Internationale Gemeinschaft für Labyrinthfische

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Sphaerichthys osphromenoides

Schokoladengurami
CANESTRINI, 1860

Vorkommen und Verbreitung

Der Schokoladengurami Sphaerichthys osphromenoides kommt in fast jedem Schwarzwassergebiet der Malaiischen Halbinsel, auf Sumatra und West-Kalimantan (Borneo) vor. Dort bewohnt er stark verkrautete, flache Tümpel und Gräben sowie langsam fließende Bäche, mit weich-saurem, mineralarmen Wasser.

Beschreibung

Mit einer Gesamtlänge von knapp 5,5 cm ist Sphaerichthys osphromenoides ausgewachsen.

Die Art ist allgemein recht variabel in ihrer Färbung. Diese variiert je nach Fundort von hellbraun bis dunkelbraun und wird von hellen Querstreifen unterbrochen, die bei ausgewachsenen Tieren in Prachtfärbung champagnerfarbenen sein können.

Rücken- und Afterflossen sind ebenfalls braun, teilweise rötlich mit einem hellen Flossensaum. Die Schwanzflosse ist nur bei jungen und neutral gestimmten Tieren transparent, bei ausgewachsenen dominanten Tieren kann sie flächig grünlich gefärbt sein mit weißen Randzonen. Außerdem können die Enden der oftmals lang ausgezogenen Schwanzflossen perlmuttfarbig bis rötlich gefärbt sein. Unterhalb des Mauls zieht sich von Auge zu Auge ebenfalls ein heller Streifen.

Exemplar mit intensiven weißen Flossensäumen und auffällig grünlich-weißer Schwanzflosse (Der Fleck unter dem Ansatz der Rückenflosse war eine kleine verletzte bzw. entzündete Stelle)


Die Afterflosse zeigt eine gelbliche Färbung und große schwarze Flecken. In Erregung wurde bei diesem Tier die Afterflosse fast flächig schwarz.


Dieses Tier zeigt einen hohen Rotanteil in der Afterflosse und Schwanzflosse, verlängerte äußere Strahlen der Schwanzflosse aber reduzierte helle Querstreifen auf den Flanken

Haltung

Sphaerichthys osphromenoides sind recht schwimmfreudig und in allen Bereichen des Beckens unterwegs, ständig auf der Suche nach Futter oder im meist harmlosen Geplänkel mit Artgenossen. Daher sollte das Becken möglichst groß sein, ab etwa 80cm Kantenlänge. Als Beifische eignen sich z.B. Parosphromenus, Malpulutta kretseri oder kleine Bärblinge.

Schokoladenguramis brauchen für ihr Wohlbefinden und zur Nachzucht keimarmes, weich-saures Wasser mit einem Leitwert um bzw. unter 50 Mikrosiemens und einem pH-Wert um 5,5. Außerdem sind eine gute Filterung und wöchentliche Wasserwechsel von etwa 30-50% wichtig für den dauerhaften Haltungserfolg. Wer nicht in der glücklichen Lage ist, solche Wasserwerte aus der Leitung zu bekommen, hat die Möglichkeit die Werte mittels Torfkanone, Ionentauschers oder einer Umkehrosmoseanlage zu erreichen. Die Wassertemperatur kann bei 25-27 Grad liegen.

Das Aquarium sollte durch Wurzeln und Pflanzen gut strukturiert sein. Leider ist die Auswahl an Pflanzenarten für saures Schwarzwasser nicht sehr groß. Am besten eignen sich hierfür Anubia, Javamoos, Javafarn, und Salvinia als Schwimmpflanzendecke. Eichen-, Buchen oder Seemandelbaumblätter vervollständigen die Einrichtung und geben dem Wasser seine braune Färbung.

Was das Futter betrifft sind Schokoladenguramis nicht sehr anspruchsvoll. Sie nehmen nach Eingewöhnung Granulat und Flockenfutter. Die erste Wahl sollte jedoch auf jeden Fall Lebendfutter sein. Ideales Futter stellen Weiße und schwarze Mückenlarven, Cyclops, Daphnien, Grindal und Artemia dar.

