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Colisa chuna - Ludwigshafen

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freaky_fish
(@freaky_fish)
Prominent Member
Beigetreten: Vor 16 Jahren
Beiträge: 812
 

Hi,
überhaupt bauen die T. chuna ganz anders als T. lalius. Die T. lalius bauen ja oftmals richtig schöne stabile "Burgen", mit Wasserpflanezn, Algen usw. zu stabilen Nestern verbaut, die nicht so schnell wieder zerfallen. Die T. chuna dagegen blubbern oft nur ein paar wenige Bläschen. Manche machen auch große Blasenteppiche, die aber, wie Klaus schreibt, dann schnell wieder zerfallen. Dass nur ein paar Bläschen da sind heiß aber nicht, dass sie nicht pflegen. Wir bzw. Frank hat in 60 Litern 2 Pärchen (und ein dritter ist noch drin, wo wir aber bis heute nicht sicher sind obs wirklich ein Weibchen ist oder doch zum Kerl wird) und die Kerle bewachen ihre Eier und Jungen aufopferungsvoll und sehr energisch, selbst wenn gar keine Blubberbläschen mehr da sind sondern nur noch Eier oder Larven frei an der Oberfläche oder unter Wasserpflanzenblättern treiben.

Bei uns schwimmend erzeit auch ca. 20 Kleine. :bounce:

Liebe Grüße
Verena


   
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Erich Willems
(@erich-willems)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 16 Jahren
Beiträge: 237
 

Schönen Abend,

der Schaumnestbau ist aber nicht Selbstzweck.
Will sagen,
"Zweck" ist, im natürlichen Umfeld genügend Nachkommen durchzubringen - wenn wir bei solcher "Zweck"-Betrachtung, das Individuum als Einheit betrachten wollen -.

C. chuna benötigt dazu kein "schönes" Schaumnest nach der Eiablage, da sie die Eier miteinander verklumpen und in dieser Form weiterpflegen - übrigens so macht es auch M.ocellatus ;), um mein Thema nicht zu vergessen -.

C. chuna folgt also einer anderen Strategie und macht statt "schöner" Schaumnester schöne praktische Eiklumpen.

Hat diese schon mal jemand hier bei C.chuna erkannt?

Tschüss
Erich
---
Macropodus ocellatus auf erabo.de


   
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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
Noble Member
Beigetreten: Vor 19 Jahren
Beiträge: 1828
 

Hallo!
Alles ausführlich von Jörg Vierke im IGL-Fischwiki beschrieben.
Und schon vor vielen vielen Jahren auch von ihm in seinem Buch.
Das Problem von Foren ist immer wieder, daß unnötigerweise jedes Jahr"das Rad neu erfunden" wird, obwohl die Informationen schon lange verfügbar sind.
Man muß nur mal nachlesen.
Gruß
Charly

"wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen" A. Camus
" wir müssen uns Camus als Dummschwätzer vorstellen" Sisyphos


   
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Erich Willems
(@erich-willems)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 16 Jahren
Beiträge: 237
 

Hallo,

genau Charly.

Mich interessiert aber trotzdem, ob von den C.chuna-Haltern hier schonmal jemand bei dieser Art die Eiklumpen erkannt/wahrgenommen hat, wie oben abschließend gefragt.

Nichts Neues nicht gibt's in der Welt ;).

Bei M.ocellatus jedenfalls habe ich mir die Mühe gemacht, diese Klumpen zu entdecken und war erfolgreich ;).
Aus den Beschreibungen - eben dieser Vierke-Beschreibung (Fischverahlten.de) - heraus hatte ich mir davon aber eine Vorstellung eines einzigen kompakten Klumpens gemacht.

Tatsächlich sind es bei M.ocellatus aber wohl eher sowas wie mehrere transportgrößengerechte Klumpen bzw. wird der größere zum Transport in entsprechende zerlegt.

Was mich auch interessieren würde, ist der Vergleich des Pflegeaufwandes für die Eier bei C.chuna zu einer verwandten Art mit Schaumnest.

Auf der Vierke-Seite wird nämlich vermutet?, dass der Pflegeaufwand für die Eier bei den Klumpenbildenden hoch sei "Diese Stra­tegie erfordert unablässigen Einsatz des Vaters".

