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Paros: Fische mit P...
 
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Paros: Fische mit Problemfisch-Image?

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 l8p
(@l8p)
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Ich bin seit 3 Monaten stolzer Pfleger von 2.2 P. quindecim und will hier ein paar Gedanken zur Diskussion stellen, die meiner Meinung nach für die erfolgreiche Erhaltung von Paros in der Aquaristik von Bedeutung sind.

Eins vorweg - ich bin zwar relativ erfahrener Aquarianer, aber was Paros angeht bin ich ambitionierter Anfänger - mehr nicht. Für mich stellt sich aber derzeit die Frage, ob man mit der Darstellung von Paros als empfindliche und anspruchsvolle Pfleglinge (die auch hier im Forum entsteht) nicht gleichzeitig dafür sorgt, dass die Tiere ungerechtfertigt ein Nischendasein als empfindliche Ladenhüter führen müssen. Meiner Meinung nach leidet darunter letztendlich auch wieder der Spezialist, da er die Nachzuchten nicht losbekommt, weil der Abnehmerkreis für Paros immer kleiner wird. Meine These: Wer Paros langfristig in der Aquaristik etablieren und den Bedarf durch Nachzuchten sichern will, muss die Attraktivität der Tiere als aquaristische Pfleglinge so erhöhen, dass sie für den ambitionierten Aquarianer interessant werden. Kurz: Bitte aufhören nur über teefarbenes Wasser, Krankheiten und Becken ohne Bodengrund, Licht und Pflanzen zu reden und mal Beispiele sammeln, wie es auch anders geht.

- -
Paros als empfindliche Ladenhüter

Die Situation kennen wir alle. Beim Streifzug durch Zoofachgeschäfte kommt es vor, dass man im hintersten Winkel eines Beckens einen verängstigten Prachtgurami entdeckt. Meistens sind da dann auch noch einige mehr. Kurz den Händler gefragt: "Es sind P. deissneri" So falsch wie diese Antwort sind auch die Bedingung unter denen die Tiere dahin vegetieren. Traurig traurig. Jeder hat bestimmt schon mal versucht so ein Tier zu retten. Und leider geht so was oft schief - die Tierliebe hilft da leider selten, wo schlechte Haltung schon für Anfälligkeit gesorgt hat.

So kommt es dann, dass mit jedem wieteren Besuch die Tiere weniger und schwächer werden und irgendwann sind alle weg. Der Händler murmelt dann …empfindliche Ladenhüter" und gut ist. Die Tiere sind verstorben, bevor sich ein Käufer erbarmt hat. Keine gute Situation für ein Tier, dessen Lebensraum in seiner Heimat zunehmend bedroht wird. Böse formuliert: Paros werden dazu missbraucht auch mal im GuppyPlatyWelseEinerlei einen neuen Akzent zu zeigen - als Marketing-Gag damit man über den Händler später sagt: Lohnt sich reinzuschauen, er hat ein gutes Sortiment und immer mal wieder einen Rarität …

Paros als Kronjuwelen

Die andere Realität der Paros findet in den Becken der Fachleute und ambitionierten Aquarianer statt. Mit wunderschönen Aufnahmen der Tiere in Prachtfärbung werden Artikel und Beiträge geschmückt, deren Inhalt zeigt: Achtung: Paros sind Juwelen aber die Pflege ist super aufwändig, weil die Tiere sehr viel Aufmerksamkeit und Know How brauchen. In der Nacharmung natürlicher Verhältnisse wird auch hier im Forum ein grosser Aufwand betrieben. Damit werden zwei Dinge erreicht:

1. Es bildet sich eine kleine aber feine Paros-Szene, die die Tiere hält und nachzüchtet und sich weitgehend selbst mit Tieren versorgt.

2. Für alle anderen ist der Fisch ein Problemfisch: Empfindlich, keine Vergesellschaftung, hoher Pflegeaufwand. Für die Händler ein garantierter Ladenhüter mit kurzer Lebensdauer.

