht nicht den Eindruck, dass es diesen Platz dringend bräuchte. In fast jedem meiner Becken befindet sich nur ein Zuchtpaar, gelegentlich noch ein zweites Weibchen. Mit der Zeit entdeckt man dann bei geeigneter Fütterung (s. u.) |
Warum sind die schwimmenden Ceratopteris so gut geeignet? Aus vier Gründen:
Dieser zweite Faktor zusammengefasst: Es genügt ein sehr kleines, sehr ruhiges, ziemlich dunkles Becken ohne jede Technik außer einer schwachen Beleuchtung von oben, allenfalls mit einem Miniheizer ausgestattet. Filter sind bei einer Besetzung mit einem Paar, seinem Nachwuchs, genügend zehrenden Schwimmpflanzen (!) und sorgfältiger, nicht maßloser Fütterung unnötig.
Das letztgenannte verwundert viele, und dies wiederum verwundert mich. Ich finde es nur erheiternd zu sehen, wie es der Industriepropaganda gelungen ist zu suggerieren, ein Filter sei für ein Aquarium einfach unabdingbar. Das mag natürlich für dichter besetzte Normalaquarien oft (auch nicht immer) gelten. Für ein hervorragend funktionierendes kleines Parobecken gilt es nicht. Ein kleiner, luftbetriebener biologischer Filter, der keine große Wasserbewegung verursacht, schadet natürlich nicht, sondern schafft eine gewisse Sicherheit, aber jeder Kreiselpumpenfilter ist Tabu. Meine Becken funktionieren sämtlich ohne jeden Filter hervorragend und das über lange Zeit. Wichtig ist dann freilich auch, dass man angemessen und nicht unmäßig füttert. Sollte man freilich einmal zu Becken ohne zehrende Schwimmpflanzen gezwungen sein (und dies kann bei ornaticauda- und parvulus-Zuchten mit ihren besonders kleinen Gelegen mitunter der Fall sein), weil der pH-Wert zum Zwecke der konsequenten Unterdrückung von Keimen und Schädlingen noch unter 4 abgesenkt werden soll, geht das natürlich nur mit kleinen, luftbetriebenen Filtern. Auch wer zum Überfüttern neigt, wird ohne sie nicht lange auskommen.
Das richtige Wasser ist sicherlich ein dritter Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Haltung und Zucht von Prachtguramis. Und er ist genau so wichtig und unersetzlich wie das, was bisher gesagt wurde.
Die meisten Paros leben in der Natur in Urwaldbächen (oder von Quellbächen gespeisten kleinen Gewässern), und diese führen ein Wasser, das man schon oft - etwas übertrieben - als ein "minimal verunreinigtes destilliertes Wasser" bezeichnet hat. Das auffälligste an diesen Gewässern ist ihr oft hoher Gehalt an Huminstoffen, die ihnen eine tiefbraune Teefarbe verleihen, obwohl sie glasklar sind (eben wie Tee, nicht wie Kaffee). Ihr pH-Wert kann, da sie aus Wald- und Moorgebieten stammen, sehr niedrig sein: pH 4 ist keine Seltenheit. Ihr wichtigster Faktor aber ist - hiermit zusammenhängend - ihre Keimarmut. Nur in sehr keimarmem, saurem, extrem weichem Wasser entwickeln sich die Paro-Eier, die der empfindlichste Teil des Parolebens sind. In härterem Wasser sterben sie einen schnellen osmotischen Tod. Ihre zarten Eihüllen können den Druckausgleich zwischen innen und außen nicht mehr bewältigen. Auch enthält ein solches Wasser zumeist hundert- oder tausendfach mehr Keime aller Art, die nur über die zarte halbdurchlässige Eimembran ins Ei eindringen und schon ist es ums neue Paroleben geschehen. Horst Linke, der einige Arten erstmals gefunden und mit nach Europa gebracht hatte, beschreibt sehr schön, wie in den tropischen Trockenmonaten in den dortigen Gewässern ein "Konzentrat" entsteht, aber die Laichperiode erst beginnt, wenn sich "mit dem Einsetzen der Monsunregen im November (…) das Wasser (wieder) verdünnt" (Linke 1998: 129). Hier gibt es keine Wahl: Entweder wir stellen den Fischen ein solches maximal salzarmes Wasser zur Verfügung; dann haben wir wahrscheinlich - wenn die anderen Faktoren stimmen - Erfolg. Oder wir denken: Ach, es wird schon auch anders gehen; dann haben wir wahrscheinlich keinen Erfolg. So einfach ist das, im Grundsatz jedenfalls.