Für M.ocellatus bin ich aber aus meinen protokollierten Beobachtungen eigentlich sicher, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Ein M.opercularis ist während der Eipflege mit dem Schaumnesterneuern viel mehr beschaftigt als ein M.ocellatus, der in dieser Zeit geradzu "gelangweilt" scheint - evtl.weil die Klumpen kleiner als bei T.cuna sind?! -.

Daher, auch wenn das alles schon bei Vierke beschrieben steht, würd' mich trotzdem interessieren, wie das die hiesigen C.chuna-Halter beobachten.

Tschüss
Erich
---
Macropodus ocellatus auf erabo.de


   
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(@ganja)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 15 Jahren
Beiträge: 444
Themenstarter  

Also, ich erzähle hier im Forum allerdings nur das was ich auch aus eigenen Erfahrungen Berichten kann.
Und ja, die C.chuna verstecken ihre Eier recht gut und tragen diese wohl auch durch das Becken, meiner Meinung nach verteilen Sie diese auch recht gut an unterschiedlichen Stellen oder laichen öfter ab und verteilen dann die Eier in unterschiedliche Nester... auf jeden Fall finde ich die Aufzucht der Larven bei C.chuna einfacher allerdings lassen sich diese dafür auch schlechter klauen ;)
Meine C.lalia bauen ihr Nest vorzugsweise dicht unter den ganzen Fadenalgen, ich kann dann ein richtiges "Nest" mit Fadenalgen abschöpfen. Bei den C.chuna geht das nicht so einfach...

MfG
Marco Graumann
mobil neue nummer, hab ich aber nicht im Kopf ;)

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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
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Beigetreten: Vor 19 Jahren
Beiträge: 1828
 

Hallo!
Ich züchte chuna immer so.
Warten bis die Fische gelaicht haben, dann warten bis der Bock die Eier zum Klumpen gesammelt hat, dann Eiklumpen abschöpfen. Wo die Eiklumpen sind, erkenne ich am Verhalten des brutpflegenden Männchen.
Alles ganz einfach.
Charly

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(@ganja)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 15 Jahren
Beiträge: 444
Themenstarter  

Jaja Charly, hier im Forum sind halt noch nicht alle so alt... *hust* ähhh "Erfahren" so wie du :P
Ich habe Sie mit ner Taschenlampe auch dort gesucht wo sich der Kerl aufgehalten hat, nur in so einem kleinen Becken mit so vielen Schwimmpflanzen wie bei mir, war es halt doch nicht soo einfach...

MfG
Marco Graumann
mobil neue nummer, hab ich aber nicht im Kopf ;)

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freaky_fish
(@freaky_fish)
Prominent Member
Beigetreten: Vor 16 Jahren
Beiträge: 812
 

So richtig schöne Klumpen konnte ich noch nicht sehen. Aber vielleicht habe ich falsche Vorstellungen, da ich mal ein Betta splendens Männchen hatte, was annähernd das gesamte Gelege zu einem Klumpen zusammengeklebt hat (ohn Schaumnest drum herum) - sah genial aus und hab ich so extrem auch nie wieder gesehen wie bei diesem einen Fisch (übrigens baute er am Anfang seiner "Fortpflanzungskarriere" normale Nester - diese wurden mit der Zeit immer kleiner, bis sie irgendwann in diesen Klumpen mündeten). Seitdem hat "Klumpenbildung" bei mir einen gewissen Anspruch. Was ich aber schon öfter beobachtet habe ist etwas ähnliches wie Marco, nämlich dass die Eier unter verschieden Pflanzen (oder auch dazwischen) verteilt werden. Also auf mehrere "Standorte" verteilt, das Männchen sitzt dabei aber ungefähr in der Mitte des Zentrums und somit ist es recht einfach, die Eier bz.w später Larven zu entdecken und zu entnehmen.

@Marco: ich nehm zum "Abkeschern" einen großen Meßbecher (1,5 Liter), damit einmal den gesamten "Nestbereich" entnehmen und es sind jede Menge Larven drin...

Liebe Grüße
Verena


   
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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
Noble Member
Beigetreten: Vor 19 Jahren
Beiträge: 1828
 

Hallo!
Zur Information: Der "Klumpen" ist etwa gut erbsengroß und am Anfang durchsichtig. Später werden die Eier fast schwarz, genau wie die frischgeschlüpften Larven.
Ich will hier keinem zu nahe treten, aber es hat hier im Forum schon Nasen gegeben, die waren der Meinung, Labyrinthfischeier wären immer undurchsichtig weiß, nur weil Betta-Eier weiß sind.
Gruß
Charly
P.S.@Marco: Das kriegst du zurück. Dafür hältst du deinen Channa-Vortrag von Baerenthal bei uns in der Regionalgruppe noch mal.
Zum Beweis, daß auch Jungspunde was draufhaben.