Daraus resultiert irgendwann, dass die kleine Szene immer mehr Probleme mit der Bestandssicherung bekommt, weil eine gezielte Nachzucht kaum erfolgt, weil man die Tiere ja nur innerhalb der Szene losbekommt. Ich stelle mal die Behauptung auf: Wenn meine P. quindecim laichen, ist die Aufzucht der Tiere leichter, als der anschliessende Prozess der Abgabe in verantwortungsvolle Hände. Damit sinkt natürlich die Motivation, bei dem der nachzüchtet. Diesen Effekt kenne ich von anderen Tieren und wer maulbrütende Bettas hat, die nicht macrostoma, albimarginata oder rubra sind, wird ihn bestätigen.

Jetzt kann man sich mit dieser Situation zufrieden geben, muss man aber nicht. Meine P. quindecim sind die Stars meiner Anlage. Kronjuwelen! Nicht nur für mich, sondern für alle die einen Blick in die Becken werfen. Da kann man nicht begreifen, dass dieser Fisch ein Ladenhüter sein soll.

Über sieben Brücken musst du gehen …

Und irgendwie doch, denn der Weg zum Paros ist dem ambitionierten Aquarianer verstellt. Es ist nicht nur schwierig die Tiere zu bekommen, sondern die Tiere haben ein Image als absolute heikle Pfleglinge. Dieses Image kommt auch durch wohlmeinende Pflegetipps, die aber auch wie Hürden wirken können. Hier fasse ich mal die Hürden zusammen, die ich überspringen musste:

1. Lebendfutter
Hürde: Paros fressen keinerlei totes Futter
Meine Erfahrung: Die Mengen die man braucht sind gering. Artemia als Reserve, Regentonne im Sommer, der Fachhandel bietet im Winter immer Lebendfutter an. Also höchstens eine Aufwandsfrage, aber kein wirkliches Problem.

2. Wasser
Hürde: Paros brauchen torfbraunes Wasser, Ph unter 6, Leitwert unten -> Vollentsalzung oder Osmose sind Bedingung
Meine Erfahrung: Regenwasser reicht für kleine Becken. Im Zooladen gibt es Osmose-Wasser für kleines Geld. (ich leiste mir den Luxus eines Vollentsalzers). Wasser ist höchstens eine Frage der Logistik.

3. Krankheiten
Hürde: Paros haben Oodinium wie man selbst Schnupfen - also regelmäßig
Meine Erfahrung: Meine Tiere sind einfach nur fit, kein Anschein für irgendetwas. Hier im Forum findet man bei Krankheiten sofort Rat. Also auch keine wirkliche Hürde.

4. Vergesellschaftung
Hürde: Vergiss es …
Meine Erfahrung: Mit Bedacht kann man die Gemeinschaft um einige interessante Arten erweitern und bekommt ein harmonisches Becken. Dass soll nicht heissen, dass Paros alleine langweilig sind. Bei mir haben sich einige Jungfische von Sewellia lineolata verlaufen. Kleine Bärblinge sollten auch gehen.

5. Scheuheit der Tiere
Hürde: Paros leben versteckt, man sieht sie manchmal tagelang nicht
Meine Erfahrung: Fühlen sich die Tiere sicher, sind sie fast aufdringlich. (Gilt bestimmt nicht für alle Wildfänge)

6. Becken
Hürde: Paro-Becken sind nicht schön, sondern dunkelbraune Rummelkisten mit kümmerlichen Pflanzen am Besten ohne Licht.
Meine Erfahrung: Widerstandsfähige Arten wie Anubias, Javafarn und das pestartig wachsende Nixkraut machen ein attraktives Becken möglich.

7. Nachzucht
Hürde: Nachzucht ist schwer. Die Jungtiere sind nicht loszubekommen.
Meine Erfahrung: Das werden wir sehen…

Ein Image kann man wandeln

Alles in allem, kann ich für mich behaupten, dass P. quindecim für mich überhaupt kein Problemfisch ist und ich aus meinem derzeitigen Kenntnisstand diesen Fisch jedem ambitionierten Aquarianer empfehlen kann. Mein Paro-Becken ist ein Hingucker und keine teefarbene Rummelkiste. Es ist mir klar, dass die erst dreimonatige Pflege dieser Art nicht erlaubt alle Paros über einen Kamm zu scheren, das will ich hier auch nicht tun. Aber gleichzeitig zeigt mein Beispiel, wie es auch einfach gehen kann. Gerade zur Zeit, sind kleine aber feine Aquarien sehr in Mode. Die Minifische sind voll im Kommen. Da wäre es doch gut, wenn man Bedingungen hier im Forum beschreiben und zeigen könnte, die andere Aquarianer nicht nur abschrecken. Gibt es denn Arten die einfacher sind? Kann man denn nicht Paros vorsichtig vergesellschaften und darüber berichten? Kann man denn nicht auch mal Bilder von Parosaquarien zeigen die nicht nur richtig sondern auch schön sind?

