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Betta coccina Fraue...
 
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Betta coccina Frauenmörder

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Claus
(@claus)
Estimable Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 187
Themenstarter  

Hallo !

Vor ein paar Wochen sah ich in einem Zoogeschäft ein paar
betta coccinas und da ich noch ein 40 cm Aquarium hatte, welches
bereits gut eingelaufen und schon extrem zugewachsen war,
nahm ich ein Pärchen mit.

Im Zoogeschäft sahen sie noch furchtbar traurig aus und sassen
nur hinter den wenigen Blättern. In ihrem neuen Zuhause angekommen
änderte sich das jedoch schlagartig. Beide durchstreiften neugierig
das nur schwach beleuchtete Aquarium. Wenn sie sich einmal trafen,
wurde kurz präsentiert, dann ging es weiter.

Nach ein paar Tagen sah man sie dann nur noch zusammen. Sie
schwammen übereinander, nebeneinander, umeinander.
Ich dachte schon, dass sich da zwei gesucht und gefunden hätten
(was ja bei coccinas nicht immer der Fall ist) und hatte insgeheim
schon eine gewisse Hoffnung auf Nachwuchs. Aber dann kam
alles anders.

Das Männchen besetzte die im Aquarium schwimmende leere
Filmdose und wenn das Weibchen mal in die Nähe kam, wurde
sie rigoros verscheucht. Selbst am anderen Ende des Aquariums
hörte die Jagd dann nicht auf. Ich hatte noch die Hoffnung,
dass sich das legt und er nur ein kleines Revier verteidigt, aber
als ich am Sonntag abend von einem Wochenendausflug zurück
kam lag das Weibchen tot in der Ecke !

Das Männchen saß derweil in der Filmdose und freute sich darüber...

Tja, jetzt sitzt er da alleine und ich überlege, was ich mit ihm mache.
Soll ich ihm ein neues Weibchen besorgen ? Das macht bei den
Bedingungen sicher keinen Sinn. Mehr Verstecke kann man wirklich
nicht einbauen. Das ganze Becken ist voll von Javamoos und
Teichlebermoos. Außerdem noch weitere kleine Wasserpflanzen und
einen wild chaotischen Haufen Laub.

Alleine lassen will ich ihn aber auch nicht. Sieht auch etwas komisch
aus. So ein kleiner Fisch alleine im Aquarium.

Wer hat mit Coccinas Erfahrung ? Lohnt es sich, ein größeres Becken
einzurichten und wieder ein Weibchen dazu zu setzen ?
Oder sollte man wie bei betta splendens gleich zwei Mädels dazu
packen ? Oder nützt das alles nichts, weil mein Exemplar möglicherweise
jedes weitere Weibchen umbringt ?

Gruß,

Claus

P.S. Ach so, bevor jemand fragt: Wasserwerte lagen bei ph 5,6
kh 0, Gh 3, über Torf gefiltertes Wasser.


   
Zitat
KlausW
(@klausw)
Estimable Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 223
 

Hallo!

Ja, das kann bei den coccinas passieren.

Ich hatte sie in einem 10 Literbecken gezüchtet, aber nach erfolgter Paarung das Weibchen immer raus gesetzt. Du kannst für einen Zuchtansatz einen Haufen Javamoos rein tun, soviel, dass sich das Weibchen darin verstecken und das Männchen sich kaum noch rühren kann.

Aber das Weibchen sollte deutlich Laichansatz zeigen, wenn Du sie zusammenbringst.

Gruß

Klaus

Grüße
Klaus Weissenberg

“Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.” (Abraham Lincoln)


   
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Claus
(@claus)
Estimable Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 187
Themenstarter  

Tja, das Problem hat sich nun von selbst gelöst.
Am Samstag bemerke ich einen kleinen weissen
Fleck unter der Haut des Coccina Männchens, der
zum Abend hin zu einer richtigen Beule mutiert.
Am Sonntag ist diese Beule dann nach außen hin
aufgeplatzt. Es war wohl ein Parasit...
jedenfalls hat das Coccina Männchen das nicht überlebt. :cry:

Das ist jetzt das zweite mal, dass ich in dem Laden
Wildbettas gekauft habe und zum zweiten mal sind sie
an Parasiten gestorben.
Ich glaube nicht, dass ich mir nochmal empfindliche
Fische in einem Zoogeschäft kaufe.