Verhalten

Wenn Sphaerichthys osphromenoides sich wohl fühlen, sind sie sehr lebendig und reagieren auf ihre Artgenossen. Es bleibt allerdings meist bei Drohen durch Flossenspreizen und leichten Stößen mit der Schnauze zur Körpermitte des Kontrahenten. Schokoladenguramis sollten möglichst in größerer Anzahl gehalten werden, also mindestens sechs Tiere. In einer solchen Gruppe bildet sich eine Hierarchie heraus. Damit nicht schwächere Tiere unterdrückt werden, sollten zahlreiche Versteckmöglichkeiten vorhanden sein. Dorthin können unterlegene Tiere flüchten, um sich anschließend bald wieder zur Gruppe zu gesellen. Offenbar handelt es sich bei Sphaerichthys osphromenoides um einen Fisch der in kleinen Gruppen lebt. Dies wurde auch von den natürlichen Habitaten beschrieben. Paarweise Haltung ist auch möglich, wobei bei einer Gruppenhaltung das Sozialverhalten besser zu beobachten ist.

Obwohl Schokoladenguramis innerhalb der Gruppe manchmal etwas ruppig sein können, sind sie anderen Arten gegenüber absolut friedlich. Sie lassen sich selbst von wesentlich kleineren Mitbewohnern in die Flucht schlagen und scheuen die Konfrontation.

Vermehrung

Mittlerweile weiß man sicher, dass alle vier Sphaerichthys-Arten Maulbrutpflege betreiben, obwohl es ältere Berichte gibt, die von Schaumnestbau berichten (Quelle Pinter). Sphaerichthys acrostoma, Sphaerichthys vaillanti und Sphaerichthys selatanensis brüten unstrittig im männlichen Geschlecht. Dagegen gab es zu Sphaerichthys osphromenoides viele unterschiedliche Berichte, nach denen manchmal das Männchen und manchmal das Weibchen als brütendes Tier beschrieben wurde.

In jüngerer Zeit gab es im Internet allerdings aufschlussreiche Videoaufnahmen, in denen immer das Männchen nach dem Laichen die Eier aufnimmt und die Eier ausbrütet (siehe weiterführende Links unten). Falls es bei Sphaerichthys auch Maulbrutpflege im weiblichen Geschlecht gibt, stehen eindeutige Belege in Form von Fotos oder Videoaufnahmen noch aus. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Zuordnung der Geschlechter anhand äußerlicher Merkmale irreführend war. Sphaerichthys osphromenoides ist je nach Fundort in seiner Färbung recht variabel. Häufig sind Männchen optisch unscheinbarer als Weibchen und haben ein rundlicheres Aussehen und schwächer gefärbte Flossen, insbesondere die Schwanzflosse. So kann es sein, dass die auffälliger gefärbten Tiere für Männchen gehalten wurden und die weniger auffällig gefärbten Tiere, die die Maulbrutpflege übernommen haben, für Weibchen gehalten wurden.

Sphaerichthys osphromenoides laichen vorwiegend in den Abendstunden ab. Die Tiere suchen sich einen geschützten Platz in Bodennähe. Sie umkreisen sich über einen längeren Zeitraum bis sie sich umschlingen und es zur eigentlichen Paarung kommt. Bei dieser Paarung werden alle Eier auf einmal in eine Laichgrube abgegeben und anschließend mit dem Maul aufgenommen. Nachdem die Eier befruchtet und im Maul aufgenommen sind, sucht das brütende Tier einen geschützten Platz im Becken auf, wo es zunächst vom Partner bewacht wird. Während der Maulbrutpflege nimmt das Tier keinerlei Nahrung zu sich. Durch Kaubewegungen werden die Eier im Maul ständig durchbewegt.