Es geht im Einstiegspunkte zur Faszination Paros, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Auch wenn artgerechte Haltung bei einigen Arten sicherlich einiger Anstrengungen und Voraussetzungen bedarf, sollte nicht das Image der gesammten Gattung darunter leiden.

Mich würde interessieren, was ihr hier zu diesem Thema denkt …

Felix

+ + + Parosphromenus quindecim, Betta albimarginata + + +


   
Zitat
(@peter-finke)
Noble Member
Beigetreten: Vor 21 Jahren
Beiträge: 1349
 

Mich würde interessieren, was ihr hier zu diesem Thema denkt

Ich denke, dass Du einen sehr guten Beitrag geschrieben hast, Felix! Ich wundere mich auch immer darüber, dass Parohaltung als so schwierig angesehen wird. Deshalb habe ich ja auch mein "Paro-Rezept" bewusst einfach gehalten: vier Punkte, nicht mehr. Die eigentlich aufwendigen Punkte sind sowieso nur Wasser und Futter. Und Du zeigst, dass auch dies Kleinigkeiten sind. Ich finde es z.B. eine große Erleichterung, nicht mehr dauernd zum Zoohändler rennen zu müssen, um Futterdosen zu kaufen. Mit Moina und Artemia kommt man weit! Im Sommer gibt's noch Culex und anderes in der Regentonne. Und das Wasser? Das läuft auch bei mir aus dem Mischbettfilter, genau so schnell wie aus dem Wasserhahn.

Also, ganz im Sinne von Felix: Versuchen wir zu zeigen, dass Paros schön, normalerweise gesund, vom Platzbedarf nicht anspruchsvoll, friedlich und trotzdem temperamentvoll sind! Und es Spaß macht, kleine Miniaquarien sehr verschiedenartig und attraktiv zu gestalten!

Wer macht mit?

Peter Finke, Bielefeld


   
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(@thomas-p)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 18 Jahren
Beiträge: 442
 

Mich würde interessieren, was ihr hier zu diesem Thema denkt …

Felix, es geht m.M.n., gemäß Peter´s Worten, "darum, wieder mehr biologisch-ökologisch-verantwortungsbewußtes Denken in das Hobby Aquaristik hineinzutragen. Letztlich wird das dann hoffentlich auch den existenzbedrohten Fischen helfen. Je mehr Menschen sich nämlich wirklich für die Fische und ihr Verhalten interessieren, desto mehr werden die gestylte Oberflächlichkeit der gängigen Techno- und Tinkturenaquaristik erkennen. Paros sind wunderbare Helfer dabei."

Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Inhalte transportieren müssen. Wenn darüberhinaus der Informationsträger gefällig ist, werden wir langfristig Erfolg haben.
Zeigt her eure schönen Paro-Becken!

Thomas

Flüsse voller Leben Rettet den Regenwald


   
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(@karsten)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 18 Jahren
Beiträge: 35
 

Moin,

Mich würde interessieren, was ihr hier zu diesem Thema denkt …

Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen.

Ich habe mich über viele Wege zu den Schwarzwasseraqurien (wobei das bei vielen Paros nicht zwingend Schwarzwasser sein muß) informiert und kann sagen das diese Form der Aquristik einfacher und leichter ist als vorher gedacht.
Sicher fordert die Haltung und Pflege von Paros mehr "Fingerspitzengefühl".

Aber!

Ein nach Peter Finke´s "Paro-Rezept" geführtes Aquarium mit mäßiger Fütterung mit Lebendfutter sollte dem interessierten Aquarianer ohne weiteres gelingen.
Zumindest die "Anfängerarten" (zB.P. quindecim oder auch P.linkei) sollten
einem weiteren Kreis ambitionierter Anfänger zugänglich gemacht werden.