| Ich will wieder sagen, wie ich es mache. Ich habe mir einen Mischbettfilter geleistet, der an die Hauswasserleitung angeschlossen ist und vollentsalztes Wasser liefert. In einem solchen Gerät sind zwei Typen von Kunstharzen gut miteinander ver-mischt (und müssen bei der in Abständen nötigen Regeneration der Harze durch einen Aufbereitungsbetrieb auch aufwendig wieder voneinander getrennt werden, bevor man sie, frisch aufbereitet, dort erneut vermischt und mir die regenerierte Patrone wieder zusendet). Aus diesem Gerät fließt (fast) genauso schnell wie aus der normalen Wasserleitung de facto ein (fast) chemisch reines Wasser, dem alle vorher in ihm gelösten Salze entzogen worden sind |
![]() Aquarium mit vielen jungen P. filamentosus - (Foto: Peter Finke) |
Dieses Wasser muss nun noch mit einer Tasse voll Leitungswasser schwach mineralisiert und außerdem im pH-Wert angepasst werden, was mit gutem Torf gelingt; ich habe aber viele Erfolge auch mit Torfextrakten und sogar mit Eichenextrakten erzielt. Der pH-Wert liegt dann in den meisten meiner Becken zwischen 4,8 und 6,0; bei wenigen Arten (z. B. paludicola) kann er auch leicht darüber liegen, in manchen Fällen helfen nur noch tiefere Werte, schädliche Keime und unerwünschte Begleiter (Planarien!) zu unterdrücken. Aber Vorsicht: Kontrollieren Sie dabei nicht nur den pH-Wert, der bei nahezu vollentsalztem Wasser sehr rasch in den Keller gehen kann, sondern auch die Leitfähigkeit. Bei manchen handelsüblichen Torfextrakten kann sie sehr deutlich ansteigen! Sie sollte für gutes Parowasser nie über 80 Mikrosiemens/cm, besser deutlich darunter (durchschnittlich zwischen 20 und 40 Mikrosiemens/cm) liegen. Die Karbonathärte sollte kaum messbar sein, jedenfalls unter 1, die Gesamthärte höchstens 1 bis 3 Grad dH betragen.
Sehr gute Erfahrungen habe ich (wie viele andere auch) mit den großen, getrockneten Blättern des Seemandelbaumes (Terminalia catappa) gemacht, die seit einigen Jahren im Handel erhältlich sind. In jedes der kleinen Parobecken gebe ich ein solches großes Blatt an die Rückscheibe (die mit den Blättern verschickten "Gebrauchsanweisungen" nennen meist eine viel sparsamere Dosierung). Ab und zu verkriecht sich mal ein Fisch hinter ihm, aber er kommt auch wieder hervor. Die Blätter scheinen tatsächlich die Keimzahl des Wassers deutlich zu reduzieren. Außerdem gebe ich in ein solches Becken zwei bis vier Erlenzäpfchen, die in ähnlicher Weise zu wirken scheinen und das Wasser kräftig anfärben. Man sollte Zäpfchen und Blätter nach wenigen Wochen austauschen, wenn sie ihre Wirkung nicht mehr zeigen, sondern nur noch das Wasser belasten.
