Internationale Gemeinschaft für Labyrinthfische e.V.

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Fischverbreitung durch Wasservögel

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 CPS
(@cps)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 15 Jahren
Beiträge: 475
 

@Klaus ... eine herrliche Idee!
Sie würde alle Fundortfetischisten und die gesamte DKG um den Verstand bringen :grins:

(P.S. ich melde mein Interesse an Deinen M. ocellatus an!)


   
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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
Noble Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 1828
Themenstarter  

Na also, geht doch!
So, und jetzt der Reihe nach:
Als erstes kann ich mir nur schwer vorstellen, wie eine halbverdaute Forelle sich noch paaren soll.
Die Besiedlung von sog. Himmelsteichen, also von Teichen, die einfach gegraben werden und sich mit Regenwasser füllen, geht sehr schnell. Drei Tage nach Befüllung des Teiches sind die ersten Wasserläufer(Naucoris) da, nach ein paar Wochen kommen die Rückenschwimmer(Notonecta) und die Wasserkäfer, im ersten Sommer stellen sich Libellen ein, Wasserflöhe und Cyclops tauchen sogar früher oder später von selbst in der Regentonne auf, Frösche und Molche wandern zu, je nach Vorkommen in der Umgebung. der Unterschied von all denen zu den Fischen ist: Insekten können fliegen, Amphibien über Land wandern, Daphnien und Cyclops bilden trockenresistente Dauereier, die mit dem Wind verdriftet werden. Fische können das alles nicht. Sonst wäre es den Amphibienschützern gar nicht möglich, große Gewässer über Jahrzehnte fischfrei zu halten. Beispiel: der "Kroddeweiher" in Heidelberg. Alte vollgelaufene Tongrube am Stadtrand von Heidelberg, vom Heidelberger Aquarienverein als Futterteich benutzt. Da gibt es alles: Waserfrösche, alle vier einheimischen Molche, mehrere Libellenarten, jedes Jahr ziehen mindestens ein Teichhuhnpaar und eine Stockente ihre Jungen groß und ab und zu tauchen Schildkröten(Amis und Europäer) auf. Nur Fische gibt es nicht, und es sind in den fünfundzwanzig Jahren, die ich den Kroddeweiher kenne, auch nie welche aufgetaucht, obwohl das Naturschutzgebiet "Wieblinger Altneckar" nur zwei Kilometer weg ist und die Enten immerzu hin und her fliegen.
Die Auftrennung von Verbreitungsgebieten nach Flußsystemen, die durch Wasserscheiden abgegrenzt sind, dürfte in Europa schwierig werden, zu viel Fische werden hin und her transportiert. Und dabei kommen natürlich Flußbarsche, Kaulbarsche, Plötzen und das andere "Fischunkraut" als Beifänge mit. Auffällig ist die strikte Trennung von Fischen des Donaueinzugs und des Rheineinzugs. Die wurde erst durch den Bau des Main-Donau-Kanals aufgehoben. Ein Wasservogel, der Fischlaich aus dem Donaugebiet ins Rheingebiet transportien soll, braucht nur von Tuttlingen nach Friedrichshafen zu fliegen. Oder vom Federsee zum Bodensee.
Ich kann mir einen kurzen Transport von Laich im Gefieder einer Ente vorstellen, auch einen längeren. Die Eier der meisten Killifische vertragen wochenlange Trockenheit, ein Transport in der Schlammkruste an den Füßen einer Ente ist da sicher sogar über Stunden und Tage möglich. Nur, genau das passiert nicht. Diese Killifische haben zum großen Teil sehr kleine Verbreitungsgebiete, manchmal ist nicht nur eine Wasserscheide, sondern sogar ein großer Fluß ein Verbreitungshindernis. Die Killifischfaunen auf der linken und der rechten Seite des Kongo unterscheiden sich deutlich.
Gruß
Charly

"wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen" A. Camus
" wir müssen uns Camus als Dummschwätzer vorstellen" Sisyphos


   
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 CPS
(@cps)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 15 Jahren
Beiträge: 475
 

Hallo
... und einmal kurz der Reihe nach von hinten.