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(@ganja)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 15 Jahren
Beiträge: 444
Themenstarter  

Tja Charly, wer den Channa Vortrag in Baerenthal verpasst hat, hat wohl pech gehabt :P

Aber wenn ich dann diesmal wenigstens mit einer Limousine abgeholt werde mache ich ihn auch für dich nochmal :lol:

:bier:

MfG
Marco Graumann
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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
Noble Member
Beigetreten: Vor 19 Jahren
Beiträge: 1828
 

Hallo!
@Marco! Die Nummer mit der doppelten Übersetzung war mir zu anstrengend. Und irgend einer wird dich schon abholen.
Und nun zur interessanten Frage: was bringen die unterschiedlichen Nestbaustrategien? Wie ist es mit der Arbeitsersparnis.
Interessant ist, daß die beiden kleinen Arten der Gattung, also chuna und lalius, so einen Bohei betreiben. Die Großen, also fasciata und labiosa, bauen stinknormale Schaumnester, die bei fasciata aber aus sehr feinen Blasen bestehen, die durch die Kiemendeckel abgegeben werden.
Vielleicht ist der sinn der völlig unterschiedlichen Techniken bei beiden kleinen Arten, die Eier zu verstecken(lalius im fast nur aus Pflanzen bestehenden, sehr kompakten Schaumnest, chuna als, wie wir festgestellt haben, schwer zu findenden Laichklumpen. Die Großen haben so was nicht nötig, weil sie zum einen als Brutverteidiger wegen ihrer Größe effektiver sind und außerdem auch wegen der Größe viel mehr Eier legen und sich daher Verluste eher leisten können.
Und noch was ist interessant. Chuna geht den Weg der Brutpflegeintensivierung weiter, laicht von allen Trichogaster die größten und wenigsten Eier, während lalius versucht, trotz Kleinheit möglichst viele Eier zu legen, die dann logischerweise die kleinsten von allen Labyrinthfischen sind.
Und eine Riesenhektik veranstalten alle vier Arten bei der Brutpflege.
Ich denke also nicht, daß die Arbeitsersparnis das Thema ist.
Gruß
Charly

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Erich Willems
(@erich-willems)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 16 Jahren
Beiträge: 237
 

Na also,
ist also doch noch was Interessantes zu berichten und zu fragen ...

So finde ich persönlich z.B. diese vollkommen unerwartete Beobachtung sehr spannend:

... da ich mal ein Betta splendens Männchen hatte, was annähernd das gesamte Gelege zu einem Klumpen zusammengeklebt hat (ohn Schaumnest drum herum) - sah genial aus und hab ich so extrem auch nie wieder gesehen wie bei diesem einen Fisch (übrigens baute er am Anfang seiner "Fortpflanzungskarriere" normale Nester - diese wurden mit der Zeit immer kleiner, bis sie irgendwann in diesen Klumpen mündeten).

Sowas habe ich von B.splendens noch nie gehört, geschweige denn gesehen.
Die Frage, die daraus für mich sofort entsteht:
Wie kann das sein? Kennt das jemand? Gibt es da eine "Erklärung" für?
War das eigentlich ein Abkömmling aus einer Wildfanglinie oder aus einer Zuchtlinie, Verena?

... die C.chuna verstecken ihre Eier recht gut und tragen diese wohl auch durch das Becken, meiner Meinung nach verteilen Sie diese auch recht gut an unterschiedlichen Stellen

So verhält es sich auch bei den M.ocellatus. Auch sie "verwalten" die Eier in mehreren kleineren Ballen und verteilen sie zwischen den Pflanzen kurz nach dem Ablaichen an unterschiedlichen Stellen.

Die interessante Frage ...

...was bringen die unterschiedlichen Nestbaustrategien?

.

