Internationale Gemeinschaft für Labyrinthfische

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Die Regionalgruppe Bayerwald in Aktion

von Florian Krieger

In aller Herrgottsfrüh, am Sonntagmorgen um 11:30 Uhr, stellte ich noch schnell die letzten Wasserwechselutensilien zurück an ihre Plätze, denn schließlich sollte ich um 12 Uhr losfahren und Jürgen abholen. Wir beide waren leider die einzigen, die Michaels Einladung zum RG-Grillfest wahrnehmen konnten. Auch ohne Corona gibt es da immer noch genug Gründe, welche die anderen Mitglieder und Freunde selbst von so überaus wichtigen Terminen wie diesem abhalten können – verständlicherweise.

An diesem Tag hatten wir ausnahmsweise sogar warmes Wetter im Bayerischen Wald. Dieses Jahr ist sowas leider wirklich eine Besonderheit. Michaels Gastfreundschaft unter einem weiß-blauen Himmel, ließ auch dieses Mal keine Wünsche offen und sogar einen Kuchen hatte er extra für uns gebacken. Nach dem reichlichen und guten Essen vom Grill – wofür wir beide uns hier nochmal bedanken wollen – stand uns aber erst mal nicht der Sinn nach Gebäck und noch mehr Essen. So gingen wir Themen an, welche nicht nur die anstehende Tagung betrafen (z. B. die Geschenke für die Referenten). Schließlich haben wir uns schon sehr lange nicht mehr zu dritt getroffen.

Mein derzeitiges Aquariumregal ohne Aquarien und Regal ( Bild: Florian Krieger)

Über den Rückgang unserer jeweiligen „Aquarienpopulationen“ wurde ebenso gesprochen, wie über bereits getätigte und (unter anderem bedingt durch die Börse) geplanten Neuanschaffungen. Schließlich soll gerade die Anzahl meiner Aquarien demnächst wieder ansteigen. Wieder (nicht ganz) weg mit Aquascaping und her mit spannenden Fischen! Wenn jetzt nur nicht das Problem mit den vollen Terminkalendern der Handwerker wäre. Dann müssen es jetzt eben mal schnell ein paar Plastikboxen richten. Soll ja wie gesagt alles kein Aquascape werden. Auch auf die Zucht diverser Fischarten hätte ich jetzt mal Lust. Da traf es sich gut, dass meine beiden Vereinskollegen einen Waldtümpel kennen, an dem es zumindest für etwa drei Monate im Jahr Hüpferlinge und Wasserflöhe zu ernten gibt. Also raus aus dem heimischen Gartenidyll und hinein in den Bayerischen Urwald! Nach einer kurzen Autofahrt erreichten wir das betreffende Waldstück. Mit Keschern, Eimer und jede Menge Zuversicht bewaffnet, marschierten wir den steilen – wir leben halt in einem Mittelgebirge – Forstweg hoch (im Winter nennt man sowas dann Frostweg). Vorbei an aus der Küche bekannten Schwammerl (Pilzen) und unter der Beobachtung eines heimischen Springfroschs, Ran dalmatina. Letzteren nahm Jürgen zum Anlass uns – ungefragt – an seinem Wissen teilhaben zu lassen. Nachdem er uns erklärte, dass man den Springfrosch am bestem anhand der Beinlänge von einem ebenfalls heimischen Grasfrosch, Ran temporaria, unterscheiden kann, beschlossen wir, dass dieser im wahrsten Sinne junge Hüpfer noch zu klein für die betreffende Methode war. Denn bei dieser muss man nämlich ein Hinterbein bis vor den Kopf des Tieres ziehen und je nachdem, wie lang dann das Bein ist und wie das betreffende Tier seine „Hinterpfote“ hält, kann man zweifelsfrei sagen, um welche Art es sich handelt. Nach dieser Ladung unnützen Wissens – welche Michael und ich selbstverständlich bei der nächst besten Gelegenheit ungefragt unter die Leute bringen werden – erreichten wir schließlich den „kleinen See“, welcher aber auch als großer Teich hätte bezeichnet werden können. Passenderweise war genau an der Stelle, an welcher der Weg vorbeiführt, eine freie Schneise im sonst sehr dichten Gebüsch, welches das Gewässer umgab.

Die Regionalgruppe Bayerwald fischt nie im Trüben (Bild: Michael Stumpf)

Bevor wir allerdings mit den Keschern keschern konnten, mussten wir mit den ebenfalls mitgebrachten Kescherstielverlängerungen die Kescherstiele verlängern. Wie ihr seht, waren wir top ausgerüstet und vorbereitet. Kein Wunder, wenn man mit einem Profi wie Jürgen unterwegs ist! Schnell noch sauberes Wasser in den Eimer und schon folgte der erste Schwung zuckendes und hüpfendes Getier. Ich war ehrlich erstaunt über die Menge und fragte mich, an welche Fische wir dies verfüttern sollten, diskutierten wir doch noch vorher, wie klein aktuell unser Fischbestand war. Dementsprechend einfach und schnell gestaltete sich die ganze Futterjagd. Zufrieden über die Ausbeute und zumindest ich mit dem Gedanken behaftet, in der kommenden Zuchtsaison hier öfter vorbeizuschauen, machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Und dann schnell nach Hause, damit das Lebendfutter, dort angekommen, seinem Namen noch gerecht wird. Naja, schnell … Also zumindest so schnell, wie es die Schlaglöcher auf dem Forstweg und der Straße eben zulassen. Es könnte sein, dass, wenn Michael nur gründlich genug sucht, er heute noch Hüpferlinge in seinem Auto findet.

Hüpferling / Cyclops (Bild: Heinz Bela)

Der erste Schwung von unserer Beute ging an Michaels letzte Mohikaner und ja, wir haben wirklich viel Beute mitgebracht. Anschließend hatten wir alle einfach nur noch Durst und im naturverbundenen Gartenreich von Michael, ließen wir uns von ihm noch etwas herumführen. Neben zahlreichen Gemüse- und Obstsorten hat unser Gastgeber auch eine Wildblumenwiese angelegt und mit seinen Kindern Insektenhotels gebastelt. Mein Highlight waren aber definitiv die beeindruckenden „Riesen-Rassehühner“. Beim Blick auf deren Riesentretern erklang ungewollt ein bestimmter Soundtrack in meinem Kopf. Ich war schon damals ein großer Fan der Velociraptoren in Jurassic Park, aber die moderne Version ist auch richtig klasse – vor allem kann man die auch essen. Zum Abschied gab es dann noch passend einen Karton von Michaels freilaufenden Eiern – also dessen Hühnern – und viele Grüße an die jeweiligen Familien daheim. Nachdem ich Jürgen absetzte (natürlich bei ihm zu Hause), teilten wir noch den Inhalt des Lebendfuttereimers durch zwei und ich verabschiedete mich bis zur Tagungsvorbereitung, wenn es endlich so weit sein würde. Irgendwie hatte ich aber das Gefühl, dass wir etwas sehr wichtiges vergessen hatten und die E-Mail von Michael am Tag danach brachte auch ans Licht, was es war: der Kuchen!

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