Gruß,

Claus


   
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Steffen Hellner
(@steffen-hellner)
Active Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 15
 

Hallo,

will nicht stänkern, aber ich frage mich immer wieder/öfter, warum so viele so große Probleme mit Bettas haben, vor allem den kleinen roten Schaumnestbauern. Bei mir machen die generell keine Probleme (coccina, rutilans, tussyae). Ich habe dieses Jahr in einem Ansatz (2 Gelege im Abstand von drei Tagen) ca. 160 coccina JAMBI F1 aufgezogen. Reines Regenwasser, bisschen Torf, pH-Wert so um 6. Die Wildfänge stammten aus dem Großhandel, wie üblich kaum Weibchen dabei. Ein Paar und etliche Männchen.

Meine Fische werden ausschließlich mit bestem Lebendfutter und Frostfutter versorgt. Wasserwechsel regelmässig, hohe Wechselrate ohne viel Brillborium. Habe zur Zeit noch ca. 60 ausgewachsene Fische in einem 160 l Becken. keine Verletzungen oder Tote, weil ich diese Fische generell niemals trenne! Habe ich auch bei imbellis, smaragdina, splendens Kurzflosse nie anders gemacht. Aber wehe, ein Fisch wird umgesetzt und wieder zurück - Massaker vorprogrammiert. Also: immer nur Fische raus, nie wieder rein.

Meine coccina laichen regelmäßig bei etwa 20° C ab und so ziehe ich auch die Jungfische auf. Habe meine Zuchtfische in Kammeraquarien von 4 l (ohne viel Versteckmöglichkeiten, paar lätter Laub - fertig!) mit Durchfluss. Letzte Woche drei Gelege, alle schwimmen frei. Coccina wollen nicht gerne Fotodosen, meine (auch früher) bauen ziemlich große Nester an der Oberfläche - trotz Dosen im Becken. Rutilans nehmen die gerne, meine tussyae auch nicht.

Ich bin überzeugt, dass erstklassiges Futter, gutes Wasser (ob pH 4,5 oder 6,5 ist völlig egal bei coccina) und regelmäßige Wasserwechsel richtig sind. Und vor allem: Die Paare niemals trennen!!! Außerdem werden viele Fische viel zu warm gehalten (nicht alle!). Und viel zu sauer (auch wenn in der Natur extreme Werte gemessen werden; sind die Werte stabil? Repräsentativ? Schwankungen?)

OK, andere sagen anders, aber ich denke, nur Nachzuchten und Gesundheit sprechen für sich.

Viele Grüße

Steffen Hellner

P.S.: Statt viel Geld für Fische fragwürdiger Qualität im Handel zu bezahlen, ich habe genug kerngesunde, ausgewachsene, zuchtreife coccina JAMBI F1.


   
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Claus
(@claus)
Estimable Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 187
Themenstarter  

Hallo,

erst mal vielen Dank für die Antwort und die vielen Informationen.

Da war doch einiges dabei, was mir recht neu war bezüglich der Pflege
von Betta coccina. Zuerst mal der ph - Wert. Hier hatte ich vorher die
absolut unterschiedlichten Informationen bekommen (aus dem Internet
bzw. aus Büchern). Zum Teil kann man lesen, dass Coccinas einen
ph-Wert von 4 bis maximal 6 benötigen. Andere Quellen geben an,
dass Coccinas bezüglich des ph-Wertes nicht so empfindlich sind,
der ph-Wert zur Zucht aber deutlich unter 6 liegen muß. Auf einer
amerikanischen Seite habe ich einen Bericht gelesen, in dem die
Zucht bei Leitungswasser mit einem ph-Wert von 7,6 (!!!) erfolgreich
war (auch die dauerhafte Pflege !).

Vollkommen neu war für mich auch die Information, dass man Coccinas
bei 20 Grad halten kann und sie bei diesen Temperaturen sogar
ablaichen. Sonst ist praktisch immer von 24 bis 28 Grad
Haltungstemperatur die Rede, wobei die Temperatur zur Zucht noch
ein bisschen erhöht werden kann. Möglicherweise habe ich meine
Tiere bei 26 Grad wirklich zu warm gehalten.

Das man Geschwister während der Aufzucht nicht trennen soll habe ich
auch schon gehört. Interessant wäre hier noch die Information, ob
das Geschlechterverhältnis ohne Trennung konstant bleibt oder nicht.
Verschiedene Quellen behaupten, dass nur eine frühe Trennung für
eine halbwegs ausgeglichene Zahl von Weibchen gegenüber den
Männchen führt.