Arbeitsersparnis

?
Prinzipiell denke ich, könnte auch dieses einer der Bringer sein, wenn sie denn tatsächlich vorliegt. Aber dann auch nur, wenn die so eingesparten Ressourcen notwendig an anderer Stelle investiert werden mussten/konnten. Arbeitsersparnis für sich alleine erzeugt ja keinen Evolutionsdruck. Keinem Organismus auf der Welt bringt's ja was, Energie individuell einzusparen und wie ein Luxusgut für sich zu verwenden. Oder anders ausgedrückt: Ein Gen welches Arbeit einspart erhöht die Anzahl seiner Kopien nicht, wenn diese eingesparte Energie nicht reinvestiert wird in Kopienproduktion bzw. Ausbreitung der eigenen Kopie im Genpool.

Bei M.ocellatus z.B. scheint mir tatsächlich eine Arbeitsersparnis im Männchen verbunden mit der Klumpenbildungsstrategie vorzuliegen.
Nimm ich also mal an, dass da meine Wahrnehmung zutrifft, so könnte man sich z.B. vorstellen, dass die so eingesparten Ressourcen eine bessere Überwinterung ermöglichen?! Dann hätten wir einen Effekt, der dafür sorgt, dass ein "Gen für die Arbeitsersparnis", also das "Gen für die Klumpenbildung und den Verzicht des Schaumnestbaus" die Anzahl seiner Kopien relativ erhöhen könnte. So könnte dann tatsächlich bei dieser Art in ihrem spezifischen Lebensraum Arbeitsersparnis einer der Bringer sein?!

Zurück von dem spezifischen Denkmodellbringer Arbeitsersparnis zur interessanten Frage was diese Strategien bringen:

Ich glaube so im Allgemeinen gegenübergestellt kommt man nicht allzu weit. Denn, allgemein bekannt, schließlich leben ja alle diese Strategen, ist jede dieser Strategien der aktuelle zwar suboptimale aber Bringer der jeweiligen Art.

Man kann allgemeine Überlegungen machen wie:
- Große Eizahl : Vorteilhaft in immer mal wieder zusammenbrechenden Populationen, In den Aufbauphasen danach gibt's idealisiert keine Ressourcenkonkurrenz und die Kopiergeschwindigkeit zählt.
- Bessere Unterstützung des Nachwuchses(also zwangsweise auch weniger Eier) : Vorteilhaft in stabilen bzw. stabileren Umgebungen, denn hier zählt die Konkurrenzstärke des Nachwuchses gegenüber dem Nachwuchs der anderen Genpoolmitglieder.

Die Großen haben so was nicht nötig, weil... wegen der Größe viel mehr Eier legen und sich daher Verluste eher leisten können.

Das würde ich nicht als einen möglichen Bringer betrachten weil:
Es stehen ja nicht die Großen mit den Keinen in Konkurrenz, sondern eigentlich die Großen mit den anderen Großen ihrer Art, oder noch genauer ein "Gen für viele Eier" mit dem vorgestellten "Gen für weniger Eier aber dafür besser unterstütztem Nachwuchs".
Stelle ich mir beispielhaft vor, dieser Große lebt in einem "leeren" Lebensraum oder in einem mit regelmäßigen katastrophalen Populationszusammenbrüchen seiner Art., so würde ein "Gen für mehr, also kleinere Eier" sich schneller kopieren. Folge: Die "fortschrittlichste" Strategie wäre dort eine Produktion von massenhaft Eiern mit möglichst geringem Ressourcentransfer vom Elterntier auf den einzelne Nachkommen.
Stelle ich mir diese Art mit ihrer unveränderten Körpergröße in einem gesättigten und stabilen Lebensraum vor, dann würde das "Massenproduktionsgen" nicht viel bringen, da im Mittel ja sowieso immer nur zwei Kopien übrigbleiben. Ein "Nachwuchsunterstützungsgen" aber welches z.B. die Eier und damit die Larven vergrößert könnte bewirken, dass die Träger dieses Gens die Eier und Larven des Massengens in ihrer Population fressen könnte. Und dieses könnte dann bewirken (statistisch), dass am Ende von diesen Genträgern 3 übrig sind und vom Massengenträger nur einer. Die großen Larven sind konkurrenzfähiger gegenüber den kleinen Larven ihrer Population. Folge: Die Eivergrößerergene können die Anzahl ihrer Kopien im Genpool auf Kosten der Winzigeiergene vergrößern.
Hier würden also jetzt wahrscheinlich im Laufe der Zeit trotz unveränderter Körpergröße genau die andere Richtung von Strategien als die "fortschrittlichstere" oder besser zweckmäßigere sich etablieren.