Denn die längere erfolgreiche Haltung von den "einfachen" Paros bringt das Interesse und die Motivation mehr von den Prachtguramis zu erfahren und zu entdecken.
Das ist der Einstieg.Und nicht die mystischen Dinge die über die kleinen Juwelen verbreitet werden.
Gespräche mit neuen Paro-Haltern zeigen,das der Respekt doch sehr groß war die Tiere zu "versemmeln".
Der 2. Satz hieß."Ich hatte bisher noch nie so einen schönen Fisch im Aquarium.
Die sind momentan die Stars."

Ich denke der 2. Satz sollte mehr im Vordergrung stehen.

So könnte man viel mehr Aquarianer für die Paros gewinnen.

Gruß

Karsten


   
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 emha
(@emha)
Honorable Member
Beigetreten: Vor 19 Jahren
Beiträge: 693
 

Sehr gut, dass jemand diese Fragen aufwirft!

Ganz vorbehaltlos kann man das aber m. E. nicht stehennlassen. Nun muss man den Ball flach halten, d. h. auf dem Boden der Tatsachen bleiben und nicht auf Wunschdenken oder theoretischen Betrachtungen basierend Folgerungen konstruieren. Die Suche nach der "Wahrheit" führt tatsächlich auch zu negativen Erkenntnissen.

Rahmenbedingungen/ Infos zum Verständnis:

1. Vor der "Arbeit" der Parogruppe gab es schon einzelne, die sich mit dem Thema befassten und versuchten die Fische zu erhalten. Es gab vor etwa 5 Jahren (in dem beurteilbaren Kreis) sage und schreibe ungefähr 5 Leute, die es schafften Paros längerfristig zu vermehren. Es gab einige eher am Rande interessierte, die mal ab und an welche hielten und deren Bestände aber meist schon bald wieder weg waren. Und das aus dem Grund, dass die Paro-Ansprüche offenbar auch für seriöse Typen in Summe zu hoch waren. Man brauch also doch eine gewisse Verbissenheit, will man über eine ausschließliche Haltung der Paros hinauskommen.

2. Heute, das ist auch ein Ergebnis der "Öffentlichkeitsarbeit" der Parogruppe durch Artikel, Aufklärung, Forum etc., sind weit mehr Menschen an dem Thema interessiert. M. E. muss die "Erweiterung" der Zielgruppe Paroaquarianer parallel mit "Weiterbildung" laufen. Das läuft hier auch. Paros werden so langsam von Problemfischen zu "Zierfischen", die in speziellen Becken, von interessierten Leuten gepflegt werden.

3. Der Gedanke einen Aquarienfisch oder Zierfisch in einem dekorativen Aquarium zu pflegen ist naheliegend und richtig. Dennoch stößt man bei Paros an Grenzen. Quindecim und linkei sind die "einfachsten" Paros und ich bin denoch nicht sicher, ob es sie in 3 Jahren noch in unserem Bstand gibt.

Probleme bei der Haltung/ Vermehrung sind nicht wegzudiskutieren. Felix, du hast ja die einzelnen Faktoren schon aufgezählt und deine Antwort dazu gegeben. Für die meisten Aquarianer ist dieser Aufwand tatsächlich zu viel. Wenn es dir um primär um die positivere Außendarstellung geht, dann meine ich, dass wir nicht zuviel versprechen sollten. D. h. man sollte vorsichtig sein mit einer zu positiven Darstellung. Sonst läuft man Gefahr, dass viele unzureichend geeignete Charaktere sich mit dem Thema befassen und Bauchlandungen erleiden. Daran habe ich im Sinne der sinnlosen Parovernichtung kein Interesse.

Und da ist mein Punkt der Kritik:
Unsere Paros sind zu selten und zu heikel (insgesamt zu schade) um sie in der allgemeinen Aquaristikszene z. B. im Zuge der Minifischkampagne zu verkonsumieren. (Das gilt im Prinzip eigentlich für alle Lebewesen, die wir leichtfertig konsumieren.) Mir reicht das schon, wenn das mit den ganzen anderen Fischen veranstaltet wird. (Ich empfinde bein Besuch des Köllezoos nicht nur uneingeschränkt Freude.)