Die Flamingos in der Camargue sind, was die Wahl ihrer Nährgewässer angeht, absolut standorttreu. Jeden Morgen landen die selben Vögel an den fast der gleichen Stelle und beginnen von dort aus ihre Fresswanderung. Sie wechseln, was man in den Salines schön beobachten kann, das Gewässer nur, wenn es zum Salzabbau trocken gelegt wird und kehren nach dessen Flutung sofort wieder zurück.

Wie ist das mit den Wasservögeln in zum Beispiel Kamerun, wo es so viele Killifische gibt, die sich nicht ausbreiten? Es müssen doch schwimmende/tauchende Vogelarten sein, damit der Laich-Feder-Kontakt zustande kommt.


   
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R.Brode
(@r-brode)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 19 Jahren
Beiträge: 484
 

Und woran liegt das, Charly?

Wenn in der Laichzeit der heimischen Karpfenfische hunderttausende von Eiern (mit extremer Klebkraft!) oberflächennah in feinfiedrigen Pflanzen hängen dann mag es sein, dass innerhalb einer Woche durch zwanzig Enten vielleicht 100 oder 1000 Eier in den nächstgelegenen fischfreien Tümpel transportiert werden. Da wachsen sie dann heran und vielleicht schaffen es 5-10, den Libellenlarven zu entkommen und dann noch den Reihern um schließlich selbst abzulaichen.

Ein Transport von 10 Killifischeiern in das nächste Gewässer führt nicht zu einem bestand, weil da überall schon andere Arten vorhanden sind! Feinddruck!
selbst wenn 1 Paar durchkommt und laicht, gibt es kaum eine Chance im Vergleich zu einer stabilen population einer beliebigen anderen Fischart hier mehr als 1 Jahr zu überleben!
Jedes Gewässer ist dahingehend ein System und jede vorhandene Art muss unmengen an Nachwuchs produzieren um einen Bestand von 50 oder 100 Brutpaaren aufrecht zu erhalten.
Da machen 10 Eier das kraut nicht fett! :kaffee:

viele Grüße , Richard Fischer, geb. Brode

IGL120


   
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 CPS
(@cps)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 15 Jahren
Beiträge: 475
 

Aber Richard,

was ist denn bei Killifischen (und schaumnestbauenden Kampffischen) eine "stabile" Population und was ein "stabiler" Standort? Einmal abgesehen davon, dass ich diese Vogelgeschichte (jedenfalls soweit es Karpfenfische angeht) glaube (sie ist ja auch geradezu romantisch), halte ich das Klima für einen wesentlich bedeutenderen Verbreitungsfaktor und Standortsicherheit bei diesen Fischgruppen für illusorisch. Jede Trockenperiode, jeder starke Regenfall und jede Überflutung tragen dazu bei, diese Fische über kurze und sehr lange Distanzen zu transportieren (Eier, Larven, Jungfische und Adulti).
Wir hatten es doch nach Deinem Vortrag davon, wie eigenartig und scheinbar chaotisch manche Verbreitungsmuster aussehen. Das Glück des Artenerhalts liegt weniger in der Vogelfeder als in dem Zufall, dass zwei oder mehrere ungleichgeschlechtliche Vertreter einer Art nach jeder "Katastrophe" - ausgelöst durch was auch immer - im nächsten Wohngewässer zusammentreffen. Und wenn ihnen das nicht gelingt, dort aber ein nächster oder naher Verwandter angetroffen wird, dann setzt sich Evolution fort ... und auch darin liegt eine Ursache für den Umfang der IGL- und DKG-Fischbestandslisten.