Und wie sieht es mit dem Wasserwechsel aus? Ein sehr kleines Aquarium ohne Filter scheint viele Wasserwechsel nötig zu machen. Das ist bei mir aber nicht der Fall. Der Grund ist sicherlich darin zu sehen, dass die Ceratopteris-Schwimmpflanzen über das Wurzeldickicht, mit dem sie den offenen Wasserraum füllen, wirklich ausgezeichnete Nährstoffverwerter sind. Ich wechsle zwar etwas unregelmäßig alle zwei bis drei Wochen ebenfalls bis zur Hälfte des Wassers, aber manchmal unterbleibt das auch oder beschränkt sich auf eine geringere Menge. Dabei habe ich kein schlechtes Gewissen, denn es gibt auch dann keine messbaren Nitrit- oder Nitratwerte. Der Nährstoffhunger der schwimmenden Ceratopteris "frisst sie auf", bevor sie für mich messbar werden. Ich muss mindestens alle zwei Wochen die Schwimmfarne ausdünnen, aber Wasser wechseln nicht unbedingt. Warum soll ich Wasser wechseln, wenn jene Stickstoffwerte höchstens knapp über der Nachweisgrenze liegen? Allerdings sollte man dies kontrollieren und im Zweifel doch regelmäßig das Wasser teilweise auswechseln. Ich weise aber darauf hin, dass dies bei solchen Aquarien, wie ich sie hier beschreibe, nicht immer zwangsläufig nötig ist. Sprüche wie "Die Fische schwimmen in ihrem eigenen Abwasser" treffen für viele Aquariensituationen, besonders die populären Barsch- und Schwarmfischaquarien, sicherlich zu. Kleine Parobecken aber kann man viel einfacher pflegen. Eher schon leiden meine (Schwimm-)Pflanzen unter Nahrungsmangel, als dass ich messbare Phosphat-, Nitrit- oder Nitratwerte zusammenbekäme. Nur wenn die Wasserwerte nicht mehr zulassen, dass jene Pflanzen gedeihen, sind Filterung und häufiger Wasserwechsel unvermeidlich. Zwingend scheinen freilich die extrem niedrigen pH-Werte, die für einige Arten genannt wurden, nicht zu sein; sie helfen wohl nur, die Keimzahl des Wassers möglichst niedrig zu halten. Der niedrige pH-Wert dürfte da nur ein Mittel zum Zweck sein. Wer das Ziel anders erreichen kann, kann ebenfalls Erfolg haben.
Jetzt sind schon Dreiviertel meines Paro-Rezeptes besprochen. Aber es kommt noch das letzte Viertel, und das ist nicht weniger wichtig als die ersten drei.
Paros fressen ausschließlich Lebendfutter, mit einer kleinen Einschränkung: Oft (nicht immer) gehen sie auch an gefrostetes Lebendfutter. Ich halte davon gar nichts, denn mit solchem Futter verderben wir dann wirklich unser Aquarienwasser. Abgesehen davon, dass Paros wie alle anderen Fische auch am liebsten lebende, hüpfende, zappelnde Beutetiere fressen, ist bei Frostfutter die Gefahr falscher Dosierung, des "Ausblutens" des eingebrachten Futters vor dem Gefressenwerden und des Vergammelns einzelner nichtgefundener Reste viel größer als bei wirklich lebendigem Futter. Dann kommt man wirklich nicht ums ständige Wasserwechseln herum.Meine kleinen, einfachen, filterlosen 12-Liter-Becken, in denen ich alle paar Monate einige Jungfische regelrecht "ernten" kann, wären bei solcher Fütterung schnell überfordert. Ich müsste viel mehr Wasser wechseln oder am besten gleich deutlich größere Becken mit wirksamen Filtern verwenden. Paro-Anfängern, die eine Empfehlung brauchen, bei der sie möglichst wenig falsch machen können, rate ich deshalb von Frostfutter ab. Wer sich die Mühe macht, ständig nur Lebendes zu verfüttern, hat weit weniger Probleme.
Ich füttere hauptsächlich Artemianauplien. Das hat einen unschätzbaren großen Vorteil: Sie werden von allen Paros in meinen Becken gefressen, nicht nur von den Alttieren. Auch die Jungen bekommen auf diese Weise ihr Futter. Die Auffassung, dass ausschließliche Artemiafütterung zu Mangelerscheinungen führe, kann ich zwar nicht absolut entkräften, aber ich teile sie auch nicht. An der Abteilung für Verhaltensforschung der Universität Bielefeld gab es in den achtziger Jahren viele Jahre lang mehrere javamoosgefüllte, teilweise aber auch veralgte 80-Liter-Becken, eines für Parosphromenus filamentosus, ein anderes für Parosphromenus nagyi und ein drittes für Parosphromenus bintan. Es wurde ausschließlich mit Artemia gefüttert und ausschließlich pH-angepasstes destilliertes Wasser über die dortigen Rohrleitungsnetze nachgefüllt, wenn zuviel verdunstet war. Die Becken sahen für Ästheten nicht gerade ansprechend aus, auch weil neben den Fadenalgen viele leere Artemia-Eihüllen in ihnen schwammen. Aber sie waren eine Fließbandproduktion für Paros, die dort in den Filmdöschen eine Brut nach der anderen produzierten. Jungfische aller Altersklassen schwammen dort herum; es gab keine erkennbaren Mangelerscheinungen. Allerdings kann ich auch nicht ausschließen, dass diese bei noch längerem Monitoring dieser Haltungs- und Vermehrungsart irgendwann doch aufgetreten wären. Abwechslung ist in jedem Falle besser.