Wir müssen uns also überlegen, was wir für die Paros erreichen können und wollen. (Ich kann besser den passenden Aquarianer beschreiben):

Ich wünsche mir, dass der Paroianer

- sich nicht ausschließlich von den schönen Bildern lenken lässt, sondern sich für die wirklichen Ansprüche der Fische interssiert, dadurch mit den Biotopen und im Idealfall auch etwas mit den Vorgängen der Naturzerstörung in Berührung kommt. Man sieht und findet ggf. dabei seine Rolle im Gesamten. Im Ergebnis für mich persönlich: Weg vom Konsumdenken, zumindest gibt es m. E. keine Notwendigkeit dafür bei kleinen Fischen. Hin eher zur "Verpflichtung/ Verantwortung" den Fischen gegenüber.

- neben dem dekorativen Wert, Interesse an den spezifischen Verhaltensweisten hat. Dies impliziert den nächsten Schritt. Längerfristige Haltung, Schaffung von Brutvoraussetzungen, Freude an der Vermehrung und Aufzucht. Erhaltungszucht über mehrere Generationen.

Das bedingt, dass wir dauerhaft auf einen relativ kleinen Kreis solider Typen beschränkt sein werden. M. E. sollte man alle die auf einen Modezug aufspringen würden, nicht unbedingt locken wollen, da dies einem Strohfeuer gleichkäme. Um kein Misverständnis aufkommen zu lassen: Ist Substanz und Interesse da, bin ich absolut dafür, dass unterstützt und geholfen wird (das tun wir übrigens in der Parogruppe schon). Aber eine gewisse Barriere ist m. E. sinnvoll und hält die allzu Leichtfertigen dann doch ab. Und das ist gut für die Paros. Auch ich freue mich an einer Zunahme von wirklich Interessierten, die in der Lage sind die "Probleme" zu bewältigen. Der normale Köllezoo- Zierfischkäufer ist es in der Regel nicht!

Wo kommen denn die Fische aus der Parogruppe her? Die aus dem Einzelhandel verschwinden i. d. R. sehr schnell aus den Aquarien, weil das falsche Publikum angesprochen wird. (Die Leute, die sich damit ernsthaft befassen sind in der IGL und nutzen auch die Vorteile der Gemeinschaft, daher kaufen sie eher weniger im Einzelhandel). Und jetzt schließt sich der Kreis meiner kritischen Betrachtung mit einer etwas ernüchternden Erkenntnis. Die Anzahl der Parozüchter, die behaupten können, dass sie die Fische dauerhaft (über mehrere Generationen) erhalten, beläuft sich heute auf etwa 5-10 Leute. Von diesen stammen i. w. unsere Bestände. Der Kreis der Neuinterssierten ist deutlich größer, und das ist positiv. Wie sie sich entwickeln ist offen und m. E. auch von einer Darstellung der Paroansprüche durch uns abhängig.

Versprechen wir zuviel, provozieren wir Bauchlandungen, Enttäuschungen und tote Paros.
Schaffen wir parallel den richtigen theoretischen Unterbau, so kann gegen ein Anwachsen der Parofans absolut nichts einzuwenden sein. (Dabei dürfen wir nicht vergessen: Viele Erkenntnisse zur Haltung und Vermehrung sind auch erst relativ jung und nicht zuletzt hier im Forum erarbeitetet und dokumentiert worden. Das ganze gibt es erst seit einigen Jahren und in den gängigen Büchern steht nicht allzuviel.)

In diesem Sinne, freue ich mich, wenn du, Felix die Paros nachziehst und über viele Generationen erhalten kannst. Bis dahin gibt es auch eine größere Parogruppe als potentielle Abnehmer.

Das alles ist aber nur mein persönlicher Standpunkt.

Martin Hallmann


   
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 l8p
(@l8p)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 18 Jahren
Beiträge: 32
Themenstarter  

Hi,

ich bin freudig überrascht, das es zu diesem Thema so hochkarätige Antworten gibt. Da ich mit den Paros erst wenig Erfahrungen habe, kann ich hier einiges lernen. Interessant finde ich die Haltung von Martin, der die Einstiegshürde gar nicht so sehr senken will, weil er fürchtet, dass Paros verheizt werden.