   
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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
Noble Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 1828
Themenstarter  

Hallo, Richard!
Natürlich machen zehn Eier den Kohl nicht fett, aber geh mal in der Zeit zurück.
Diese wahnsinnige Vielfalt an Formen hätte bei regelmäßigem Austausch gar nicht erst entstehen können.
Wenn die Fischeiverbreitung durch Vögel eine Rolle spielen würde, hätten wir von Ghana bis Angola einen Einheitsaphyosemion und einen Einheitsepiplatys, und die DKG könnte den Laden zumachen.
Bei den holarktischen Stichlingen(Gasterosteus aculatus und Pungitius pungitius) ist trotz eines stark gegliederten Riesenverbreitungsgebiets in Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika und trotz der Besiedliung von Klein- und Kleinstgewässern keine solche Vielfalt entstanden, weil die Fische im Gegensatz zu Aphyosemion salztolerant sind und durchs Meer wandern können. Eine Verschleppung von Stichlingslaich durch Wasservögel kann ausgeschlossen werden, Stichlinge sind brutpflegend, ihr Laich ist in gut geschützten bodennahen Nestern untergebracht.
Gibt es eigentlich wirklich brauchbare Beweise für eine Fischlaichverschleppung durch Vögel? Mir sind nur Erklärungsversuche bekannt, wo man sich das Auftauchen von Fischen in bisher fischfreien Gewässern nicht anders erklären konnte. Auch da ein Beispiel: einer meiner Lieblingsfuttertümpel(Regensammelbecken im Straßenkleeblatt, Abfluß in die Kanalisation, für Fische nicht erreichbar) wurde vor Jahren durch plötzlich auftauchende Fische wertlos. Laichverschleppung durch die zahlreich dort schwimmenden Stockenten wäre eine Erklärung gewesen, aber... die Fische waren Goldfische und über die Straße liegt eine Wohnsiedlung.
Anderes Beispiel: Kiesloch mitten im Wald. Spitzenamphibienlaichgebiet, jede Menge Lebendfutter. Eines Tages Blaubandbärblinge(Pseudorasbora) im Netz. Da bin sogar ich ins Grübeln gekommen. Ein paar Nachfragen haben aber ergeben, daß die örtliche Ortsgruppe der Vogelschützer den Eisvögeln einen Gefallen tun wollte und ausgerechnet Blaubandbärblinge ausgesetzt hat. Korkenzieherweiden und rosa blühende Seerosen haben sie auch "ausgewildert". Ich hätte kotzen können.
Gruß
Charly

"wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen" A. Camus
" wir müssen uns Camus als Dummschwätzer vorstellen" Sisyphos


   
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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
Noble Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 1828
Themenstarter  

Hallo!
Irgendwie habe ich das Gefühl, daß sich hier niemand so recht Enten im tropischen Regenwald oder überhaupt im Wald vorstellen kann. Doch, es gibt "Waldenten". Die bewohnen Waldflüsse und Waldseen, übernachten auf Bäumen und brüten in Baumhöhlen oder verlassenen Greifvogelnestern. Das sind im gemäßigten Norden die neuweltliche Braut- und die altweltliche Mandarinente. In den Tropen Süd- und Mittelamerikas ist es Cairina moschata, die Wildform der bekannten Barbarieente, in Südostasien Cairina scutulata, in Afrika Pteronetta hartlaubii und in den Tropenwälder aller drei Kontinente Sarkidiornis melanotos.
Gruß
Charly

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manticora
(@manticora)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 21 Jahren
Beiträge: 319
 

Charly, die Enten im Wald kann ich mir gut vorstellen ich hab sogar schon Hühner mitten im Regenwald gefunden. Erst dachte ich da muß doch ein Dorf oder zumindest ne Hütte kommen... Nix... Bankiva Huhn hiess das Viech! Ich war erstaunt... Wunderschöne Tiere! Geschmeckt hat das Huhn dann übrigens auch wunderbar!
Nicht Vorstellen mag ich mir allerdings PETA Aktivisten beim pflanzen von Seerosen in Waldtümpeln. (Das an den Seerosen dann natürlich Fischlaich dran haftete ist ja auch schon fast klar.
...und das ist wohl das Hauptproblem: Antropogene Verschleppung! Oder Goldfische können fliegen! Was ich schon in den tollsten Waldtümpeln an Goldfischen gesehen hab. :roll:
Knut