Um mit mehr Befriedigung über die möglichen Bringer spekulieren zu können, müsste man den Lebensraum der jeweiligen Art also mit einbeziehen.

Wie oben z.B. im "Vergleich von M.ocellatus und M.opercularis" unter dem Aspekt, was die Arbeitsersparnis bringen könnte.

Aber schön,
genau das gefällt mir :):
Fisch beobachten und dann über gelesene Erklärungen nachdenken oder eigene Überlegungen/Spekulationen anstellen, auch wenn alles schon mal gesagt wurde.
Was wären wir stumm, wenn wir schon gesagtes nicht mehr sagen dürften ;).

Und noch was ist interessant. Chuna geht den Weg der Brutpflegeintensivierung weiter, laicht von allen Trichogaster die größten und wenigsten Eier, während lalius versucht, trotz Kleinheit möglichst viele Eier zu legen, die dann logischerweise die kleinsten von allen Labyrinthfischen sind.

Ja, das ist wirklich interessant.
Das würde mich jetzt reizen die Lebensräume beider Arten miteinander zu vergleichen. Vielleicht stellt sich dabei ja raus, dass T.lalius in seinem Lebensraum tatsächlich von immer mal wieder auftretenden drastischen Populationszusammenbrüchen heimgesucht wird oder einen Lebensraum bewohnt der auf andere Weise Grenzenlosigkeit simuliert wie z.B. Jahreszeitliche längerfristige Überschemmung riesiger Landstriche,
während T.chuna's Lebensraum möglicherweise ja tatsächlich von relativer stabilität und Sättigung gekennzeichnet ist. Oder man findet nach genauerer Betrachtung des Lebensraumes andere mögliche Brnger.

Also, das ist's, was ich spannend fände Charly ...

Tschüss
Erich
---
Macropodus ocellatus auf erabo.de


   
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K. de Leuw
(@k-de-leuw)
Noble Member
Beigetreten: Vor 18 Jahren
Beiträge: 2034
 

Hallo,

Nimm ich also mal an, dass da meine Wahrnehmung zutrifft, so könnte man sich z.B. vorstellen, dass die so eingesparten Ressourcen eine bessere Überwinterung ermöglichen?!

Kurzfristiger gedacht: Weniger Arbeit am Gelege ermöglicht
a. Nahrungsaufnahme und damit Erhöhung der Lebenserwartung und ggf. mehr Folgebruten.
b. Betreuung mehrerer Gelege von mehreren Weibchen.

Man kann allgemeine Überlegungen machen wie:
- Große Eizahl : Vorteilhaft in immer mal wieder zusammenbrechenden Populationen, In den Aufbauphasen danach gibt's idealisiert keine Ressourcenkonkurrenz und die Kopiergeschwindigkeit zählt.
- Bessere Unterstützung des Nachwuchses(also zwangsweise auch weniger Eier) : Vorteilhaft in stabilen bzw. stabileren Umgebungen, denn hier zählt die Konkurrenzstärke des Nachwuchses gegenüber dem Nachwuchs der anderen Genpoolmitglieder.

Man kann es auch im Ökologielehrbuch nachlesen: Hohe Nachkommenzahl (Reproduktion) und wenig Brutpflege = r-Strategie, niedrige Nachkommenzahl bei intensiver Brutpflege = K-Strategie (K wie UmweltKapazität)

Gruß, Klaus


   
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freaky_fish
(@freaky_fish)
Prominent Member
Beigetreten: Vor 16 Jahren
Beiträge: 812
 

@Erich:

freaky_fish hat Folgendes geschrieben:
... da ich mal ein Betta splendens Männchen hatte, was annähernd das gesamte Gelege zu einem Klumpen zusammengeklebt hat (ohn Schaumnest drum herum) - sah genial aus und hab ich so extrem auch nie wieder gesehen wie bei diesem einen Fisch (übrigens baute er am Anfang seiner "Fortpflanzungskarriere" normale Nester - diese wurden mit der Zeit immer kleiner, bis sie irgendwann in diesen Klumpen mündeten).

Sowas habe ich von B.splendens noch nie gehört, geschweige denn gesehen.
Die Frage, die daraus für mich sofort entsteht:
Wie kann das sein? Kennt das jemand? Gibt es da eine "Erklärung" für?
War das eigentlich ein Abkömmling aus einer Wildfanglinie oder aus einer Zuchtlinie, Verena?