Nach etwa drei Tagen schlüpfen die Larven, erkennbar daran, dass die Wölbung des Kehlsacks deutlich geringer ist. Das Ende der Maulbrutzeit nach ca. 14 Tagen kündigt sich durch aufgeregtes Auf- und Abschwimmen des Tieres an. Innerhalb der nächsten Tage (kann bis zu drei Tagen dauern) werden die Jungfische mit etwa 5 mm Körperlange „ausgespuckt“.

Eine Brut kann bis zu 50 Junge ergeben. Die Jungfische zeigen ein typisches Jugendkleid und halten sich überwiegend an der Wasseroberfläche auf. Man kann sofort frisch erbrütete Artemia, Mikrowürmchen oder feines Tümpelfutter geben.

Besonderes

Alle Vertreter der Gattung Sphaerichthys sind durch ihre besondere Art der Vermehrung Sonderlinge unter den Labyrinthern. Die Abgabe des Laichs en bloc und der für Labyrinther untypische Balz- und Ablaichvorgang isoliert sie. Auch untereinander sind sie relativ inhomogen, allerdings nur in Zeichnung und Färbung, jedoch nicht im Grundverhalten.

Die nächstverwandte Gattung ist sicher Parasphaerichthys, bei denen sowohl Maulbrüter als auch Schaumnestbauer vertreten sind (allerdings haben wir noch keinen Überblick über die Gattung Parasphaerichtys) sowie Ctenops. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich noch zu Trichopsis ableiten, diese stellen das Bindeglied zu den sonstigen Gattungen dar.

Schokoladenguramis zeigen eine auffällige Schreck- und Nachtfärbung (Schlafanzug).

Schokoladenguramis werden in großen Stückzahlen importiert und scheinen in Westmalaysia (noch) nicht selten zu sein. Leider ist die dauerhafte Haltung nicht einfach, obwohl die Ernährung kein Problem zu sein scheint und die Tiere sich offenbar lange Zeit wohl fühlen. Meist gehen sie leider nach einigen Monaten ein. Nur von einigen Spezialisten werden sie dauerhaft erhalten und vermehrt. Sphaerichthys osphromenoides verzeihen keine Pflegefehler, und sind anfällig gegenüber Oodinium und leider auch gegen die Behandlung mit Chemikalien. Um vorzubeugen oder wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist, ist ein UV-Klärer zu empfehlen. Offenbar sind auch häufige Wasserwechsel zur Gesunderhaltung unbedingt nötig.

Wer einen Versuch mit den schönen Schokoladenguramis unternehmen möchte, sollte eine Gruppe von 5 – 10 Tieren in einem verkrauteten 80l Aquarium (besser größer) mit saurem Weichwasser halten. Wenn sich Sphaerichthys osphromenoides gut eingelebt haben und optimale Haltungsbedingungen vorfinden, sind sie wunderschöne, interessante und ausdauernde Pfleglinge, die den Aquarianer, der das Besondere liebt, begeistern werden.

Weiterführende Links

Sehr gutes Video eines laichenden Paars mit anschließender Aufnahme der Eier durch das Männchen: https://vimeo.com/492069759
Zu diesem Video gibt es auch eine englische Seite mit sehr guter Beschreibung der Tiere: https://blackwateraquarium.org/sphaerichthys_osphromenoides.html

Weiteres Video mit klar erkennbarer Aufnahme der Eier durch das Männchen: https://www.youtube.com/watch?v=pEpg_yqJ1_Q

Eindeutige Aufnahme der Eier durch das männliche Tier: https://www.youtube.com/watch?v=J4RdYXjMhiA

Video in der Facebook Gruppe der IGL mit interessanter Diskussion zum Laichvorgang: https://www.facebook.com/groups/215676981777371/permalink/3905823112762721/

Informationsblatt

Literatur

Hallmann, M. „Geheimnisvolle Schokoladenguramis: Die Arten Sphaerichthys osphromenoides, S. selatanensis und S. vaillanti im Aquarium“, Der Makropode 2021/1 – S. 5