   
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 CPS
(@cps)
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Beigetreten: Vor 15 Jahren
Beiträge: 475
 

Hallo,
natürlich haben die Skeptiker recht. Wasservögel spielen keine wesentliche Rolle bei der Fischverbreitung. Aber dass sie gelegentlich eine Rolle spielen, ist unbestritten. Überwiegend, wenn nicht ausschließlich, wird das den klebrigen Laich freilaichender Cypriniden betreffen, der nahe der Wasseroberfläche abgelegt wird und sicher sind die Federn das Transportmedium und nicht die in der Fachliteratur häufig genannten Entenfüße. Salmonidenlaich oder die Eier brutpflegender Fischarten sind hiervon sicher nicht betroffen.

Aber @Knut: ja Goldfische können fliegen. Vor ein paar Jahren erhielt ich einen etwa zehn Zentimeter langen kupferfarbenen Goldfisch. Ein Nachbar ging morgens zu seinem Auto und wurde von einem Fisch getroffen, der "vom Himmel" auf ihn heruntergefallen war. Da er auf der Jacke des Nachbarn gelandet war, endete der Sturz nicht tödlich für den Fisch. Er hob ihn auf und hälterte ihn ein paar Tage in einer Salatschüssel bis er ihn mir brachte. Der Fisch hatte auf beiden Körperseiten deutliche "Marker" eines scharfen Vogelschnabels (Reiher, Kormoran, Krähe ???), die im Aquarium völlig verheilten. Goldfische sind hart im Nehmen. :cool:


   
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manticora
(@manticora)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 21 Jahren
Beiträge: 319
 

Oh, ja, stimmt. Ich hab mal in der Nähe einer Reiherkolonie gewohnt. (http://www.artenschutz-steigerwald.de/index.php?lang=de&p=60000&cid=&id=27215)
War das ne Freude als unser Hund den toten Karpfen im Garten entdeckt hat!
OlO


   
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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
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Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 1828
Themenstarter  

äähmmm, hat jemand einen heißen Tipp, wie man eingeschleppte Fische aus Futterteichen wieder rauskriegt, ohne die anderen dort lebenden Viecher zu schädigen?
Gruß
Charly

"wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen" A. Camus
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 CPS
(@cps)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 15 Jahren
Beiträge: 475
 

... durch Elektrofischen? Aber ich denke, auch das wird nicht restlos funktionieren.


   
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CARNIVORE
(@carnivore)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 16 Jahren
Beiträge: 317
 

Hallo,

um unliebsame Fische loszuwerden hilft nur Trockenlegen für einpaar Tage !

Grüße Nico

Grüße von
IGL 057


   
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K. de Leuw
(@k-de-leuw)
Noble Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 2037
 

Hallo zusammen,

eine Neubesiedelung kann auch durch Wirbelstürme erfolgen.

Bei einem überschaubaren Futtertümpel kann auch häufiges Abfischen über mehrere Monate funktionieren. Vor der Laichzeit kann es auch mit einem Trockenlegen über wenige Stunden bei gleichzeitigem Absammeln funktionieren, sofern die Fische sich nicht eingraben.

Gruß, Klaus


   
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Charlyroßmann
(@charlyrossmann)
Noble Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 1828
Themenstarter  

Hallo!
Wir reden in meinem Fall von einem sehr tiefen Kiesloch mit Grundwasserkontakt.
Das kriegt nicht mal die Feuerwehr leergepumpt. Und Abfischen? Zu groß, zu verkrautet, zu tief.
Gruß
Charly

"wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen" A. Camus
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