Da schreibe ich gerne mehr zu, auch wenn der Inhalt bestimmt nicht jedem Kampffischhalter in den Kram paßt. (alle Betta-nur-einzeln-Halter-Verfechter bitte weghören 8) ). Wer weiß, vielleicht findet sich ja genau daraus die Erklärung. Das Pärchen entstammte einer Verpaarung zwischen zwei 0815-Zoohandels-Kampffischen (Schleierschwanz). Die Elterntiere waren nur mäßig aggressiv. Der Nachwuchs ebenfalls, und dieses Pärchen behielt ich bei mir. Sie wurden nie getrennt und lebten bis zum Ende sehr sehr friedlich zusammen (zuerst in 25 Litern, wo sie auch mehrmals ablaichten, später dann in 60 Litern). Es war nie eine Zucht angestrebt, sie lebten einfach vor sich hin und laichten entsprechend oft ab (sprich alle 10 - 14 Tage - wen es jetzt schüttelt bitte nicht weiterlesen). Ich hatte also reichlich Gelegenheit, die Tiere bei der Brutpflege zu beobachten. Und am Anfang baute er wunderschöne große Schaumnester. Mit der Zeit wurden sie immer kleiner. Irgendwann entdeckte ich ihn ohne Nest, aber mit einem Klumpen aus annähernd 200 Eiern, den er auch intensiv betreute und bewachte. Aber eben ohne Nest. Und von da an waren nie mehr Nester zu sehen, immer nur diese Klumpen. Zu der Zeit befand er sich in 60 Litern in Vergesellschaftung mit Panzerwelsen und eben seiner Dame.
Aus den Klumpen schlüpften genau so viele Jungtiere wie in normalen Nestern und da der Kerl sehr gut pflegte, wären ohne Fressfeinde annähernd alle durchgekommen.

Wie es dazu kommen konnte, habe ich mich auch oft gefragt. Es muss ja einen Vorteil gehabt haben, auf das Schaumnest zu verzichten und die Eier einfach nur zu einem Klumpen zusammenzukleben. Zumal er ja lange Zeit normale Nester baute.
Lag es an fehlenden Freßfeinden? Oder Arbeitsersparnis, um so Kraft zu sparen und ggf. dadurch mehr Nachwuchs produzieren zu können?
Erfodert noch Nachdenken. Und Beobachtungen anderer, denn hoffentlich war ich nicht die einzige die sowas bisher beobachten konnte.

Und zum Thema dunkel werdenden T. chuna Eier versus T. lalius Eier usw. Das ist auch so eine Sache wo ich persönlich mir schon eine ganze Weile die Frage stelle - was ist der Vorteil von dunkel werdenden Eiern und vor allem pechschwarzen Larven? Die T.chuna Larven sind ja wirklich auffällig, wie sie da so als schwarze Kommas im Wasser liegen...

Hat da jemand eine Idee?
Die T. lalius Eier und Larven sind ja wirklich sehr sehr unauffällig, obwohl sie in so einer stabilen Burg als Nest versteckt sind...bei den T. chuna sieht es so ganz anders aus.

Wirklich spannendes Thema.

Liebe Grüße
Verena


   
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Erich Willems
(@erich-willems)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 16 Jahren
Beiträge: 237
 

'n schönen Morgen Klaus,

... bessere Überwinterung ermöglichen?!

Kurzfristiger gedacht: Weniger Arbeit am Gelege ermöglicht
a. Nahrungsaufnahme und damit Erhöhung der Lebenserwartung und ggf. mehr Folgebruten.
b. Betreuung mehrerer Gelege von mehreren Weibchen.

a) Ja, geht aber ja auch in die von mir angedachte Richtung der Überwinterung.
Erhöhte Lebenserwartung bringt ja nur etwas, wenn sie sich in mehr Folgebruten umsetzen lässt, also dadurch der "Lebenszeitbruterfolg" größer wird. So gesehen sind also höhere Lebenserwartung und mehr Folgebruten zwei Seiten der selben Medaille.
Da M.ocellatus im gemäßigten Klima mit langen harten Wintern lebt ist diese Überwinterungsphase vermutlich für die Art die dominierendere Lebenszeitbarriere als das Dahinscheiden während des Sommers in Folge hoher Brutpflegebelastung.
So gesehen, denke ich sprechen wir hier also vom selben Grundthema.