Bei der Aufzucht von Betta Imbellis überlege ich gerade, ob ich die
größeren Tiere in ein anderes Aquarium überführe, da sie momentan
bei der Fütterung den kleinen das meiste wegfressen. Außerdem
habe ich immer noch ein paar Babys aus der gleichen Brut, die
noch praktisch gar nicht gewachsen sind (Länge ca. 6mm gegenüber
den Großen, die schon gut doppelt so lang sind) und ich weiss nicht,
wie ich die sonst besser füttern soll.

Vor der Herbstagung 2003 habe ich momentan nicht vor, mir wieder
neue Fische anzuschaffen (da ich wochentags 250 km von meiner
Wohnung entfernt arbeite und meiner Lebensgefährtin schon die
Pflege der anderen Aquarien zumute) aber dann komme ich gerne
wieder auf das Angebot zurück.

Danke nochmals und viele Grüße,

Claus


   
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Steffen Hellner
(@steffen-hellner)
Active Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 15
 

Hi Claus,

ganz grundsätzlich (das geht weder gegen die IGL noch gegen jemanden persönlich!) wurde und wird in der Aquaristik leider immer gerne das nachgebetet, was irgendwann mal einer von sich gegeben hat. So was heisst dann "allgemeiner Wissensstand" ;-)) Bei Killis kämpfe ich da seit langen Jahren, es bewegt sich nicht wirklich etwas. Zitatbeispiel: "Der X. hat das aber so geschrieben!" Meine Antwort: "Dann glauben Sie dem und bringen Ihre Fische um." Dabei ging es um Killis, die angeblich in weichem, sauren Wasser leben, aber tatsächlich Brackwasser brauchen (s. AA Bd. 5). Ich war an dem Biotop, der "Autor" nicht. Kismet, gegen gewisse Verkrustungen ist nicht anzukommen.

Ich habe früher (durch Zufall) auch Betta smaragdina bei 19° C gezüchtet und aus Platzmangel viel länger zusammen gelassen, als geplant. Das hat funktioniert, da habe ich mich weiter gehend informiert und ein bisschen nachgedacht. Sehr viele Fische werden nur zu bestimmten Zeiten gefangen - es ist ja so schön bequem in der Trockenzeit. Ich gehe meist Ende der Regenzeit in die Tropen wg. der annuellen Fische. Und da sind die Bedingungen doch oftmals sehr verschieden von der Trockenzeit.

Bei 24° C und höher werden auch coccina sehr aggressiv, was nur natürlich ist: höhere Temperatur = Trockenzeit = weniger Futter = Überlebenskampf. Darwin praktisch erlebt. Das ist meiner Erfahrung nach auch der Hauptgrund für unausgeglichene Geschlechterverhältnisse. Viele Fische haben bereits beim Schlupt deutliche Größenunterschiede in den Geschlechtern (bei Killis extrem, Weibchen bis zu 1/3! kleiner). Bei Bettas ist das natürlich schwer zu erkennen. Bei etlichen Arten mit "allgemein bekannt" schlechten Geschlechterverhältnissen habe ich völlig andere Erfahrungen gemacht (darüber gibts es bereits Artikel, weitere bereite ich gerade vor).

Generell bin ich überzeugt, dass meistens das ungenügende Futter- und Raumangebot zu innerartlichem Kannibalismus führt, bei dem die kleineren Weibchen prinzipiell den Kürzeren ziehen (macht biologisch auch Sinn). Und was nützen Versteckmöglichkeiten, wenn die Weibchen gar nicht ans Futter kommen wg. der aggressiveren Männchen? Mein Fazit (nicht nur) für coccina: Fortpflanzungszeit = Regenzeit = kühlere Temperaturen = weniger Aggression = mehr Futter = weniger Wettbewerb = gutes Wachstum + Geschlechterverhältnis.

Eigentlich ganz einfach. Was ich allen immer wieder rate, ist: Beobachten, beobachten, beobachten. Dazu ein bisschen Glück und viel kritisches Nachdenken. Ich glaube, ich habe seit über 20 Jahren keinem Buch mehr wirklich Glauben geschenkt (außer meinen, natürlich;-). Zu oft war es nur das Werk der Kopie der Kopie des Abgeschriebenen. Wie sonst können manche "führende" Autoren über alle möglichen Fische schreiben. Da müssten einige schon seit hundert Jahren Aquarianer sein, um all die Fische wirklich gezüchtet zu haben, über die sie schreiben.