Diese Meinung ist richtig und gilt leider nicht für Paros, sondern betrifft fast alle Zierfische die etwas anspruchsvoll sind. Eine gute Idee finde ich aber, mal zu überlegen, was der Aquarianer außer Begeisterung mitbringen sollte, wenn er sich mit Paros beschäftigen will. Ich nannte diesen Typ "ambitionierten Aquarianer" und meine damit auch nicht den üblichen Kölle-Zoo-Kunden, der sich von den angebotenen Raritäten zu schnell begeistern läßt.

Meiner Meinung nach setzt die erfolgreiche Pflege und Zucht von Paros einiges voraus (und ich kann von mir noch nicht behaupten, das alles zu erfüllen). Irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Voraussetzungen aber eine ganze Menge Leute erfüllen, die von Paros noch abgeschreckt werden und nicht den Weg über die Anfängerarten finden.

Vielleicht kann man es so formulieren:

//STECKBRIEF FÜR PAROIANER

Wenn man bereit ist:
- sich für die Lebensgewohnheiten seiner Pfleglinge zu interessieren
- weiches Wassser herzustellen und sich mit Wasserwerten gut auskennt
- Lebendfutterquellen hat (Tümpel, Regentonne, Zoohandel)
- Mehrere Aquarien mit Ausweichbecken
- viel Spass an kleinen Freuden hat
- viel Geduld hat und Aquaristik entspannt betreiben kann
- und routiniert und zuverlässig seine Becken pflegt

dann kann man mit Paros viel Freude haben.

Verbesserungen erwünscht Felix

+ + + Parosphromenus quindecim, Betta albimarginata + + +


   
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(@peter-finke)
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Beigetreten: Vor 21 Jahren
Beiträge: 1349
 

Ich finde, Felix, dass vor allem eine ganz wichtige Charaktereigenschaft genannt werden muss, die Du vergessen hast: sich nicht einlullen lassen von den großen Modetrends des Aquaristikhobbys und den Verkaufsschlagern des heutigen Aquaristikmarktes, als da sind:
vor allem alles groß und teuer, ansehnlicher Maschinenpark, helles Licht für einen artenreichen Pflanzgarten, dicke große Fische, bequeme Dosen und Tinkturen, und Nachschub fürs Totgepflegte immer beim Zoohändler vorhanden.
Hiergegen muss man ziemlich immun werden und merken, dass das nur Moden sind, denen man nicht unbedingt hinterherlaufen muss.
Überhaupt: einen langen Atem haben. Sich auf Paros nicht nur ein paar Monate konzentrieren, sondern für längere Zeit dabei bleiben, weil man mitmachen möchte bei einer wichtigen Aufgabe: sie möglichst lange zu erhalten. Paro-Aquaristik ist tatsächlich keine Sache für Strohfeuer-Aquarianer, die kurzzeitig entflammt sind für etwas Neues und dann abzwitschern zu anderen Arten. Auf solche Mitstreiter können wir verzichten. Ich erwarte ja nicht, dass sich alle - wie ich - völlig und ausschließlich auf die Paros konzentrieren und gar keine anderen Fische mehr pflegen (was mir auch nicht leicht fällt). Aber ich wundere mich schon über einige, die alles Mögliche nebeneinander haben, sich viel viel Arbeit und Mühen aufhalsen. Da ich das nicht tue, empfinde ich die Paropflege tatsächlich als nicht sehr mühevoll.
Martin hat auf jeden Fall einen wichtigen Punkt genannt, der die Sache doch nicht leicht macht: Mehrere Generationen nachzuziehen ist manchmal sehr schwierig. Hier haben auch Kenner oft noch erhebliche Probleme. Und so stirbt uns doch immer wieder mal ein Stamm aus. Da müssen wir noch weiterkommen.
Das Paroforum soll etwas für alle bieten: für die Parobeginner und für die Fortgeschrittenen unter den Paroliebhabern. Den Anfängern, da hats Du recht, Felix, müssen wir Mut machen und zeigen, dass alles nicht so schwierig ist, wie es manchmal von außen erscheinen muss. Mit den Fortgeschrittenen müssen wir die Probleme erörtern, die wir noch zu knacken haben.

Peter Finke, Bielefeld


   
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(@thomas-p)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 18 Jahren
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Und es Spaß macht, kleine Miniaquarien sehr verschiedenartig und attraktiv zu gestalten!