Ich möchte aber mehreres hinzufügen. Nicht alle soeben freischwimmenden jungen Paros können sofort alle soeben geschlüpften Artemia-nauplien vertilgen. Die winzigen Jungfische benötigen anfangs eine sehr kleine Erstnahrung, und manche Artemiasorten liefern für junge Paros einfach zu große Nauplien. Hier helfen Rädertierchen sehr; einige Paro-Züchter glauben auch, dass die Jungfische schneller wachsen, wenn sie schon so früh wie möglich abwechslungsreiches Futter erhalten. Deshalb ist auch das alteingerichtete Becken, in dem keine klinische Sauberkeit herrscht, so vorteilhaft, denn es liefert zwischen dem Buchenlaub am Boden und den Schwimmpflanzen an der Oberfläche viele Kleinstlebewesen als Erstnahrung. Die sehr erfolgreiche holländische Parosphromenus-Spezialistin Karen Koomans vermutet, dass deren Anwesenheit, die ja auch im Naturlebensraum mit dem Einsetzen der Regenzeit zunimmt, einen Auslösereiz für den Brutbeginn darstellen könne. Für alle Fälle habe ich daher auch noch eine Pantoffeltier-chenzucht parat, und es ist überhaupt nicht schlimm, ein paar Milliliter davon direkt ins Paroaquarium zu geben, wenn da anfangs noch nicht genug Mikrofauna entwickelt ist oder später wieder eine neue Brut winziger Jungfische entdeckt wird. Nochmal: Man sollte nicht glauben, dass Paros es klinisch rein bräuchten. Sie brauchen es keimarm, aber bei pH-Werten zwischen 4,0 und 5,5 sterben die meisten Keime rasch ab. Sie brauchen geeignetes Wasser, Ruhe und gute Nahrung.
Natürlich sollte man die erwachsenen Tiere möglichst auch mit anderen Futtertieren als nur den kleinen Artemien füttern; wenn sie sie mögen, stürzen sie sich auf erstaunlich große Brocken. Hier hat jeder seine Spezialität: Bernd Bussler schwört auf Cyclops, Martin Hallmann auf Moina und ich auf Culexlarven (deren kleinste übrigens auch ein hervorragendes Jungfischfutter sind; leider stehen sie nur im Sommer zur Verfügung). Eine Mischung von allem wäre sicher gut, aber ich kann nur sagen: Auch mit reiner Artemiafütterung bekommt man die Tiere laichreif, besser ist freilich zweifellos etwas Abwechslung. Eine gute Fütterung ist nämlich wirklich außerordentlich wichtig, denn man muss die Prachtguramis damit erst einmal in Laichkondition bringen. Fettreiche Würmer (Enchytraeen) oder Futtertiere, die oftmals Krankheitserreger übertragen können (Tubifex, rote Mückenlarven) sollten m. E. vermieden werden. Grindalwürmer sind recht beliebt, sollten aber nur knapp dosiert zur Ergänzung verfüttert werden. Futter, das erst einmal in der Laubschicht am Boden verschwindet, stellt nur kurzzeitig ein Nährstoffdepot dar; bald wird es zu einer potentiellen Bedrohung der Parowelt. Leider verdirbt man auch mit Mikro, das meist von jungen Fischen gern gefressen wird, leicht das Wasser. Dann geht es wirklich nicht mehr ohne Filter und fleißige Wasserwechsel. Im Prinzip kann man alle Futtertiere falsch, nämlich in zu reichlichen Einzelgaben füttern. Deshalb ist es nicht nur wichtig zu wissen, was man füttern soll, sondern auch wie. Je kleiner das Aquarium und je sensibler die dort gehaltenen Fische sind, desto mehr muss man auch das Füttern lernen. Wer es beherrscht, kommt auch bei kleinen Becken ohne Filter aus.
Mein Paro-Rezept besteht also aus vier Faktoren, ich wiederhole sie noch einmal:
Ist das jetzt besonders kompliziert oder ist es nicht eher besonders einfach? Es ist durchaus nicht ganz einfach, wenn man alle Einzelheiten berücksichtigt, die unter diesen vier Punkten zusammengefasst sind. Allein das Thema Wasser umfasst ja mehrere Einzelfaktoren und es muss einige Mühe verwendet werden, um sie zu gewährleisten. Andererseits sind es aber insgesamt auch nur jene vier Punkte und nicht zehn oder noch mehr.