Das Geschlechterverhältnis bei meinen coccina war ca. 60 : 40 aus rund 160 Fischen.

Übrigens: rutilans z.B. braucht wirklich deutlich saureres und wärmeres Wasser als coccina. Ich züchte die extensiv (wer will diese Killer schon haben!) bei 25° C und pH knapp unter 6 (Laub und Torf in Regenwasser) im 20 l Becken, da kommen immer Junge durch. Die Mühe, diese Fische artgerecht aufzuziehen, honoriert niemand (weder ideell noch finanziell). Solange ich meine habe, genügt mir das. So werde ich das zukünftig auch mit den coccina halten. Ich hatte nur so viele aufgezogen, weil ein Freund meinte, viele in der IGL hätten Interesse an diesem Fisch (es gibt wohl auch nicht so viele davon). Irrtum! Jetzt sitze ich auf denen. Und das tue ich mir nicht wieder an. Ich züchte nicht gewerblich, sondern aus Freude. Und ich habe keine Lust, Fisch wie sauer Bier anzubieten. Wenn ich mit gleichem Aufwand Killis züchte, sind die Jungen sofort weg und die wachsen x-mal schneller. Ein paar coccina zum Abgeben werde ich aber immer haben. Zur Zeit schwimmen ja noch so 60 Tiere bei mir. Melde Dich dann einfach bei mir.

Gruß

Steffen


   
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Claus
(@claus)
Estimable Member
Beigetreten: Vor 20 Jahren
Beiträge: 187
Themenstarter  

Hallo Steffen,

da gebe ich dir sicher recht, dass viele Autoren von anderen abschreiben.
Ich denke allerdings, dass das auch kaum anders möglich ist. Wie soll
man als angehender Autor denn ein Buch über Kampffische oder noch
schlimmer über Labyrinthfische im Allgemeinen schreiben ohne auf das
bestehende Wissen anderer zurück zu greifen ?

Die einfachste Weise ist nun mal das Abschreiben aus bekannten Quellen.
Ob diese allerdings immer objektiv und qualitativ gut sind, kann man
wohl oftmals selbst kaum entscheiden.

Gerade aus diesem Grund finde ich ja das Medium Internet so brauchbar,
weil Foren wie dieses jedem (registrierten) Benutzer die Möglichkeit gibt,
Informationen auszutauschen.

Deshalb nochmals herzlichen Dank für deine Informationen.

Beim Thema Trockenzeit bin ich allerdings ein klein wenig skeptisch,
da es in so manchen Bereichen, in denen unsere geliebten Bettas
heimisch sind eigentlich keine Trockenzeit gibt.

Für Betta Smaragdina aus dem nördlichen Thailand mag das natürlich
zutreffen, dass sie recht schwankende Wassertemperaturen (und
natürlich auch Wasserstände) in ihrem natürlichen Vorkommensgebiet
haben, aber je näher man dem (asiatischen) Äquator kommt, desto
weniger unterliegt man da klimatischen Schwankungen.

Ich persönlich kenne das zum Beispiel recht gut aus Kuala Lumpur,
Singapur oder Bintan. Dort gibt es keine drei Tage ohne Regen,
wobei ein einzelner (meist von heftigem Gewitter begleiteter) Regenschauer
meist mehr Wasser mit sich bringt als in Mitteleuropa in so manchem
Monat vom Himmel fällt.

Bei Regen dieser Art schwankt auch nicht automatisch die
Wassertemperatur, zumindest nicht wirklich auffällig. So haben
z.B. die von mir besuchten Teiche im Botanischen Garten in
Singapur (in dem es von ausgesetzten Labyrinthern nur so
wimmelt - Trichogaster, Osphromenus goramy etc.) praktisch
durchgehend die gleiche Temperatur, da es auch keine wirklich
merkliche Nachtabkühlung gibt. Ich habe die Temperatur nicht
gemessen, aber da es nachts 26 Grad und tagsüber 30 Grad
warm ist, sollte sich die Wassertemperatur im Schatten etwa
bei 28 Grad wieder finden. In der Sonne liegt sie an der Wasseroberfläche
sicherlich höher.

Auf dein Angebot mit den Coccinas komme ich aber gerne
zurück, sobald sich bei mir wieder Platz und vor allem Zeit
breit macht. Momentan ist durch meinen bevorstehenden Umzug
nach Darmstadt leider keine Zeit für Fische.

Gruß,

Claus


   
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