Zusätzlich kommt dabei zu tragen, dass im Vergleich zu einem subtropischen bis tropischen Lebensraum, wo die Anzahl der Bruten pro Jahr fast nur von der Kondition der Elterntiere abhängt - wie schnell können sie sich wieder fitt für die nächste Brut fressen -, wie z.B. bei M.opercularis, bei M.ocellatus im gemäßigten Klima die Anzahl der durchführbaren Bruten weniger von der Geschwindigkeit des Konditionsaufbaues der Elterntiere abhängt als von den Wetter-Zeitfenstern, die ihm eine Brut erlauben. Im Gegensatz z.B. zum Stichling, der kontinuierlich vom Frühjahr bis in den Sommer eine Brut nach der anderen durchführt, egal ob's regnet, windet oder Sonne scheint,benötigt M.ocellatus Sonne, die hübsch angenehm strahlt. Regnet's, windet's oder ist's ungemütlich grau so fängt er keine Brut an. Er springt also mit seinen Bruten durch die ungestört sonnigen Zeitfenster im Sommer bis in den Spätherbst hinein. Schneller wieder die Körperressourcen zur nächsten brut aufgestockt zu haben als z.B. ein M.opercularis bringt ihm nicht unbedingt mehr Bruten pro Jahr.
Sein Leben aber sicherer und häufiger bis in das nächste bruttaugliche Wetterfenster zu bringen würde die Zahl der Bruten pro Lebenszeit ziemlich sicher erhöhen können.Daher betrachte ich hier den Resourcengewinn durch weniger arbeitsreiche Brutpflege als möglichen Vorteil für eine sicherere Überwinterung.

b) (gleichzeitig ist wahrscheinlich von dir gemeint, das machen bei mir im Teich regelmäßig die Neunstacheligen Stichlinge) Ja, auch eine Möglichkeit, diese Einsparung zu reinvestieren beim Männchen.
Bei M.ocellatus glaube ich daran aber nicht so recht.
Es wird zwar berichtet, dass M.ocellatus mit mehreren Weibchen ablaicht, aber ob gleichzeitig? Das denke ich ist sehr! unwahrscheinlich. 1. Konnte ich sowas noch nie beobachten und 2. macht die Kooperation zwischen M.ocellatus-Männchen und M.ocellatus-Weibchen die schon "weit" vor dem Ablaichen beginnt und erst endet, wenn die Jungfische längst freischwimm und vom Männchen möglicherweise sogar umgesiedelt wurden.
In dieser Kooperativen zeit hat normalerweise kein fremdes Weibchen die Chance mit dem Männchen abzulaichen. Das Brutweibchen ist viel zu aggressiv und aktiv mit der recht großräumigen Außenrevierverteidigung beschäftigt. Und das Männchen selbst akzeptiert in diesre zeit auch kein fremdes Weibchen.
Für andere Arten aber natürlich eine Option, Stichling ist ein perfektes Beispiel mit mehreren Nestern gleichzeitig.

Man kann allgemeine Überlegungen machen wie:
- Große Eizahl : ...
- Bessere Unterstützung des Nachwuchses...

Man kann es auch im Ökologielehrbuch nachlesen: Hohe Nachkommenzahl (Reproduktion) und wenig Brutpflege = r-Strategie, niedrige Nachkommenzahl bei intensiver Brutpflege = K-Strategie (K wie UmweltKapazität)

Ja natürlich kann man es nachlesen - " Ein Tor, der keinen Meister hat...".
Und fachsprachlich hast du es damit natürlich schön kompakt gefasst.
Inhaltlich hoffe ich, deckt es sich aber, oder findest du etwas Falsches in der Aussage?
Ansonsten ziehe ich es gerne vor statt etwas fachsprachlich kurz und knapp zu sagen, die darin kondensierte Bedeutung wieder etwas aufzuquellen und expliziter zu machen, Kann so mein Verständnis immer mal wieder einnorden und andere, denen die knappe fachspachliche Formulierung außer einem Weißkittelvertrauen nichts bringt, können so verstehen, worum es mir geht. Immer vorausgesetzt, mir gelingt es überhaupt mich verständlich auszudrücken :) .

Tschüss
Erich
---
Macropodus ocellatus auf erabo.de


   
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