Da ich seit heute wieder ein Paar P.quindecim pflege (ein Weibchen aus eigener Nachzucht; ein Männchen von Anke/Martin), will ich euch mein drei Jahre altes "Experimentalbecken" und vorläufiges Paro-Zuchtbecken, zeigen:

Ich bin gespannt, wie sich die Nachzucht von P.quindecim unter diesen Bedingungen, im Vergleich zu meinen üblichen Zuchtbecken, gestaltet. Die für die Fische nutzbare Grundfläche ist mit ca. 50x15cm statt 30x20cm nicht wesentlich größer, das Wasservolumen ist in etwa gleich groß, aber die biotischen wie auch abiotischen Einflüsse sind deutlich vielfältiger.

Thomas

Flüsse voller Leben Rettet den Regenwald


   
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Anke
 Anke
(@anke)
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Beigetreten: Vor 18 Jahren
Beiträge: 538
 

Hallo Thomas,

das Bild ist etwas gross, dauert furchtbar lange, bis es kommt.

Aber das "Paludarium" ist klasse.Gefällt mir sehr gut, und ich denke, das sich die quindecim darin wohlfühlen werden.

Nur die Nachzuchten wirst du schwerlich entdecken können, oder?! :wink:

liebe grüsse
anke

Nicht braun oder beige..das heisst champagnerfarben


   
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(@thomas-p)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 18 Jahren
Beiträge: 442
 

Nur die Nachzuchten wirst du schwerlich entdecken können, oder?!

Hoffentlich! Der Landteil, der gleichzeitig die Rückwand des Wasserteils ist, besteht aus einem nahezu undurchdringlichen, 3-5 cm starken Wasserwurzeldickicht der diversen Landpflanzen und dem ursprünglichen Aufbau. Ich denke, dass die Elterntiere gewaltige Probleme haben werden, dort Jungtiere zu jagen!
Natürlich wird es sehr schwierig sein, diese Bedingungen mit den von mir protokollierten zu vergleichen, aber ich werde vorwiegend die Gelegegröße und im Besonderen die Schlupfrate zu Vergleichszwecken heranziehen. Unter dem Strich kommt es aber auf die tatsächliche Jungfischzahl an, die durchkommt.

Liebe Grüße,

Thomas

Flüsse voller Leben Rettet den Regenwald


   
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(@peter-finke)
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Beigetreten: Vor 21 Jahren
Beiträge: 1349
 

Thomas: Ist die großblättrige Pflanze auf der linken Seite nicht ein "Gummibaum"? Steht der im Wasser??

Peter Finke, Bielefeld


   
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(@thomas-p)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 18 Jahren
Beiträge: 442
 

Thomas: Ist die großblättrige Pflanze auf der linken Seite nicht ein "Gummibaum"? Steht der im Wasser??

Ja, das ist ein Ficus elastica. Ich habe diese Pflanze als Steckling in einem Glas mit Wasser bewurzeln lassen und dann in diesem Aquaterrarium hydroponisch weitergezogen. Gemeinsam mit Ficus bejamini sind diese beiden Pflanzen wesentlich daran beteiligt den Nährstoffgehalt des Wassers niedrig zu halten.
Der recht hohe Nährstoffeintrag entsteht durch herabtropfendes, aufgedüngtes Sprühwasser (für die Orchideen) und die Ausscheidungen eines Handteller großen Frosches. Sehr interessant ist, dass die (vermutlich) hohe Keimzahl keinen Einfluss auf die Schlupfrate hatte. Ein zweites Gelege ist gerade im werden, ist aber leider nicht einsehbar.

Thomas

Flüsse voller Leben Rettet den Regenwald


   
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(@peter-finke)
Noble Member
Beigetreten: Vor 21 Jahren
Beiträge: 1349
 

Für einen oberflächlichen Betrachter sieht sein Bild ein bißchen so aus, als ob Thomas den Regenwald nachbilden wollte; vielleicht ist es so auch aus der Fischperspektive.
Ich wußte nicht, dass man diese Ficus-Arten auch hydroponisch ziehen kann. Wie schön, dass man im Paro-Forum nie auslernt.

Peter Finke, Bielefeld


   
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