Einfach oder kompliziert: Bei jedem stellt sich dies anders dar. Sicherlich ist einiger Aufwand, der sonst in Aquarien getrieben wird, bei mir auch nötig, aber hier ins Umfeld verlegt: der Mischbettfilter, das professionelle Artemiazuchtgerät, die Vorbehandlung von Laub und Holz zum Beispiel. Aber dann wird es - jedenfalls für mich - eher einfach. Man kann die Vermehrung der Paros gar nicht verhindern: Man kann sie "ernten". Nicht in großen Mengen (dazu müsste man die Gelege separieren und künstlich aufziehen, was ich nicht tue, weil es zuviel Arbeit macht; ein "Rezept" hierfür beschreibt Geck 2003: 92f.), aber zwanzig bis fünfzig Jungfische pro Vierteljahr dürften sicher durchkommen. Während ich dies schreibe, läuft alles sehr gut: bei den P. linkei, P. bintan, P. paludicola, P. nagyi, P. sumatranus und P. filamentosus gibt es Nachwuchs aller Altersklassen; es wird fast am laufenden Band gebalzt, gelaicht oder es werden Gelege oder Larven gepflegt. Dann wird es schon etwas unklarer: Eine andere bintan-Form balzt, laicht und pflegt zwar auch, aber bislang kommen nur wenige Jungfische hoch. Womöglich liegt es schlicht an einem überzähligen Weibchen im kleinen Becken. Aber das war bei den P. filamentosus zunächst nicht anders; jetzt werden die Jungfische nicht mehr gefressen. Ein paar weitere Arten (P. quindecim und die ominösen "blue line") sind noch nicht geschlechtsreif oder haben gerade eine Brutpause eingelegt. Die P. opallios sind noch neu und scheu, sie haben sich noch nicht eingewöhnt. Das gibt es auch. Und es gibt zweifellos anspruchsvollere und weniger anspruchsvolle Prachtguramis. Doch auch mit dem sicherlich besonders anspruchsvollen P. ornaticauda hat mein "Rezept" im Prinzip und den oben beschriebenen Abwandlungen schon funktioniert, wenngleich man bei dieser Art immer relativ geringe Eizahlen erhält, manchmal auf eine längere Geduldsprobe gestellt wird und - natürlich - immer noch jede Menge Fehler machen kann, wenn man die eigenen Grundsätze missachtet. Jakob Geck hat das schön ausgedrückt: Man wird leicht zu sorglos; wenn alles gut läuft, denkt man, es ginge noch einfacher. Das ist gefährlich. Einige Arten, z. B. P. parvulus, habe ich noch nicht gehabt; Kopic berichtet von großen Schwierigkeiten, die Larven überhaupt zum Schlupf aus den Eihüllen zu bringen (Kopic 2003: 126). Ich bestreite nicht, dass hier noch manches unaufgeklärt ist. Dennoch ist kaum zu erwarten, dass einige Paros völlig aus der Reihe tanzen werden; sie bilden eine ziemlich homogene Fischgruppe. Das Wesentliche beim "Vier-Punkte-Programm" wird für alle ihrer Angehörigen als Basis zu beachten sein.
Ich danke Martin Hallmann und Günter Kopic für hilfreiche Anmerkungen zu einer früheren Version des Manuskriptes.
Hier eine Auflistung und grobe Ordnung der beschriebenen Prachtguramis: Es wurden – neben dem bekannten Fundort – stichpunktartig für den Aquarianer äußerlich erkennbare Abgrenzungskriterien hinzugefügt, allerdings nur, so weit die Arten nicht eindeutig erkennbar zu trennen sind. Die Neubeschreibungen von sechs weiteren Arten von Kottelat & Ng vom Juni 2005 sind eingearbeitet und in Beziehung gesetzt.
Ergänzung zum Verständnis: Säume sind die äußeren, meist hell irisierenden Begrenzungen der unpaaren Flossen. Nicht mit der Bänderung verwechseln.
Die Abgrenzung oder Aufspaltung der P. bintan-Gruppe ist meines Erachtens zum Teil zweifelhaft, da Übergangsformen bekannt sind. Wir können die im Handel immer wieder auftauchenden Formen jedoch nun tendenziell besser zuordnen.
Unklare Formen der P. bintan-Gruppe:
Unklare Form der P. allani-Gruppe: